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Medium: EPUB
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In den letzten Jahren hat sich Richard David Precht immer auch zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Fragen geäußert und in wichtigen Debatten Stellung bezogen. Sein Interesse gilt dabei über den konkreten Anlass hinaus stets auch übergeordneten Fragen wie u.a. und der Suche nach einer neuen Moral und der Frage nach der demokratischen Legitimation in modernen Gesellschaften. Das macht diese Beiträge über den tagesaktuellen Moment hinaus bedeutsam: In ihnen spiegeln sich nicht nur gesellschaftspolitische Diskussionen der jüngsten Vergangenheit, sondern sie haben eine über diese hinausweisende grundsätzliche Relevanz. Das vorliegende e-book versammelt die wichtigsten dieser Essays und Betrachtungen von Richard David Precht. Abgerundet wird es darüber hinaus durch je ein zentrales Kapitel aus seinen drei großen Philosophiebestsellern. So ist dieser Reader zugleich eine spannende Einführung in die Gedankenwelt Richard David Prechts.
Richard David Precht, Philosoph, Publizist und Autor, wurde 1964 in Solingen geboren. Er promovierte 1994 an der Universität Köln und arbeitet seitdem für nahezu alle großen deutschen Zeitungen und Sendeanstalten. Precht war Fellow bei der 'Chicago Tribune'. Im Jahr 2000 wurde er mit dem Publizistikpreis für Biomedizin ausgezeichnet. Er schrieb Romane und Sachbücher. Mit seinem Philosophiebuch 'Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?', das seit Jahren auf der Sachbuch-Bestsellerliste steht, begeisterte er Leser wie Kritiker. Auch seine Bücher 'Liebe. Ein unordentliches Gefühl' und 'Die Kunst, kein Egoist zu sein' waren große Bestsellererfolge. Seit Mai 2011 ist Precht Honorarprofessor für Philosophie an der Leuphana Universität Lüneburg. Richard David Precht lebt in Köln und Luxemburg.
| Verkaufsrang: | 729 |
|---|---|
| ISBN-10: | 3-641-07903-9 |
| EAN: | 9783641079031 |
| Erschienen: | 08.12.2011 |
| Verlag: | Goldmann |
| Einband: | EPUB |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Auflage: | 1 |
| Seitenzahl: | 100 |
| Erschienen bei: | Goldmann |
| Spieldauer: | 354 KB |
| Kapitel: | 0 |
| Medium: | EPUB |
Richard David Precht ist ein deutscher Publizist und Essayist, der vor allem als Autor erfolgreicher populärwissenschaftlicher Bücher zu philosophischen Themen bekannt geworden ist. Der als Alltag- und Pop- Philosoph bekannte Autor wurde im Dezember 1964 in Solingen geboren. Als Kind von linksalternativen, unkonventionell- bürgerlichen Eltern wuchs Richard David Precht mit zwei vietnamesischen Adoptivgeschwistern auf, die seine Eltern aus Solidarität zu Vietnam aufgenommen hatten. Seine Mutter war Hausfrau und engagierte sich bei "terre des hommes", sein Vater Industriedesigner, der sich sehr mit Literatur beschäftigte. 1986 begann er in Köln Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte zu studieren und promovierte 1994 in Germanistik. Danach arbeitete Richard David Precht mehrere Jahre als Journalist und freier Autor und schrieb 1999 seinen ersten Roman, der 2009 erneut unter dem Titel "Die Instrumente des Herrn Jörgensen" erschien. Sein Durchbruch kam mit dem Buch "Wer bin ich", das eine spannende und aufregende Reise durch die Philosophie bietet. Heute lebt Richard David Precht mit seiner Frau, einem Sohn und drei Stiefkindern in Köln.
Meinung der Redaktion
Richard David Precht ist aus dem Medienalltag nicht mehr weg zu denken! Mit seiner Art, nach den Hintergründen zu fragen begeistert er sowohl Leser als auch Zuschauer. Dabei stets anschaulich und leicht verständlich zu erklären und gut zu unterhalten ist die Kunst, die Precht perfekt beherrscht!
Der Ackermann und die Armen (S. 75-76)
Wie Verantwortung
in die Wirtschaft kommt.
Die Zukunft hängt von uns selbst ab, und wir sind von keiner historischen Notwendigkeit abhängig.
Karl Popper
Manchmal, da sorgt sich auch Josef Ackermann darum, dass man ihn für kalt und herzlos hält. In einer ARD-Dokumentation des Grimme-Preisträgers Hubert Seipel erläutert der Chef der Deutschen Bank, dass auch er ein Mensch aus Fleisch und Blut sei, ein Mensch mit Mitgefühl. Noch heute könne er »schlecht an jemandem vorbeigehen, der um Geld bittet«. So weit, so barmherzig. Nur, so erklärt der Filmautor aus dem Off, gäbe es da wohl ein kleines Problem: Ackermann gehe an keinen Armen mehr vorbei. Er fährt. Zum nächsten Termin, des Geldes wegen.
Die Kamera zeigt den Top-Banker im Fond seiner schwarzen Mercedes-Limousine, mit Financial Times und Business-Handy. Es geht bei diesem Beispiel nicht um den Charakter von Josef Ackermann. Denn selbst wenn er den größten Teil seines Jahreseinkommens von 9,55 Millionen Euro (2009) den Armen spenden würde, das entscheidende Problem bleibt das gleiche. In der Welt des Josef Ackermann kommen nicht nur keine Armen vor.
Es kommen überhaupt fast nur Reiche und Mächtige vor, Banker, Konzernchefs und Politiker. Alles andere ist alles andere. Das System der Hochfinanz funktioniert nach dem einen und einzigen Maßstab der Vermehrung von Gewinnen. Der Rest ist, mit Niklas Luhmann gesagt, »Umwelt« (vgl. Im Netz der Spinne. Was Geld mit Moral macht). Ein Verantwortungsgefühl für die Gesellschaft, den Gesamtprozess, die Moral in unserem Land ist hier nicht nur hinderlich – es taucht gar nicht erst auf. »Ich habe Frau Merkel immer klar gesagt, dass ich Angestellter der Deutschen Bank bin, und ich kann nicht gegen die Interessen der Deutschen Bank Rat geben«, sagt Ackermann im Film.
»Banken, besonders private und börsennotierte Institute, haben keine Verpflichtung, das Gemeinwohl zu fördern«, erklärt im gleichen Sinne Alexander Dibelius, der Deutschland-Chef von Goldman Sachs. Der Satz von Dibelius ist falsch. Richtig und ehrlich wäre er gewesen, wenn der Banker gesagt hätte: »Banken, besonders private und börsennotierte Institute, fühlen keine Verpflichtung, das Gemeinwohl zu fördern.« Doch dass Banken keine Verpflichtung haben sollen, ist Unsinn.
Wie unser ganzes Wirtschaftssystem, so lebt auch die Finanzwirtschaft von Voraussetzungen, die sie nicht selbst erzeugen kann. In diesem Punkt verhalten sich die Bankchefs, wie gesagt, wie pubertierende Kinder, die glauben, ihre Eltern nicht zu brauchen und ihnen nichts schuldig zu sein. Nur in einer Kultur des Vertrauens, der Fairness und der Wahrhaftigkeit kann sich die Finanzwelt überhaupt entfalten – selbst dann, wenn sie unausgesetzt dagegen verstoßen sollte oder verstößt. Stärker als jeder andere Wirtschaftszweig sind Banken »Moralzehrer« im Sinne Röpkes.