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Sie sind voller Lebensfreude, und vor ihnen liegt eine Zukunft, in der alles möglich scheint: Chris, Vicky, Barbara und Susan sind Anfang dreißig und unzertrennliche Freundinnen, die füreinander durchs Feuer gehen würden. Der Schock ist deshalb groß, als die jungen Frauen eines Tages erfahren müssen, dass Chris in ihrer Ehe verzweifelt ist: Tony ist ein herrschsüchtiger Mann, der die sanfte Chris mit seinen willkürlichen Wutausbrüchen bis aufs Blut quält, und als er auch noch seinen Job verliert, macht er Chris das Leben zur Hölle. Doch auch in Barbaras Leben verändern sich die Dinge dramatisch: Ihr Mann Ron verliebt sich in eine jüngere Frau und lässt Barbara mit einem Scherbenhaufen zurück. Und dann geschieht eines Nachts das Unfassbare: Barbara wird mit zerschmettertem Gesicht in ihrem Schlafzimmer aufgefunden, grausam ermordet. Die Anwältin Vicky ist entschlossen, nicht eher zu ruhen, bis sie den Täter gefunden hat ...
Die Autorin
Schon mit acht Jahren wollte Joy Fielding nichts anderes als Schriftstellerin werden. In der Highschool- und College-Zeit verfolgte sie ihr Ziel weiter. Mit dem Psychothriller »Lauf, Jane, lauf« gelang ihr der internationale Durchbruch. Joy Fielding lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in Toronto.
| Verkaufsrang: | 2.794 |
|---|---|
| ISBN-10: | 3-89480-779-2 |
| EAN: | 9783894807795 |
| Originaltitel: | Grand Avenue |
| Erschienen: | 01.01.2003 |
| Verlag: | Goldmann |
| Einband: | EPUB |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Auflage: | 1 |
| Seitenzahl: | 394 |
| Übersetzer: | Kristian Aus d. Englischen v. Lutze |
| Erschienen bei: | Goldmann |
| Übersetzt von: | Kristian Aus d. Englischen v. Lutze |
| Spieldauer: | 577 KB |
| Kapitel: | 0 |
| Medium: | EPUB |
Joy Fielding wurde am 18. März 1945 in Kanada geboren - was sie allerdings scherzhaft bezweifelt, weil sie sich noch nicht so alt fühlt, wie sie von der Jahreszahl her zu sein hätte. Schon seit Jahren zählt Joy Fielding zu den absoluten Spitzenautorinnen für Spannungsliteratur. Ihre Thriller und Psychothriller spielen immer wieder mit den Abgründen der Gesellschaft und der Gewalt, die sich in ihr wiederfindet. Die Hauptfiguren sind meist Frauen, die gut ausgebildet und in einer scheinbar perfekten Welt mit toller Beziehung in amerikanischen Großstädten leben. Scheinbar harmlose Ereignisse fördern dann alte Geheimnisse oder Sehnsüchte der Figuren ans Licht, die das vorher perfekte Leben komplett zerlegen.
Beruflich machte Joy Fielding ein paar Umwege, obwohl ihr schon früh klar war, dass sie Schriftstellerin werden wollte. Als Achtjährige begann sie, Entwürfe an Zeitschriften zu schicken, die aber abgelehnt wurden, genauso wie ihre Geschichten, die sie im Teenageralter schrieb. Einen leichten Hang zur blutigen Feder lässt sich allerdings schon zu dieser Zeit entdecken: Ein Drehbuch handelte von einem Mädchen, dass seine Eltern umbringt. Während ihres Literaturstudiums ab 1963 in Toronto spielte Joy Fielding in mehreren Studentenfilmen mit und verwarf den Plan, Schriftstellerin zu werden. Stattdessen wollte sie Schauspielerin werden und zog nach dem Studium nach L.A. Nach einigen kleinen Rollen, aber ohne großen Durchbruch, begann Joy Fielding wieder zu schreiben. Anfang der 1970er Jahre kehrte sie nach Toronto zurück, finanzierte sich durch das Mitspielen in TV- Spots und schrieb nebenher an ihren Romanen, bis sie damit genug zum Überleben verdiente. Der internationale Durchbruch gelang ihr 1991 mit dem Roman "Lauf, Jane, lauf", der 1,8 Mio. Mal verkauft wurde. Die Autorin Joy Fielding lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Toronto, Kanada und in Palm Beach, Florida.
Meinung der Redaktion
Einmal Joy Fielding - immer Joy Fielding! Ihre Romane sind fesselnd, spielen mit den Abgründen der Gesellschaft und zeigen, dass jeder zwei Seiten hat. Pointiert und manchmal brutal schildert Fielding, wie sich Menschen ändern können und wie sie sich in Ausnahmesituationen verhalten. Einfach nur spannend und eine Lesedroge.
Lee Vance studierte in Harvard und arbeitete lange Jahre für Goldman Sachs, eine der ältesten und angesehensten Investmentbanken der Welt. Er lebt mit seiner Familie in New York.
Wir nannten uns die Grandes Dames: Vier Frauen, die auf den ersten Blick und dem äußeren Anschein nach erschreckend wenig gemeinsam hatten. Wir wohnten nur in derselben, ruhigen, von Bäumen gesäumten Straße, waren mit ehrgeizigen und erfolgreichen Männern verheiratet und hatten eine ungefähr zwei Jahre alte Tochter.
Die Straße heißt Grand Avenue und ist trotz der Veränderungen, die Mariemont, eine gutbürgerliche Randgemeinde von Cincinnati, im Laufe der Jahre durchgemacht hat, erstaunlich gleich geblieben. Eine Reihe von adretten Holzhäusern liegt ein gutes Stück von der Straße zurück, die ihrerseits die geschäftige Hauptstraße kreuzt und sich dann träge zu einem kleinen Park an ihrem anderen Ende windet. In diesem Park - dem Grand Parkette, wie der Stadtrat das winzige dreieckige Stückchen Land genannt hatte, ohne sich der Ironie bewusst zu sein - haben wir uns vor fast einem Vierteljahrhundert, genauer gesagt vor dreiundzwanzig Jahren, zum ersten Mal getroffen, vier erwachsene Frauen, die schnurstracks zu den drei Kinderschaukeln strebten, weil sie wussten, dass der Verliererin nur die Sandkiste bleiben und das missfällige Schreien ihres frustrierten Töchterchens weithin zu hören sein würde. Sicherlich war sie nicht die erste Mutter, die die Erwartungen ihrer Tochter enttäuscht hat, und bestimmt nicht die letzte.
Ich weiß nicht mehr, wer das Rennen verloren hat, wer angefangen hat, mit wem zu reden, oder auch nur, worum es in diesem ersten Gespräch ging. Ich erinnere mich nur noch daran, wie unbeschwert wir plauderten, wie nahtlos wir von einem zum anderen Thema wechselten, die familiären Anekdoten und das wissende Lächeln der anderen, an die willkommene, wenn auch unerwartete Vertrautheit, umso willkommener, eben weil sie so unerwartet war.
Vor allem jedoch erinnere ich mich an das Lachen. Selbst heute, so viele Jahre und Tränen weiter - und trotz allem, was geschehen ist, trotz der unvorhersehbaren und manchmal grausamen Umwege, die unsere Leben genommen haben -, höre ich ihn noch, den undisziplinierten, aber eigenartig melodiösen Chor aus Kichern und Glucksen in unterschiedlicher Tonlage und Intensität, jedes Lachen eine Unterschrift, so verschieden wie wir selbst. Und doch verschmolzen diese verschiedenen Stimmen zu einer harmonischen Melodie. Jahrelang habe ich den Klang jenes frühen Lachens überall mit mir herumgetragen. Ich konnte ihn willentlich heraufbeschwören. Er hat mich gestützt und aufrecht gehalten. Vielleicht weil es später so wenig davon gab.
An jenem Tag blieben wir im Park, bis es anfing zu regnen, ein plötzlicher Sommerschauer, auf den niemand vorbereitet war, und eine von uns schlug eine spontane Party in einem unserer Häuser vor. Wahrscheinlich war ich es selber, denn wir landeten bei mir. Vielleicht lag es auch nur daran, dass unser Haus gleich am Park lag. Ich weiß es nicht mehr. Ich erinnere mich, dass wir vier es uns in dem holzgetäfelten Partykeller mit feuchten Haaren und ohne Schuhe bei frischem Kaffee fröhlich und noch immer lachend bequem gemacht und mit schlechtem Gewissen zugesehen haben, wie unsere Töchter jede für sich allein zu unseren Füßen spielten. Denn wir wussten, dass wir mehr Spaß hatten als sie, dass unsere Kinder viel lieber zu Hause wären, wo sie ihr Spielzeug nicht teilen und nicht mit Fremden um die Aufmerksamkeit ihrer Mütter konkurrieren mussten.
»Wir sollten einen Club gründen«, schlug eine der Frauen vor, »und uns regelmäßig treffen.«
»Super Idee«, stimmten wir anderen ihr sofort zu.
Um den Anlass festzuhalten, kramte ich die arg vernachlässigte
Super-8-Kamera meines Mannes hervor, deren Bedienung mich ebenso überforderte wie die ihrer modernen Entsprechungen, sodass das Ergebnis eine unbefriedigende Folge schneller und wackeliger Schwenks auf verschwommene Frauen mit oben angeschnittenen Köpfen ist. Vor ein paar Jahren habe ich den Film auf eine Videokassette überspielen lassen, und jetzt sieht er seltsamerweise viel besser aus. Vielleicht liegt es an der modernen Technik oder dem Breitwandbildschirm, der sich per Knopfdruck aus der Decke herabsenkt. Vielleicht ist mein Blick mittlerweile auch so unscharf, dass er mein technisches Versagen kompensiert, denn die Frauen erscheinen mir klar und deutlich.
Was mir besonders auffällt, wenn ich den Film heute ansehe, was mir, genau genommen, jedes Mal den Atem stocken lässt, egal, wie oft ich ihn betrachte, ist nicht nur, wie unbeschreiblich und unerträglich jung wir alle waren, sondern, wie alles, was wir waren - und alles, was wir werden sollten -, schon in jenen fabelhaft faltenlosen Gesichtern geschrieben stand. Doch wenn man mich auffordern würde, in diese scheinbar glücklichen Gesichter zu blicken und ihre Zukunft vorherzusagen, könnte ich es auch heute nicht, dreiundzwanzig Jahre später, da ich nur zu gut weiß, wie alles geendet hat. Selbst mit diesem Wissen ist es mir unmöglich, die Bilder dieser Frauen mit ihrem Schicksal in Einklang zu bringen. Kehre ich deshalb immer wieder zu dieser Kassette zurück? Suche ich Antworten? Vielleicht suche ich Gerechtigkeit. Vielleicht Frieden.
Oder eine Erklärung.
Vielleicht ist es so einfach - und so kompliziert.
Ich weiß nur, wenn ich diese vier jungen Frauen betrachte, mich selbst eingeschlossen, unsere Jugend eingefangen, eingesperrt auf einem Videoband, dann sehe ich vier Fremde. Keine von uns kommt mir besonders vertraut vor, ja, selbst ich bin mir so fremd, dass ich in meiner Erinnerung nur ein Vorname von vieren bin -und nicht »ich«.
Man sagt, die Augen seien der Spiegel der Seele. Kann irgendjemand, der in die Augen dieser vier Frauen blickt, wirklich behaupten, so tief zu sehen? Und diese süßen, unschuldigen Kleinkinder auf den Armen ihrer Mütter - gibt es überhaupt irgendwen, der hinter diese großen, sanften Augen blicken und darunter das Herz eines Ungeheuers schlagen hören kann? Ich glaube nicht.
Wir sehen, was wir sehen wollen.
Da sitzen wir also in einer Art losem Halbkreis, winken und lächeln nacheinander in die Kamera, vier betörend durchschnittliche Frauen, die der Zufall und ein Regenschauer an einem Sommertag zusammengeführt haben. Unsere Namen sind so gewöhnlich, wie wir es waren: Susan, Vicki, Barbara und Chris. Für Frauen unserer Generation vollkommen gebräuchliche Namen. Die Namen unserer Töchter stehen natürlich auf einem ganz anderen Blatt.