Ein Spiel wie schlechter Wein
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Ein Schelm, am 25.04.2012
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Die siebzehnjährige Morgane möchte in die Fußstapfen ihres Vaters treten und Piratenkapitän werden. Um zu beweisen, dass sie sich für diesen Posten eignet, soll sie dem Schiff einen Auftrag verschaffen. Dabei stößt sie auf einen reichen Kaufmann, der der Legende der Goldenen Schildkröte nachjagt
Bei dem Spiel handelt es sich um eine Art Prequel zu So Blonde Zurück auf die Insel. Kenntnisse von So Blonde sind nicht nötig, erhöhen aber den Spielspaß, da man so alle Anspielungen versteht und ein paar alten Bekannten begegnet. Thematisch erinnert das Spiel an die Monkey Island-Serie: ein nicht ganz ernst gemeintes Piraten-Abenteuer mit einem guten Schuss Fantasy.
Das Spiel ist ein PointnClick-Adventure. Man steuert Morgane und löst Rätsel, indem man Gegenstände sinnvoll miteinander benutzt. Die Rätsel sind überwiegend logisch oder zumindest nachvollziehbar, bei ein paar Kopfnüssen fragt man sich aber doch, wie man darauf kommen soll. Zudem hat sich bei den Rätseln ein böser Designfehler eingeschlichen. In den meisten Adventures bekommt man einen Hinweis, wenn etwas nicht funktioniert (Das geht so nicht oder ähnlich) bei Morgane passiert einfach gar nichts, wenn man eine falsche Lösung wählt. Das ist insofern ärgerlich, weil das Spiel gelegentlich richtige Kombinationen nicht beim ersten Mal anerkennt. Hier kann man nicht unterscheiden, ob der Lösungsansatz nicht stimmt oder ob das Spiel keine Lust hat. Außerdem bemerkt man eine gewisse Engstirnigkeit der Programmierer. So ist es z.B. möglich, einen Gegenstand mit dem Pistolengriff zu zerschlagen, aber nicht mit dem Schwertknauf. Aufgelockert wird der Spielablauf durch gelegentliche Minispiele, die sich aber überspringen lassen.
Spieler, die nicht den Bildschirm Pixel für Pixel abgrasen möchten, können sich auf Wunsch alle Hotspots anzeigen lassen. Diese Funktion wurde aber nicht optimal umgesetzt; die Anzeigen sind stellenweise so gut versteckt, dass man sie kaum sieht, was dem Zweck dieser Funktion entgegenläuft.
Absolut unerträglich ist die deutsche Lokalisation. Die Texte sind zwar ordentlich übersetzt, aber die Leistung der deutschen Sprecher ist miserabel und entspricht etwa der eines Laienschauspielers in einer Daily Soap. Nahezu alle Sprecher betonen ihre Texte völlig willkürlich und können Emotionen nicht glaubhaft darstellen; Figuren sprechen mal mit Akzent und mal ohne, und ob man sich duzt oder siezt wechselt im gleichen Gespräch auch schon mal. Leider geht dadurch viel der eigentlich sehr gelungenen Atmosphäre verloren. Die englische Sprachausgabe ist besser, aber auch bestenfalls mäßig zu nennen.
Das Spiel ist wie ein schlechter Wein, den man am Ende der Party trinkt, weil nichts anderes mehr da ist: Beinharte Genre-Fans, die schon alle anderen Wii-Adventures durchgespielt haben, können ihren Spaß mit Captain Morgane haben wenn sie den Ton abstellen und sich von der schlampigen Programmierung nicht abschrecken lassen. Ansonsten gibt es für die Wii bessere Alternativen (z.B. Geheimakte 2, Die Krone des Midas oder Der Fluch der Osterinsel).