BuchhändlerInnen im Portrait

aus Wien

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Sachbuch
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Meine Rezensionen

  • Garantiert gesundheitsgefährdend
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    Garantiert schockierend
    Rezension vom 15.06.2013
    In seinem neuen Werk widmet sich der streitbare Lebensmitteldetektiv Hans-Ulrich Grimm dem Zucker.
    Kein Mensch, der nicht gerne Zucker isst - und kaum einer, der deswegen nicht von seinem schlechten Gewissen geplagt wird: Zucker ist ja ungesund und macht dick, wie allgemein bekannt.

    Ist aber der Zucker lediglich ein Genussmittel mit einigen unangenehmen Begleiterscheinungen oder eine krankmachende, gefährliche Droge?

    Hans-Ulrich Grimm bezieht klar Stellung: seine sorgfältigen Recherchen führen zu dem Schluss, Zucker sei ein hochriskantes Gift, maßgeblich beteiligt an den "modernen " Krankheiten (wie Krebs, Diabetes, Alzheimer, Adipositas und dgl.).

    In gewohnt bissiger Manier, einleuchtend und anschaulich, zeigt Grimm nicht nur die gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Zuckerkonsums auf, er erläutert weiters die Kulturgeschichte des Zuckeranbaus (untrennbar verknüpft mit brutaler Sklavenausbeutung); die skrupellosen Machenschaften von Werbe-, Lebensmittel- und Gesundheitsindustrie; beschreibt persönliche Fallgeschichten von Patienten, deren Erkrankungen auf ihren Zuckerkonsum zurückzuführen sind; er berichtet von rebellischen Medizinern und Forschern, die sich mutig gegen die übermächtige Zuckerlobby stellen.

    Die Informationen sind skandalös, sie schockieren, machen sprachlos und wütend.
    Im besten Falle kann die Lektüre des Buches dazu verhelfen, die eigenen Ernährungsgewohnheiten zu ändern. Laut Grimm zieht JEDER (auch der Autor selbst), der sich näher mit der Zucker-Thematik befasst, persönliche Konsequenzen und reduziert den Zucker oder verbannt ihn gänzlich aus der täglichen Kost (Zitat eines Wissenschaftlers: "Zucker erschreckt mich.").

    Die blumige und romanhafte Ausdrucksweise von Herrn Grimm (die ich schon aus seinen anderen Veröffentlichungen kenne), entspricht nicht immer ganz meinem subjektiven Geschmack, das sei aber nur am Rande bemerkt; der Seriosität des Buches tut dies keinen Abbruch.

    Danke, Herr Grimm, für dieses Buch!
  • Totenbraut
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    Hervorragend!
    Rezension vom 18.02.2012
    Endlich ein wirklich empfehlenswerter Vampir-Roman, der sich deutlich aus der Ödnis der Stephenie Meyer-Plagiate abhebt.

    Als Buchhändlerin bin ich mit einer ständigen Flut von bedeutungslosen und tödlich langweiligen Romantic-Fantasy-Vampir-Geschichtchen konfrontiert, umso glücklicher bin ich über die "Totenbraut" von Nina Blazon.

    Eine meisterhaft erzählte, ausgezeichnet recherchierte Geschichte mit einer ganz eigenen, düster-geheimnisvollen Atmosphäre, die einen in ihren Bann zieht und feinstes Lesevergnügen bietet.

  • Irgendwann passiert alles von allein
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    Vorstadtjungs und Geld
    Rezension vom 23.10.2011
    Dieser Jugendroman ist in der Reihe "dtv Premium" erschienen, die für besondere, hochwertige Jugendliteratur stehen möchte. Mit "irgendwann passiert alles von allein" ist das wieder sehr gut gelungen, finde ich.

    Der Plot ist schon für sich sehr attraktiv - ein paar Jugendliche aus dem Speckgürtel Münchens, deren größtes Problem wohl die Langeweile in den biederen Vorortesiedlungen ist, finden in einem alten Haus eine ganze Menge Geld. Infolge erleben wir, wie der Ich-Erzähler Johannes und seine Freunde mit dem unverhofften Geldsegen umgehen.
    Philipp Mattheis erzählt diese Geschichte nachvollziehbar und sehr authentisch, ohne beispielsweise eine künstlich anmutende "Jugendsprache" zu verwenden. Die Stimmung des Buches ist lakonisch und doch tiefgründig, wie sich junge Männer eben oft so geben.
    Schreiben kann der Philipp Mattheis auch sehr gut: wann immer ich bei meiner Lektüre kurz innehalte und eine Formulierung nochmal nachlese, weil ich sie so gelungen finde, bin ich sehr zufrieden.

  • Wildnis
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    Abenteuer Wildnis, Abenteuer Familie
    Rezension vom 23.10.2011
    Das wunderschöne Cover und der Klappentext von "Wildnis" ließen mich eine dramatische, packende Abenteuergeschichte erwarten.
    Doch die Geschichte wird anders erzählt: zwei irische Jungs machen mit ihrer Mutter Urlaub am finnischen Polarkreis. Am Programm stehen Ausfahrten mit Hundeschlitten, und bei einer dieser Fahrten wird die Mutter plötzlich vermisst - verschwunden in der stockfinstern Ödnis der polaren Wildnis.
    Bis es allerdings zu diesem Drama kommt, wird vor allem die Familiengeschichte erzählt: von der Beziehung der beiden Brüder untereinander, zu ihrer älteren Halbschwester, die als wütender, trauriger Teenager die Familie ganz schön durcheinanderbringt. So wechselt die Erzählung zwischen zwei Ebenen hin und her, zwischen der Wildnis in Finnland und der inneren Wildnis der Teenagerschwester daheim in Irland.
    Mir hat´s gefallen - psychologisch gut beobachtet und gekonnt geschrieben.
    Allerdings würde ich "Wildnis" nur Lesern ab 14 empfehlen, die an der Auseinandersetzung mit menschlichen Beziehungen interessiert sind - jüngere Leser, die Abenteuer und Spannung wünschen, könnten enttäuscht sein.
  • Törtel, die Schildkröte aus dem McGrün
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    Eine kleine Schildkröte in der großen Welt
    Rezension vom 23.10.2011
    "Törtel" ist ein wunderbare Tiergeschichte mit einer griechischen Landschildkröte in der Hauptrolle.
    Törtel, geboren in der Gartenabteilung eines Mega-Baumarktes, wird von seinem ersten Besitzer nach kurzer Zeit schon wieder ausgesetzt und landet in einer idyllischen Stadtrandsiedlung. Dort trifft er auf eine ganze Menge anderer Tiere - Füchse, Dachse, Waschbären, Wildschweine -, die sich einen neuen Lebensraum in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Menschen gefunden haben.
    Das Zuammenleben mit den Menschen klappt aber nicht reibungslos, und der schüchterne Törtel erlebt so einiges in der großen weiten Welt, die ganz anders ist als sein kleines Terrarium im Baumarkt.
    Gemeinsam mit den hübschen, witzigen Illustrationen von Kerstin Meyer bietet "Törtel" ein rundum gelungens Vorlese- oder Selbstlesevergnügen für alle Kinder.
    Zusätzlich und ganz nebenbei werden bedeutende Themen angesprochen: Haustierhaltung, Umweltschutz, Müllproblematik, der Umgang mit Mitbürgern mit Migrationshintergrund, Konfliktentstehung und -bewältigung, Urbanisierung,... Das alles kommt beschwingt, einfühlsam und sprachlich einwandfrei daher. Viel Freude mit "Törtel"!
  • Grünes Ei mit Speck
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    Lesespaß für Erstleser!
    Rezension vom 16.10.2011
    Im englischsprachigen Raum kennt JEDES Kind die Geschichten von Dr Seuss. Unzählige Kinder haben mit seinen Büchern lesen gelernt und dabei viel Spaß gehabt.
    Nun erstmals auf Deutsch erhältlich!

    Die Geschichten sprühen vor Witz und verrücktem Unsinn - genauso, wie Kinder es lieben! Die frechen Verse gehen sofort ins Ohr und bilden eine wunderbare Einheit mit den plakativ-bunten Illustrationen.

    Ich bin restlos begeistert und empfehle dieses Buch allen Erstlesern!
  • Mio, mein Mio
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    Astrid Lindgrens "Herr Der Ringe"
    Rezension vom 16.10.2011
    Die Großmeisterin Astrid Lindgren hat uns mit "Mio, mein Mio" eine der wunderbarsten Fantasy-Geschichten für Kinder geschenkt. Der Waisenjunge Bo durchlebt eine klassische abenteuerliche Heldenqueste. Er muss Angst, Einsamkeit, Hunger, körperliche und seelische Schmerzen aushalten. Zugleich erlebt er aber auch den Trost, den nur die Liebe - zu anderen Menschen ebenso wie zu Tieren und zur Natur - geben kann.
    Kinder, die für den "Herrn der Ringe" noch etwas zu jung sind, werden von "Mio, mein Mio" hingerissen sein. Ein großartiges Märchen, unnachahmlich erzählt von Astrid Lindgren.
  • Das absolut wahre Tagebuch eines Teilzeit-Indianers
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    Unbedingte Empfehlung!
    Rezension vom 14.10.2011
    Der 15jährige Arnold hat nicht die besten Vorraussetzungen: er wurde mit zuviel Gehirnflüssigkeit geboren, er stottert und lispelt, trägt eine riesige Brille und liest gerne - all dies macht ihn zum bevorzugten Opfer, denn Arnold ist Indianer vom Stamm der Spokane und lebt im Reservat, wo Alkoholismus und Gewalt an der Tagesordnung sind. Arnold träumt von einem anderen Leben, und als erster Indianer des Reservates beschliesst er, auf eine Schule ausserhalb des Reservates zu wechseln. Das stürzt ihn in noch größere Schwierigkeiten: nun findet er sich als einziger Indianer an einer Schule unter rassistischen weißen Schülern und Lehrern, und die Indianer daheim im Reservat hassen ihn, weil er sich mit den Weißen abgibt. Arnolds Familie ist liebevoll, aber bettelarm, alle sind sie depressiv, der Vater noch dazu Alkoholiker.

    Dies klingt nach einer furchtbar traurigen Geschichte, aber wie Arnold sein Leben schildert, das muss man einfach lesen: auf unnachahmlich witzig-ironische und intelligente Weise, illustriert mit herrlichen Comics. Großartiger rabenschwarzer Humor!

    Der Autor, Sherman Alexie, erzählt hier sein Leben. Er ist selbst Spokane-Indianer, aufgewachsen im Reservat; mit drei Jahren konnte er schon lesen, und in Folge hat er es zum vielfach ausgezeichneten Autor und Filmemacher geschafft.

    Ein unglaublich lustiges Jugendbuch mit Tiefgang, das ich wärmstens empfehlen möchte.
  • Und in mir der unbesiegbare Sommer
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    In finsterster Nacht
    Rezension vom 28.09.2011

    Hand aufs Herz: was weiß man schon über Litauen? Gut, es ist einer der drei baltischen Staaten und war früher Teil der Sowjetunion.
    Aber wie war das genau?
    1940, als unsere Heimat schon unter dem Schreckensregime von Hitler zu leiden hatte, passierten im Baltikum ganz ähnliche Dinge. Stalin besetzte die drei winzigen Staaten, und fortan waren sie für die nächsten 50 Jahre von den Landkarten und aus dem Bewusstsein der Weltöffentlichkeit verschwunden.
    Über das Schicksal der hunderttausenden Balten (mehr als ein Drittel der Bevölkerung!!!), die in Folge während Stalins Terrorherrschaft ums Leben kamen, ist hierzulande kaum etwas bekannt.
    Personen, denen eine antisowjetische Gesinnung unterstellt wurde, kamen in Arbeitslager, und ihr Verbrechen bestand oft daraus, einer verdächtigen Berufsgruppe wie Ärzten, Lehrern, Schriftstellern, Musikern, Bibliothekaren anzugehören. Familienangehörige wurden gleich mitdeportiert.

    Dies ist auch das Schicksal der 15jährigen Lina. An einem friedlichen Sommerabend steht plötzlich die Geheimpolizei vor der Tür, und Lina, ihr jüngerer Bruder Jonas und die Mutter werden abgeholt. Der Vater war Rektor der Universität, und das ist Grund genug, um die ganze Familie als Staatsfeinde einzustufen.

    Eine alptraumhafte, qualvolle Zugreise, gemeinsam mit hunderten anderen „Schwerverbrechern“ (auch verbrecherische Säuglinge sind darunter) beginnt, Ziel unbekannt.

    Glücklicherweise ist Linas Mutter eine aussergewöhnliche Frau, die ihre Kinder und alle anderen Mitreisenden immer wieder vor der Verzweiflung rettet, indem sie Mut zuspricht und Solidarität unter allen einfordert.
    Die Reise endet vorerst in einem der gefürchteten Arbeitslager inmitten der Ödnis Sibiriens.
    Nun folgt der schiere Überlebenskampf.

    Um psychisch nicht zusammenzubrechen, zeichnet Lina. Sie ist sehr begabt und wollte eine Ausbildung an der Kunstakademie beginnen – nun zeichnet sie um ihr Leben.
    Sie hält die Eindrücke dieses Alptraums fest, wo es nur geht, im Staub, auf kleinen Papierfetzchen, auf Servietten – immer wieder zeichnet sie die gequälten Menschen, und diese einzige Möglichkeit, ihre Gefühle auszudrücken, hilft ihr, irgendwie am Leben zu bleiben. Sie bewahrt den „unbesiegbaren Sommer“ (Zitat Albert Camus) in ihrem Herzen.

    Ruta Sepetys möchte mit ihrem Buch den zahllosen Opfern eine Stimme geben und ein vergessenes Stück Geschichte ins Bewusstsein rufen. Das ist ihr sehr eindringlich gelungen.
    Die Ungerechtigkeit und Sinnlosigkeit des Terrors, die Unschuld der Opfer, machen sprachlos.
    Fesselnd und gefühlvoll geschrieben, sorgfältig recherchiert. “Sogar in der finstersten Nacht gibt es noch ein Licht“: das ist letzten Endes die Botschaft des Buches.
    Für geschichtlich interessierte Leser ab 14 Jahren, wirklich zu empfehlen.