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Aufgewachsen in ländlicher Einöde, findet der unerfahrene junge Marco sich plötzlich in der betörend bunten Welt des Theaters wieder, inmitten eines skurrilen Ensembles, bei dem neben der schönen Hauptdarstellerin auch die vorlaute Enkelin des schlitzohrigen Indendanten und ein schwer bewaffneter Kleinwüchsiger tragende Rollen spielen. Marco zieht mit der Truppe nach Venedig, wo es bald um Sein oder Nichtsein geht: Nur ein erfolgreiches neues Stück kann die Truppe vor dem Ruin bewahren. Vom Kulissenschieber steigt er zum Gehilfen des trunksüchtigen Bühnendichters auf - und bald darauf zum Autor seines eigenen Theaterstücks. Doch bis er dieses auf die Bühne bringen kann, muss er noch viel lernen. Über das Schreiben. Die Liebe. Und darüber, dass das Leben manchmal eine eigene Dramaturgie bereithält ...
| ISBN-10: | 3-8387-0139-9 |
|---|---|
| EAN: | 9783838701394 |
| Originaltitel: | Der König der Komödianten |
| Erschienen: | 03.2010 |
| Verlag: | Lübbe Digital |
| Einband: | EPUB |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Auflage: | 1 |
| Seitenzahl: | 750 |
| Erschienen bei: | Lübbe Digital |
| Spieldauer: | 1440 KB |
| Kapitel: | 0 |
| Medium: | EPUB |
Charlotte Thomas war Richterin und Rechtsanwältin, bevor sie sich ganz ihrer Leidenschaft, dem Schreiben, widmete. Fasziniert von der aufregenden Historie Venedigs und dem prächtigen Stadtbild, hat sie mit "Die Madonna von Murano" einen großen historischen Roman geschrieben, der mitreißender und beeindruckender nicht sein könnte. Die Recherche dafür hat viele Jahre in Anspruch genommen, in denen die Autorin sich intensiv mit der Geschichte der venezianischen Renaissance beschäftigt hat. Charlotte Thomas lebt mit ihren Kindern am Rande der Rhön in Hessen.
von Christin Riemer, am 22.11.2010
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von einer Kundin/einem Kunden, am 19.11.2010
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(S. 10-11)
Onkel Vittore steigerte unterdessen seine Anstrengungen und bewegte sich schneller. Nach allem, was ich inzwischen wusste, würde es nun nicht mehr lange dauern. Eines war jedoch sonderbar: Die Laute, die sich Onkel Vittore entrangen, waren mit einem Mal von seltsam fiependen Tönen unterlegt, es klang, als würde eine Gans erwürgt. Paulina hatte anscheinend den Geschmack am Brot verloren. Sie legte es zurück und pulte mit den Fingern zwischen ihren Zähnen herum.
»Ich liebe deine Leidenschaft.« Ihre Stimme klang eigentümlich monoton, und ich fragte mich, ob sie die Wahrheit sprach. Zweifeln ließ mich, dass sie dabei die Nase rümpfte - Onkel Vittore pflegte schon zum Frühstück reichlich Zwiebeln zu sich zu nehmen.
Ich fühlte mich zu einem stummen Zitat inspiriert. Nam quotiens futuit, totiens ulciscitur ambos: illam affligit odore, ipse perit podagra ...
Mir stockte der Atem, denn in diesem Moment bewegte sich Onkel Vittore ein wenig zur Seite, sodass Paulinas nackte Brüste sichtbar wurden. Vorhin, als sie ihr Gewand geöffnet hatte, hatte ich sie nur kurz sehen können, weil die kahle Kugel, die der Schädel meines Onkels von hier oben aus betrachtet war, sofort die weiblichen Wölbungen verdeckt hatte. Jedenfalls eine davon, für alle beide war er zu klein, denn sie waren, zumindest nach meinem Dafürhalten, gewaltig. Die andere lag unter seiner Schulter verborgen, doch nun, da er sich zur Seite schob, wurde ihr ganzer Oberkörper sichtbar.
Da waren sie! Ehrfürchtig bestaunte ich dieses unfassbare anatomische Wunder und wünschte mir, an Onkel Vittores Stelle zu sein. Wenigstens für einen kleinen Moment, um einmal diese ungeheuren Auswüchse weiblicher Besonderheit aus der Nähe betrachten zu können.
»Bist du schon fertig?«, fragte Paulina.
Mein Onkel antwortete nicht. Er hatte aufgehört, sich zu bewegen. Paulina tätschelte ihm den kahlen Schädel. »Vittore? Das ging aber schnell.«
Das fand ich auch. Das letzte Mal, vor zwei Wochen, hatte ich hinter der Kiste mit den Zwiebeln gehockt und von dieser Warte aus nur die herabbaumelnden Füße von Paulina sowie die bleichen Waden meines Onkels gesehen, doch der Akt war mir bedeutend länger vorgekommen als dieser. Desgleichen alle anderen, denen ich schon zuvor heimlich hatte lauschen können. An diesem Tag befand ich mich dank des Einfalls, auf den Balken zu klettern, in der außergewöhnlichen Situation, zum ersten Mal direkt zuschauen zu können.
»Vittore?«
In dem Moment machte ich den Fehler, mich zu bewegen. Es war nur ein Drehen des Kopfes, um die Fliege zu verscheuchen, die sich schon zwei Mal auf meine Nase gesetzt hatte, während ich hier oben auf der Lauer lag. Doch die kurze Bewegung reichte, um mich aus dem Gleichgewicht zu bringen, sodass ich beide Arme um den Balken schlingen musste, um nicht abzurutschen oder gar hinabzustürzen. Damit verursachte ich ein Geräusch, das sofort Paulinas Blicke nach oben lenkte.
Sie schrie auf, als sei ihr ein Höllengeist erschienen, was möglicherweise tatsächlich ihrem ersten Eindruck entsprach, denn ich hatte mir, bevor ich den Balken erklommen hatte, das Gesicht mit Ruß vom Herd geschwärzt, um mich farblich der von jahrzehntelangen Kochdünsten gebeizten Decke anzugleichen.
»Vittore!«, kreischte Paulina. »Da oben ist jemand!« Gleich darauf hielt sie inne.
»Marco? Bist du das etwa?« Wieder hob sie an zu schreien, doch diesmal vor Zorn. »Marco! Du Lausebengel! Wieso bist du nicht bei der Feldarbeit!« Sie rüttelte meinen Onkel an der Schulter. »Vittore, geh runter von mir! Der Junge liegt da oben auf dem Balken und schaut uns die ganze Zeit zu! Vittore! Bist du taub?«