BuchhändlerInnen im Portrait
aus Kaiserslautern
- Gesamte Rezensionen
- 7 (ansehen)
- Alter
- 33 Jahre
-
Frauenpower einmal völlig andersRezension vom 04.11.2012Was tun, wenn man den eigenen Mann tötet, dann aber keine Ahnung hat, was man mit dem Ergebnis, ergo der Leiche anfangen soll? Man holt sich Hilfe bei seinen bis dato ebenso desillusionierten wie harmlosen Arbeitskolleginnen aus der Lebensmittelfabrik: Vier Frauen im heutigen Japan, jede auf ihre eigene Weise im Leben gescheitert. Dass der Vorfall neben der Polizei auch einen Kredithai und einen skrupellosen Nachtclubbesitzer auf den Plan ruft, macht die Sache nicht einfacher. Dieser Thriller ist definitiv nichts für Zartbesaitete. Die Stimmung ist bedrückend und in der Spirale aus Gewalt und Sex tun sich menschliche Abgründe auf. 'Out' ist eine Lektüre mit dichter Atmosphäre, die den Leser auch psychologisch packt.
Ach ja, und ganz nebenbei lernt man, welche eine logistische Herausforderung so eine Körperbeseitigung für den Normalbürger darstellt, und dass ein Mensch wohl wesentlich schwieriger zu entbeinen ist als ein Hühnchen -
Frauenpower einmal völlig andersRezension vom 04.11.2012Was tun, wenn man den eigenen Mann tötet, dann aber keine Ahnung hat, was man mit dem Ergebnis, ergo der Leiche anfangen soll? Man holt sich Hilfe bei seinen bis dato ebenso desillusionierten wie harmlosen Arbeitskolleginnen aus der Lebensmittelfabrik: Vier Frauen im heutigen Japan, jede auf ihre eigene Weise im Leben gescheitert. Dass der Vorfall nicht nur die Polizei, sondern auch einen Kredithai und einen skrupellosen Nachtclubbesitzer auf den Plan ruft, macht die Sache nicht einfacher. Dieser Thriller ist definitiv nichts für Zartbesaitete. Die Stimmung ist bedrückend und in der Spirale aus Gewalt und Sex tun sich menschliche Abgründe auf. 'Out' ist eine Lektüre mit dichter Atmosphäre, die den Leser auch psychologisch packt.
Ach ja, und ganz nebenbei lernt man, welch eine logistische Herausforderung so eine Körperbeseitungung für den Normalbürger darstellt, und dass ein Mensch wohl wesentlich schwieriger zu entbeinen ist als ein Hühnchen. -
Auf geht's in de vierte Rund'nRezension vom 04.11.2012Wer witzig-leichte Krimikost mit bayerischem Lokalkolorit mag, dürfte sich bei Rita Falks 'Grießnockerlaffäre' gut aufgehoben fühlen. Wie gewohnt löst Kommissar Eberhofer im vierten Band der Reihe seinen Fall wieder mit vollem Körpereinsatz und niederbayerischer Sturheit. Auch familiär gibt es neben den bewährten Zutaten -von den Beatles über Omas Schwerhörigkeit bis hin zur "alten Schleimsau" Leopold- eine überraschende Entwicklung. Das ein oder andere Klischee wird freilich sehenden Auges eingepackt, was aber dem humorvollen Grundton kaum schadet. Für mich ist in diesem Fall die Hörbuchversion absolut empfehlenswert. Denn der gebürtige Münchner Christian Tramitz liest mit deutlicher Dialektschlagseite, selbst wenn die Frauenstimmen etwas bemüht klingen.
Alles in allem ist die 'Grießnockerlaffäre' ein kurzweiliges Hörvergnügen für Zwischendurch. -
Eine spannende Geistergeschichte für Jungs und MädchenRezension vom 27.11.2011Cornelia Funke steht seit Jahren für große Qualität in der Kinder- und Jugendbuchliteratur. So unterhält 'Die Geisterritter' wieder mit einer spannenden Geschichte, bei welcher auch der Humor nicht zu kurz kommt. Ort des Geschehens ist das englische Salisbury, das mit Hilfe seiner Geister das Mittelalter ins 21. Jahrhundert holt und den jungen Romanfiguren einiges an Mut abverlangt. Mit seinen sympathischen Helden, die nicht frei von Schwächen sind, aber Freundschaft und Einsatz füreinander und für eine Sache wichtig nehmen, können sich auch die jungen Leser ab zehn Jahren schnell identifizieren.
Die Lesung von Rainer Strecker ist kurzweilig und authentisch. Positiv verstärkt wird die Atmosphäre durch die musikalische Untermalung des Textes mit mittelalterlich anmutenden Klängen. -
Ein anspruchsvolles Jugendbuch und eine tiefgehende LiebesgeschichteRezension vom 27.11.2011Man sollte sich nicht vom Klappentext auf dem Buch täuschen lassen. 'Der Märchenerzähler' von Antonia Michaelis hat nicht das Geringste mit der andauernden Fantasy-Welle im Jugendbuch zu tun. Ganz im Gegenteil, das Buch lebt trotz der eingestreuten Märchenpassagen von einem starken Realismus. Große Themen wie Verantwortung, Liebe, Vertrauen und Vergebung werden in eine fesselnde Sprache gepackt, die das Buch zu einem richtigen Pageturner machen. Was ist Abels Geheimnis? Was wird aus Anna und Abel? Und wie hätte man sich selbst entschieden? 'Der Märchenerzähler' zeigt: Die Welt lässt sich nicht einfach in Schwarz und Weiß einteilen.
Für mich eines der besten Jugendbücher mit Tiefgang der letzten Zeit und frühestens ab 14 Jahren zu empfehlen. -
Eine tragisch-poetische Liebesgeschichte zur WendezeitRezension vom 27.11.2011Das Debüt von Daniela Krien ist ein gewaltiges. Erzählt werden einige Wochen im Leben der 16-järigen Marie. Es ist der Sommer 1990, der Schauplatz ein Dorf in der sich auflösenden DDR, nahe der deutsch-deutschen Grenze. Unsicherheiten und Aufbruchstimmung prägen Zeit und Menschen gleichermaßen. Marie lebt mit ihrem Freund Johannes auf dessen elterlichen Hof. Sie lässt sich treiben, übernimmt hie und da Pflichten im Haushalt, liest viel. Mit Henner vom Nachbarhof, einem 40-jährigen Außenseiter, beginnt sie schließlich ein Verhältnis. Animalisch und nicht frei von Gewalt ist diese Liebe. Empfindsam und immer auch vor dem Hintergrund der Wende behandelt Krien dieses sensible Thema. Denn die Sprache der Autorin ist von einer klaren Poetik, die den Traum der flirrenden Sommertage und die triebhafte Sehnsucht der Protagonisten in unverfälschte Worte packt. Nicht explizites Beschreiben und peinliche Nabelschau ist Kriens Weg, sondern die Kunst der Andeutung. Und die bewirkt ja beim Leser meist unendlich viel mehr. -
Ein Endzeitroman der vollkommen anderen ArtRezension vom 12.05.2011Auf den ersten Blick passiert im erfolgreichsten Roman der österreichischen Schriftstellerin Marlen Haushofer nicht viel und doch geschieht eigentlich alles. Es werden die großen Fragen gestellt nach dem Tod, nach dem Leben, Fragen danach, was der Mensch ist und kann, wenn die Natur einziger Verbündeter und Gegner zugleich ist. Der Inhalt ist schnell skizziert: Die Ich-Erzählerin reist mit Verwandten in die Berge, um dort einige Tage auf einer Jagdhütte zu verbringen. Sie erwacht am ersten Morgen allein in der Hütte und sie wird allein bleiben. Über Nacht ist die Welt für die Protagonistin auf ein kleines Areal zusammengeschrumpft, begrenzt durch eine unsichtbare Wand, hinter der sich anscheinend eine Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes ereignet hat. Vereinzelt haben einige Tiere überlebt, die nun zu den einzigen Gefährten werden. Ab diesem Zeitpunkt geht es schließlich nur noch um das Überleben, um das Wesentliche einer jeden Existenz.
Erzählt wird das Alles in einer sehr leisen und einfachen Ausdrucksweise, die eine eigene Melodie und einen ruhigen Rhythmus entwickelt. Der reduzierten und klaren Sprache der Autorin ist es zu verdanken, dass das Buch einen unglaublichen Sog entwickelt. Grauen und Faszination gegenüber dieser Extremsituation liegen ganz nah beieinander. Und immer schwingt die Frage mit, wie ein Mensch, grundsätzlich ja ein soziales und kommunikatives Wesen, mit dieser Vereinzelung und Einsamkeit zurechtkommen kann.
Ich habe Die Wand im letzten Jahr zum ersten Mal gelesen und war kurz überrascht, dass das Buch bereits Anfang der 1960er Jahre zum ersten Mal erschienen ist, so aktuell mutet es an. Der Roman ist in seiner Thematik zeitlos und für mich eines der Bücher, die mich lange begleiten werden.










