Ortheil H: Die Erfindung des Lebens

Roman

von Hanns-Josef Ortheil

Buch

Taschenbuch (589 Seiten)

Sprache: Deutsch

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Die Geschichte eines stummen Kindes, das sein Leben erfinden muss, um sein Glück zu machen
"Die Erfindung des Lebens" ist die Geschichte eines jungen Mannes von seinen Kinderjahren bis zu seinen ersten Erfolgen als Schriftsteller. Als einziges überlebendes Kind seiner Eltern, die im Zweiten Weltkrieg und der Zeit danach vier Söhne verloren haben, wächst er in Köln auf. Die Mutter ist stumm geworden, und auch ihr letzter Sohn lebt zunächst stumm an ihrer Seite. Nach Jahren erst kann er sich aus der Umklammerung der Familie lösen, in Rom eine Karriere als Pianist beginnen und nach deren Scheitern mit dem Schreiben sein Glück zu machen versuchen-
In seinem neuen, autobiographisch inspirierten Roman erzählt Hanns-Josef Ortheil die Geschichte eines jahrelang stummen Kindes, dessen Eltern im Krieg und in der Nachkriegszeit vier Söhne verloren haben. Zusammen mit der ebenfalls stummen Mutter wächst es in einer künstlichen Schutzzone auf, aus der es sich erst langsam durch das geliebte Klavierspiel und den unorthodoxen Sprachunterricht des Vaters befreien kann. Doch die Befreiung ist schmerzhaft. Sie führt den Jungen auf lange, einsame Reisen durch Deutschland und in einem letzten Befreiungsakt schließlich nach Rom. Dort wird er ein erfolgreicher Pianist, der Freundschaften schließt und sogar ein Liebesverhältnis eingeht. Diese Bindungen aber zerreißen, und auch die Pianistenkarriere muss aufgegeben werden. Nach der Rückkehr nach Deutschland macht ihm ein früherer Lehrer den faszinierenden Vorschlag, es mit dem Schreiben zu versuchen...
In Anlehnung an die großen Bildungsromane der deutschen Literatur entwirft dieser auch historisch weit ausholende Roman eine Biographie, die nach jedem Rückschlag wieder ganz neu erfunden werden muss. Entstanden ist dabei die ergreifende Geschichte von einem jungen Pianisten und späteren Schriftsteller, deren am Ende glücklicher Verlauf an ein Wunder grenzt.

Pressestimmen:

"Hanns-Josef Ortheil hat den Roman seines Lebens geschrieben ..." Titel, Thesen, Temperamente

Produktdetails

Verkaufsrang: 3.433
ISBN-10: 3-442-73978-0
EAN: 9783442739783
Erschienen: 11.04.2011
Verlag: Btb Taschenbuch
Einband: Taschenbuch
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 589
Länge/Breite: 188mm/120mm
Gewicht: 471 g
Reihe: btb
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Hanns-Josef Ortheil

Hanns-Josef Ortheil wurde 1951 in Köln geboren. Er ist Schriftsteller, Pianist und Professor für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Seit vielen Jahren gehört er zu den bedeutendsten deutschen Autoren der Gegenwart. Sein Werk ist mit vielen Preisen ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem "Brandenburger Literaturpreis", dem "Thomas-Mann-Preis", dem "Georg-K.-Glaser Preis", dem "Koblenzer Literaturpreis", dem "Nicolas Born-Preis" und jüngst dem "Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis". Seine Romane wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt.

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Kundenrezensionen

  • Sehnsucht nach Leben und Freiheit Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Ulrike Seine, am 10.04.2013

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    Dieser autobiographische Roman läßt ein Gefühl von Nähe und Distanz, Freiheitsdrang und Enge entstehen. Hanns-Josef Ortheil wechselt die Erzählebenen, schreibt über sich als Kind in der dritten Person und erzeugt so einen famosen Spannungsbogen. Nicht das Wiedererlangen der Sprache und seine musikalischen Erfolge führen zur Befreiung aus seinem Kindheitstrauma, sondern die Ankunft und das Leben in Rom als junger Mann. So lautet sein erster laut gesprochener Satz in der Ewigen Stadt - Johannes, Du bist jetzt fort! Und weiter: Ich bin draußen, ich habe es endlich geschafft.- Was für eine Erlösung, dachte ich beim Lesen. Am Ende seiner Geschichte ist er wieder in Rom, kann die Leichtigkeit des römischen Lebens genießen, in der Gewißheit zwar kein großer Pianist, aber ein großer Schriftsteller geworden zu sein. Diese Buch sollten Sie lesen!

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  • Brilliante Erzählung zum Thema Sprache, Musik und Trauer Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Christiane Englert, am 01.07.2012

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    Im Mittelpunkt der Geschichte steht Johannes, ein junger Mann. Seine Kindheit ist geprägt von Stille, da seine Mutter aufgrund zahlreicher Schicksalsschläge verstummt ist. Johannes lernt spät sprechen. Seinem Vater gelingt es, ihn über die Erklärung von Begriffen zum Sprechen motivieren.
    Erst als junger Erwachsener löst er die extreme Bindung zu seinen Eltern. Johannes beginnt zunächst eine Karriere als Pianist und wird dann später erfolgreicher Schriftsteller. Ortheil erzählt teils autobiographisch und exzellent das Heranwachsen eines Jungen.

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  • Erfindung des Lebens Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von S. Sauter, am 30.04.2012

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    Seine Lebensgeschichte, die Ortheil als Roman einordnet, ist ganz außergwöhnlich. Sie hinterlässt umso mehr Eindruck, als sie derart empfindsam und präzise erzählt ist, dass ich noch über Wochen über Details des Buches nachdenken musste.
    Ortheil wuchs in einer innigen, aber auch auf eine Art abgeschlossenen Gemeinschaft mit einer Mutter auf, die aufgrund überwältigender Schicksalsschläge ihre Sprache verloren hatte. Er selbst, heute ein anerkannter Schriftsteller, blieb ebenfalls über Jahre stumm. An seinem Heranwachsen, dem Finden der Sprache und seiner persönlichen "Erfindung des Lebens" lässt er uns teilhaben, indem er seinen ersten 25 Lebensjahren nachspürt.
    Nebenbei ist dies eine Lobpreisung auf Rom, die Stadt, in der er prägende Jahre verbrachte. Dazu verfasste er gemeinsam mit seiner Frau ein eigenes Buch: Rom - Eine Ekstase, erschienen im Carl Hanser Verlag.

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  • Sinfonische Dichtung Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Gabi Küsgen, am 10.02.2012

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    Im Köln der 50er Jahre wächst Johannes in symbiotischer verbindung mit seiner stummen Mutter auf und spricht aus Solidarität ebenfalls nicht. Später beginnt er nach einer geschickten "Entführung" durch den Vater doch zu sprechen und entdeckt das Klavierspiel als seine wahre Ausdrucksform. Das Musik-Studium soll eigentlich in einer Pianisten-Karriere gipfeln, aber das Schicksal hat etwas anderes mit ihm vor. Ein großartiger Roman für Musik-Liebhaber und Rom-Liebhaber, hat mich total begeistert!

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  • Beeindruckend Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 06.10.2011

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    Als ich eine Besprechung über dieses Buch im Radio hörte, dachte ich zunächst, die Geschichte ist total unglaubwürdig und vergaß das Buch wieder. Als ich das Buch dann in einer Buchhandlung sah und mitnahm, musste ich feststellen, dass das Leben die merkwürdigsten und spannendsten Lebensläufe hervorbringt. Leicht zu lesen und mitreißend. Die beschriebenen Orte sind gut vorstellbar. Ich habe es genossen, mit dem Romanhelden schwimmen zugehen oder durch das sonnige Rom zu laufen. Sehr schönes, romantisches Buch, aber auch ein Buch zum Nachdenken und Nachspüren.

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  • Berührend und Mut machend Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Claudia Bremer, am 28.05.2011

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    Ein autobiographischer Roman, der den Leser nicht loslässt.
    Der Ich-Erzähler Johannes gibt uns in einem Wechsel aus Gegenwartsperspektive und Rückblick in die Kindheit einen Einblick in sein Leben. wie unter einem Mikroskop sehen wir die Entwicklung eines Lebensweges zum Positiven, der eigentlich eher zum Scheitern verurteilt war.
    Johannes ist der einzige überlebende Sohn einer Familie. Vier Geschwister sind gestorben - die Mutter ist darüber aus Kummer stumm geworden. Johannes spricht ebenfalls nicht: er lebt in einer engen Beziehung zu seiner Mutter, versucht sie zu schützen und isoliert sich von der Außenwelt. Erst in der Musik findet er eine Sprache, um sich auszudrücken. Mit Hilfe seines Vaters lernt er dann auch sprechen. Johannes geht nach Rom und macht eine Karriere als Pianist. Aber diesen Lebensentwurf muss er noch einmal ändern und sein Leben neu "erfinden".
    Ein Buch, das dem Leser zu sagen scheint: "Sieh nach, ob es nicht doch einen Weg gibt".

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  • Ein Buch voller Poesie und Musik Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Monika Fuchs, am 24.05.2011

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    Falls Sie wie ich noch nie ein Buch des sehr anerkannten deutschen Autoren Hanns-Josef Ortheil gelesen haben, ist dieses ein guter Einstieg. Es heißt, dieses Buch sei eines seiner persönlichsten. Ich empfehle Ihnen allerdings – bringen Sie viel Zeit mit! Hanns-Josef Ortheil versteht es, mit der Sprache umzugehen. Dementsprechend ist es kein Buch zum Schnelllesen!

    Hanns-Josef Ortheil erzählt die Geschichte von Johannes in der Ich-Form. Während der Ich-Erzähler seine Geschichte erzählt, ist er ein erwachsener Mann und erfolgreicher Autor, der sich nach Rom zurückgezogen hat, um diese seine Geschichte zu erzählen. Er beginnt mit seiner Kindheit im Alter von fünf Jahren. Das besondere dieser Geschichte ist, dass Johannes zu Beginn des Buches ebenso wie seine Mutter stumm ist. Warum dies so ist, kommt erst im Laufe des Buches heraus. Allerdings wissen wir bereits auch am Anfang des Buches, dass dieser Zustand der Sprachlosigkeit offensichtlich nicht von Dauer ist. Sehr behutsam aber auch sehr ausführlich beschreibt er seine extrem enge Bindung an seine Mutter und seinen Schock, als er von ihr getrennt wird, da er in eine ganz normale Schule eingeschult wird. Dank der sehr ungewöhnlichen Hilfe seines Vaters und der eher zufällig entdeckten Liebe zur Musik wird Johannes langsam geheilt und wächst zu einem eigenständigen Menschen heran. Es dauert allerdings seine Zeit, bis er sich von der extrem einengenden Liebe seiner Eltern befreien kann. Die Musik hilft ihm hier, aber auch sie wird zu einer Belastung. Der Autor wechselt zwischen seinen Erinnerungen und Selbstreflexionen hin und her.

    Hanns-Josef Ortheil beschreibt eine sehr außergewöhnliche Kindheits- und Jugendgeschichte. Der Ich-Erzähler braucht lange, bis er endlich seine eigene unabhängige Identität gefunden hat. Es ist schon erstaunlich, dass er diesen Weg geschafft hat, denn im Laufe des Buches wird auch deutlich, dass das deutsche Schulsystem mit traumatisierten Menschen nach dem 2. Weltkrieg gar nicht umzugehen wusste. Der Autor und der Ich-Erzähler wären fast sicher auch Opfer dieser Situation geworden, wie sie die Autorin Sabine Bode in ihrem Buch „Die vergessene Generation“ (Piper Taschenbuch) beschrieben hat. Viele Menschen dieser Generation blieben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück, da diese nicht erkannt und gefördert wurden. Johannes hatte das Glück, dass sein Vater hierzu die Möglichkeit und auch die finanziellen Mittel hatte, um seinem Sohn den Weg ins Leben zu ebnen.

    Es ist ein sehr berührendes Buch mit viel Lebensweisheit. Auch unbedingt für Freunde der klassischen Musik geeignet.

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  • Eine ungewöhnliche Geschichte Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Katrin Schönmüller, am 24.05.2011

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    In diesem beeindruckenden Roman erzählt H.J.Ortheil die Geschichte eines jahrelang stummen Jungen, der mit seiner ebenfalls stummen Mutter und seinem Vater in den 50er Jahren in Köln in fast völliger Isolation aufwächst. Erst durch das Klavierspiel und den ungewöhnlichen Sprachunterricht seines Vaters kann der Junge sich aus seiner Situation befreien. Rückblickend erfährt man die bedrückende Familiengeschichte und sieht die Abhängigkeit, die das Kind und den späteren jungen Mann prägen.
    Dieses wunderbare, stark autobiografisch geprägte Buch zeigt eindrucksvoll die innere Entwicklung des Jungen und die seiner Familie.

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  • Ein ganz persönlicher Ortheil Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Gisela Beuthner, am 30.04.2011

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    Der kleine Johannes spricht nicht. Jahrelang stumm wächst er mit einer Mutter auf, die aufgrund traumatischer Verluste ihrer vier weiteren Kinder ebenfalls das Sprechen eingestellt hat. Einzig der Vater des Jungen hat außerhalb dieses "Mikrokosmos Familie" Kontakt zur Aussenwelt. Als Johannes schulpflichtig wird, wird die Unfähigkeit sprechen zu können zum Problem. Dem unermüdlichen Einsatz des Vaters und einer eher zufälligen, unerwarteten Liebe zum Klavierspiel ist es zu verdanken, dass Johannes doch noch den Weg zur Sprache findet und er seine Mutter auf diesem mitnehmen kann.
    Viele Jahre später lebt Johannes, unfreiwillig gescheiterter Pianist, als Schriftsteller in Rom und bringt die Geschichte der Erfindung seines Lebens zu Papier.
    Die Parallelen zur Biografie Hanns-Josef Ortheils sind unübersehbar und sorgen ganz sicher dafür, dass dieser Roman unglaublich eindringlich und authentisch gelungen ist.
    Ein wunderbares, leises und sehr musikalisches Buch, dessen Lektüre auch Lust auf Chopin macht!

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  • Geschichte einer Selbstfindung Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Ulrich Kienast, am 28.04.2011

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    Der Roman ist autobiographisch inspiriert, ähnliches hat der Autor in seiner Kindheit selbst erlebt: ein junger Mensch befreit sich aus einem ihn bedrückenden und einengenden familiären Hintergrund und erfindet sich mit Hilfe der Kunst, hier der Musik, genauer gesagt dem Klavierspiel, gewissermaßen selbst neu. Daher der Titel „Erfindung des Lebens“.
    Der Ich-Erzähler Johannes befindet sich zum Zeitpunkt des Erzählens in Rom und blickt auf seine Kindheit und Jugend zurück. Seinen Eltern ist großes Leid wiederfahren: in der Endphase des Zweiten Weltkrieges haben sie zwei Kinder bei Bombenangriffen verloren, danach erlitt die Mutter zwei Fehlgeburten, Johannes ist das einzige überlebende Kind. Diese Erlebnisse haben die Mutter traumatisiert, das Leid hat sie verstummen lassen und auch der Junge spricht zunächst nicht, ist ebenso verstummt. Die Eltern haben sich völlig zurückgezogen, und so wächst Johannes isoliert und einsam als Außenseiter auf, nur durch seinen Vater hat er ab und zu Kontakt zur Außenwelt. Doch liebt er seine Eltern über alles und die Schilderung seines besonderen Verhältnisses zu ihnen ist dem Autor Ortheil großartig gelungen. Als ein Onkel der Familie ein Klavier schenkt, entdeckt der Junge seine Liebe zur Musik und zum Klavierspiel und findet eine Möglichkeit, sich auszudrücken. Die Musik ist für ihn wie eine Befreiung und jetzt erst erlernt er mit Hilfe seines Vaters das Sprechen. Die Geschichte geht auf gewisse Weise gut aus, denn Johannes wird ein erfolgreicher Pianist, später Schriftsteller (wie Ortheil selbst), auch die Mutter überwindet ihr Trauma und findet die Sprache wieder. Doch bleibt das Bewusstsein, wie schwer das Lebensglück zu erringen und wie zerbrechlich es jederzeit ist, beim Ich-Erzähler immer präsent. Also kein wirkliches Happy-End. Hans-Josef Ortheil lehnt sich an die Tradition des deutschen Bildungsromans an, geht aber stilistisch eigene Wege. Er konzentriert sich ganz auf das innere Erleben und die Erinnerung seiner Hauptfigur, die Außenwelt der Nachkriegszeit spielt eine untergeordnete Rolle. Das ist die Stärke des Buches, denn so entsteht eine große Intimität und Intensität und als Leser nimmt man großen Anteil an dieser „Erfindung“ eines Lebens.

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