Rezensent im Portrait
aus Bern
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Super!Rezension vom 22.11.2012In meiner Praktikumszeit in einer Tagesklinik habe ich mich immer wieder gefragt, woher die Psycho-, Ergo- oder Bewegungstherapeuten die sagenhaften Ideen und Aufgaben hernehmen, die sie jeweils mit den Patienten bearbeiten. Seien dies "Handschmeichler", Traum- oder Sorgentagebücher, Soziogramme, Skills bei Spannungszuständen (wie Pfeffer oder Chili essen, kalt Duschen etc.), Arbeiten mit Kärtchen oder Werkstoffen, Arbeiten in Gruppen, ...
Ich war immer wieder erstaunt darüber, wie vielfältig die Ideen sind, mit denen Probleme bewältigt werden können. Ich habe daher einen meiner Bezugstherapeuten irgendwann einmal gefragt, ob es eine Art "Sammlung" dieser Ideen gebe und/oder woher er seine Ideen habe. Im Grunde hat er mir zu verstehen gegeben, dass sich ein Fundus solcher Ideen erst mit den Jahren und Erfahrungen herausbildet. Ich habe ausserdem gemerkt, dass die Ideensammlung für Therapiestunden eine Art "gut gehütetes Geheimnis" eines jeden Therapeuten darstellt, das nur ungern preisgegeben wird. Völlig verständlich; ist dies doch die Handschrift eines Therapeuten!
Dennoch hat er darauf hin ein Buch in einem wunderschönen, silbrigen Einband aus dem Regal gezogen. Es nannte sich: "Psychotherapeutische Schätze."
Ich habe es aufgeschlagen und beim Durchblättern sofort gemerkt: Das ist genau das, wonach ich gesucht habe!
In diesem Buch sind 101 bewährte Übungen und Methoden dargestellt, die mit Pat. durchgeführt werden können. Jede Idee ist übersichtlich und nach Teilbereichen gegliedert in einem bläulich unterlegten Kasten dargestellt:
-Autor der Übung
-Ziel der Übung
-Zielgruppe
-Einsatz(-möglichkeiten)
-Setting
-Bereich/Fokus
-Dauer der Übung
-Benötigtes Material
-Besondere Beachtung
-Beschreibung der Übung
-weiterführende Literatur
Ich war erstaunt darüber, wie präzise und praxinah die Übungen beschrieben sind. Es gibt keine faselige und ellenlange Ausführungen über Theorie, sondern es sind schlichte, praktische Anleitungen, wie die Übungen durchgeführt werden können. Jede Übung ist dabei nur eine oder zwei Seiten lang (in wenigen Fällen etwas länger).
Die vorgegebenen Instruktionen können wortwörtlich abgelesen werden, was teilweise unheimlich hilfreich ist. Die Übungen sind weiter mit wichtigen Tipps und Erfahrungen der Autoren ausgestattet. Wo nötig, sind Abbildungen und/oder Skizzen möglicher Lösungen abgedruckt.
Besonders beeindruckt war ich von der Liebe zum Detail, mit der dieses Buch gestaltet wurde. Angefangen bei der Beschichtung und der silbernen Farbe des Buches, dem Lesezeichen und dem handlichen Format. Diese äussere Erscheinung setzt sich im Inneren fort: Die fabliche Gestaltung und die Gliederung, aber auch die Erklärungen sind ausführlich und sehr verständlich dargestellt. Da freut sich also nicht nur das Herz, sondern auch das Auge!
Die Übungen an sich sind sehr kreativ und lebendig und lassen sich mit beliebigen Hilfsmitteln wie Würfeln, Zeichungen, Musik, Kärtchen, Buntstiften, Esswaren, Duftstoffen, etc. ausschmücken.
Alles in allem wirklich ein "Schatz", dieses Buch! Ich bin begeistert. An dieser Stelle vielen lieben Dank für die vielen wertvollen Ideen, die die Autoren auf diese Weise mit uns teilen!
Und das Beste: Ich habe soeben gesehen, dass es hiervon sogar einen 2. Teil gibt! -
Sehr praxisnah!Rezension vom 13.11.2012
Ich habe "Das integrierte Streß-Bewältigungsprogramm ISP" im Rahmen eines Praktikums in einer Tagesklinik bei einem Therapeuten kennen gelernt. Daraufhin habe ich für mich ein eigenes Exemplar bestellt und mich durch das Buch gearbeitet.
Ich bin der Meinung, dass es viele sehr wertvolle Ideen und auch Hilfestellungen bietet, die sich (ohne grosse Vorbreitungen!) 1:1 in der Gruppe umsetzen lassen. Besser noch: Das Buch liefert nicht nur Ideen, sondern ist als komplettes Kursprogramm von A-Z aufgebaut. Als Gruppenleiter und/oder Therapeut kann man sich problemlos an die vielen Hilfestellungen, an die sehr ausführlichen Instruktionen und die vorgefertigten Arbeitsblätter halten. Man beginnt ganz einfach ganz vorne und arbeitet sich von Lektion zu Lektion, die aufeinander aufgebaut beschrieben werden.
Wer Zusätzliches einbringen will, hat ja noch immer die Möglichkeit, das bestehende Material in seiner Tiefe auszubauen und/oder eigene Ideen einzuflechten.
Ein Grosses Plus des Buches ist weiter der sehr genaue Aufbau:
Jede Übung ist mit einer ungefähren Zeitangabe versehen und die Instruktionen für die Übungen, aber auch für die Entspannungsübungen und Körperreisen, sind so geschrieben, dass man sie 1:1 aus dem Buch vorlesen kann. Auch sind für viele Übungen Interventions-Strategien vorgeschlagen, falls mal etwas aus dem Ruder laufen sollte. Für viele der Übungen sind zahlreiche Lösungsvorschläge abgedruckt und einige Seiten sind als handgeschriebenes Mind-Map gestaltet, wie man es auch auf Flipcharts übertragen könnte.
Insgeamt also ein sehr praxisnahes Buch mit vielen guten Ideen, das so manch einem viel Arbeit und Mühe ersparen wird! Es beinhaltet über die guten Ideen hinaus ein komplettes Kursprogramm, das sich sehr gut auch mit eigenen Ideen ausbauen lässt. -
Gerissen!Rezension vom 11.11.2012
Wer "Ein Junge der Träume schenkte" von Luca Di Fulvio gelesen und gemocht hat, der sollte "Inkubus" unbedingt nachschieben!
Inkubus wartet - wie auch schon "Der Junge, der Träume schenkte" - mit atemberaubenden Schauplätzen und bizarren Figuren auf! Das Buch lebt von der ersten bis zur letzten Seite. Wie kein anderer Krimi- und Thrillerautor geht Luca Di Fulvio bis in's blutigste Detail, um dem Leser in die bizarre Welt des Verbrechens einzuführen. Die sich erst nach und nach auflösende Handlung verlangt dem Leser ausserdem eine gesunde Portion Aufmerksamkeit ab, ehe Di Fulvio mit einem brillianten Finale aufwartet.
So blutig wie brilliant und daher uneingeschränkt lesenswert!
Abstriche gibt es von mir lediglich für den meiner Meinung nach leicht überzeichneten Charakter des Primo Ramondi, der die Geschichte teilweise etwas redundant und zähflüssig wirken lässt. -
Ein AusrutscherRezension vom 11.11.2012
Nicht nur inhaltlich geht es in "Roman ohne Eifersucht" um Ausrutscher, sondern auch literarisch hat der Roman (leider) einige Ausrutscher zu bieten.
Die Geschichte dreht sich um Jonathan und Karen, die jeweils unterschiedliche Ansichten in Beziehungssachen haben. Während Jonathan auch mit Karen an der Hand unbeirrt anderen Frauen hinterher schaut, nagt es an Karen, dass sie Jonathan wiederum mit nichts und niemandem eifersüchtig machen kann. Deswegen entschliessen sich die beiden für ein wagemutiges Experiment ...
Ich persönlich kenne Theresa Bäuerlein aus dem Magazin "Neon" und bin über sie auf den Roman gestossen. Glücklicherweise hat Ihre Art zu schreiben mit "Roman ohne Eifersucht" gehalten, was ihre Kolumnen im Neon jeweils haben vermuten lassen. Ihre Art, Dinge zu beschreiben, ist tatsächlich erfrischend anders. Der Inhalt jedoch hätte ausgefeilter sein können. Im wahrsten Sinne des Wortes könnte man sagen, dass die Protagonisten zum Schluss des Romans nicht mehr zueinander finden. Grund dafür sind meiner Meinung nach die zu wenig subtil inszenierten Nebenschauplätze und Nebendarsteller, die den Roman wässerig und zum Schluss hin etwas zäh machen. Was mit einer guten Idee startet wird leider zu wenig konkret fortgesetzt.
Ein absolutes NoGo sind für mich die beiden Kapitel, in denen der Roman aus der Sicht von Bens Laborratte erzählt wird. Schade um die an und für sich gute Idee.
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Das Drama wird zur LangeweileRezension vom 27.10.2012In Cecelia Aherns "Für Immer Vielleicht" geht es im Groben und Ganzen nur um eines: Alex und Rosie verpassen sich. Und zwar immer wieder.
Die zwei kennen sich, seit sie kleine Kinder sind, gehen miteinander durch Dick und Dünn und ... schaffen es in all den Jahren nicht ein einziges Mal, auszusprechen, was sie fühlen und für einander empfinden.
Die Jahre streichen so dahin und sind geprägt von Einschnitten, Enttäuschungen, Freuden, Erfolgen und Hochzeiten. Und obwohl jeder eigene Kinder und Familie hat und sie hunderte von Kilometern voneinander entfernt leben, bleiben Alex und Rosie stets miteinander in Kontakt. Entweder per Mail, per Gruss- oder Ansichtskarten oder per Brief.
Diesen Brief- und Wortwechsel kann der Leser hautnah mitverfolgen. Denn das Buch liest sich wie eine grossse Sammlung von (Liebes-)Briefen, die zwar nicht datiert sind, dem Leser aber aufgrund ihres Inhalts Aufschluss darüber geben, was passieren wird und was passiert sein muss.
Anfänglich hatte ich etwas Mühe mit der doch ziemlich gewöhnungsbedürftigen Idee, ein Buch mittels Briefen, Mails, Chatverläufen und Grusskarten chronologisch aufzubauen. Wenn man sich aber erst einmal daran gewöhnt hat, ist es eigentlich ganz witzig.
Weniger witzig fand' ich hingegen, dass sich - wie ich schon bei "P.S. Ich Liebe Dich" den Eindruck hatte - sich nach der Hälfte die Geschichte ziemlich verliert.
Cecilia Ahern wartet m.M.n. auch bei "Für Immer Vielleicht" viel zu lange, bis sie die Katze aus dem Sack lässt. Mal abgesehen davon, dass der Leser ohnehin weiss, um was für eine Katze es sich handeln wird.
Wieso dann die Dramatik aber über hunderte von Seiten (teils ziemlich unrealistisch) gesteigert wird, ehe sie erst im Prolog am Schluss als "grosse Überraschung" aufgelöst wird, kann ich nur schlecht nachvollziehen. Ich hätte es schöner gefunden, wenn die langatmige Story einer etwas erfrischenderen Wendung hin zum Guten gewichen wär. -
Knackig, spannend, passt!Rezension vom 23.10.2012Welch Glück ich hatte, ausgerechnet das beste Buch von Suter zum Schluss zu erwischen! Alle anderen hatte ich bereits gelesen und war sichtlich davon angetan.
Dementsprechend war die Vorfreude gross; aber auch die Erwartungen. Sie wurden nicht enttäuscht!
Super Geschichte, die von allem etwas bietet: Spannung, interessante Wendungen, Ungewissheit, Liebe, Krimi, Enttäuschung, Rätselraten und ein grosses Finale! Gepaart mit Suters typisch-bildhafter Erzählweise eine unschlagbare Kombination! Ausserdem lernt man, wie in allen Büchern von Suter, dank seinen eingehenden Recherchen auch hier einiges dazu. Kurz, knackig und von A-Z spannend!
Einziger Nachteil: Das Buch hat leider keine 1'000 Seiten! ... oder wer sonst hätte nicht auch gerne mehr von Norina gehabt? -
Der Optimismus fehltRezension vom 19.10.2012
Gute Bücher sollen ja zeitlos sein. Und das sind sie gemeinhin auch. Daher hat es mir nichts ausgemacht, das Buch erst zu lesen, nachdem es bereits seit geraumer Zeit zu den Bestsellern des Buchmarktes gehört und mittlerweile auch schon eine Verfilmung davon gedreht wurde. Denn ich mag Liebesgeschichten ungemein und ich finde, für sie sollte es immer und überall Platz haben. Und zwar nicht nur in Buchform.
So war ich von der ersten Seite an total angetan von der lieben Holly, die mit ihrem Schicksal schwer zu tragen hat. Angetan war ich auch von ihrem lieblich portraitierten Umfeld mit den Protagonisten, von welchen man sich jeden einzelnen bildhaft vorstellen kann! Dabei werfen die Gefühle, Emotionen und Gedanken von Holly eine zentrale Frage unseres Lebens auf: Wie weiter nach Enttäuschungen im Leben? Wie weiter nach einem Todesfall? Wie umgehen mit all dem Schmerz und der Entrüstung? Wann ist die Zeit gekommen, Neues auszuprobieren? Und inwiefern ist man der Gesellschaft und den Angehörigen etwas schuldig? Wann darf man sich wieder freuen, wann darf man lachen? Darf man überhaupt jemals wieder lachen?
Das heikle Thema arbeitet Cecelia Ahern gefühlsgeladen und sehr emitional aus. Dabei lässt sie kein Fettnäpfchen aus und führt den Leser von einem Dilemma in's nächste. Als Leser bangt, freut, lächelt, weint und grübelt man mit Holly. Cecelia Ahern gelingt dies auf eine bezaubernde und mitreissende Art, wie man sie nur von wenigen, eingängigen Liebesgeschichten kennt. Dies alles fasst sie mit einem erstaunlich scharfen Auge für's Detail in Worte, wie man das Leben und den Alltag normalerweise nur als Verträumter oder als Verlorener kennt. Ich habe mich daher gänzlich in der Geschichte verloren. Dafür gebührt ihr grosser Respekt!
Gegen Mitte und vor allem gegen Ende des Buches hin hätte ich mir allerdings einen Lichtblick gewünscht. Eine Wendung oder ein Erfolg, der das Vorgefallene neu interpretiert, Hollys Verhalten spiegelt oder ihr einen neuen Weg in die Zukunft weist. Eine Wendung, die den Leser hinter's Licht führt oder ihn eiskalt ertappt.
So aber bröckelt die Geschichte bis zum Schluss hin ein wenig vor sich her und ich war teilweise gar leicht angesäuert von den ständigen Fragen nach dem Warum und dem Wieso. So schafft es "P.S. Ich liebe Dich" meiner Meinung nach nicht über den Rahmen des verlorenen Schafs hinaus, sondern bleibt gefangen in der eigenen, etwas dekonstruktiven Welt, die sich Holly aufgebaut hat.
Man könnte dem entgegenhalten, dass der vielversprechende Schluss dem Leser doch allerhand Material für eigene Phantasien in die Hände spielt. Nun, das mag vielleicht sein. Dann frage ich mich aber, wieso ich erst die ganze Trauerarbeit habe lesen müssen, wenn ich der grossartigen Erzählweise von Cecelia Aherns doch so gerne auch schäne Zeiten abgewonnen hätte.
Insgesamt aber dennoch ein grosser Lesespass! Ich bin gespannt auf weitere Werke der Autorin. -
Gute 4 Sterne!Rezension vom 16.10.2012
Was den Titel angeht, kann ich mich den kritischen Stimmen meiner Vorredner anschliessen: Er hält nur mit Müh und Not, was er verspricht.
... und mal unter uns gesagt, hält er sein Versprechen eigentlich in keinster Weise!
Will heissen: "Der Junge, der Träume schenkte", ist weder leicht verdauliche noch literarisch eingängie Kost. Mit "wenig eingängig" meine ich dabei aber keinesfalls den Lesefluss. Sondern die enorm bildhafte Sprache, die dem Leser so einiges abverlangt! Nicht unbedingt Bettlektüre.
Und hiermit wären wir auch schon bei einer der zahlreichen Stärken des Buches: Das Buch lebt! Die Geschichte schreibt sich quasi von selbst und die darin enthaltenen Figuren schillern regelrecht um ihr Leben! Luca Di Fulvio schafft es gar, innert Kürze neue Figuren zu kreieren, die einem nach 400 Seiten das erste Mal begegnen, bei denen man aber nach 3 Seiten bereits das Gefühl hat, sie seit Beginn des Buches zu kennen. Das ist wahre Kunst!!
Die Figuren sind dabei nicht nur billiant, sondern auch extrem charakterstark gezeichnet. Ihre Profile sind so anspruchsvoll und brutal wie die Taten, die sie begehen und die Absichten, die sie hegen. Dementsprechend also nichts für schwache Nerven! ... und das soll keine Anspielung auf einen gewöhnlichen Krimi, sondern auf brutalen Sex, Vergewaltigung, Verstümmelung und Schändung sein! Und wer jetzt denkt, sich verlesen zu haben, den kann ich damit trösten, dass einen die Geschichte - so brutal sie auch klingen mag - dermassen einnimmt, dass man mitfühlt, ja gar mitfiebert und vollends in das Elend (aber auch die Widerauferstehung) eintauchen kann. Und zwar in einer Weise, wie es keine zehn Adler Olsen dieser Welt schaffen!
Denn Di Fulvio ist anders. Er haucht den Dingen Leben ein! Das Böse erhält Kontur, ein Gesicht. Es formt sich zur Angst, zur Allgegenwart und zum Feindbild des Lesers. Gleichwohl sich die Liebe dazu zum Freund, zum Hoffnungsschimmer und zum lang ersehnten Gegenstück auf den lebhaften Strassen New Yorks formt. Grossartig!
Insgesamt eines der besten Werke, das mir je untergekommen ist! Dort, wo viele Krimis und Thriller Halt machen, hält Luca Di Fulvio gnadenlos drauf. In detailverliebten aber auch brutalen Beschreibungen über Gewalt, Misshandlung und Verbrechen, aber auch Liebe, Hoffnung, Verlust und Schmerz. Vielleicht ist das Buch deswgen so wahnsinnig ehrlich; weil es vor nichts und niemandem zurückschreckt. Und vielleicht fühlen sich auch einige gerade deswegen so peinlich berührt, wenn sie das Buch nicht einfach beiseite legen können, sondern hinschauen müssen. Wenn Blut und Tränen fliessen. Wenn Freude und Liebe herrschen. Und wenn der Leser plötzlich Zeuge von Handlungen wird, die ihn so tiefgründig und peinlich berühren, aber auch verletzlich, mitfühlend und gerührt machen, dass man sich mitschuldig, ergriffen und teilweise regelrecht erniedrigt fühlt!
Ganz grosse Klasse! Das schaffen nur wenige. -
Alles und doch ... Nichts!Rezension vom 05.10.2012Gute Fantasy Bücher sind selten! Und wenn sie gut sind, wünscht man sich oft eine ganze Reihe davon. Gute Fantasy-Reihen sind dementsprechend noch seltener. Eine solche wünscht man sich deshalb umso mehr.
Auf der Suche nach einer guten Fantasy-Reihe habe ich deshalb auch Cashores Reihe eine Chance gegeben; hauptsächlich aufgrund des überragenden Kundenechos.
Ich musste jedoch enttäuscht feststellen, dass ich mich den Lobpreisungen meiner Vorredner und Vorrednerinnen nicht anschliessen kann.
Ich hatte "Die Beschenkte" trotz der 480 Seiten in knapp 5 Tagen durch. Danach blieb die grosse Frage: Weshalb? Denn unglaublich gut fand ich sie nicht.
Vielmehr habe ich die relativ oberflächliche Erzählung im Nu gelesen, ohne dass es mich jemals richtig gepackt hätte. Das Abenteuer plätschert so vor sich hin, ist sprachlich relativ einfach gehalten und verschenkt leider viel zu viel von seinem anfänglich gut angedachten Potential. Die Ideen sind gut, aber es fehlen die Rätsel, die spannenden Wendungen, die Höhepunkte und das Unvorhersehbare. "Die Beschenkte" beschränkt sich auf eine etwas überzeichnete Heldin, einen wenig überzeugenden Antihelden und auf etwas zu stereotype Beschreibungen von Natur, Haus und Hof. Ausserdem ist mir die etwas zu moderne und alltägliche Sprache etwas missfallen. Zuträglich hingegen fand' ich die relativ kompakte Erzählweise, die grosse Ausschweifungen und ausladende Erzählungen aussen vor lässt. So kommt es vor, dass ganze Tagesreisen oder eine komplette Segelfahrt auf einer halben Seite dahingerafft werden. Und hier steht sich der Roman quasi selbst im Weg: Auf der einen Seite ist man froh, dass Kurzatmiges nicht langatmig wird; auf der anderen Seite kommt so aber relativ wenig Flair auf. Die Fantasy wirkt dadurch etwas insgesamt etwas farblos. Und wenn man ehrlich mit sich selbst ist, weiss man bereits nach 100 Seiten, wie die Geschichte enden wird. Und die wenig subtil eingebauten Wendungen, die da noch übrig bleiben, werden dem Leser von der Autorin leider viel zu früh und viel zu offensichtlich zugeführt.
Insgesamt ein leicht verdaulicher Roman mit guten Ideen und einem riesen Potential, dem es allerdings an Finesse und reichlich Geduld fehlt.
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Erst das Buch lesen!Rezension vom 03.10.2012Man sollte fairerweise sagen, dass man es wahrlich zu niemandes Aufgabe machen möchte, 820 Seiten eines Buches in ein Drehbuch packen zu müssen! Speziell dann nicht, wenn es sich dabei um die Vorlage von Audrey Niffenegger handelt: Eine Buchvorlage, die an Bildhaftigkeit und Sprachgewalt kaum zu übertreffen ist und die bereits in Buchform zu Tränen rührt. Mal ganz abgesehen vom einzigartigen Inhalt der Geschichte.
Obwohl die Verfilmung ein emotional kaum annähernd ebenbürtiges Ergebnis darstellt, muss man ihr dennoch zugute halten, dass sie den Zuschauer von Anfang bis Ende gebannt auf ihre Zeitreise mitnimmt. Obwohl dem begrenzten Zeitrahmen der Verfilmung grosse Teile des Buches zum Opfer gefallen sind, wurde Niffeneggers Vorlage mit den traumhaften Schauplätzen und der nicht zuletzt hervorragenden, schauspielerischen Leistung von Rachel McAdams Rechnung getragen.
Ein insgesamt emotional stimmiges Ergebnis und allemal sehenswert!
... Obwohl am Schluss des Filmes wohl jeder Zuschauer, der zuvor das Buch gelesen hat, lächelnd und vielleicht auch ein wenig wehmütig an seine Zeit und seine Traumwelt als Leser zurückdenken wird, in der er Henry und Claire durch die Zeit begleitet hat.













