Gute Unterhaltung, aber politisch und historisch etwas zu unkritisch
von
Armin K., am 08.10.2010
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Der Film bietet gute Unterhaltung, ist allerdings thematisch nicht allzu tiefgründig. Die Hintergründe für den Ausbruch des Aufstands der Chinesen und für seine Duldung durch das chinesische Kaiserhaus werden nur oberflächlich beleuchtet. Zwar wird von der europäischen Fremdherrschaft in der Mehrzahl der Provinzen des chinesischen Kaiserreichs bei Hofe kurz mal gesprochen, ebenso vom Hass auf christliche Missionare und Kaufleute sowie von den Demütigungen und Diskriminierungen der stolzen chinesischen Kultur durch die Europäer, Amerikaner und Japaner). Allerdings erlebt der Zuschauer nur wenig von den tatsächlichen Demütigungen der Chinesen indirekt durch die Mischlingstochter eines Offiziers, die keine Anerkennung findet und von ihrem Vater in einem Waisenhaus untergebracht wird, wobei er ihr jedes Jahr verspricht, dass er sie in die USA mitnehmen will.
Hier sollte offensichtlich dem (westlichen) Zuschauer mehr Unterhaltung, eventuell verbunden mit etwas Patriotismus und Überlegenheitsgefühl geboten werden, aber kein kritischer Umgang mit Rassismus. Ein kritischer Umgang mit der kolonialen Vergangenheit aller großen Kolonialmächte wird nicht versucht, was für eine Produktion der 1960er Jahre auch nicht wirklich erwartet werden sollte. Es hätte dem Film allerdings mehr Tiefgang gegeben. Klarer Pluspunkt sind die Kulissen und Kostüme, die optisch dem Film eine solide Atmosphäre bieten und dabei gekonnt über die Tatsache hinwegtäuschen, dass es eigentlich nur eine Handvoll Schauplätze gibt. Glücklicherweise wird die Atmosphäre auch nicht durch die für damalige Zeit übliche kitschig-romantische Beziehungsgeschichte zwischen den Hauptfiguren getrübt. Das Thema ist zwar vorhanden, wird aber gegenüber dem Konflikt zurückgestellt. Dabei sind die schauspielerischen Leistungen von Ava Gardner als russische Gräfin und Charlton Heston als US-Major Lewis zurecht als sehr gut zu bezeichnen, wobei allerdings David Niven in seiner Rolle als vornehmer britischer Gentleman und Botschafter seiner Nation schlicht unübertroffen ist und dabei genau das Bild vermittelt, das man erwartet. Diesen Meister der Schauspielkunst hat man zurecht mit dieser Rolle bedacht und er ist auch der zentrale Lenker in der Geschichte. Mag Charlton Heston das Ego der Amerikaner schmeicheln, in dem er die militärische Hauptrolle übernimmt und heldenhaft von Anbeginn auftritt, so ist es die diplomatische Finesse von Botschafter Robertson (Niven) der alle anderen Großmächte auf die gemeinsame Linie festlegt und zu gemeinsamen Handeln motiviert.
Während der Belagerung der Europäer in ihrem Viertel in Peking bleibt er einer der ruhenden Pole und wahrt dadurch auch Disziplin und Ordnung innerhalb der Mauern.
Bis zur Rettung durch europäische Verstärkungen, die durch chinesisches Militär aufgehalten werden, vergehen 55 Tage, die mit einem großen Sprung abgehandelt werden, worunter manche Details etwas kranken. Als amerikanische Produktion verzerrt der Film historische Details und lässt Briten - aber vor allem natürlich Amerikaner das Handlungsgeschehen dominieren.
Unter dem Strich bleibt ein guter Unterhaltungsfilm, der sicher für einen netten Filmabend taugt. Empfehlung meinerseits: Den Film mit der englischen Tonspur verwenden (ist vorhanden), da in der deutschen Übersetzung einige Begriffe falsch übersetzt bzw. missverständlich sind. Die Extras auf der DVD sind ganz nett, aber nicht überaus wichtig es gibt Biographien, den deutschen Uraufführungstrailer und eine Fotogallerie.