Rezensent im Portrait
aus Berlin
- Gesamte Rezensionen
- 41 (ansehen)
- Über mich
- Lady Woodstock
-
Krasse Fantasymärchen aus...Rezension vom 17.02.2011Geralt aus Riva ist ein genetisch aufgemotzter Hexer, der durch die Lande zieht, stets auf der Suche nach bösen Monstern, die er dann gegen ein angemessenes Entgeld kurzerhand abmurkst.
Die Leute können Geralt nicht ausstehen und Geralt selbst hat von sich auch keine sehr hohe Meinung. Das macht ihn manchmal zu einem ziemlich übellaunigen und depressiven Zeitgenossen. Allerdings ist er beim genaueren Hinschauen gar kein so übler Bursche, und im Laufe seiner diversen absonderlichen Abenteuer lernt man beinahe, ihn zu mögen. Und natürlich erfährt man als Leser auch noch ein paar Hintergründe über die wahre Geschichte von Schneewittchen, Froschkönig, dem Biest mit seiner Schönen und etlichen anderen Märchengestalten.
Der sogenannte Geralt-Zyklus umfasst sieben Bände. Die ersten beiden sind als Kurzgeschichtensammlung angelegt und die folgenden fünf als zusammenhängende Saga, die man aber unbedingt in Kenntnis der ersten beiden Bände lesen sollte.
"Der letzte Wunsch" ist der erste Band und erzählt diverse Anekdoten über den miesepetrigen Hexer. Am Ende des Buches hat man dann auch ein ziemlich klares Bild von seinem Charakter und seiner Welt. Einer Welt, die zwar im finstersten Mittelalter steckt, in der aber die Zauberer und Hexer den glasklaren wissenschaftlichen Durchblick besitzen und nicht nur erfolgreich das Genmaterial ihrer Angehörigen manipulieren sondern auch so manches "Zauberstück" vermittels fundierter Einsichten in Wissenschaft und Technik vollführen.
Andrzej Sapkowski (den man auch als polnischen Tolkien beweihräuchert) besticht durch seine ungewöhnliche Erzählweise und einen ausgesprochen zünftigen Schreibstil. Das hebt seine Kurzgeschichtensammlung heraus und macht sie zu einem ganz besonderen Fantasystück. Sapkowskis Geschichten sind vielleicht nicht jedermanns Geschmack, aber hat man erst mal einen Zugang zu seinem Stil und zu Geralts schrägem Charakter gefunden, kann man regelrecht süchtig nach ihm und seinem Hexer werden.
Obwohl dieser erste Band sprachlich manchmal ein ganz klein wenig holprig wirkt (vielleicht liegts aber auch an der Übersetzung), platzt er doch vor guten Einfällen und krassen Wendungen und für mich waren besonders die herrlich respektlosen Parodien auf die europäischen Märchenklassiker hammergute Unterhaltung.
Oder wussten Sie vielleicht schon, dass Schneewittchen eigentlich eine ziemlich unhübsche Striege ist? Oder warum meterlange, dicke Zöpfe zeitweise eine ziemlich nervige Modeerscheinung unter den prinzenfixierten Girlies seinerzeit waren?
Wer mit "Der letzte Wunsch" durch ist, ist von Geralt entweder hingerissen oder er will nie wieder etwas über den Kerl lesen.
Für mich gilt ganz klar Ersteres, und ab Band 2 (Das Schwert der Vorsehung) wird die Geschichte auch immer witziger. Die Schreibe ist rasant, die Dialoge haben Biss, die Wendungen sind meist unvorhersehbar und über den derben Humor kann man sich nur wegschmeißen. -
Ein Hammer-Jugendbuch, das auch Erwachsene erschüttertRezension vom 09.11.2010Eigentlich ist "The Hunger Games" ein Science Fiction, denn er handelt in einer düsteren Zukunft. Doch ist das erzählte Thema so nahe und aktuell, dass es beinahe aus dem allabendlichen Fernsehprogramm stammen könnte:
Aus den Staaten Nordamerikas ist das totalitäre Panem geworden - ein Staat der Unterdrückung und Ausbeutung. Die Hunger Games sind eine Reality-Show, die nicht nur zur Unterhaltung der Herrschenden dient sondern hauptsächlich zur Warnung an die rebellischen Distrikte inszeniert wurde, mit der Botschaft: Lehnt euch gegen uns auf und wir schnappen uns eure Kinder.
Seit vor 74 Jahren eine Rebellion in Distrikt 13 niedergeschlagen und derselbe von der Landkarte ausradiert wurde, werden nun jedes Jahr aus allen 12 verbliebenen Distrikten von Panem zwei Kinder zwischen 12 und 18 Jahren ausgelost, die an dieser Reality Show teilnehmen müssen - ein Junge und ein Mädchen. Nach kurzer Auffütterung und Training in der Hauptstadt Capitol, werden die Kinder in der sogenannten Arena ausgesetzt einem weiten Gebiet mit unterschiedlicher Landschaft und Nahrungsangebot, gesteuertem Klima mitsamt dazugehörigen Naturereignissen und vor laufenden Kameras beginnt der Kampf auf Leben und Tod. Nur einer der 24 Teilnehmer darf die Arena lebend verlassen.
Katniss Everdeen und Peeta Mellark sind die Vertreter des ärmsten Distriktes 12, und ihre Überlebenschancen sind nicht gerade gut, auch wenn Katniss seit Jahren für ihre Mutter und Schwester sorgt und weiß was Hunger und Überlebenskampf bedeuten. Auch hilft es dem Ziel der Spiele wenig, dass Peeta Katniss schon immer liebt und sie tief in seiner Schuld steht, weil er ihr einst das Leben gerettet hat, denn in der Arena geht es nur darum, alle anderen zu töten.
Obwohl so ein Roman über irgendeine futuristische Reality-Show absolut nicht in mein Geschmacksraster passt, habe ich die englische Ausgabe schließlich doch halb neugierig halb skeptisch bestellt - bin ich doch an jeder Ecke über den endlosen Lobgesang zu dieser dreiteiligen Jugendbuchreihe gestolpert.
Meiomei war das ein Killer-Trip.
Das Schicksal von Peeta und Katniss und auch das der anderen Kids fesselte mich von der ersten Zeile an und ließ mich selbst dann nicht in Ruhe, als ich das Buch nach der letzten Zeile zugemacht hatte. Hier liest man auf Nonstop-Hochspannungsniveau eine einfühlsame Geschichte über Freundschaften und Feindschaften in einer feindseligen Umgebung, wie Menschen sich entwickeln können wenn nur das blanke Überleben zählt. Das alles ist in einer schnörkellosen, fast spartanischen Sprache erzählt und ausgeschmückt mit Kampf und Hunger und Krankheit ohne je in Splatterei auszuarten, einem Hauch von Romantik und großen, wenn auch jungen Helden, die man einfach lieben muss und um die man ehrlich weinen darf.
Genau so muss eine gute Geschichte sein: Wahr und berührend, so dass sie einen nachdenklich, reifer und vielleicht sogar besser zurücklässt. -
Reue, Umkehr und Neuanfang auf MittelmaßRezension vom 09.11.2010Jim Heron, von Berufswegen gefallener Engel, hat in diesem zweiten Teil von JR Wards neuer Serie keinen leichten Job. Er soll seinen früheren Kollegen und Profilkiller Isaac auf den Pfad der Tugend zurückführen. Das ist deshalb so schwer, weil Matthias der Chef der supergeheimen Geheim-Spezial-Killereinheit, zu der beide einst gehörten, die Macht und die Mittel hat, Isaac kurzerhand aus dem Weg zu räumen. Und genau das macht Matthias üblicherweise mit Abtrünigen und ihren Angehörigen.
Grier Childe, Isaacs Pflichtverteidigerin, erwärmt sich für den verschlossenen Knaben und als sie feststellt wie tief der vermeintliche Gesetzesbrecher in der Tinte steckt, da hat sie sich bereits bis über beide Ohren in ihn verliebt.
Im Kampf Himmel gegen Hölle hängt Jim dieses Mal ganz schön in den Seilen, da läuft so manches schief und der Dämon Devina hat eindeutig Oberwasser. Das macht die Geschichte recht spannend und bis zum Ende lesenswert. Zumal bei Jims Geschichte einige kleinere Überraschungen auf den Leser warten.
Die Liebesgeschichte zwischen Isaac Rothe und Grier Childe (man beachte die Kombination von Isaacs Nachnamen mit dem seiner Angebeteten), hat mich hingegen über die Maßen gelangweilt. Da hat sich einfach nichts Interessantes, Leidenschaftliches oder gar Romantisches abgespielt. Diese Romanze war so ward-untypisch und mittelmäßig, dass sie aus jedem beliebigen Schmachtfetzen hätte stammen können und genauso schnell wieder vergessen ist wie dieselben.
Den Mangel an einer gelungenen LoveStory macht Ward auch nicht dadurch wett, dass sie seitenweise mit Kraftausdrücken und Abkürzungen um sich wirft. So sehr ich Wards deftige Sprache und ihren coolen Slang auch ansonsten schätze, dieses Mal hat sie es schwer übertrieben. Leider wirken dreckige Flüche und Beschimpfungen mitsamt den ganzen AWOLs und ASAPs und SOBs nur dann wirklich gut, wenn man sie sparsam so sparsam dosiert wie Champagnertrüffel. Zuviel davon kann leicht zu Magenverstimmung führen.
Für meinen Geschmack ist Crave eine Fortsetzung, die mich angesichts des vielversprechenden Auftakts in Covet und angesichts der ansonsten überragenden Schreibkunst der Autorin ziemlich enttäuscht hat. Der ganze Roman kommt mir oberflächlich vor und erweckt in mir den Eindruck, dass er schnell und lieblos heruntergeschrieben wurde.
Natürlich steht auch einer guten Autorin mal so ein 3-Sterne Durchhänger zu. Und nicht nur wegen Jims Geschichte sondern vor allem deshalb werde ich JR Ward auch weiterhin die Treue halten und mit umso höheren Erwartungen dem Teil 3 entgegenblicken.
Wäre dies mein erstes Buch von ihr gewesen, wären ich sicher nie ein Fan von ihr geworden. -
Oder was es heißt zu lebenRezension vom 03.11.2010Georgia Lass (Ellen Muth) ist ein übellauniges und desinteressiertes Spät-Teenie-Girl, das sich lustlos durchs Leben langweilt. Man könnte daher durchaus annehmen, dass Georgia nicht übermäßig enttäuscht sein dürfte, als sie ganz unvermittelt von einer Klobrille erschlagen wird und dahinscheidet.
Georgias Freude über ihren Tod hält sich jedoch in Grenzen, ebenso wie die Freude über ihren neuen Postmortem-Job als Seelensammlerin, der sie vor so manche moralische Zwickmühle stellt und nicht zuletzt immer wieder erkennen lässt wie wertvoll jeder einzelen Moment im Leben sein kein solange man es noch hat.
2 Staffeln und insgesamt 29 Episoden lang und einen Abschiedfilms in der Länge von erlebt man auf geistreichste Weise wie die untote Georgia allmählich lernt das Leben wertzuschätzen.
Eine der besten Serien dieses Jahrzehnts:
Herzhaft makaber, mit knochentrockenem Humor und einer geballten Ladung an unaufdringlichen aber umso zutreffenderen Lebensweisheiten, mit so wunderbar ätzenden, schrulligen und durchgeknallten Charakteren, dass es einem die Tränen jedweder emotionaler Färbung ins Gesicht treibt. An erster Stelle natürlich Grummelsuse Ellen Muth, deren posthumer Werdegang zu einem echt sympathischen Zeitgenossen einen einfach nicht kalt lassen kann.
Prädikat "Abgesetzt"
Dass diese Serie beim amerikanischen TV-Sender schon nach der zweiten Staffel wieder beerdigt wurde, ist eindeutig ein Zeichen für ihre hohe Qualität. Befindet sie sich doch mit diesem Schicksal in bester Gesellschaft vieler anderer viel zu früh dahingegangener Genial-Serien wie Pushing Daisies, Eli Stone oder Firefly um nur drei meiner Liebsten zu nennen.
Warum die amerikanischen Sender lieber Stumpfsinn in Endlosreihen produzieren und dafür alles, was auch nur den Hauch von Geist und Anspruch hat gnadenlos abservieren, darüber möchte ich lieber nicht spekulieren, jammerschade ist es allemal.
DVD:
4 DVDs Lauflänge 600 Minuten, mit nervigen Raubkopierhinweisen.
-
Nicht nur Mumien werden zum Leben erwecktRezension vom 12.10.2010Nein, Monsieur Besson hat mit diesem Film auch Mademoiselle Adèle aus dem französischen Kultcomic "Adèles ungewöhnliche Abenteuer" in eine dreidimensionale Powerfrau aus Fleisch und Blut und sprühendem Geist verwandelt.
Adèle (Louise Bourgoin) ist die französische Antwort auf Indana Jones, nur dass Adèle sehr viel geistreicher ist und zweifellos etwas mehr Sexappeal besitzt als Altvater-Indy. Die unlösbaren Rätsel werden von Mademoiselle im Handumdrehen gelöst, tödliche Fallen galant umgangen und die entscheidende Mumie wird gleich zu Beginn des Abenteuers entdeckt. Der Grund: Adèle braucht dringend eine Mumie zu häuslichen wenn auch völlig selbstlosen Zwecken. Der charmante Patmosis wird unter großen Mühen wieder zum Leben erweckt und noch einiges anderes Vieh- und Menschenzeugs dazu, welches natürlich postwendend das idyllische Paris anno 1912 unsicher macht.
Je suis férue
über diese zu süße, sehr kindlich gemachte und durch und durch witzige Fantasy-Abenteuer-Geschichte mit herzig trockenem, französischem Humor, bei der die Herren der Schöpfung durchweg liebenswürdige Karikaturen ihrer selbst sind, echte Feinde eigentlich kaum existieren, spektakuläre Actionszenen hintereinander weg krachen und das Happy End ein eher Unerwartetes ist.
Dass hier ein Comic als Vorlage diente, ist an dem sequenzartigen Storyverlauf zu erkennen. Dennoch dürfte es dem kundigen Indiana-Jones-Fan keinerlei Schwierigkeiten bereiten der spritzigen und furchtlosen Adèle durch ihre Geschichte zu folgen. Von Stückwerk im Handlungsverlauf kann gar nicht die Rede sein.
Ich habe jede einzelne, von Klischees nur so überfließende Szene genossen. Seien es nun die zahnlosen Schmuddel-Beduinen oder der kinskimäßige Widersacher oder gar der total übergeschnappte Frankensteinface-Professor und selbstverständlich auch die Crème de la Crème der Pariser Gendarmerie, in ihrer ganzen sympathischen Unzulänglichkeit. Von Patmosis will ich gar nicht reden.
Ich habe mich natürlich kein bisschen gegruselt, weder als der fleischfressende Pterodaktylus Monsieur le Président als Frühstück anvisiert hat, noch als ein ganzer Hofstaat von ausgetrockneten Mumien durch das Museum spukt, sondern ich habe viel gelacht. Und nicht nur die hoffnungslos überzeichneten Charaktere, von denen Belle-Adèle nur die Spitze des Eisbergs ist, auch die typisch französische Situationskomik tun ihr Übriges um das Amusement stets auf hohem Niveau zu halten.
Ob die eine oder andere Szene hätte sein müssen und ob der schräge Bösewicht zu selten auftaucht und dann auch noch an den falschen Stellen, ob gar die Klischees zu dick aufgetragen sind oder die CGI Technik nicht dem amerikanischen Standard entspricht, diese Fragen störten mich angesichts durchgängig guter Unterhaltung aber so was von überhaupt nicht, dass es schon wieder erwähnenswert ist. Das fehlende Fingerspitzengefühl, das die Haute Volée der Filmkritik dem Film vorwirft, vermisste ich natürlich auch nicht. Wozu hätte das ausgerechnet in einem Film dieses Genres wohl gut sein sollen?
Resumée:
Für mich sind die Abenteuer der hinreißenden Mademoiselle Adèle ein infantil inszeniertes, knallbuntes, total überzogenes Kinder-Comic-Abenteuer-Glücks-Kino mit garantierten Lachern und vielen optischen Freuden. Ein so herzerfrischend naiver Film, der jede Unglaubwürdigkeit und Logiklücke nicht nur vergessen läst sondern auch durchaus als gewollt erscheinen lässt.
Von mir aus vollem (normalerweise gar nicht so francophilem) Herzen 5 Sterne für den lustigsten und niedlichsten französischen Film, den ich seit den Sch'tis gesehen habe.
Daumen hoch! -
Super Zeitreise für KidsRezension vom 12.10.2010Wer, wohin und wann?
Valdemar und Sille haben sturmfreie Bude. Valdemar fährt auch, gar nicht faul, gleich mal Vaters geliebte Luxuskarosse zu Schrott und hat nun Not den Schaden zu beheben, bevor Papi nach Hause kommt. Die kleine Schwester Sille fühlt sich vernachlässigt und spioniert dem Bruder nach.
Angesichts des Filmtitels ist ja klar, die beiden landen natürlich in einer Zeitmaschine. Im Auftrag des unsterblichen Physikers Benedict (ja, das soll es geben, und der Knabe ist ein echt cooler Wikinger, von dem sich Connor MacLeod in Sachen Quantenphysik noch eine Scheibe abschneiden kann) durchsuchen die beiden sozusagen die dänische Vergangenheit nach einem ganz bestimmten Kreuz. Das nämlich ist für Benedicts Unsterblichkeit verantwortlich und Benedicts Ziel ist es nun mal, nein nicht der einzige zu sein und alle anderen um einen Kopf kürzer zu machen, sondern endlich altern und sterben zu können.
Gar nicht begeistert von dieser Idee ist die Wikingerhexe, die Benedict einst mit dem Unsterblichkeitsfluch belegt hat. Sie kommt den Kids bei deren Rundreise durch die Geschichte immer wieder in die Quere und das ist ganz schön spannend und lehrreich erzählt.
Meine Meinung:
Völlig unspektakulär kommt dieser unterhaltsame Film für junge Zeitreisende daher. Weder braucht es viele Spezial Effekte, noch protzige Kulissen oder zentnerschwere Kostüme um diesen Film zu einem echten Zeitreiseschmankerl zu machen. Die Darsteller, jung wie alt, machen ihre Sache gut und überzeugend. Das Debüt von Regisseur Mogens Christiansen ist alles andere als laienhaft, sondern wirklich jede Minute wert, die man darin investiert. Sicher hätte Richard Donner oder Jerry Bruckheimer mehr blutige Schwertkämpfe aufgefahren, mehr uneinnehmbare Mauern erstürmen lassen, mehr düstere Kerkerzellen und alte Gewölbe in Szene gesetzt und der ultimativen Bösewichtin hätten die besagten Herren einen Hammer von Blitzeschleuderenergie in die Hand gegeben und grauenvolle Zauberpower Marke Gandalf & Co., und sicher hätten sie mindestens 20 armselige Leibeigne unschuldig ums Leben gebracht. Aber gerade das ist der Charme dieses Films, dass dies alles fehlt und die Geschichte auch ohne viel unglaubwürdiges Brimborium spannend und gelungen ist und letztlich sogar - fürs Zielpublikum altersgerecht aufbereitet - recht brauchbare Botschaften enthält, wie z.B. Unsterblichkeit ist nur was für alternde Schabracken im Schönheitswahn ansonsten aber eher eine ziemlich lästige und einsame Angelegenheit. Freundschaft,und Geschwisterliebe ebenso wie Zivilcourage sind hingegen durchaus erstrebenswerte Dinge im Leben.
Fazit:
Für Jung-Kiddos ist das genau der richtige und in jeder Hinsicht wohldosierte Timetrip, für die älteren action- und CGI-verwöhnten Semester dürfte der Streifen allerdings nichts Neues unter der Sonne der Zeitreisen bieten und womöglich zu langsam in seiner Gangart sein.
DVD:
Laufzeit 87 Minuten, Sprachen: Deutsch, Bildformat: 1:2, 35/16:9. Tonformat: Deutsch DD 5.1
Dürftiges Bonusmaterial in Form einer Trailershow. -
Arnie in einer absolut gelungenen Parodie seiner selbstRezension vom 26.09.2010Okay, Zeit für ein Outing: Ich war schon immer ein halber Arnie-Fan. Nach diesem Film bin ich ein ganzer! Dass Arnie mit zunehmender Reife zu ganz passablem Humor fähig ist, hat er schon in Filmen wie Kindergarten Cop oder Twins gezeigt. Der nächste Schritt, nämlich der zu lässiger und unverkrampfter Selbstironie ist ihm mit "True Lies" bestens gelungen. Dieser Film ist nicht nur ein explosives Actionpaket, sondern auch eine wirklich gute und unterhaltsame Parodie auf alle typischen Agentenfilme und natürlich auf den klassischen Actionhelden, wie ihn Arnie höchstselbst gerne spielte.
Worum geht's in der Geschichte?
Für den Geheimagenten Harry Tasker (Arnold Schwarzenegger)ist keine Gefahr zu gefährlich, kein Geheimnis zu geheim und keine Frau zu unnahbar. Er ist der Crack, das Genie, der Superagent!
Harrys Job ist so wichtig und geheim, dass nicht einmal seine Frau Helen (Jamie Lee Curtis) oder seine Tochter Dana etwas davon wissen dürfen.
Helen, eine biedere Hausfrau und Anwaltsgehilfin, denkt doch tatsächlich ihr Angetrauter sei ein spießiger Computerverkäufer. Es ist also gewissermaßen eine Ironie des Schicksals bzw. des Drehbuchs, dass Helen sich mit ihrem Gatten ein wenig langweilt und um der lieben Aufregung willen ein Techtelmechtel mit dem vermeintlichen Geheimagenten Simon (Bill Paxton) anfängt. Als Harry seiner Frau geheimagentenmäßig auf die Schliche kommt, hat Simon wahrlich nichts mehr zu lachen. Für Helen aber springt bei der ganzen Affäre ein kleiner und wie es scheint harmloser Nebenjob in Harrys geheimer Geheimorganisation heraus.
Soll sie doch ein wenig Spaß haben, denkt Chauvi-Harry. Aber da schaut er leicht verblüfft als plötzlich ganz furchtbar gemeine Terroristen (arabischer Herkunft natürlich) ihm die Tour bei Helen vermasseln. Das lässt Arnie, äh Harry nicht auf sich sitzen und von jetzt an geht die Action erst richtig los, denn nun muss Harry seine Frau und die Welt retten. Erstere erweist sich als ziemlich nützlich beim üblichen Zertrümmern von Baracken, Benzintanks, Hubschraubern, Brücken und Hochhäusern...
Wer mit Arnie und belanglosen Actionfilmen nichts anfangen kann, wird sich wohl auch für diese Parodie auf dieselben kaum erwärmen können. Wer aber als Grundvoraussetzung eine gewisse Neigung zu rasanten Verfolgungsjagden, Globaldemolierung und terminatormäßiger Action mitbringt, der wird sich bei diesem Film garantiert scheckig lachen und sich selbst bei dem etwas langatmigen Mittelteil kaum langweilen, denn die unzähligen witzigen Einfälle und Effekte sorgen für bestes Amüsement und Jamie Lee Curtis ist überhaupt die ungekrönte Königin dieses opulenten Spektakels. Sie ist sozusagen ein atemberaubend erotisches Sahnehäubchen (Kaum zu glauben, dass diese Frau sooo eine Figur hat), die ihr großes schauspielerisches Talent bis zum Äußersten ausschöpft.
Einziges Gemecker: Manchmal fand ich den Film unnötig blutig und brutal. Schade eigentlich, denn sonst hätte mein Jüngster auch mitschauen dürfen. So aber muss er noch 6 Jahre warten bis er in den kurzweiligen Genuss von Gouvernators aufwendig inszenierter Selbstironie kommen darf. -
Geballte Ladung an Stars wenig HebelwirkungRezension vom 18.09.2010Irgendwie erinnert mich dieser Film an einen Versuch im Chemielabor: Da füllt man Nitroglycerin zusammen mit Acetonperoxid in ein Reagenzglas, macht einen Pfropfen drauf und schüttelt es kräftig durch, und nach allen Gesetzen der Wissenschaft müsste es schon ziemlich bald einen Riesenbums geben, bei dem das Chemielabor zu Kleinholz zerlegt wird und wichtige Körperteile des Chemikers an der Zimmerdecke kleben bleiben, aber allen Annahmen zum Trotz passiert nichts.
Was ist schief gelaufen?
Schlechtes Beispiel, finden Sie?
Eine Skandalkomödie, die einst bei ihrer Uraufführung genau ins Schwarze getroffen hat und ein voller Erfolg war. Eine Gesellschaftssatire mit aberwitzigen Wendungen und scharfsinnigen Dialogen, die geradezu danach schreit verfilmt zu werden:
Eine Meisterintrigantin erpresst einen scheinbar ehrbaren Politiker mit den Schandtaten aus seiner Vergangenheit. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, macht sie sich auch an dessen Gattin heran, die ihren Gemahl bislang für unfehlbar hielt. Das Ehedrama ist vorprogrammiert. Der beste Freund des Politikers versucht zu helfen verstrickt sich dabei aber ebenfalls im höllischen Intrigengewirr, immerhin ist ihm die Meisterintrigantin nicht ganz fremd.
Eine Geschichte voller Esprit - mit einem Lacher nach dem anderen - bei der sich das ganze Dilemma schließlich in einem fulminanten Happy End auflöst. Das ist das, was Oscar Wilde zu der Verfilmung dazu geliefert hat.
Britische Leinwandgigangten wie Rupert Everett, Cate Blanchett, Minnie Driver, Jeremy Northam, Peter Vaughan und Julianne Moore ist das, was Regisseur Oliver Parker dazu gegeben hat und heraus gekommen ist nichts weiter als eine zähe, graue Substanz, die sich am Ende in ein paar Lachverpuffungen und ein bisschen rosaroter Burleskendampf auflöst.
Schief gelaufen!
Die Darsteller sind blutleer wie Mumien. Rupert Everett in der schlechtesten schauspielerischen Leistung, die ich je von ihm gesehen habe, krönt die Darstellertruppe als hölzerner König der Emotionslosigkeit. Dialoge, die aus Wildes Feder denkwürdige und zitierfähige Knaller sind, tropfen Lord Goring aka Everett aus dem Mund wie Sabber. Minnie Driver ist in ihrer Rolle der Miss Mabel Chiltren die personifizierte Fehlbesetzung, sowohl optisch als auch altersmäßig. Ihre Schauspielerei in diesem Stück könnte mühelos von Kalibern wie Jenny Elvers-Elbertzhagen übertroffen werden.
Von der sanften Liebe, die sich angeblich zwischen Goring und Mabel entspinnt, ist nichts zu merken. Da prickelt selbst in einem Splatterfilm noch mehr Romantik.
Was den Schauspielern an Emotionen und Feuer (immerhin sind hier Existenzen bedroht) fehlt, wird durch überkandideltes und albernes Gehabe längst noch nicht ausgeglichen. Die Ironie und Rasanz der literarischen Vorlage ist spurlos im Reagenzglas verdunstet.
Zwei Sterne:
Einen für die letzten zehn Minuten, in denen dann doch noch etwas Fahrt aufkommt und einen für Julianne Moore, die immerhin eine einigermaßen glaubwürdige Intrigantin abgibt.
Ansonsten nur Ärger darüber wie eine Steilvorlage der Literatur trotz namhafter Schauspieler so wenig Auswirkung auf den Unterhaltungswert eines Filmes haben kann.
Daumen runter!
DVD:
Bildforamt: 16:9 widescreen 1:1,85,
Tonformat Dolby Digital 5.1
Sprache: Deutsch, Englisch mit Untertiteln
Laufzeit 93 Minuten
Special Features: Interviews mit ausblendbaren Untertiteln: Rupert Everett, Minnie Driver, Cate Blanchett, Jeremy Northam, Julianne Moore, Oliver Parker,
Making of, B-Roll, Trailer











