Erfahrungen mit der "Bestie" Mensch
von
Mario Pf., am 16.10.2007
10
von 16
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Unter dem Titel Bestie Mensch, liefert der renommierte Psychologe und ehemalige Streifenpolizist Thomas Müller einen autobiografischen Bericht über seine Begegnung mit der Bestie Mensch. Doch zu dieser Begegnung gehört auch ein Weg, der Lebensweg Thomas Müllers, der ihn schließlich zu diesen Begegnungen führte. Natürlich wäre das Buch unvollständig gäbe er darin keinen Ausblick auf seine grundlegenden Theorien, welche so dargestellt werden, dass sie auch jeder Leser verstehen kann. Er reiht Erfahrungen an Entdeckungen und kombiniert diese immer wieder auch mit Erzählungen von Kollegen.
Verbrecher tragen kein Kainsmal und haben gelben Augen, es sei denn als Kennezeichen bestimmter Gangs und Banden, aber der gewöhnlichere Einzeltäter ist scheinbar unerkennbar. Es ist vielleicht sogar der nette Nachbar von gegenüber. Erst in der Tat, wird jedes Motiv offen gelegt und selbst dann ist der Mord noch des Verhaltens des Mörders, denn es bleibt die Wahl, die Entscheidungsfreiheit, wie Opfer, Tatort, Waffe und Vorgang auszuwählen. In der Tat liegt die Wahrheit, denn in Gesprächen kann man lügen, seine Absichten verschleiern und manipulieren, wie uns Unternehmensberater und Rhetoriktrainer beizubringen versuchen. Aber Serienmörder sind selten dumm, sondern eher hochintelligent, ihre Kunst der Manipulation übertrifft die der Lehrbücher oft bei weitem.
Die wissenschaftlichen Theorien und Eckpunkte seiner Forschungen behält Thomas Müller in seiner Erzählung eher für sich und teilt sie stattdessen mit Kollegen und anderen Sachverständigen, die wohl auch mehr damit anfangen können, als der einfache Leser. Diese Vorenthaltung angeblichen Geheimwissens und voyeuristischer Einblicke in Kriminalfälle enttäuscht viele Leser, denn auch wenn Müllers Buch sehr interessant ist, so darf man auf keinen Fall zu viel erwarten - sie ist mehr Erzählungs, mehr Erfahrungsbericht, als ein wissenschaftliches Traktat, dass uns die forensische Tatortanalyse einführen soll. Was "Bestie Mensch" bietet sind grundlegende Ansätze und Erklärungen, keine Thesen und Analysen. Wer sich über den wissenschaftlichen Aspekt von Müllers Arbeit befassen will, für den gibt es andere Werke, vor allem von amerikanischer Autoren und ehemaligen "FBI-Profilern".
Lieber lässt Müller den Leser an seinen Erfahrungen teilhaben, als an seiner Forschung, die wie er selbst andeutet vom Sammeln von Vergleichsfällen geprägt ist, denn um eine Wissenschaft betreiben zu können, muss man seine Theorien auch beweisen können und auch Morde sind sehr unterschiedlich - bedenkt man diesen Punkt seiner Forschungsarbeit, so wird man schnell erkennen, dass ein Buch darüber wohl kaum kürzer als 1000 Seiten sein kann, denn Beweise müssen angeführt, Experten zitiert und anschließend samt Quellen angeführt werden. Wirkt das von Müller vermittelte Wissen teilweise auch banal, so lohnt es sich durchaus darüber nachzudenken und entsprechende Passagen in Zusammenhang mit eigenen Gedankengängen und Erfahrungen zu betrachten. Müllers Profession, die Verhaltensforschung ist bei weitem nicht so einfach wie man womöglich annimmt und wozu diverse Fernsehserien verleiten.
Fazit:
Ein faszinierender Erfahrungsbericht.