Sag Mami Goodbye

Roman

von Joy Fielding

Buch

Taschenbuch (373 Seiten)

Sprache: Deutsch

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Weitere Artikelinformationen

Für Donna wird ein Albtraum wahr: Nach der Scheidung entführt ihr Exmann die beiden Kinder. Von nun an sind Adam und Sharon Spielbälle in einem Psychokrieg. Donna ist entschlossen, sie zurückzuholen, und macht sich auf eine verzweifelte Suche quer durch Amerika.


Pressestimmen:

"Geschickt setzt Joy Fielding die Kraft der Gefühle als Initialzündung ein, und plötzlich wird jede rätselhafte Handlung glasklar nachvollziehbar." Brigitte

Produktdetails

Verkaufsrang: 19.518
ISBN-10: 3-442-47197-4
EAN: 9783442471973
Originaltitel: Kiss Mommy Goodbye
Erschienen: 17.08.2009
Verlag: Goldmann Taschenbuch
Einband: Taschenbuch
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 373
Länge/Breite: 187mm/118mm
Gewicht: 312 g
Übersetzer: Günther Panske
Reihe: Goldmanns Taschenbücher
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Joy Fielding

Joy Fielding wurde am 18. März 1945 in Kanada geboren - was sie allerdings scherzhaft bezweifelt, weil sie sich noch nicht so alt fühlt, wie sie von der Jahreszahl her zu sein hätte. Schon seit Jahren zählt Joy Fielding zu den absoluten Spitzenautorinnen für Spannungsliteratur. Ihre Thriller und Psychothriller spielen immer wieder mit den Abgründen der Gesellschaft und der Gewalt, die sich in ihr wiederfindet. Die Hauptfiguren sind meist Frauen, die gut ausgebildet und in einer scheinbar perfekten Welt mit toller Beziehung in amerikanischen Großstädten leben. Scheinbar harmlose Ereignisse fördern dann alte Geheimnisse oder Sehnsüchte der Figuren ans Licht, die das vorher perfekte Leben komplett zerlegen.
Beruflich machte Joy Fielding ein paar Umwege, obwohl ihr schon früh klar war, dass sie Schriftstellerin werden wollte. Als Achtjährige begann sie, Entwürfe an Zeitschriften zu schicken, die aber abgelehnt wurden, genauso wie ihre Geschichten, die sie im Teenageralter schrieb. Einen leichten Hang zur blutigen Feder lässt sich allerdings schon zu dieser Zeit entdecken: Ein Drehbuch handelte von einem Mädchen, dass seine Eltern umbringt. Während ihres Literaturstudiums ab 1963 in Toronto spielte Joy Fielding in mehreren Studentenfilmen mit und verwarf den Plan, Schriftstellerin zu werden. Stattdessen wollte sie Schauspielerin werden und zog nach dem Studium nach L.A. Nach einigen kleinen Rollen, aber ohne großen Durchbruch, begann Joy Fielding wieder zu schreiben. Anfang der 1970er Jahre kehrte sie nach Toronto zurück, finanzierte sich durch das Mitspielen in TV- Spots und schrieb nebenher an ihren Romanen, bis sie damit genug zum Überleben verdiente. Der internationale Durchbruch gelang ihr 1991 mit dem Roman "Lauf, Jane, lauf", der 1,8 Mio. Mal verkauft wurde. Die Autorin Joy Fielding lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Toronto, Kanada und in Palm Beach, Florida.

Meinung der Redaktion
Einmal Joy Fielding - immer Joy Fielding! Ihre Romane sind fesselnd, spielen mit den Abgründen der Gesellschaft und zeigen, dass jeder zwei Seiten hat. Pointiert und manchmal brutal schildert Fielding, wie sich Menschen ändern können und wie sie sich in Ausnahmesituationen verhalten. Einfach nur spannend und eine Lesedroge.

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"Könnten Sie das ein wenig konkretisieren, wenn Sie von sonderbarem VerhaltenDer Anwalt ließ ein Lächeln wohlgeübter Geduld sehen, und seine Stimme war voller Verständnis, als er fortfuhr:
"Ja. Könnten Sie uns vielleicht Beispiele nennen für das, was Sie uns beschrieben haben als sonderbares Verhalten Ihrer Frau im Laufe der letzten Jahre?"
"Oh, ja. Gewiß." Der Mann nickte.
Wie erstarrt saß Donna Cressy auf ihrem Stuhl, und voll Anspannung beobachtete sie den Mann im Zeugenstand - ihn, der sechs Jahre lang ihr Ehemann gewesen war: Victor Cressy, achtunddreißig, fünf Jahre älter als sie. Unbeirrt fuhr er fort, ihr Selbstbewußtsein zu zerstören, Stück für Stück, Atom für Atom (wie Aschenstäubchen aus dem Ofen eines Krematoriums). Alles wurde seziert: jedes Wort, das sie in ihrer Ehe jemals geäußert hatte, selbst der Tonfall, die kleinste Nuance. Es schien nichts zu geben als eine Interpretation oder, anders ausgedrückt, den Blick durch seine Brille. Sie fühlte sich versucht zu lächeln. Warum auch hätte es bei der Scheidung anders sein sollen als während ihrer Ehe.
Sie betrachtete sein Gesicht und wünschte, sie könnte so sein wie eine der Frauen, von denen sie so oft gelesen hatte: die beim Blick auf den einstigen Ehemann oder Geliebten nicht mehr verstehen konnten, was sie in dem denn je gesehen haben mochten. Was sie selbst betraf, so sah sie noch immer alles genau wie damals - das attraktive, freundlich wirkende Gesicht mit den nachdenklichen blauen Augen, dem fast schwarzen Haar, dem vollen Mund. Bei aller Sensibilität besaß es auch etwas Herrisches, und die Stimme war die Stimme eines Mannes, der sich Respekt zu verschaffen verstand, aber auch Respekt zollte.
"Sie hörte auf, Auto zu fahren", sagte Victor wie verwundert. Offenbar war dies etwas, das über sein Begriffsvermögen ging. "Hörte auf - ja, wieso denn?" hakte der Anwalt nach. "Hatte sie einen Unfall gehabt?"
Er war wirklich ein ausgezeichneter Anwalt, mußte Donna zugeben. Hatte Victor nicht sogar gesagt, er sei der beste in ganz Florida? Verwundern konnte das kaum. Für Victor war das Beste immer gerade gut genug. Anfangs hatte sie das an ihm bewundert, später mehr und mehr verabscheut. Schien es nicht unfaßbar, daß man das, was man einmal geliebt, am Ende verachten konnte?
Komisch eigentlich. Komisch, daß der routinierte Anwalt und sein Mandant die einstudierte Szene so "brachten", daß alles ganz spontan wirkte. Von ihrem eigenen Anwalt wußte sie: Ein guter "Mann vom Fach" stellt niemals eine Frage, deren Beantwortung er nicht im voraus kennt. Auch ihr Anwalt genoß einen ausgezeichneten Ruf als Jurist - konnte jedoch mit Victors Anwalt nicht ganz mithalten.
"Nein. In all den Jahren, die ich sie kannte, hatte sie niemals einen Unfall", erwiderte Victor. "Mit sechzehn lernte sie fahren, und soweit ich weiß, geht nicht einmal eine Delle im Kotflügel auf ihr Konto."
"Wie war das nach der Heirat? Ist sie damals viel gefahren?"
"Aber ja, dauernd. Zu unserem zweiten Hochzeitstag kaufte ich ihr ein Auto, einen kleinen Toyota. Sie war überglücklich."
"Und eines Tages hörte sie plötzlich mit dem Fahren auf?"
"Ganz recht. Urplötzlich weigerte sie sich. Wollte sich nicht mehr ans Lenkrad setzen."
"Gab sie irgendeine Erklärung dafür?" "Sie sagte, sie wolle nicht mehr fahren."
Ed Gerber, Victors Anwalt, hob die Augenbrauen, runzelte die Stirn und spitzte die Lippen. Ein Meister der Mimik, dachte Donna. "Wann genau war das?"
"Vor ungefähr zwei Jahren. Nein. Ist vielleicht schon ein wenig länger her. Muß so um die Zeit gewesen sein, als sie mit Sharon schwanger war. Sharon ist jetzt sechzehn Monate alt. Ja, doch, vor ungefähr zwei Jahren." Seine Stimme klang tief und nachdenklich.
"Hat sie seither wieder ein Auto gefahren?"
"Nicht daß ich wüßte."
"Und eine mögliche Ursache für dieses Verhalten ist Ihnen nicht bekannt?"
"Ganz recht. Allerdings ...", er hielt inne, schien nicht recht zu wissen, ob er fortfahren sollte, "einmal habe ich beobachtet, wie sie sich ans Lenkrad setzte. Das war etwa vor einem Jahr, und sie dachte, ich schliefe noch ."
"... schliefen noch? Welche Uhrzeit war es denn?"
"Kurz nach drei Uhr morgens."
"Was suchte sie dort draußen, um drei Uhr morgens?"
"Einspruch." Er kam von ihrem Anwalt. Mr. Stamler. Mr. Stamler und Mr. Gerber glichen einander fast wie ein Ei dem anderen. Gleiche Größe, gleicher Körperbau, etwa das gleiche Alter. Ja, sie schienen austauschbar. Allerdings: Victor hatte ihr gesagt, sein Mr. Gerber sei der Bessere.
"Ich ziehe die Frage zurück. Wie war Ihre Frau zu diesem Zeitpunkt gekleidet?"
"Sie trug ein Nachthemd."
"Und wo befanden sich die Kinder?"
"Im Haus. Sie schliefen."
"Würden Sie bitte genau schildern, was Sie an jenem Morgen beobachteten?"
Victor schien perplex. Und Donna sah deutlich, daß seine Verwirrung nicht gespielt war. Vergib ihnen, Vater, dachte sie unwillkürlich, denn sie wissen nicht, was sie tun. Victor hatte geschworen, die Wahrheit zu sagen. Und er sagte sie - so wie er sie sah. So wie er sie wußte. Seine Wahrheit, nicht ihre. Ihre Chance würde später kommen. Ihre letzte Chance.
"Ich hörte die Haustür zuklappen und blickte durch das Fenster zum Parkplatz. Donna schloß das Auto auf und stieg ein. Ich war überrascht. Offenbar wollte sie nun doch wieder selbst fahren - und dazu noch um drei Uhr nachts. Wo mochte sie um diese Zeit nur hinwollen? Das war lange, ehe ich das mit Dr. Segal erfuhr, natürlich."
"Einspruch. Nichts weist darauf hin, daß Mrs. Cressy an diesem Morgen die Absicht hatte, sich mit Dr. Segal zu treffen."
"Stattgegeben." Der Richter. Gleiche Größe und so ziemlich gleicher Körperbau wie Mr. Stamler und Mr. Gerber. Ungefähr zwanzig Jahre älter.
"Ist Mrs. Cressy überhaupt irgendwohin gefahren?"
"Nein. Sie steckte den Schlüssel ins Zündschloß, und dann saß sie dort, als könne sie sich nicht bewegen. Plötzlich begann sie zu zittern. Am ganzen Körper. Sie saß dort und zitterte. Schließlich stellte sie den Motor ab und kehrte ins Haus zurück. Ich ging ins Wohnzimmer, um nach ihr zu sehen. Sie hatte ganz offensichtlich geweint. Ich fragte sie, was denn los sei."
"Und welche Antwort gab sie Ihnen?"

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