BuchhändlerInnen im Portrait
aus Wien
- Gesamte Rezensionen
- 154 (ansehen)
- Alter
- 53 Jahre
- Abteilung
- Kunst + Natur
- Funktion
- Themenleiter
- Lieblingsautoren
- Jacques Derrida, Maurice Blanchot, Franz Kafka, Walter Benjamin, Werner Hamacher, Avital Ronell, Gayatri Chakravorty Spivak, Roland Barthes, Herman Melville, Martin Heidegger, Peter Fenves, Samuel Beckett, Georges Didi-Huberman, Giorgio Agamben
- Im Beruf seit
- Oktober 2004
- Das beste Buch aller Zeiten
- "Worstward ho. Aufs Schlimmste zu" von Samuel Beckett
Meine Favoriten
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Die Kraft der LiebeRezension vom 13.05.2013Beim Lesen ist mir die sprengende Kraft der Liebe aufgefallen. Eine Liebe, die bedingungslos ist, unerwartet eintritt und nichts Gemeinsames voraussetzt. Diese Liebe schafft dort eine Gemeinsamkeit, wo es nichts Gemeinsames gibt. Sie braucht das Wechselspiel von Abstoßung und Anziehung. -
"Warum machst du das alles für mich?"Rezension vom 13.05.2013Das Buch "Fremde Frauen" von Stanislav Struhar enthält die zwei Erzählungen "Bernadette" und "Francesca". Hauptfiguren der erzählten Geschichten sind jedoch nicht die Titel gebenden Frauen, sondern die männlichen Protagonisten Alan und Stefan. Indes bilden beide Frauen für die männlichen Hauptfiguren den bedeutsamen Fokus der Geschichte.
Alan flüchtete aus politischen Gründen aus der kommunistischen Tschechoslowakei nach Österreich und begegnet Bernadette. Stefan verließ aus Liebe München und zog nach San Remo.
Die Gründe, warum beide in der Fremde, im Exil leben, könnten kaum unterschiedlicher sein. Dennoch steht in beiden Erzählungen außer Frage, eine Rückkehr in die Heimat kommt weder für Alan, noch für Stefan in Betracht. Mögen die Lebensentwürfe in der Fremde noch so zerbrechlich sein, den Abgrund der Not, die Verzweiflung, oder aber auch die Sehnsucht der Liebe, die Bereitschaft fortzugehen, verspürten Alan wie Stefan in der Heimat.
In beiden Erzählungen geht es um Grenzgänger, die weder da, noch dort zuhause sind. Aus der Heimat fortgetrieben, werden sie im Exil als Fremde nicht freundlich empfangen und geraten in eine soziale Isolierung. Alan erlebte das Flüchtlingslager in Österreich und andere Anfeindungen. Stefan fand hingegen zwar Arbeit, nachdem seine Liebe in San Remo zerbrach, dennoch blieb er der Fremde unter Fremden. Erst die Titel gebenden Frauen Bernadette und Francesca sprengen die Isolierung auf, in die die Männer jeweils geraten sind.
Stanislav Struhar erzählt in einer dichten und sparsamen, wenn auch nicht nüchternen Sprache. Seine Erzählsprache betont die Distanz, die Verletzlichkeit, aber auch die Liebe ihrer Personen. Die Begegnungen, Freundschaften und Liebesbeziehungen, über die Stanislav Struhar erzählt, beruhen nicht auf Gemeinsamkeiten, sondern auf einer Ambiguität von Abstoßung und Anziehung. Die Liebe trifft die Liebespaare unerwartet, denn sie haben nichts, was sie miteinander teilen. Ihre Liebe setzt sich über alle Grenzen hinweg. Und Bernadette stellt Alan mehr als einmal die Frage: "Warum machst du das alles für mich?", eine Frage, die er nicht beantworten kann. Die Liebe lässt die Liebenden aneinander das geben, was sie nicht haben und nicht geben wollten: Eine Gemeinsamkeit, die nichts Gemeinsames hat. -
Ein Gruß zum AbschiedRezension vom 26.04.2013Als mich Mitte der 80er Jahre Dietmar Kamper danach fragte, wen ich zurzeit lese, antwortete ich damals: Maurice Blanchot (Der Gesang der Sirenen) und Jacques Derrida (La Carte Postale). Mit dieser Antwort, die ich ihm gab, habe ich mich bis heute verpflichtet: Wohl wissend, dass Mitte der 80er Jahre Dietmar Kamper fast der einzige Hochschullehrer in Deutschland war, der eine Lektüre Derridas nicht verpönte wenn man einmal von den Lehrkräften des von Peter Szondis gegründeten Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft absieht.
Die Diskussionen in der Philosophie um die sogenannte "Postmoderne" oder um den sogenannten "Neostrukturalismus" wurden sehr polemisch geführt. An Wortmeldungen von Manfred Frank, Jürgen Habermas, Georg Steiner u.a. kann man sich erinnern. An diese und ähnliche Konflikte knüpft die Biografie von Benoit Peeters nun an, denn Derridas Werdegang innerhalb der Philosophie und sein politisches Engagement waren stets von Konflikte und Ausgrenzungen begleitet. So erzählt Benoit Peeters Derridas Biografie als einen Weg voller Hindernisse, der innerhalb der jüdischen Gemeinde in der französischen Kolonie Algeriens einsetzte und sich bis zum Ende seines Lebens fortsetzte.
Diejenigen Leserinnen, die sich eine (Auto)Thanatography von Benoit Peeters erwartet haben, werden wohl enttäuscht sein. Auch war es nicht Benoit Peeters' Absicht, eine Biografie zu schreiben, die Derridas Philosophie anhand seines Lebenswegs erläutert oder kommentiert. Jedoch erfährt die Leserin von Begegnungen, Freundschaften und eben Konflikten mit Althusser, Foucault, Levinas, Lacan, Habermas und vielen Anderen. Das Buch ist gut lesbar und einfühlsam geschrieben. Vor allem weist es auf viele heftige und bedeutsame politische und philosophische Debatten hin, die für viele Leserinnen schon in Vergessenheit gerückt sind. -
Sehnsucht nach BerlinRezension vom 26.04.2013Jene Leserinnen, die sich für den Berliner Punk bzw. für die deutsche Subkultur der 70er und 80er Jahre interessierten, lasen schon vor Jahren das nette Büchlein von Jürgen Teipel "Verschwende Deine Jugend". Wer hat sich damals nicht über das Buch amüsieren können?
Nun hat das ehemalige Mitglied Wolfgang Müller der Berliner Künstler- und Musikgruppe "Die Tödliche Doris" aus dem Umkreis von Punk, New Wave und No Wave einen umfangreichen Bericht über diese Zeit in Berlin vorgelegt.
Vergleichen lassen sich beide Bücher gewiss nicht miteinander. Mit Jürgen Teipel konnte man die Erfahrung machen, dass Revolutionen in bataille'scher Manier lustvoll sein konnten.
Wolfgang Müller berichtet hingegen von einer vergangenen Lebensweise, deren Offenheit und Kreativität wir heute alle irgendwie vermissen. Das Buch vermittelt sodann auch diese Wehmut: Das dumpfe Verlangen nach einer Zeit, in der die Dinge so laufen, wie sie könnten. Planlos, wirr, überraschend, ungehalten, stolpernd und immer wieder anders.
Leicht könnte man dem Buch vorhalten, dass nicht alles Erwähnung findet, was damals in Berlin lief oder nicht lief. Trotzdem verfällt man dem Buch, das die Berliner Zeit wie ein Kuriositätenkabinett aufschlägt. Und wie gut war es doch noch zu jener Zeit, als wir ins Kumpelnest in die Lützowstrasse 23 gingen, um durch die Nacht zu schwimmen. Oder wir saßen schon Jahre zuvor im Mitropa, um mit Blixa Bargeld ein Bier zu trinken. Vor dem Konzert im Kant-Kino. Vor der Revolution in Kreuzberg. -
Ein Buch, wie ein Sommer in ItalienRezension vom 23.04.2013Wer die italienische Küche liebt, kommt um dieses Buch nicht herum. Das Buch fällt auf; durch die einladende Gestaltung, mit den atmosphärischen Fotografien und natürlich aufgrund der köstlichen Speisen, die im Buch vorgestellt werden.
Die Leserin wundert sich nicht, dass Italiens Kochkunst so beliebt ist. Italiens Küche ist frisch, leicht und einfach. Vor allem ist die italienische Küche jedoch umwerfend gut im Geschmack. Geschmackvoll, wie ein italienischer Sommer.
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Nach Art des SilberlöffelsRezension vom 19.04.2013Eine mediterrane bzw. italienische Alternative zum Gemüse-Kochbuch von Nigel Slater ist das Gemüse-Kochbuch aus dem Phaidon-Verlag. Die Rezepte sind nach den Jahreszeiten und den einzelnen Gemüsesorten sortiert, was die Handhabung in der Küche und somit die Suche nach dem passenden Rezept für dieses oder jenes Gemüse sehr vereinfacht. Diejenige Köchin, die nach guter italienischer Küche sucht, wird hier gut bedient. -
Derridas Kipppunkte und DrehspiegelRezension vom 25.03.2013Mit einigen Jahren Verzögerung erschien im Oktober letzten Jahres der erste Teil des Sammelbandes "Psyche" von Derrida. Schon im August 2011 publizierte der Passagen Verlag den Titel gebenden Beitrag "Psyche" vorab als eine selbstständige Publikation.
In dem Sammelband "Psyche" befinden sich Aufsätze und Vorträge. Diese Aufsätze und Vorträge waren gewissermaßen Gelegenheitsarbeiten, die Derrida als Einzelvorträge oder auf Tagungen hielt, die er für Sammelbände schrieb, oder schon anderorts als Vorworte, Einleitungen und Zeitschriftenbeiträge publizierte. Der Übersetzer Markus Sedlaczek hat in dankeswerter Weise die Hinweise der Erstpublikation sämtlicher Texte sowie deren Erstübersetzungen am Ende des Buches aufgelistet.
In dem Vorwort des hier vorliegenden Buches wies Derrida daraufhin, dass die unter dem Titel "Psyche" zusammengefassten Schriften ihn bei der Publikation einer Reihe wichtiger Bücher während eines Jahrzehnts begleiteten. Es war in etwa das Jahrzehnt zwischen den Jahren 1978 und 1990. In den Jahren veröffentlichte Derrida in Frankreich die Bücher "Sporen. Die Stile Nietzsches", "Die Wahrheit in der Malerei", "Die Postkarte von Sokrates bis an Freud und jenseits", "Vom Geist. Heidegger und die Frage" und "Limited Inc.".
Die Jahre, in denen er die Bücher "Schrift und Differenz", "Grammatologie", "Dissemination", "Randgänge der Philosophie" und "Glas" publizierte, lagen schon zurück. Seine Bücher, in denen er sich explizit mit Fragen des Politischen und der Politischen Philosophie beschäftigte #"Marx' Gespenster", "Politik der Freundschaft", "Adieu", "Schurken"#, standen noch aus geschrieben zu werden. So könnte man versucht sein zu sagen, der Sammelband "Psyche" versammelt Schriften aus einer Zeit Derridas, die für ihn ein Kipppunkt und ein Drehspiegel wurde.
Folgende Texte wurden nun in dem ersten Band des Doppelbandes "Psyche" aufgenommen: "Psyche. Erfindung des Anderen", "Was kraft all der Musik bleibt", "Illustrieren, sagt er", "Sendung", "Ex abrupto", "Eine Idee Flauberts: Platons Brief" und "Vielzahl Ja".
Der Vortrag "Psyche. Erfindung des Anderen" geht der Frage nach: "Was ist eine Erfindung?" Bei der Durcharbeitung der Frage bezieht sich Derrida auf Lektüren von Cicero, Leibniz, Descartes, Paul de Man, Francis Ponge und anderen. Er zeigt, wie eng verwoben die Beziehungen zwischen der Rhetorizität der Sprache und der Wissens- und Kulturpolitik verlaufen.
Der zweite Text "Was kraft all der Musik bleibt" beschäftigt sich mit Bemerkungen des Philosophen und Schriftstellers Roger Laporte, von dem es leider nichts in deutscher Übersetzung gibt.
Der dritte Text "Illustrieren, sagt er" wurde 1979 im Zusammenhang einer Ausstellung im Centre Georges-Pompidou veröffentlicht, in der man Zeichnungen von Francois Loubrieu zeigte.
In dem Vortrag "Sendung" ging es Derrida um die Verwendung des Wortes "Repräsentation" bei Bergson, kommt aber auch auf Heideggers Diskussion der Repräsentation zu sprechen.
"Ex abrupto" ist eine Textbeilage zu einer Theateraufführung von Sophokles "Antigone".
Im Vortrag "Eine Idee Flauberts: Platons Brief", den Derrida 1980 hielt, tauchen Momente auf, die er auch in der Carte Postale behandelte, die im gleichen Jahr veröffentlicht wurde.
Der Aufsatz "Vielzahl Ja" ist eine Auseinandersetzung mit Michel de Certeau und Fragen der Performativität.
Leider musste ich feststellen, dass der erste Band der hier vorliegenden Übersetzung von "Psyche" nicht mit dem ersten Band der französischen Originalausgabe von "Psyche" entspricht. -
avantgardistisch bis sentimentalRezension vom 08.03.2013Cummings Gedichte mögen etwas Avantgardistisches haben in der Syntax, in der Wort- und Strophenanordnung, und erinnern an "Sprachspiele" des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts -, zugleich sind sie aber auch gefällig und sentimental. Die kleine Auswahl von Gedichten, die das Büchlein präsentiert, umfasst in der Hauptsache Liebesgedichte. -
WürdigRezension vom 08.03.2013Russell Norman ist hierzulande erst noch zu entdecken. Im englischen Original trägt sein Buch zur venezianischen Küche den Titel "Polpo". Polpo ist aber nicht nur der italienische Begriff für den Kraken, vielmehr gab Norman Russell im September 2009 seinem ersten Restaurant in London auch den Namen Polpo.
Das Kochbuch dokumentiert aber keinesfalls ausschließlich die köstliche Küche eines der beliebtesten italienischen Restaurants in London, vielmehr hat Russell Norman eine gelungene Auswahl getroffen, um die reichhaltige venezianische Küche zu würdigen. -
Wortreiche StilleRezension vom 22.02.2013Man möchte verstummen und lesen. Beiwohnen, der wortreichen Stille.
Keine Frage. Es ist ein großes Projekt, der Briefwechsel von Beckett. Den Herausgebern George Craig, Martha Dow Fehsenfeld, Dan Gunn und Lois More Overbeck ist zu danken.























