Sonnensturm

Roman. Ausgezeichnet mit dem schwedischen Krimipreis

von Åsa Larsson

Buch

gebunden (473 Seiten)

Sprache: Deutsch

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Weitere Artikelinformationen

Ein hochspannender psychologischer Krimi vor der winterlichen Kulisse Lapplands - ausgezeichnet mit dem Schwedischen Krimipreis


Winter in Nordschweden: Zwischen Schnee und Eis und ewiger Nacht geschieht ein schreckliches Verbrechen: Viktor Stråndgard liegt tot in der Kirche vor dem Altar, brutal ermordet. Die hochschwangere Kriminalinspektorin Anna-Maria Mella nimmt die Ermittlungen auf. Und auch die Anwältin Rebecka Martinsson, eine alte Freundin des Toten, kehrt kurz entschlossen in ihre ehemalige Heimat zurück, um Viktors Schwester beizustehen. Sie ahnt nicht, dass auch ihr die Vergangenheit gefährlich werden kann ...


Pressestimmen:

"Endlich haben die norwegischen Krimiköniginnen Fossum und Holt eine ebenbürtige schwedische Konkurrentin. Klar, Tursten ist gut. Aber dieser Roman ist besser. Er ist einfach großartig. Hervorragend geschrieben, ausgesprochen spannend, einzigartig komponiert." (Värmlands Folkblad)

Produktdetails

ISBN-10: 3-442-73962-4
EAN: 9783442739622
Originaltitel: Solstorm
Erschienen: 06.04.2009
Verlag: Btb Taschenbuch
Einband: gebunden
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 473
Länge/Breite: 156mm/95mm
Gewicht: 223 g
Übersetzer: Gabriele Haefs
Reihe: btb
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Gabriele Haefs

Dr. Gabriele Haefs studierte in Bonn und Hamburg Sprachwissenschaft. Seit 25 Jahren übersetzt sie u.a. aus dem Dänischen, Englischen, Niederländischen und Walisischen. Sie wurde dafür u.a. mit dem Gustav- Heinemann-Friedenspreis und dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, 2008 mit dem Sonderpreis für ihr übersetzerisches Gesamtwerk. 2011 wurde Gabriele Haefs als Königlich Norwegische Ritterin des St.Olavs Ordens in der Norwegischen Botschaft in Berlin ausgezeichnet u.a. für ihre Übersetzungen, für die Vermittlung von norwegischen Büchern nach Deutschland sowie für das Knüpfen von Kontakten im Kulturbereich ganz allgemein.

Åsa Larsson

Åsa Larsson wurde 1966 in Kiruna geboren. Sie arbeitete als Steueranwältin, bis sie beschloss, Autorin zu werden. Mit ihrem ersten Krimi »Sonnensturm« machte sie in Schweden sofort Furore (ausgezeichnet als bestes Krimi-Debut), der zweite Roman »Weiße Nacht« erhielt den schwedischen Krimipreis und stand monatelang auf der Bestsellerliste. Åsa Larsson lebt mit ihrem Lebensgefährten und zwei Kindern in der Nähe von Gripsholm.

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Kundenrezensionen

  • Absolut überzeugend! Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von MissRichardParker, am 16.01.2013

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Anfangs war ich etwas unsicher ob mir das Buch gefallen wird obwohl ich noch gar nicht zu lesen begonnen habe. Immer wieder habe ich andere Bücher vorgezogen und dann doch endlich danach gegriffen und es gelesen.

    Ich wurde nicht enttäuscht! Das Buch ist sehr gut geschrieben, geschickt, spannend, fesselnd, düster.
    Man ist sich nie so sicher wer eigentlich genau was weis und getan hat und so liest man immer wieder weiter.
    Ausserdem wird die nordische Stimmung fantastisch beschrieben. Der Schluss hat mich überrascht, denn dies wird nicht das letzte Buch von Åsa Larsson gewesen sein, welches ich lese. Rebecka kommt wieder!

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  • Christlicher Wahn einer Gemeinde mit tödlichem Ausgang Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Bellexr, am 19.04.2010

    0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    In ihrem Debütroman beleuchtet Asa Larsson den christlichen Wahn einer Gemeinde. Der Ermordete Victor hatte als Jugendlicher eine Nahtoderfahrung, bei der er angeblich von Gott wieder auf Erden zurückgeschickt wurde. Geschickt und mit Hilfe eines ausgeprägten Charismas war es ihm gelungen, die drei bereits bestehenden Kirchen zur großen "Kirche der Kraftquelle" zu vereinen, um die Botschaft Gottes zu verkünden. In Kiruna wird er fast schon als Heiliger verehrt und so ist es für viele unvorstellbar, wer seinen Tod wollte.

    Aus diesem Glaubenswahn war vor vielen Jahren die Anwältin Rebecka Martinsson nach Stockholm geflohen. Sie war als Jugendliche eng mit der Kirchengemeinde und auch mit Sanna und Victor verbunden und so lässt sie auch sofort alles stehen, als der Hilferuf ihrer Freundin kommt. Sanna selbst hat es nie geschafft, ein eigenverantwortliches Leben zu führen und ist anfangs froh, tatkräftige Unterstützung von Rebecka zu erhalten und sich somit auch jeglicher Verantwortung entziehen kann.

    Beklemmend, düster und melancholisch hat die Autorin ihren Psychothriller angelegt. In Rückblenden erfährt man nach und nach die Beweggründe für Rebeckas Wegzug aus Kiruna und erhält auch ein Gefühl davon, wie dieses sektenhafte Verhalten und die Macht der Freikirche sich über Jahre hinweg in Kiruna verbreiten und halten konnte.

    Obwohl die Autorin ihren Roman sofort mit dem Mord an Victor beginnt, baut sich doch die Spannung eher langsam auf. Allerdings zieht sie zum Ende hin sehr an, auch wenn man etwa ab der Mitte des Buches eine Ahnung vom Mörder und seinem Motiv erhält. Allerdings so ganz sicher kann man sich eigentlich bis zum Schluss hierüber auch nicht sein, da doch immer mal wieder kleine Hinweise oder geschickt gelegte Wendungen die Geschichte in einem anderen Licht erscheinen lassen.

    Ihre beiden Protagonistinnen Anna-Maria und Rebecka zeichnet die Autorin vielschichtig und lebendig. Besonders der Charakter von Rebecka ist anfangs etwas spröde und undurchsichtig beschrieben, erst so nach und nach erfährt man mehr über ihre Gefühle und auch die Rückblenden in ihre Jugend lassen einem ihr Verhalten mit der Zeit immer besser verstehen. Anna-Marias Charakter ist hier weniger überraschend, dafür aber sympathisch angelegt. Sie, verheiratet und Mutter von drei Halbwüchsigen, ist eine mutige, couragierte Frau, die momentan eine Gratwanderung zwischen Schwangerschaft, Beruf und Familie zu bewältigen hat und öfter mal nicht mehr weiß, um was sie sich zuerst kümmern soll. Die weiteren Mitwirkenden, besonders die Prediger der Kristallkirche, sind stellenweise doch recht mysteriös und undurchsichtig beschrieben, was sehr gut zur ganzen Stimmung des Thrillers passt.

    Fazit: Mit ihrem Debütroman ist Asa Larsson ein spannender und düsterer Psychothriller gelungen, der sehr gut die Stimmung eines Spätwinters in Nordschweden zu vermitteln versteht.

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DASS ER STIRBT, passiert Viktor Strandgärd durchaus nicht zum ersten Mal. Er liegt in der Kirche der Kraftquelle auf dem Rücken und schaut durch die riesigen Dachfenster hoch droben. Nichts scheint ihn von dem düsteren Winterhimmel über ihm zu trennen.
Näher als jetzt kann man gar nicht kommen, denkt er. Wenn man die Kirche auf dem Felsen am Ende der Welt erreicht hat, dann ist der Himmel so nah, dass man fast die Hand ausstrecken und ihn berühren kann.
Das Nordlicht schlängelt sich wie ein Lindwurm durch die Nacht. Sterne und Planeten müssen ihm weichen, diesem gewaltigen Wunder aus funkelndem Licht, das sich gelassen seinen Weg durch das Himmelsgewölbe bahnt.
Viktor Strandgärd folgt dieser Wanderung mit seinen Augen.
Ob es wohl singt, überlegt er. Wie ein einsamer Wal unter dem Himmel?
Und als hätten seine Gedanken es erreicht, hält das Nordlicht für eine Sekunde inne. Unterbricht seine unaufhaltsame Reise. Betrachtet Viktor Strandgärd aus kalten Winteraugen. Denn er ist wahrlich schön wie eine Ikone, wie er so daliegt. Das dunkle Blut wie ein Heiligenschein um seine langen blonden Luciahaare. Jetzt spürt er seine Beine nicht mehr. Er ist unendlich müde. Er hat keine Schmerzen.
Seltsamerweise denkt er an seinen ersten Tod, während er hier liegt und dem Lindwurm ins Auge schaut. Damals fuhr er im Spätwinter auf dem Rad den langen Hang auf die Kreuzung von Adolf Hedinsvägen und Hjalmar Lundbohmsvägen zu. Fröhlich und fromm und mit der Gitarre auf dem Rücken. Er weiß noch, wie sein Rad hilflos über das Eis glitt, als er zu bremsen versuchte. Wie er sie von rechts kommen sah, die Frau in dem roten Fiat Uno. Wie sie einen Blick tauschten, wie beide im Auge des Gegenübers die Erkenntnis registrierten, jetzt beginnt sie, die eisige Rutschfahrt in den Tod.
Mit diesem Bild vor Augen stirbt Viktor Strandgärd zum zweiten Mal in seinem Leben. Schritte nähern sich, aber die hört er nicht. Seine Augen brauchen das funkelnde Messer nicht einmal zu sehen. Wie eine leere Schale liegt sein Körper auf dem Kirchenboden und wird durchbohrt. Wieder und wieder. Und der Lindwurm nimmt gelassen seine Wanderung über das Himmelsgewölbe wieder auf.


Montag, 17. Februar


REBECKA MARTINSSON WURDE von ihrem Keuchen geweckt, als die Unruhe ihren Körper erfasste. Sie riss in der Dunkelheit die Augen auf. Genau an der Grenze zwischen Traum und Wachen hatte sie das deutliche Gefühl, dass da jemand in ihrer Wohnung war. Sie blieb ganz still liegen und lauschte, aber sie hörte nur ihr eigenes Herz, das wie ein verängstigter Hase durch ihre Brust zu jagen schien. Ihre Finger tasteten nach dem Wecker auf dem Nachttisch und fanden den kleinen Leuchtknopf. Viertel vor vier. Vier Stunden zuvor war sie schlafen gegangen, und nun war sie bereits zum zweiten Mal aufgewacht.
Das liegt an der Arbeit, dachte sie. Ich arbeite zu viel. Und deshalb kommen meine Gedanken nachts ebenso wenig zur Ruhe wie ein Hamster in einem ungeölten Laufrad.
Ihr Kopf und ihr Nacken taten weh. Offenbar hatte sie im Schlaf mit den Zähnen geknirscht. Da konnte sie auch gleich aufstehen. Sie wickelte sich in ihre Decke und ging in die Küche. Ihre Füße fanden den Weg auch im Dunkeln, deshalb brauchte sie kein Licht. Sie schaltete Kaffeemaschine und Radio ein. Immer wieder erklang das Pausensignal, wie ein tonloser Gebetsruf, während das Wasser in den Filter tropfte und sie duschte.
Ihre langen Haare mussten von selbst trocknen. Sie trank Kaffee und zog sich gleichzeitig an. Während des Wochenendes hatte sie ihre Garderobe für die kommende Woche gebügelt und in den Schrank gehängt. Jetzt war Montag. Auf dem Montagskleiderbügel hingen eine kreideweiße Bluse und ein marineblaues Kostüm von Marella. Sie schnupperte an ihren Strümpfen vom Vortag, die mussten noch einen Tag halten. Sie beulten am Spann ein wenig aus, aber wenn sie sie straff zog und unter ihren Fuß stopfte, fiel das nicht weiter auf. Sie durfte eben tagsüber ihre Schuhe nicht abstreifen. Aber das war nicht wichtig. Um Unterwäsche und Strümpfe könnte sie sich noch Gedanken genug machen, wenn die Möglichkeit bestand, dass jemand ihr beim Ausziehen zusehen würde. Ihre Unterwäsche war verwaschen und grau.


Eine Stunde später saß sie in ihrem Büro am Computer. Der Text plätscherte wie ein Gebirgsbach durch ihren Kopf, durch ihre Arme und bis hinaus in ihre über die Tastatur jagenden Finger. Bei der Arbeit fand sie Ruhe. Ihr Unbehagen von vorhin war wie weggeblasen.
Das ist schon seltsam, dachte sie. Die ganze Zeit jammere ich mit den Kollegen darüber, wie schrecklich die Arbeit doch ist. Aber wenn ich arbeite, komme ich zur Ruhe. Finde fast eine Art Freude. Wenn ich dagegen nicht arbeite, dann überkommt mich die Unruhe.
Das Licht der Straßenlaternen bahnte sich mühsam einen Weg durch die großen, vielfach unterteilten Fenster. Noch immer waren im Klangbild von draußen einzelne Autos zu unterscheiden, aber schon bald würde die Straße sich in ein dumpfes Verkehrsdröhnen verwandeln. Rebecka ließ sich in ihrem Schreibtischsessel zurücksinken und begann mit dem Ausdrucken. Im dunklen Gang draußen erwachte der Drucker zum Leben und machte sich an den ersten Auftrag des Tages. Dann fiel die Tür bei der Rezeption ins Schloss. Rebecka seufzte und schaute auf die Uhr. Zehn vor sechs. Ihre Einsamkeit hatte ein Ende.
Sie konnte nicht hören, wer da gekommen war. Die weichen Teppiche auf dem Gang dämpften alle Schritte, aber nach einer Weile wurde die Tür zu ihrem Zimmer geöffnet.
"Darf man stören?"
Es war Maria Taube. Sie stieß die Tür mit der Hüfte auf, denn sie hielt in jeder Hand eine Kaffeetasse. Rebeckas Computerausdruck klemmte unter ihrem rechten Arm.
Beide Frauen arbeiteten als frischgebackene Anwältinnen mit Spezialgebiet Steuerrecht in der Kanzlei Meijer & Ditzinger. Die Kanzlei lag im Obergeschoss eines schönen Jugendstilgebäudes in der Birger Jarlsgatan. Der Flur war von semiantiken Perserteppichen bedeckt, und an einigen Stellen standen gediegene Sofas und bequeme Sessel aus altem Leder. Alles strahlte Erfahrung, Einfluss, Geld und Kompetenz aus. Es war ein Büro, das den Mandanten das Gefühl gab, sich hier in sicherer Obhut zu befinden und sorgsam betreut zu werden.

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