Rezensent im Portrait
aus Sankt Augustin
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Ja, es ist der beste Neuhaus-Krimi!Rezension vom 26.11.2012Ein Campingplatz am Rande der Gesellschaft, eine misshandelte Mädchenleiche wird ganz in der Nähe gefunden. Die Spuren führen in verschiedene Richtungen und das Ermittlerteam um Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff tappt lange im Dunkeln.
Schon nach den ersten Seiten hätte ich am liebsten das Buch an einem Stück zu lesen. Nele Neuhaus schafft es immer wieder, mich von Anfang an zu fesseln. Sie verbindet Alltägliches mit Spannung, eine gute Mischung, die mich sofort gefangen nimmt.
Nele Neuhaus hat ein dichtes Netz gewebt und darin die sehr komplexe Story eingebettet. Es gibt nicht nur ein Wiedersehen mit Pia, Oliver und ihrem Team, auf das ich mich schon gefreut habe. Es kommen so nach und nach immer neue und teilweise sehr interessante Charaktere dazu. Anfangs weiß ich gar nicht, wo das alles hinführen soll, ich bin einfach nur gespannt. Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen wird sehr anschaulich dargestellt. Ich werde auf falsche Fährten geführt, verirre mich in Sackgassen. Nele Neuhaus macht es mir nicht leicht, führt mich an der Nase herum und ich genieße es. Sie schafft es immer wieder, mich zu überraschen, nicht nur am Ende, nein auch mittendrin gibt es einige Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe.
Erst so nach und nach wird mir bewusst, um was es wirklich geht. Der Spannungsbogen ist konstant hoch, der Schreibstil gewohnt flüssig und sehr gut lesbar. Die dialektgefärbten Dialoge und Alltagssituationen machen die Geschichte sehr authentisch. Das liebe ich an Regionalkrimis, es könnte alles direkt nebenan passieren. Sie greift in diesem Buch ein sehr brisantes Thema auf ohne es abgedroschen klingen zu lassen. Und es benötigt keine blutigen oder ekligen Szenen, um mir Schauer über den Rücken zu jagen. Dazu reichen die Ungeheuerlichkeiten, die mich noch Tage später beschäftigen. Nele Neuhaus hat mich nicht nur sehr spannend unterhalten, sondern mich auch sehr zum nachdenken angeregt.
Ich habe auch die Vorgängerbücher alle gelesen und ich kann der Werbung nur zustimmen, dieses hier ist ihr bestes Buch! -
Tod in der DrachenhöhleRezension vom 26.11.2012In einer Höhle am Drachenfels wird eine Frauenleiche gefunden. Gleichzeitig verschwindet die Gattin des ortsansässigen Notars am Tag der Feier ihres 40. Geburtstages. Schnell fällt der Verdacht auf die Geliebte des Notars, einer exzentrischen Künstlerin, die sich intensiv mit der Nibelungensage beschäftigt. Nicht nur Kommissar Jan Seidel übernimmt die Ermittlungen, auch seine Großmutter Edith
Das Buch hat bei mir einen Regionalbonus! Ich kenne und mag Königswinter und genau die Atmosphäre, die dort herrscht, wird in dem Buch wieder gegeben. Sehr anschaulich wird alles von Judith Merchant beschrieben und man merkt, dass sie in diesem beschaulichen Städtchen zu Hause ist. Und genau so beschaulich kommt dieser Krimi daher.
Es ist kein atemberaubender Thriller sondern ein solider Kriminalroman, den man gut bei einer Tasse Kaffee oder Tee und einem leckeren Stück Kuchen genießen kann. Spannung entsteht hier anders, es fließt kein Blut, es gibt keine ekligen Szenen, aber sie ist konstant da. In mehrere Erzählstränge aufgeteilt, erfahre ich als Leser nur so viel, dass ich unbedingt weiter lesen will. Auch Judith Merchant beherrscht die Kunst, die Stränge am Ende auf eine schlüssige und vor allem nicht vorhersehbare Art ineinander fließen zu lassen.
Die Charaktere gefallen mir sehr gut, allen voran natürlich Edith Herzberger, die mich ein wenig an Miss Marple erinnert. Ein bisschen schrullig, aber ein messerscharfer Verstand und schon hat sie mein Herz erobert. Ihr Enkel ist mehr mit seiner verflossenen Liebe beschäftigt als mit dem Fall und genau das macht ihn so menschlich. Seine Kollegin ist mir persönlich etwas zu herb, aber ein guter Gegenpol zu Jan.
Sehr gut gefallen hat mir die Anlehnung an die Nibelungensage und die jedem Kapitel vorangestellten Auszüge aus dem Nibelungenlied. Das war für mich das Sahnehäubchen auf dieser sehr delikaten Krimikost! Ein großes Lob für diesen Debütroman! Und der Nachfolger liegt schon bereit -
Wunderschön und magischRezension vom 10.04.2012Als Diana an das Sterbebett ihrer todgeweihten Tante eilt, offenbart diese ihr ein lang gehütetes Familiengeheimnis, in der Dianas Urahnin Grace eine wichtige Rolle spielt. Und so begibt sich Diana auf die Suche nach ihren Wurzeln.
Schon nach den ersten Seiten wusste ich, dass mir dieses Buch gefallen wird. Einer der ersten Sätze, in den ich mich verliebt habe, war: Nebel hüllte den Park ein und ließ die Trauerweiden, deren Äste Regentropfen weinten, noch trostloser wirken. Ich liebe diesen bildhaften und leicht poetischen Schreibstil, der sehr atmosphärisch ist und mich ein wenig an die Bücher von Judith Lennox erinnert. Ich konnte von Anfang an total versinken in dieses wunderschöne Buch, von dem eine ganz besondere Magie ausgeht, die Corina Bomann mit ihren Worten eingefangen und an mich weitergegeben hat.
Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt und Diana entdeckt im gleichen Tempo wie ihre Ahnin Grace diese wundervolle Insel und noch viel mehr. Die Übergänge in die Vergangenheit sind teilweise sehr geschickt gelöst. Corina Bomann hat mich erst nach England entführt und dann nach Sri Lanka. Es ist keine kitschige Liebesgeschichte, ich habe gemerkt, wie intensiv Corina Bomann recherchiert hat. Ich habe so viel über das alte Ceylon erfahren, angefangen bei der Palmblätterbibliothek, die ich sehr gerne einmal besuchen möchte bis hin zu der traditionellen Kampfsportart Kalarippayat. Ich habe Einblicke in die faszinierende Kultur der Tamilen bekommen, die mir bis dato fremd war und auch die politischen Hintergründe, die das Land gebeutelt haben, sind mir jetzt klarer. Sie beschreibt alles so schön und bildhaft, dass so viele Bilder vor meinem inneren Auge entstanden sind. Und es wurde keine Sekunde langweilig beim Lesen, denn immer wieder wird durch die direkte Rede alles so wunderbar lebendig. Die einzelnen Figuren muss man einfach mögen. Ich habe mich mit Diana auf Entdeckungsreise begeben und obwohl ich schon bald etwas ahnte, war es so spannend, mit ihr zusammen in der Vergangenheit zu stöbern.
Eine absolute Leseempfehlung für alle, die sich gerne von der Magie der Sprache verzaubern lassen und eintauchen möchten in fremde Kulturen.
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Schottische CliffhangerRezension vom 21.02.2012Caitlin will nach ihrer gescheiterten Ehe ihrer Vergangenheit entfliehen. Sie ändert ihren Namen und startet in Schottland einen neuen Anfang. Aber dann wird dort die Leiche ihres Exmannes gefunden, Caitlin gerät ins Visier der Ermittler und ihr bleibt nur die Flucht.
Ben ist Journalist und arbeitet für den Scottish Independent. Durch ein Fax wird er auf mysteriöse Todesfälle von Kindern aufmerksam und recherchiert auf eigene Faust.
Diese beiden Handlungen laufen parallel, sind sogar durch unterschiedliche Schriftarten gekennzeichnet. Ich habe anfangs sehr viele Vermutungen angestellt, wie die beiden Stränge zusammen hängen können und dabei hat Zoe Beck mich mehr als einmal auf eine falsche Fährte geführt. Die 2 verschiedenen Erzählstränge haben für mich die Spannung konstant auf einem hohen Level gehalten, denn mit Cliffhangern hat Zoe Beck natürlich auch nicht gespart. Beide Hauptdarsteller kommen den Geschehnissen auf unterschiedlichen Wegen auf die Spur und das macht für mich den Hauptreiz des Buches aus.
Der Schreibstil ist sehr atmosphärisch und modern und gleichzeitig spannend, sehr spannend sogar. Zoe Beck hat mir ein bisschen Schottland vermittelt, die schottische Band Franz Ferdinand wurde kurz erwähnt und ich habe viel über die schottische Arbeiterschicht erfahren. Das machte die Story für mich so authentisch, ich finde es immer klasse, wenn Musik eine Rolle spielt, die ich kenne und mag und ich ein bisschen über Land und Leute erfahre.
Anfangs hatte ich große Fragezeichen in den Augen, weil ich nicht genau wusste, worauf die Story hinauslaufen würde und ich habe mich einfach mitreißen lassen von dem intelligent konstruierten Plot und wurde immer wieder neu überrascht. Das Buch ist absolut nicht vorhersehbar. Es hat mich wunderbar unterhalten und mir einige Stunden Schlaf geraubt. Ich freue mich schon auf das nächste Buch von Zoe Beck, denn der Vorgänger Das alte Kind hat mir schon gut gefallen, aber dieses hier war noch um einige Nuancen besser!
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"Langsam"Rezension vom 16.02.2012Auf einer Kuhweide wird eine weibliche Leiche entdeckt, auf ihre Fußsohlen wurden Koordinaten tätowiert. Schnell wird klar, dass es sich hier um eine sehr abstruse und blutige Form von Geocaching handelt. Ein unlösbarer Fall für Beatrice Kaspary und Florin Wenninger?
Der Klappentext verspricht Gänsehaut und Hochspannung und nach dem Hype um Erebos und einer vielversprechenden Leseprobe war ich sehr gespannt auf dieses Buch. Bisher hatte ich nur mal im Vorbeigehen von Geocaching gehört und war sehr gespannt auf einen interessanten Plot. Ich habe durch dieses Buch sehr intensive Einblicke in diese Trendsportart gewonnen und das hat mir sehr gut gefallen. Und nun kommen ganz viele aber, die meine Lesefreude ein bisschen getrübt haben. Denn ich hatte mir viel mehr von diesem Buch erhofft. Es ist nicht schlecht, aber eben auch nichts Besonderes. Sprachlich schwimmt es im Mainstream. Eingangs hoffte ich auf ein bisschen mehr Originalität die Beschreibung des ersten Tatortes aus Sicht der Kühe fand ich echt klasse, obwohl es mich ein wenig an Glennkill erinnerte. Leider wurde mir hiervon nicht mehr geboten. Es gab ein paar schöne Beschreibungen und Vergleiche, jedoch waren die eher die Ausnahme.
Die beiden Ermittler haben mir ganz gut gefallen, waren aber auch nicht außergewöhnlich. Das Privatleben und die persönlichen Probleme der alleinerziehenden Beatrice Kaspary nahmen sehr viel für mich zu viel Raum ein, das machte sie zwar sehr menschlich, aber mir war es zu alltäglich und dadurch eben auch uninteressant. Teilweise konnte ich Kasparys Verhalten nicht nachvollziehen und ich empfand ihr Bild nicht stimmig. Der für mich interessantere Part des Ermittlerduos Florin Wenninger stand leider zu sehr im Hintergrund und wirkte dadurch etwas blass, diese Figur hätte ich lieber etwas mehr ausgeschmückt gesehen. Kaspary hat eindeutig die Hauptrolle, aber von ihren besonderen Fähigkeiten, auf die öfter hingewiesen wurde, habe ich nicht so viel mitbekommen.
Eins der Schlüsselworte in diesem Buch war langsam und das trifft es! Mir war alles zu langsam, es ging einfach nicht voran bei den Ermittlungen und auch bei der Aufdeckung des Geheimnisses aus Kasparys Vergangenheit. Da hätte ich mir mehr Tempo gewünscht. So plätscherte die Story dahin. Ich habe mich zwar nicht unbedingt gelangweilt, aber unter einem Pageturner stelle ich mir etwas anderes vor. Das Ende hat mich ein wenig entschädigt, denn es war sehr überraschend und nicht vorhersehbar.
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Wohltuend unblutig und doch spannendRezension vom 15.01.2012Inge Löhnig schreibt mehr als nur Krimis und in diesem 4. Teil wird das ganz besonders deutlich. Die Geschichte von Dühnfort und Gina nimmt sehr viel Raum ein und auch der neue Ermittler Alois ist sehr präsent, dabei verzettelt sie sich manchmal ein bisschen. Dühnfort ist wegen seiner neuen Beziehung etwas verunsichert, verliert auch schon mal die Kontrolle. Das nimmt dem Buch zwischendurch die Spannung, aber ich nehme es Inge Löhnig nicht übel. Das ist nun mal ihr Stil, den ich mag und gerne lese. Dühnforts Gedanken gehören dazu wie seine Ess- und Trinkgewohnheiten. Wenn er seinen Espresso trinkt oder sein Abendessen zubereitet, fühle ich mich sofort heimisch und bekomme Hunger. Natürlich kommt auch der eigentliche Kriminalfall nicht zu kurz, der Plot ist intelligent erdacht und ich habe bis zum Schluss gerätselt. Ich konnte teil haben an der aufwendigen Ermittlungsarbeit und an den Misserfolgen. Sprachlich spielt sie zwar nicht in der ersten Liga, aber mir hat es großen Spaß gemacht, diesen Krimi zu lesen und ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Teil. -
Mein absolutes JahreshighlightRezension vom 16.09.2011Endlich die Geschichte der Waringshams geht weiter. Ich und mit mir unzählige weitere Leser habe sehnsüchtig auf eine Fortsetzung gewartet. Meine Geduld wurde belohnt mit einem wunderbaren Roman, für den ich Rebecca Gablé von Herzen danke.
Schon beim ersten Durchblättern war ich sehr angetan von der Aufmachung, dem wunderschönen Cover, der liebevollen Widmung an uns Leser, der Aufzählung der wichtigsten Personen und den schönen Zeichnungen, die mir schon bei Hiob´s Brüder so gut gefallen haben.
Schon nach wenigen Sätzen war ich mitten im Geschehen und habe alles um mich herum vergessen, ich bin förmlich in die Geschichte versunken. Diese Kunst beherrschen nur wenige Schriftsteller, die ich kenne. Als erstes lerne ich Nicholas of Waringham kennen, ein sympathischer Junge, der mich an einige seiner Vorfahren erinnert. Sein Vater Jasper widmet sich nur seinen Büchern und hat seinen Besitz ziemlich verkommen lassen. Obwohl es nur ein fiktives Gebäude ist, das ich aber schon in den Vorgängerbüchern besuchen durfte, geht mir der Zerfall doch sehr nahe. Jasper wird der Ketzerei beschuldigt und kurze Zeit später stirbt er im Tower und Nick muss schnell erwachsen werden und Verantwortung übernehmen. Die verstoßene Königin Catalina nimmt ihm das Versprechen ab, auf ihre Tochter Mary aufzupassen und so entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen Nick und Mary. Ich begleite Nick und Mary bis zu Marys Krönung und erlebe Höhen und Tiefen, Freude und Leid.
Über diesen Teil der englischen Geschichte ist schon oft geschrieben worden, aber durch diesen Roman habe ich so viele neue Details erfahren und vor allem Mary in einem anderen Licht gesehen. Ich weiß, dass dies ein ganz besonderes Anliegen der Autorin war und es ist ihr wunderbar gelungen, diesen Teil der englischen Geschichte endlich aus einer anderen Perspektive zu erzählen.
Ich habe in diesem wunderbaren Buch viel Bekanntes wieder gefunden und schon nach ein paar Seiten habe ich mich "zu Hause" gefühlt. Gleichzeitig habe ich viel Neues kennen gelernt, ich habe geschmunzelt und manchmal auch laut gelacht und ich habe was mir beim Lesen äußerst selten passiert geweint. So viele Emotionen hat schon lange kein Buch mehr bei mir ausgelöst. Rebecca Gablé schafft es immer wieder, mich in den Bann ihrer Geschichten zu ziehen, ihre Schreibweise ist so wohltuend lebendig, aber nicht aufdringlich. Sie vermittelt mir Geschichte mit einer Leichtigkeit, die ich bei anderen Autoren vergeblich suche. Als ich den letzten Satz gelesen habe, war ich so traurig, dass es zu Ende war, aber ich musste auch wie so oft über ihren besonders feinen Humor schmunzeln, so dass sie mir den Abschied etwas leichter gemacht hat. Am liebsten würde ich die Waringhams bis zur heutigen Zeit verfolgen ich weiß, das ist unrealistisch, aber ich hoffe doch sehr, dass es noch eine Fortsetzung geben wird.










