Im Labyrinth der Fugger

von Rebecca Abe

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Weitere Artikelinformationen

Augsburg, Ende des 16. Jahrhunderts. Nach dem Tod des mächtigen Anton Fugger wird dessen Millionenvermögen gleichmäßig auf alle Nachkommen verteilt. Christoph Fugger, ein Egoist und Frauenfeind, will die Kinder seines Bruders Georg Fugger ins Kloster bringen lassen, um die Zahl der Erben zu dezimieren. Dazu verbündet er sich mit dem Jesuiten Petrus Canisius. Nur Georg Fuggers Tochter Anna ahnt, welch perfides Spiel der Augsburger Domprediger treibt ...

Produktdetails

ISBN-10: 3-8392-3652-5
EAN: 9783839236529
Erschienen: 03.2011
Verlag: Gmeiner
Einband: EPUB
Sprache(n): Deutsch
Auflage: 1
Seitenzahl: 466
Erschienen bei: Gmeiner
Spieldauer: 4022 KB
Kapitel: 0
Medium: EPUB
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Rebecca Abe

Rebecca Abe wurde 1967 in Starnberg geboren. Nach einer Ausbildung zur Grafik-Designerin arbeitet sie seit 1989 als Schriftstellerin und Buchillustratorin und lebt mit ihrer Familie am Starnberger See.

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8 . Die Gravur (S. 397-398)
Im Haus war alles seltsam verlassen. Das Feuer im Kachelofen brannte, Anna legte ein paar Scheite nach und entzündete eine Laterne. Sie lief an den Zellentüren entlang bis zum Laiendormitorium. Die Betten waren in Reih und Glied fein säuberlich gemacht, keine Menschenseele weit und breit. Wo waren sie alle? Wenigstens Schwester Hildegard musste an der Pforte sitzen und würde ihr Auskunft geben.
Aber auch das Pförtnerhäuschen der Cellerarin war leer. Stickgarne und eine halb angefangene Altarstola lagen auf dem Tisch, sogar die eingefädelte Nadel steckte im Stoff. Darunter ragte der Eisenbund mit den vielen Schlüsseln hervor, den Hildegard gewöhnlich bei sich trug. Anna starrte darauf.
Sollte sie die Schlüssel nehmen, aufsperren und davonlaufen? Sie würde bei Nacht allein durch ein Augsburg irren, das sie das letzte Mal vor zwanzig Jahren gesehen hatte. Was hatte sich alles verändert? Gab es das Turamichele noch? Wenn Bianka da wäre, die würde sich auskennen. Langsam streckte sie die Hand nach dem Schlüsselbund aus.
Es war, als würde sie ein glühendes Eisen berühren wollen, etwas in ihrem Innern hielt sie zurück. Nein, auch wenn gerade alles ans Licht kam, ihr Platz war hier. Ein Unglück war es gewesen, das mit Virginia, hatte er gesagt. Sie lief nach draußen. Bestimmt gab es für das Verschwinden der Mitschwestern eine einfache Erklärung wie damals, als eine der Sauen Schwierigkeiten beim Ferkeln hatte. Sie halfen vielleicht im Wirtschaftstrakt und kämen gleich zurück.
Das Eingangstor ragte hoch vor ihr auf. Ein kühler Wind wehte, Anna fröstelte. Sie hob die Laterne und beleuchtete die zugemauerte Drehlade im Tor. »Psst, Schwester. Macht Ihr mir auf?« Anna ließ vor Schreck fast die Laterne fallen. Hinter dem Tor in der Gasse stand jemand. Sie leuchtete in einen Torspalt und sah einen hellen Strick um die Leibmitte einer schwarzen Kutte.
Ein Benediktinermönch begehrte Einlass. »Was wollt Ihr so spät?«, fragte sie. »Ich will zu Schwester Anna, könnt Ihr mich zu ihr führen, bitte.« Anna seufzte. Sie hatte im Augenblick gar keinen Kopf für eine neue Arbeit. Außerdem war es auch ihr untersagt einen Fremden ohne Erlaubnis einzulassen. »Wenn es um einen Buchmalereiauftrag geht, kommt ein anderes Mal wieder.« »Anna?«

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