BuchhändlerInnen im Portrait

aus Neuss
- Gesamte Rezensionen
- 476 (ansehen)
- Alter
- 49 Jahre
- Abteilung
- Gute Unterhaltung
- Lieblingsautoren
- Helmut Krausser, Peter Stamm, David Nicholls, Michel Birbaek, Haruki Murakami, T.C. Boyle, Joe.R. Lansdale, Robert Crais, Jo Nesbo, Martin Suter, Frad Vargas, Leon de Winter, Matt Ruff, Ian Rankin, John Hart, Kinky Friedman und so viele mehr....
- Im Beruf seit
- 1994
- Das beste Buch aller Zeiten
- Entdecke ich immer wieder neu...
Meine Favoriten
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Laut Tom Tykwer "das beste Krimipornomelodram aller Zeiten". Ich schließe mich an. mehr
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Faszinierend. Abstoßend. Brutal. Diskussionswürdig. mehr
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Krimi mit gesellschaftlichem Sprengstoff. mehr
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Winslow schreibt einfach supercoole Krimis. San Diego, ich komme... mehr
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Eins der wenigen Bücher, das ich zweimal hintereinander gelesen habe. mehr
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Archaisch, apokalyptisch und sprachgewaltig! mehr
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Einfach nur brilliant. Schräg, witzig und wunderschön! mehr
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Das mit Abstand schönste Buch des Jahres 2011! mehr
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Krimigott aus dem staubigen Texas. Hardboiled und zum Brüllen komisch! mehr
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Eins der abgedrehtesten Bücher, das ich jemals gelesen habe. Genial. mehr
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Tom Sawyer und Huck Finn lassen grüßen...Rezension vom 16.04.2012
"Eine Welle der Erregung strömte durch meinen Körper. Donnerwetter, wir lasen nicht nur von Doc Savage und seinen Abenteuern, wir erlebten selbst ein Abenteuer. Wir waren auf der Jagd nach dem gefährlichsten Tier, das je die Auen des Sabine Rivers unsicher gemacht hatte. Old Satan."
Aus der Ich-Perspektive erzählt der junge Richard Dale vom Leben der einfachen Leute zur Zeit der großen Depression. Von der Arbeit, von der Familie, von Träumen und vom Erwachsenwerden, - aber vor allem von dem Abenteuer und dem Kampf gegen den alten Keiler, den "finsteren Gott des Waldes", den er zusammen mit seinem besten Freund, dem schwarzen Jungen Abraham bestehen wird.
Wieder eine andere Facette im Werk Lansdales: Abenteuerroman, der auch für Jugendliche ab 14 geeignet ist. Jugendbuch mag ich es nicht nennen, - dazu bin ich zu alt.
Fesselnd und ungeheuer warmherzig erzählt, ist 'Der Teufelskeiler' aber auch Auseinandersetzung mit sozialen Verhältnissen im Hinterland der amerikanischen Zivilisation: Osttexas. Lansdales Liebeserklärung an seine Heimat! -
Bigotterie und Gewalt...Rezension vom 11.04.2012Das Alte Testament wird wieder um ein Buch reicher. Pollocks 'Handwerk des Teufels' ist ein literarisches Fegefeuer, dem man nicht entkommt. Schonungslos, hart und konsequent wird eine Welt ohne Ausweg skizziert. Archaisches Leben in einer archaischen Welt.
Man muss schon hartgesotten sein, um in diesen Schlund des Abgrunds menschlicher Verhaltensweisen zu schauen. Bar jeder Hillybilly Romantik pflückt Pollock keine Gänseblümchen, sondern zeichnet mit Stacheldraht. Adjektive fallen mir genug ein, - erschütternd eins davon. 'Das Handwerk des Teufels' ist ein böses Fragezeichen: Gibt es Menschlichkeit? Was ist Menschlichkeit? Hat der Mensch Menschlichkeit verdient?
Dies ist ein tiefschwarzer Noir-Roman, gut aufgebaut, brillant und trocken geschrieben. Soweit weg, dass es ein bisschen wie Fernsehschauen ist. Abstand 1,5 Meter. Der Abstand verkürzt sich zusehends, so dass der Leser irgendwann in der Geschichte eintaucht, in den Strudel der Geschehnisse und der Gewalt eintaucht, um prustend zwischendurch an die Oberfläche zu kommen. Lektüre, die Überlebenskampf wird.
Cormac McCarthy, William Gay und Joe R. Lansdale sind die Eckpfeiler dieser Literatur. Atmosphärisch, dicht, gewalttätig, roh und archaisch. Biblisch? Yap, allerdings AT. Ein wertvoller Blick auf eine Welt, die wir nicht kennen, die uns allerdings näher ist, als wir zugeben wollen. Seien wir ehrlich!
Pollock hat jetzt schon das Zeug zu einem ganz Großen. Er ist erst 58. Lieber Gott, entferne die Schrotflinten in seiner Nähe und schenke ihm noch viele Stunden! -
Psychologisch ausgefeilt bis in die Haarspitzen...Rezension vom 04.04.2012'Luther' ist eine brillante BBC Produktion, die das Heer der nicht immer schlechten amerikanischen massenkompatiblen Krimistaffeln locker, aber mal ganz locker, in den Schatten stellt. Hier steht allerdings auch nicht das forensische Element (Technik) im Vordergrund, sonder das psychologische (Mensch).
John Luther ist ein Charakter, wie ihn Ian Rankin nicht besser hätte erfinden können. Renitent, vielschichtig, interessant und getrieben...was wünschen wir uns mehr von einem guten Ermittler? Dazu die enigmatische Alice Morgan als ständige Gegenspielerin (Mitspielerin?), die wie ein durchgeknallter Erzengel auf Ihre Art und Weise über John Luthers Weh und Wohl wacht. Allein das Katz und Maus Spiel zwischen Luther und Morgan ist das Schauen schon wert!
Idris Elba als Luther und Ruth Wilson als Morgan sind die perfekten Besetzungen für diese Rollen. Und auch der Rest des Personals fällt nicht ab. Ob gut oder böse, wir bekommen exzeptionelle Schauspielkuns serviert. Dazu sind die Fälle nicht durch technische Effekte überdramatisiert, sondern bieten psychologisch ausgefeilte Studien an. BBC Qualität auf höchstem Niveau. Ich habe mir gerade Staffel 2 bestellt....
LUTHER ist nicht Junkfood, LUTHER ist Gourmetküche, die einen versucht sein lässt, den Teller mit dem Finger abzulecken, während man darüber kontempliert, ob man in seinem eigenen Leben einer Alice Morgan begegnen möchte. Irgendwie schon, andererseits... -
"Aber wo zum Teufel sind nur die Verbrecher?"Rezension vom 02.04.2012Das A-Team ist Vergangenheit. Es lebe Europol. Neun großartige Kriminalromane hat Dahl vorgelegt, nun ist es Zeit, auch der Globalisierung des Verbrechens Rechnung zu tragen.Und so entsteht Europol, eine Truppe von Spezialisten aus den verschiedensten europäischen Ländern, die grenzüberschreitend ermitteln sollen. Fight fire with fire.
" 'Ich fürchte, so sieht die Kriminalität in der heutigen Zeit aus', erklärte Paul Hjelm. 'Die Entscheidungsträger lassen sich niemals blicken. Wir kämpfen gegen die Gespenster und Schattengestalten. Gegen so etwas Diffuses wie das Erscheinungsbild eines gesamten Zeitalters.' "
Wirtschaftskriminalität, Korruption, organisiertes Verbrechen, weltumspannend. Nationale Bausteine in einem internationalen Mosaik. Arne Dahl entwickelt gewohnt behutsam ein Setting, um dann wie ein Formel 1 Rennwagen spannungsmäßig um die Ecken zu fegen (Wir heben uns die dubiosen Machenschaften eines Herrn Ecclestone für den nächsten Fall auf, nicht wahr, Herr Dahl? Erinnern wir uns doch an die Pornovideos in Naziuniform eines hohen Funktionärs des F1 Zirkus'...)
Eigentlich sind sie doch fast alle wieder dabei: Hjelm, Chavez, Söderstedt, Holm und Svenhagen. Dazu neue interessante Charaktere. Ein neues Aufgabengebiet, in dem letztlich mit klassischen Mitteln aber modernster Technik gearbeitet wird. Ein bisschen 'Mission Impossible' auf europäisch... Fast genauso rasant, weniger Stunts (hier wird noch persönlich gestorben) aber umsomehr Tiefgang.
Arne Dahl führt wie immer gekonnt vor, wie die Menschheit dem Verbrechen hinterherhinkt und es doch Sinn macht, den Igel gegen den Hasen antreten zu lassen. Ein ganz klassischer Kriminalroman im modernen Gewand mit leider nicht mehr utopischem Inhalt. Große Kunst, Herr Dahl! Vielleicht Freiexemplare an alle wichtigen Banker und Börsianer dieser Welt? Ich befürchte letztlich, es hülfe nichts. Wir müssen uns schon selbst aufraffen und agieren. Dahls Figuren vermitteln die Hoffnung, dass wir diese Kraft in uns tragen.
"Die Macht der Gewohnheit, dachte sie. Wie stark sie doch ist. Unser gesamter Organismus strebt nach Regelmäßigkeit, Gewohnheit, Wiedererkennung. Während unsere Seele, solange sie am Leben ist, letztlich nach dem Gegenteil strebt." -
Die wichtigste und eigenständigste Rockband der letzten 20 Jahre....Rezension vom 30.03.2012Viel ist gekommen, viel ist gegangen, viel ist verschwunden. Im Nachhinein kann man mit den biblischen Siebenjahresstiefeln immer gut ermessen, was es an Strömungen gab, was woher kam und warum, was blieb und in welcher Form.
Placebo tauchten in den Neunzigern auf, als Grunge noch megafett und groß geschrieben wurde. Sie waren nie Grunge doch ohne dieses soziokulturelle Umfeld schwer denkbar. Placebo war ab dem ersten Album Placebo. Inzwischen Hausmarke, nicht schubladisierbar, aber auch keine Strömung/Richtung, die einen Stil ausmachte. Placebo haben ihren Stil geprägt. Und es ist immer ein Zeichen von besonderer Klasse, wenn es eine Band vermag, über Jahre den eigenen Wurzeln treu zu bleiben. Und so gibt es Fans wie mich, die, obwohl sie jedes Lied in und auswendig kennen, sich jede neue Live DVD zulegen, sie fasziniert inhalieren, um im Nachhinein zu wissen, dass der ein oder andere Gitarrenriff verändert wurde, sich aber grundlegend nichts verändert hat (Über den Konservatismus der Moderne mögen Philosophen streiten - ich nicht).
Etwas, das man einmal liebt, sich verändert und entwickelt, wird man immer lieben, so Qualität und Charakter nicht verloren gehen. Es gibt ein paar wenige Bands, von denen ich das behaupten kann. Placebo stehen ganz oben. Und so schwämme ich mit der rechten Hand über Wasser, um auf der einsamen Insel festzustellen: schiet, - weder Strom noch DVD Player... Egal. Ich hätte sie bei mir.
Die zweite DVD bietet eine hervorragende Dokumentation der über zwei Jahre dauernden Tour. Brillant eingefangen. Ja, nur wichtig für Fans... Aber, was hindert Sie, einer zu werden? Ich bestimmt nicht! -
Hap & Leonard sind Kultfiguren des Noir-Genres...Rezension vom 30.03.2012Ich empfehle dringend, sofort dieses Buch vorzubestellen, sofern Sie Ihr Osterfest nicht in der Kirche und mit Friede Freude Eiersammeln verbringen wollen. Sie können am Karsamstag natürlich auch ihr Auto waschen, - sie könnten allerdings auch 'Schlechtes Chili' lesen. Ist ganz bei Ihnen.
1997 veröffentlicht, 2000 in der legendären Dumont Noir Reihe in Deutschland erschienen, jetzt Gott sei Dank wieder aufgelegt. Neues Cover, alte Klasse. Dazu hoffentlich wieder das Nachwort von Martin Compart, in dem Lansdale als das gewürdigt wird, was er ist: ein ganz Großer der (Kriminal) Literatur aus Texas. Dort findet sich auch folgendes Zitat:
"Klar ist da auch Vigilantismus in meinen Romanen. Hap und Leonard überschreiten diese Grenzen zur Selbstjustiz. Ich bin aber kein Anhänger des Vigilantentums. Eher ein Anhänger simpler alttestamentarischer Moral. Es ist nun mal so, daß korrupte Bullen oder einflußreiche Gangster über dem Gesetz stehen. Bei mir geht es um Fegefeuer und Verdammnis. Naja, Pistolenfeuer und Verdammnis."
Hard Boiled Literatur vom allerfeinsten. Ein unschlagbares Duo: ein weißer Hetero und ein schwarzer Schwuler. Allein die Dialoge, die sich aus dieser Kombination ergeben, sind schon das Lesen wert. Lansdale kann aber noch viel mehr: er kann schreiben, beschreiben. Spannend schreiben. Er nimmt kein Blatt vor den Mund...
"Harte Zeiten brauchen harte Bücher."
Die Widmung des Buches geht an Andrew Vachss, eine andere stilbildende Ikone des Noir Undergrounds:
"Das hier ist für meinen Bruder Andrew Vachss, Krieger."
Und das Motto des Buches ist Lansdale in nuce:
"Das Leben ist wie ein Teller Chili in einem unbekannten Café. Manchmal ist es lecker. Ab und zu schmeckt es wie Scheiße." -
Eiskristall eines Kriminalromans...Rezension vom 29.03.2012Auf knapp 100 Seiten erzählt Yves Ravey eine Geschichte, deren Außentemperatur bei -5 Grad liegt. Die Herzinnentemperatur der Protagonisten nur knapp darüber. Das erzählerische Feuer knapp am Nullpunkt.Reduziert auf das Wesentliche, karg und schroff. Nicht die Geschichte lotet aus, sie bietet nur Anhaltspunkte - aber davon mehr als genug! -, Innenwelten mir der eigenen Phantasie zu füllen. Insofern ein kleines, unaufdringliches aber perfides Meisterwerk. Führt mal wieder zu der Erkenntnis: In der Ruhe liegt die Kraft! Oder: Rache ist süß. Oder: Blut ist nicht immer dicker als Wasser. Oder: Traue niemandem.
Ein Eiskristall, aus dem der Leser seine Geschichte bauen bzw. herausfiltern muss. Von klarer und reiner Schönheit. Kennen Sie das, dass man mit der Zunge Schneeflocken auffängt, wissend, etwas Einzigartiges zu empfangen, nur damit dieses im Mund zerfließt, sich auflöst und wir einen Tropfen Wasser gewonnen haben?
Ein guter, trockener Tropfen Literatur. Für Liebhaber. -
Zwei Autisten auf Wanderschaft...Rezension vom 27.03.2012Was Don Quichotte seine Lanze war, ist bei Melvin der hyperventilierende Gedanken- und Sprachreichtum. Was Sancho Pansa sein Esel war, ist Harold der Saab, mit dem er die beiden so unterschiedlichen Charaktere stumm in den Kampf gegen die Windmühlenflügel des Alltags führt. Nun, er kann nicht wirklich Auto fahren - konnte Sancho Pansa reiten? Und so bestreiten die beiden ihre Abenteuer und reiten gen Norden...
Dieses Schelmenstück ist ein sprachliches Feuerwerk, in dem so manche (wenn nicht viele - so gar alle?) Facette menschlichen Daseins sein Fett wegbekommt. Jedes Kapitel ist ein Vier Gänge Menü abstrusester Logik eines elfjährigen neunmalklugen Bengels und dessen Neugier auf die Welt und seine Y Chromosom Herkunft, das eine extrem erhöhte intellektuelle Cholesteringefahr darstellt. Jeder Satz, jeder Gedanke ist so reich an Nährstoffen, dass sich hier und da ein Sättigungsgrad einschleicht, der allerdings durch ein Pointenstakkato immer rechtzeitig vertrieben wird.
Ein faszinierendes Buch mit zwei schillernden Protagonisten (wobei über Harolds Farbenspiel doch eine graue Staubdecke der Schwermut und Lebensunlust hängt). 4372 Bonmots sind eine gehörige Schippe, die es zu verkraften gilt; mein Liebling:
"Wenn Gott anruft, sagen sie ihm, ich sei nicht da."
Wir sehen uns wieder, - spätestens in Wien. Und dann gibt es sicherlich noch einen Cousin im außereuropäischen Ausland... Armer Harold! Wünschen wir uns doch, dass er im Hawaihemd irgendwann mit Melvin auf Haiti sitzt und ob seines fortgeschrittenen Alters nicht mehr auf die Palmen kommt, um einen Ast zu finden... Ich stelle mir vor, wie er dann die Bremsschläuche seines Rollators ansägt, um der Geschichte endgültig ein Ende zu bereiten. -
"...die unnachahmliche und inzwischen sprichwörtliche Magie Vargas..."Rezension vom 22.03.2012Nach jeder neuen Vargas denke ich, besser geht's nicht mehr. Auf jeden neuen Adamsberg freue ich mich wie ein kleiner Junge auf Weihnachten. Warum? Weil Vargas so viel mehr ist als nur literarischer Kriminalroman, Weil Sie unsterbliche Figuren geschaffen hat. Weil Sie einen die Welt und Handlungszusammenhänge anders sehen lässt. Weil sie so ungeheuer feinfühlig, charmant und voller Logik querdenken lässt. Weil alles an diesen Kriminalromanen anders ist als gewohnt. Nichts ist gewöhnlich, aber auch nichts gestelzt oder an den Haaren herbeigezogen. Es ist jedesmal die Offenbarung eines Paralleluniversums, perfekt gestaltete Symphonie einer Geschichte, die wie aus dem Ärmel geschüttelt scheint - und es doch nicht ist. Hinter der ganzen Lässigkeit und Eleganz ihrer Romane steckt harte und konzentrierte Arbeit, wobei irgendeine Gottheit sie mit einer Phantasie gesegnet hat, die ihresgleichen sucht. In jedem Satz, jeder Beschreibung der Vorgänge und jedem Dialog steckt eine ungeheure Komplexität, die zu der Einmaligkeit ihrer Romane beiträgt. Allein die Figur Adamsberg ist ein Kunstwerk, begreifbar und handlungsfähig allerdings nur im Gesamtkunstwerk der von ihr geschaffenen unterschiedlichen Charaktere der Brigade criminelle. Was wäre Adamsberg ohne Veyrenc, Danglard und dem Panzerschrank Violette Retancourt nebst all den anderen sehr individuellen Mitgliedern seiner Brigade? Allein die Verknüpfung dieser menschlichen Mikrokosmen erlaubt Adamsberg, genauso so zu ermitteln, wie er nicht anders könnte. Er ist alles andere als ein Übermensch, - er ist nur einfach genial und seine Macken und Fehler werden kompensiert durch die Genialität seiner Mitarbeiter, deren Macken zusammen das Sahnehäubchen auf einem verschworenen Team bilden.Ein Team, das, entfernte man nur das kleinste Rädchen, nicht nur unrund liefe, sondern sang- und klanglos zuzusagen seinen Dienst quittieren müsste...
Warum hat Vargas einen männlichen Protagonisten? Was bedeutet Adamsberg für sie? Darüber unterhielte ich mich gern mit ihr. Meine Vermutung ist, dass sie sich einen Mann/Menschen schafft, mit dem sie sich vorstellen kann, zusammen sein. Ich glaube, sie ist in Adamsberg verliebt. Sie ist Camille, der rote Faden in Adamsbergs nun wahrlich nicht platonischem Liebesleben, wobei er eigentlich nur eine haben möchte, die er nicht haben kann. Eben Camille.
Ohne es vielleicht zu beabsichtigen, schreibt Vargas philosophische Gebrauchsanweisungen für Verwirrte. Und wer nicht verwirrt ist, ist krank. Er weiß es nur noch nicht. Dementsprechend sind ihre Bücher mehr als nur geniale Kriminalromane, sie sind Literatur, die auch gut von Lesern goutiert werden können, die mit Krimis nichts am Hut haben.
Und so schicke ich Grüße, ein großes Dankeschön und ein in Calvados getränktes Stück Zucker in den Orbit, in der Hoffnung, das es dieser großartigen Frau wie zufällig auf ihren Kaffeetisch unter einem Apfelbaum fällt.
Den einen: ENTDECKEN SIE VARGAS. Den anderen: GENIEßEN SIE VARGAS' "L'armée furieuse".
Ich bin nur der Messdiener, der den Weihrauch schwenkt....
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Die Schatten der Vergangenheit - ist Schuld definierbar?Rezension vom 19.03.2012Kein Wort zu viel. Karg und knapp erzählt, durchzogen von fast poetisch anmutenden Reflexionen, die in dem ansonsten nüchternen Erzählstil um so heller leuchten. 'Wer das Schweigen bricht' ist ein ein dramatischer Titel für eine Tragödie in drei Akten: Kriegszeit, Nachkriegszeit und Gegenwart. Geschickt ineinander verflochten, großartig inszeniert und aufgeführt. Erinnerungen, halb verblasst, ein Portraitphoto, welches stumm die Erinnerungen in die Gegenwart zieht und aus der Stille des Vergessens eine Kakophonie erschwillen läßt.
"Therese Mende erinnerte sich an die Stille. Diese Stille, in der man atemlos nach Worten sucht, die man nicht kennt. Die man erfinden muss."
Ein Mann, ein altes Photo, eine Journalistin, die in der Vergangenheit stochert, ein Mord, der Wellen auslöst, die 60 Jahre zurückreichen. Ein berührendes Ende. So etwa in Kürze das Gerüst. dieses außergewöhnlichen Kriminalromans, der völlig zu Recht den deutschen Krimi Preis 2012 erhielt und inzwischen in der siebten Auflage vorliegt. Das gönne ich dem Pendragon Verlag von Herzen, findet er doch immer wieder Perlen im wüsten Land der Krimineuerscheinungen!
Dank an dieser Stelle dem Kollegen Heidsiek aus Darmstadt, dessen Krimirezensionen ich mir mit höchstem Vergnügen regelmäßig zu Gemüte führe. Es lohnt. Wie man sieht. Tipps von Kollegen, von Kunden und die eigene gewachsene Intuition - so wird sich der Speicher guter, interessanter und spannder Literatur nie leeren.
























