Rezensent im Portrait
aus Düsseldorf
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Aufgebläht, langatmig - überflüssigRezension vom 09.07.2012Jeder kennt den Jetlag, und dass es Lerchen und Eulen gibt, hat sich inzwischen auch schon herumgesprochen. Von jahrelangem Wechselschichtdienst bekommt man Diabetes. Und nun will uns jemand an ellenlangen Abhandlungen die innere Uhr erklären, an fiktiven Trivialsituationen, sämtlichst an den Haaren herbeigezogen und um den Hinweis bereichert, dass es alles fiktiv sei und man ihm Fehler mit Detail bei der Situationsbeschreibung verzeihen möge. Was soll der Quatsch?
Es interessiert micht nicht, dass ein Sergeant Dingsbums Schlafstörungen hat und man muss es auch nicht zum Ankerpunkt seinen gähnend langweiligen Abhandlungen machen. Dieses Buch landete bei mir längst im Altpapier. Ärgerlich. -
Klimawandel für NichtexpertenRezension vom 13.03.2012Endlich ein Werk, das auch die Argumente (oder sollte man sagen "Scheinargumente"?) der Klimawandel-Skeptiker beleuchtet. Sven Plöger zeigt auf, mit welchen wissenschaftlichen Methoden Klimaforscher den "gemittelten Werten" auf die Spur kommen. Zunächst erklärt er aber an zahlreichen eingängigen Beispielen den Unterschied zwischen Klima und Wetter und warum wir für das Klima keine Wahrnehmung haben.
Dieses Buch sollte jeder lesen, der sich berufen fühlt, eine Meinung zum Klimawandel und auch zur Energiewende zu äußern. Mitreden kann nämlich nur der, der sich auskennt. -
ein Buch das niemand brauchtRezension vom 29.11.2011Man wundert sich über Rezensionen, die schon vor dem Erscheinungstermin veröffentlicht wurden. Es genügt völlig, das Machwerk in wenigen Auszügen zu kennen, um zu dem Schluss zu kommen: hier wäre noch ein einziger Stern einer zuviel. -
Warmherzig, anrührend, wohltuend: wie ein gutes Essen!Rezension vom 08.12.2010Ein wunderschöner Film, der zwei wahre Geschichten miteinander verknüpft. Julia Child, Gattin des Botschaftsmitarbeiters Paul Child durch dessen Versetzung nach Paris nun imnitten bislang unentdeckter Genüsse der französischen Küche ansässig, entdeckt nach erfolglosen Ausflügen in die Hutmacherei und das Kartenspielen letztendlich die Kochkunst. Ein großes Glück für die amerikanische Hausfrau, denn Mrs. Child lernt nicht nur, sie beginnt auch mit dem Schreiben eines bislang nie dagewesenen umfangreichen Kochbuches. Der Titel: Mastering The Art Of French Cooking (ungefähr: "Wie beherrsche ich die Kunst der französischen Küche"). Zwei ortsansässige Mitstreiterinnen und Mrs. Child tragen unzählige Originalrezepte zusammen, probieren aus, übertragen selbige vom metrischen ins imperiale Maßsystem und verzweifeln beinahe bei der Suche nach einem Verleger. Die meisten lassen sich durch den schieren Umfang des Werkes abschrecken. Bis auf einen. Und daß dem Buch die Fernsehshow folgt, liegt auf der Hand. In der Jetzt-Zeit, genauer im Jahr 2002, entdeckt die Büroangestellte Julie Powell Julia Child's Kochbuch und beschließt, in einem Jahr 524 Rezepte nachzukochen und dieses in einem Internetblog zu dokumentieren. Mehr und mehr taucht Julie in Julias Leben ein, was durch geschickte Szenen- und Zeitenwechsel gekonnt in Szene gesetzt wird. Küchenkatastrophen, Beziehungskrise und das verkohlte Boeuf Bourguignon sind nur einige der zu umschiffenden Klippen, und es droht immer noch das "Entbeinen der Ente"! Die 1950er und 60er Jahre indes kommen beinahe im Stil eines Kostümfilms daher: Eleganz und Rafinesse in der Garderobe finden ihren Gegenpart in erlesenen Speisen. Fast entströmt dem Bildschirm ein Küchenduft! Ein Film zum Wohlfühlen, Kuscheldecke, Sofa, Kerze und Rotwein. BON APETIT! -
Ein starkes Plädoyer für Deutsch statt DenglischRezension vom 08.12.2010Winderbar! Geistreich! Amüsant! Sinnstiftend! Ein Herrliches Buch und geradezu wohltuend liest es sich, denn endlich wird dieses blasierte Kauderwelsch der angeblich weltgewandten Denglisch-Quassler als das entlarvt was es ist: ein aufgesetztes Imponiergehabe von unterbelichteten Karriere-Schnöseln, die glauben mit ihrem Gewäsch andere beeindrucken zu können. Interessant zudem, wo diese Schwätzer ihre "Kenntnisse" herbekommen. Ein guter Freund arbeitet im Vorstand eines großen Versicherungsunternehmens und wunderte sich irgendwann, daß sein Chef so tolle englische Schlagwörter in seinen Sitzungen benutzte. Da wurde outgecourcet und upgescalet daß es nur so krachte. Mein Bekannter stieß Monate später auf eine mir ziemlich suspekte CD, mit deren Hilfe man angeblich spielend leicht englisch lernen könne, Sie bestand einfach nur aus vorgesprochenen Vokabeln, die zu Musik im Rhythmus wiederhlt wurden. Das ganze war völlig zusammenhanglos, und ganze Sätze oder gar Konversationen konnte man damit nicht bewerkstelligen. Das war anscheinend auch gar nicht nötig, denn wer vorn am Pult kluge Monologe hält, braucht ja auf Fragen nicht zu antworten und wenn die Belegschaft eingeschüchtert genug ist, hält sie ihn für den Größen (Idioten). Und siehe da: genau diese CD hat sich der Oberchef reingezogen und auswendig gelernt, um seine Untertanen zu beeindrucken.
Peinlich, peinlich ist all das, wenn der Facality Manager hervorragend performt, sein Know-How anwendet und die Solutions stets budget-matching terminatet. Das Macht total Sinn. Wollte sagen: "Der Hausmeister arbeitet gut und preiswert."
Unnötig zu erwähnen, daß mein Bekannter nun keinen Deut besser englisch kann, denn dafür taugt so ein Ding nicht. -
Langweilige Allerweltsgeschichte - schlappe GagsRezension vom 30.09.2010Ein echter Flop! Die immer wieder aufgekochte Story des unverstandenen Außenseiters, der gerade dann, wenn er am wenigsten von allen anderen gemocht wird, die große Chance bekommt, es allen zu zeigen. Schon mal gehört? Genau so ein langweiliges Drehbuch wurde hier abgespult. Öde, bereits 1000mal gesehen und schon vorher weiß man was als nächstes kommt. Da nützt es auch nichts, die putzige Geschichte in eine Roboterwelt zu verlegen. Darin sind Hollywoods Autoren ja glänzend: immer dieselbe Geschichte, mal im Weltraum, mal in der Zukunft, mal unter Wasser. Gääähn. -
Langatmig, flach, ärgerlich und an den Haaren herbeigezogenRezension vom 28.12.2009Meine hohen Erwartungen wurden arg enttäuscht. Hatte ich noch den "Schwarm" förmlich verschlungen, beschlich mich schon nach wenigen Seiten von "Limit" die erste Verwirrung. Gefühlte 100 verschiedene Akteure, einer exzentrischer als der andere, ließen mich schnell den Überblick verlieren. Herr Schätzing, erwarten Sie wirklich, daß Ihre Leser sich Randnotizen machen, um noch durchzublicken?
Wenn in 15 Jahren ein Weltraumlift und all die anderen Spinnereien umgesetzt sein sollen und die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts in den vergangenen 15 Jahren nicht geringer war, dann muß ich wohl 1995 in der Steinzeit gelebt haben, ohne es zu ahnen. Kein Thriller ohne Sex and Drugs, daher wurde natürlich beim Paarungsritual zweier schwereloser Akteure ganz tief in die schlüpfrige Vokabelsammlung gegriffen. Sorry: erstens vergraulen Sie damit jeden gleichgeschlechtlich liebenden Leser und zweitens brauche ich keine Beschreibung klitoraler Duftnoten, wenn ich einen Wissenschaftsthriller lesen will. Mir wurde es nur übel dabei.
Auch sonst stört mich die schnodderige Umgangssprache. Eine gute Geschichte liest sich wie aus einem Guß, aber hier habe ich den Eindruck, daß Herr Schätzings einzelne Zutaten nur zusammengeschnürt wurden, ob es paßt oder nicht. Am besten, ich packe alles hinein, dann muß es ja gut werden? Nein, es genügt nicht, ein paar "Ach-ja-damals-Effekte" hineinzustreuen in der Hoffung, daß beim Leser durch die Erinnerung an Zeitgeschichtliches irgendein Wohlgefühl keimen würde. Wenn mir als Leser die Absicht des Autoren immer wieder allzu klar ins Bewußtsein blitzt, dann halte ich schlicht den Schreiber für zu wenig talentiert, eine gute Geschichte zu erzählen.
Ein seltsames Kinderschändergemetzel irgendwo in Asien, nicht enden wollende Monologe über eine chinesische Dissidentin, auch ich habe kurz vor Seite 300 den Schinken in die Ecke geschmissen und da wird er bleiben. Ich hatte ohnehin schon Krämpfe in den Unterarmen. Knappe drei Pfund sind schon aus physikalischen Gründen eine Zumutung. Herr Schätzing, wie wäre es mit Verzicht auf "berufsfremde" Betätigungen und mehr Sorgfalt beim Schreiben? Sie müssen uns weder im Fernsehen die Welt von morgen erklären noch als Unterhosenmodel posieren. Mir reicht's.
(Erleichtert nehme ich zur Kenntnis, daß ich mit dieser Meinung nicht allein bin) -
Absoluter Kult-FaktorRezension vom 24.03.2009Leider mußte ich als Knirps immer schon im Bett sein, wenn Mama und Papa sagten.... "Sooo, und jetzt machen wir den Fernseher aus." Das taten sie dann wirklich, ich braver Junge ging ins Bett und kaum war ich verschwunden, klick, wurde die alte Schwarzweiß-Kiste wieder eingeschaltet. Denn "Mit Schirm, Charme und Melone" war damals viel zu aufregend für mich, meinten sie. Trotzdem fand ich die Titelmelodie schon so toll. Und als ich älter war und die Wiederholungen gucken durfte, war ich immer noch der große Fan.
"Miss Peel, wir werden gebraucht", schnöselte John Steed, wenn er Miss Peel wieder einen Pfeil mit einer Mitteilung in deren Türrahmen schoß. Unvergleichlich das Ende jener Episode, in der Killerroboter auf Menschenjagd gingen. Ein amüsantes Ende gehörte seit jeher zum guten Ton. Also reparierte Herr Steed Emmas Toaster, probierte ihn aus, worauf dieser zwei verkohlte Scheiben Weißbrots direkt in die Zimmerdecke schoß. Fräulein Peels süffisanter Kommentar: "Soll ich sie mit Butter bestreichen oder für die Nachwelt aufbewahren?"
Gespannt bin ich nun auf die original englischen Dialoge. Wie schön, daß es das bei DVD dazu gibt. "The Avengers" (Original-Titel der Serie) gehört als Kultobjekt in jedes gut sortierte DVD-Regal, genau wie Raumpatrouille. -
Die Party ist vorbei und wir haben es noch nicht bemerktRezension vom 07.11.2008"Der Spaß ist vorbei" - so schreibt Richard Heinberg und gemeint ist unsere gedankenlose Energieverschwendungsgesellschaft. Wie wir wurden was wir sind. Der Autor beleuchtet das Wesen der Energie und die rasante Geschichte der Industrialisierung. Kohle, Öl, Strom - und ohne Strom gingen unsere Lichter aus, und natürlich auch wäre eine Onlinebestellung von Büchern nicht möglich.
Der Autor erklärt, was es mit Hubbert's Peak auf sich hat. Die berühmte Glockenkurve, die sich im Förderspektrum jedes Ölfeldes findet, aber auch in der Förderung eines Landes, wie z. B. den USA und vermutlich auch der gesamten Welt.
Er beleuchtet die anderen Energieträger wie Erdgas, Kohle, Uran, Windkraft, Sonnenenergie, Wasserkraft, Gezeitenkraft, Erdwärme und ob diese in der Lage wären, Erdöl zu ersetzen. Das Ergebnis ist bedrückend. Eines der letzten Kapitel heißt: "den Zusammenbruch steuern." Und allein hier offenbart sich die ganze Dramatik dessen, was uns bevorsteht. Die Welt, in der wir aufwuchsen und die wir heute für normal halten, wird es in ein paar Jahren so nicht mehr geben. Damit reiht sich Heinberg ein in die Gruppe der Warner, die darauf drängen,die Energiewende einzuleiten, nicht nächstes Jahr, nicht morgen, sondern heute. Je länger wir damit warten, desto schmerzhafter wird uns der Peak Oil treffen.
Am Ende des Buches beschreibt Heinberg, mit welchen Maßnahmen sich jeder darauf vorbereiten kann, daß die Zeit billiger Energie unwiderruflich zu Ende geht. Das Bewirtschaften eines eigenen Gemüsegartens ist eine davon. Daß wir Menschen nur "so kurz" leben, das ist ein Problem, weil wir uns nicht mehr daran erinnern können, wie es war, damals, vor dem Öl. Es würde uns aber sehr nützen, wenn wir versuchten, uns mit Hilfe der Berichte unserer Urgroßeltern daran zu erinnern. Es würde uns die Zukunft erheblich erleichtern.












