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Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass auf Cuagach Eilean, auch ?Pig Island? genannt, der Teufel umgeht. Genaues weiß allerdings niemand, denn seit Jahren durfte kein Fremder die kleine Insel vor der schottischen Küste betreten. Bis der Journalist Joe Oakes die Einladung erhält, die dort lebenden Mitglieder einer geheimnisumwitterten Sekte zu besuchen. Oakes, dessen Spezialität die Entzauberung scheinbar paranormaler Phänomene ist, nimmt die Einladung gerne an. Er ahnt nicht, dass er damit einen Sturm aus Gewalt und Mord entfesselt, der sich jeglicher Kontrolle entzieht ? "Sehr raffiniert, sehr spannend, sehr verstörend." Hamburger Morgenpost "′Die Sekte′ übertrifft alles, was Mo Hayder bisher geschrieben hat." Karin Slaughter "Was ist schlimmer als der Teufel? Grausam, unheimlich, auch unappetitlich, aber so spannend, dass man ihn nicht aus der Hand legen kann. Mo Hayder beschreibt menschliche Abgründe, die kaum vorstellbar sind." B.Z. am Sonntag
Pressestimmen:
"Mo Hayders Thriller zählen zu den spannendsten, aber auch oft grausamsten Romanen dieses Genres. Die Engländerin lotet die Grenzen und tiefsten Abgründe menschlichen Verhaltens aus." NDR 1
| ISBN-10: | 3-442-46835-3 |
|---|---|
| EAN: | 9783442468355 |
| Originaltitel: | Pig Island |
| Erschienen: | 13.10.2008 |
| Verlag: | Goldmann Taschenbuch |
| Einband: | Taschenbuch |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 383 |
| Länge/Breite: | 190mm/120mm |
| Gewicht: | 325 g |
| Übersetzer: | Rainer Schmidt |
| Reihe: | Goldmanns Taschenbücher |
Mo Hayder verließ mit fünfzehn ihr Zuhause, um in London das Abenteuer zu suchen. Sie arbeitete in Bars und Kneipen, heiratete, zog nach Japan und jobbte eine Weile in Tokio, wo sie auch für eine englische Zeitung schrieb. Später bereiste sie weite Teile Asiens und absolvierte anschließend ein Studium an einer amerikanischen Filmhochschule. Mo Hayder lebt heute als freie Schriftstellerin in London.
von Kerstin Ponleitner, am 28.03.2010 aus der Thalia-Buchhandlung in Pasching
von einer Kundin/einem Kunden, am 18.05.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 05.05.2010
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von natascha, am 18.11.2009
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von Anna, am 29.05.2009
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von Tobias Birk, am 22.12.2008
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Craignish
August
Oakesy
Die ersten Alarmglocken schrillten in meinem Kopf, als der Wirt und der Hummerfischer mir zeigten, was da an den Strand gespült worden war. Ich warf nur einen Blick auf die Wellen, die sich dort brachen, und wusste sofort, dass es nicht der erwartete Spaziergang werden würde, den Pig-Island-Schwindel aufzudecken. Eine ganze Weile sagte ich nichts, stand einfach da, kratzte mich im Nacken und glotzte, denn so etwas... na ja, es gibt einem zu denken, nicht wahr? Man glaubt vielleicht, ein erwachsener Mann zu sein, denkt, im Leben schon eine Menge gesehen zu haben, und ist sehr misstrauisch gegenüber den verrückten Geschichten, die immer wieder in Umlauf sind, aber wenn man dann sieht, wie einem so etwas um die Schuhe plätschert, kratzt man sich eben doch ein bisschen. Warum ich auf die Alarmglocken nicht gehört habe? Warum ich nicht auf der Stelle kehrtgemacht habe und weggegangen bin? Nicht. Fragen Sie nicht. Ich habe schon vor langer Zeit aufgehört, mir diese Fragen zu stellen.
In dem Sommer kursierte das Video, das »Der Teufel von Pig Island« hieß, schon seit zwei Jahren. Eine beunruhigende Sache, ja. Ein genialer Schwindel. Und glauben Sie mir, ich verstehe etwas von Schwindel. Es war an einem sonnigen Vormittag von einem Touristen auf einer feuchtfröhlichen Sightseeingtour auf den Slate Islands gedreht worden, und als es an die Öffentlichkeit kam, tuschelte das ganze Land von Teufelsanbetung und allgemein üblem Kram, der auf dieser abgelegenen Insel vor der Küste Westschottlands im Gange sei. Die Geschichte wäre vielleicht ewig weitergelaufen, aber die geheimniskrämerische religiöse Gruppe, die auf der Insel lebte, die Gemeinde für Psychogenes Heilen, gab der Presse keine Interviews und reagierte auch nicht auf die Vorwürfe. Und da die Geschichte keine weitere Nahrung erhielt, verlor die Öffentlichkeit das Interesse - bis zum August letzten Jahres, als die Sekte nach zwei Jahren plötzlich beschloss, ihr Schweigen zu brechen. Ein auserwählter Journalist durfte sich eine Woche lang auf der Insel aufhalten, wo die Gemeinschaft lebte, und »über die weit verbreiteten Vorwürfe satanistischer Rituale« diskutieren. Und wer war dieser gerissene alte Hund von einem Journalisten? Ich selbst. Joe Oakes. Oakesy für meine Freunde. Der alleinige Architekt des größten Selbstficks der Geschichte.
2
Haben das alte Video gesehen, was?«, fragte der Hummerfischer. Wir waren uns heute zum ersten Mal begegnet, und ich wusste, er mochte mich nicht. An diesem Abend waren wir nur zu viert im Pub: ich, der Wirt, sein Hund und dieser launische alte Scheißer. Er hockte in der Ecke, an die Holzvertäfelung gelehnt, paffte seine Selbstgedrehten und schüttelte den Kopf, als ich anfing, mich nach Pig Island zu erkundigen. »Sind Sie deshalb hier? Halten sich für'n Teufelsbändiger?«
»Ich halte mich für einen Journalisten.«
»Ein Journalist sogar!«
Er lachte und sah den Wirt an. »Hast du das gehört? Hält sich für'n Journalisten!«
In dem Lokal herrschte die lauernde Atmosphäre, die man in diesen ums Dasein kämpfenden Dorfkneipen manchmal findet - als ob hinter einem der Spielautomaten jeden Augenblick eine Prügelei losgehen könnte, obwohl der Laden fast leer ist. Das Dorf hatte zwei Kneipen, eine für Touristen, mit einem Panoramafenster und Blick auf den Yachthafen, und die hier für die Einheimischen, an einem Küstenpfad unter triefendnassen Bäumen. Fleckige Putzwände, stinkender Teppichboden und vom Seewasser trübe Fenster, die nach Pig Island hinausstarrten, das stumm und dunkel fast zwei Meilen weit draußen vor der Küste lag.
»Die werden Sie nicht auf die Insel lassen«, sagte der Wirt und wischte über seinen Tresen. »Das wissen Sie, oder? Da war seit Jahren kein Journalist mehr auf der Insel. Das sind Irre da draußen auf Pig Island - lassen keine Menschenseele auf die Insel, und schon gar keinen Journalisten.«
»Und wenn sie Sie doch ließen«, sagte der Hummerfischer, »Gott, da würden Sie aber in ganz Craignish keinen finden, der Sie hinbringt. Das werden Sie nicht erleben, dass einer von uns nach Pig Island fährt.« Blinzelnd spähte er durch die Rauchschwaden zum Fenster hinaus zu den dunklen Umrissen der Insel im Zwielicht der Dämmerung. Sein weißer Bart war nikotinfleckig, als hätte er jahrelang hineingesabbert. »Nein. Ich jedenfalls nicht. Ich fahre durch jeden Hexenkessel, auch wenn er noch so mörderisch ist, aber nicht rüber nach Pig Island zum Gottseibeiuns.«
Eins habe ich in achtzehn Jahren in diesem Geschäft gelernt: Es gibt immer jemanden, der aus übernatürlichen Phänomenen seinen Profit zieht. Ich war bereits in Bolton gewesen und hatte den Touristen interviewt, von dem das Video stammte. Er hatte mit dem Schwindel nichts zu tun: ein armes, bierbäuchiges Schwein, das nicht über die Fußballtabellen vom nächsten Samstag hinausgucken, geschweige denn so etwas auf die Beine stellen konnte. Wer also profitierte von dem Pig-Island-Film?
»Denen gehört die Insel, stimmt's?« Ich drehte mein Pint Newcastle Brown in dem feuchten Kringel auf der Theke und betrachtete es gedankenverloren. »Der Gemeinde für Psychogenes Heilen. Das hab ich irgendwo gelesen - sie haben sie in den achtziger Jahren gekauft.«
»Gekauft oder gestohlen - das ist Ansichtssache.«
»War ein ziemlicher Trottel, der Eigentümer.« Der Wirt stützte sich mit beiden Ellbogen auf die Theke. »Ein ziemlicher Trottel. Die Schweinefarm geht pleite, und was macht er? Lässt sämtliche Bauern von Argyll ihre heiklen Chemikalien da draußen abkippen. War am Ende eine Todesgrube, die Insel - Schweine überall, alte Bergwerksschächte, Chemikalien. Schließlich musste er praktisch alles verschenken. Zehntausend Pfund! Da hätten sie ihm die Insel auch stehlen können, das wäre ehrlicher gewesen.«
»Ihnen hier wird das nicht gefallen«, sagte ich in gleichmütigem Ton. »Dass die Leute aus dem Süden heraufkommen und überall Grund und Boden aufkaufen.«
Der Hummerfischer rümpfte die Nase. »Macht uns nichts aus. Was wir nicht akzeptieren, ist, wenn sie Land kaufen, sich dann einschließen und ihre komischen Rituale ausführen. Dann fängt's an, uns zu stören - die verkriechen sich da draußen, treiben's mit dem Teufel, fressen Babys und verpassen sich gegenseitig 'ne ordentliche Tracht Prügel, wenn sie Lust dazu haben.«
»Aye«, sagte der Wirt. »Und dann ist da noch der Geruch.« Ich sah ihn an und versuchte zu lächeln. »Der Geruch? Von der Insel?«
»Ah!« Er warf sich das Geschirrtuch über die Schulter. »Der Geruch.« Er fischte eine Riesentüte Chips unter dem Tresen hervor, riss sie auf und stopfte sich eine Handvoll in den Mund. »Wissen Sie, was man so sagt? Was der Erkennungsgeruch des Teufels ist? Der Geruch des Teufels ist der Geruch von Scheiße. So ist das. Da können Sie zu jedem da draußen gehen« - er deutete mit einem Chipsfinger zum Fenster, Krümel rieselten wie Konfetti auf sein T-Shirt -, »da draußen auf Jura oder in Arduaine, und die werden Ihnen alle dasselbe sagen. Der Scheißegeruch kommt von Pig Island. Einen besseren Beweis für ihre Rituale gibt es nicht.«
Ich betrachtete ihn nachdenklich. Dann drehte ich mich um und schaute hinaus auf das dunkle Meer. Der Mond stand am Himmel, und Wind war aufgekommen und peitschte die Zweige gegen die Fensterscheiben. Hinter unserem Spiegelbild, hinter dem des Wirts, der unter den Lampen stand, sah ich ein dunkles Loch vor dem Nachthimmel: Pig Island.
»Die machen Sie sauer, was?« Ich versuchte mir die rund dreißig Leute vorzustellen, die da draußen wohnten. »Die machen Sie alle hier gründlich sauer.«
»Das können Sie laut sagen.« Der Wirt kam zum Tisch, setzte sich und legte die Chipstüte vor sich hin. »Sie machen uns gründlich sauer. Sie sind nicht beliebt - nicht, seit sie das hübsche Stückchen Strand an der Südwestseite der Insel eingezäunt haben, sodass die jungen Leute aus Arduaine nicht mehr mit ihren Booten rüberfahren können. Die wollen nur ein bisschen Ball spielen, da auf dem Sand. Herrgott, das braucht man doch nicht so streng zu sehen. Das ist meine Meinung.«