Die Glut
Leseprobe

Die Glut

Roman

von Sandor Marai

Buch

Taschenbuch (223 Seiten)

18. Auflage

Sprache: Deutsch

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Weitere Artikelinformationen

Darauf hat Henrik über vierzig Jahre gewartet: Sein Jugendfreund Konr d kündigt sich an. Nun kann die Frage beantwortet werden, die Henrik seit Jahrzehnten auf dem Herzen brennt: Welche Rolle spielte damals Krisztina, Henriks junge und schöne Frau? Warum verschwand Konr d nach jenem denkwürdigen Jagdausflug Hals über Kopf? Eine einzige Nacht haben die beiden Männer, um den Fragen nach Leidenschaft und Treue, Wahrheit und Lüge auf den Grund zu gehen. - "S ndor M rai hat einen grandiosen, einen quälenden Gespensterroman geschrieben, einen Totengesang der Überlebenden, denen die Wahrheit zum Fegefeuer geworden ist. Die Glut hat ihnen das Leben zur Asche ausgebrannt." (Thomas Wirtz in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)

Produktdetails

ISBN-10: 3-492-23313-9
EAN: 9783492233132
Originaltitel: A gyertyak csonkig egnek
Erschienen: Februar 2012
Verlag: Piper
Einband: Taschenbuch
Sprache(n): Deutsch
Auflage: 18. Auflage
Seitenzahl: 223
Länge/Breite: 190mm/120mm
Gewicht: 211 g
Übersetzer: Christina Viragh
Reihe: Piper Taschenbuch
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Christina Viragh

Christina Viragh, geboren 1953 in Budapest, emigrierte 1960 in die Schweiz und lebt heute in Rom. Sie ist Schriftstellerin und übersetzt aus dem Ungarischen und Französischen. 2012 wurde sie mit dem Hauptpreis des Europäischen Übersetzerpreises Offenburg für ihre Übersetzungen aus dem Ungarischen ausgezeichnet.

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Kundenrezensionen

  • Bei Kerzenlicht Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Polar, am 28.08.2007

    0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Geheimnisse, die über Jahrzehnte in sich getragen werden, mögen einen, der nicht eingeweiht ist, um den Verstand bringen. Er erhofft sich womöglich die Erlösung, wenn sie endlich gelüftet werden. Manch einer wünscht sich danach, er hätte nie gefragt. In Sandor Marais Roman Die Glut spielt die Liebe zu Krisztina die Rolle, die sowohl Henrik als auch Konrad zum Spielball ihrerselbst machen. Hitzig inszeniert Marais eine einzige Nacht, eine Aussprache, die Niederlage. Das Ganze eingewebt in den Zerfall des k.u.k.-Reiches. Ein schmales Buch, das genußvoll in Lebenslügen schwelgt.

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  • Weltliteratur, die in den Bann zieht Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von lady_st.germain, am 23.08.2007

    1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Mit diesem Werk begann die Wiederentdeckung des ungarischen Schriftstellers Sandor Marai, der ohne Zweifel eine der großen Gestalten in der Literaturgeschichte, vor allem in der Zwischenkriegszeit, ist.

    Der Roman entwickelt nach einem Abriß über das Leben der Hauptfigur Hendrik und der Darstellung dessen Freundschaft zu Konrad in Form eines existeniellen Monologs Betrachtungen über das Leben selbst. Hendrik, dessen Existenz durch einen Mordanschlag und die Flucht seines ehemals besten Freundes aus den Fugen geriet, hat nur noch das Warten auf Antwort für zwei ausschlaggebende Fragen aufrecht erhalten. Und tatsächlich sucht ihn sein ehemaliger Freund Konrad nach 41 Jahren wieder auf und lauscht dem Selbstgespräch, welches die "Rache" des Freundes darstellt und aus sich selbst heraus die wichtigsten dramaturgischen Fragen beantwortet.

    Das Werk ist sehr fesselnd und eindringlich geschrieben und zieht in den Bann,. Auch stilistisch sind die einzelnen Eindrücke überaus bildhaft erzählt und lassen ein lebendiges Bild der k.u.k. Zeit vor den Augen des Betrachters entstehen.

    Den einzigen Vorwurf, den man diesem Werk machen könnte, ist, dass der Monolog manchmal zu ausschweifend philosophisch abdriftet, wo man als Leser gern mehr über die Handlung erfahren möchte. Ohne Zweifel ist es keine leichte Kost, die dem Leser da serviert wird, aber sehr gehaltvolle. Fünf Sterne für ungarische Welliteratur von großem Format.

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"Am Vormittag hielt sich der General lange in seinen Kellereien auf. Er war in der Morgenfrühe mit seinem Winzer hingegangen, um nach zwei Fässern zu sehen, in denen der Wein zu gären begonnen hatte. Als er mit dem Abfüllen fertig war und nach Hause kam, war es schon elf Uhr vorbei. Zwischen den Säulen der Veranda, die von den feuchten Steinplatten moderig roch, stand sein Jäger und überreichte ihm einen Brief. 'Was willst du?' fragte der General unwirsch. Er schob sich den Strohhut, dessen breite Krempe sein rotes Gesicht beschattete, aus der Stirn. Schon seit etlichen Jahren öffnete und las er keine Briefe mehr. Die Post wurde im Büro des Gutsverwalters von einem der Angestellten aufgemacht und sortiert. 'Das hat ein Bote gebracht', sagte der Jäger und stand stramm. Der General erkannte die Schrift, nahm den Brief und steckte ihn in die Tasche. Er trat in die kühle Vorhalle und reichte dem Jäger wortlos Stock und Hut. Aus seiner Zigarrentasche holte er eine Brille hervor, stellt e s ich ans Fenster und begann im Licht, das durch die Ritzen der Rolläden hereinsickerte, den Brief zu lesen. 'Warte', sagte er über die Schulter hinweg, als der Jäger mit Stock und Hut gehen wollte. Den Brief stopfte er sich in die Tasche. 'K lm n soll auf sechsUhr anspannen. Den Landauer, denn es gibt Regen. Und er soll die Paradelivree anlegen. Du auch', sagte er mit unerwartetem Nachdruck, als hätte ihn plötzlich etwas erbost. 'Und alles auf Hochglanz. Wagen und Geschirr sollen unverzüglich geputzt werden. Die Livree anlegen, hast du verstanden? Und dann setzt du dich neben K lm n auf den Bock.' 'Jawohl, gnädiger Herr', sagte der Jäger und schaute seinem Herrn gerade in die Augen. 'Auf sechs Uhr.' 'Um halb sieben fahrt ihr los', sagte der General und bewegte lautlos die Lippen, als zählte er. 'Du meldest dich beim Weißen Adler und sagst nur, ich hätte dich geschickt, und der Wagen für den Herrn Hauptmann sei da. Wiederhole.' Der Jäger wiederholte. Daraufhin hob der General di e Hand, als wäre ihm noch etwas eingefallen, und blickte zur Decke. Doch dann sagte er nichts, sondern ging in den ersten Stock hinauf. Der Jäger, in Habachtstellung erstarrt, sah ihm glasigen Blickes nach und wartete, bis die untersetzte, breitschultrige Gestalt hinter der Kehre der steinernen Balustrade verschwunden war. Der General ging in sein Zimmer, wusch sich die Hände und trat an sein schmales, hohes Stehpult, das mit tintenfleckigem grünen Filz bezogen war und auf dem Federn, Tinte und, millimetergenau aufeinandergestapelt, Hefte lagen, wachstuchbezogene mit Pepitamuster, wie sie die Schüler für ihre Aufgaben verwenden. In der Mitte des Pults stand eine Lampe mit grünem Schirm, die der General anschaltete, da es im Zimmer dunkel war. Hinter den geschlossenen Läden, im vertrockneten, verdorrten, versengten Garten, tobte der Sommer in einem letzten Auflodern, wie ein Brandstifter, der in sinnloser Wut die Felder anzündet, bevor er sich davonmacht. Der General nahm den Brief hervor, glättete das Blatt sorglich und las im starken Licht, die Brille auf der Nase, die geraden kurzen Zeilen mit den spitzen Buchstaben. Die Arme verschränkte er auf dem Rücken. An der Wand hing ein Kalender mit faustgroßen Datumsziffern. Vierzehnter August. Der General blickte zur Decke und rechnete. Vierzehnter August. Zweiter Juli. Er rechnete aus, wieviel Zeit seit einem langverflossenen Tag und dem heutigen vergangen war. Einundvierzig Jahre, sagte er schließlich halblaut. In letzter Zeit sprach er laut, auch wenn er allein im Zimmer war. Vierzig Jahre, sagte er dann verwirrt. Einem Schüler gleich, der über einer schwierigen Lektion durcheinandergerät, errötete er, legte den Kopf in den Nacken und schloß die tränenden Augen. Sein Hals über dem maisgelben Jackenkragen schwoll rot an ..."

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