Rezension vom 06.03.2012
Ich lese gerne, viel und schnell normalerweise.
Das Buch von Frau Link ist Bestseller hin, Autorin her eine mühsame Sache. Die Idee der Story finde ich prinzipiell noch gut. Dass die Geschichte an den Haaren herbeigezogen wirkt, liegt vermutlich in der Natur der Sache, am Ende einen Täter aus dem Hut zu zaubern, auf den bisher kaum der Verdacht gelenkt worden war.
Einige kleine Ungereimtheiten haben mich weniger gestört. Was diesem Buch meiner Meinung nach sowohl die Spannung als auch die Lesbarkeit raubt, ist Frau Links Art, ihre Geschichte zu erzählen. Wieder und immer wieder wird aus der Sicht eines anderen Charakters dieselbe Story (Szene) aufgewärmt, ohne dass für den Leser, der den Teil der Geschichte mittlerweile schon zweimal vernommen hat, neue Informationen oder Erkenntnisse dabei herausspringen.
Ich lese gerne seitenstarke Bücher, doch dieses ist in Anbetracht der Geschichte viel zu lang. Dieselbe Geschichte auf 400 Seiten erzählt, die überflüssigen Erklärungen und sinnlosen Wiederholungen weglassend, hätte vermutlich auch der Spannung gut getan. Ich fand nur eine Szene in dem Buch wirklich spannend, als die Protagonistin nun nicht wusste, ob sich jemand in ihr Haus geschlichen hatte, oder ob sie sich den Schatten, den sie glaubte gesehen zu haben, nur eingebildet hatte.
Was weiter zum Umfang des Buches und zur Ermüdung des Lesers beiträgt sind die unzähligen Erklärungen, die Frau Link glaubt, dem Leser liefern zu müssen. Ich habe mich manchmal gefragt, ob es ein Kinderbuch werden hätte sollen, nachdem alles bis zum Abwinken erklärt und ausgeführt wird, doch da spricht vermutlich das Genre und die Intelligenz von Kindern dagegen.
Ein Beispiel: Die Hände der Protagonistin sind auf deren Rücken gefesselt. Die Autorin erklärt warum es ihr, der Protagonisten, schwer fällt das Gleichgewicht zu halten: Da ihre Hände noch immer gefesselt waren. Dann erklärt die Autorin warum sie, die Protagonistin, nicht selbst aus der Mineralwasserflasche trinken kann:
wegen ihrer gefesselten Hände. Dann erklärt die Autorin warum sie, die Protagonistin, nicht an Flucht zu denken braucht: Mit den auf den Rücken gefesselten Händen würde sie sich nur schwerfällig bewegen können. Dann skizziert die Autorin die Möglichkeit einer Flucht: Die einzige Möglichkeit auf die sie, gehandicapt durch die Fesseln, hoffen durfte. Das alles spielt sich innerhalb von zweieinhalb Buchseiten ab. Der einzige Grund, dies so oft zu betonen bzw. zu wiederholen wäre für mich die Tatsache, dass der Leser zwischenzeitlich mehrmals eingenickt ist.
Die absolute Krönung in diesem Roman ist für mich aber die Verwendung des Wortes Lichtjahre. Zitat: In dieses Waldstück kam wahrscheinlich alle Lichtjahre einmal ein Mensch
Zitatende. In einer Zeit, in der das Wissen um die Bedeutung eines Wortes nur einen Mausklick bei Herrn Google oder Frau Wiki entfernt ist, ist das wirklich eine Schande. Nicht nur, dass Frau Link die Bedeutung des Wortes nicht zu kennen scheint, sind offensichtlich auch noch die Mitarbeiter vom Lektorat darübergestolpert ohne es zu korrigieren.
Aber vermutlich schliefen diese zu diesem Zeitpunkt bereits tief und fest.