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Curculio aus Deutschland

Gesamte Bewertungen 24 (ansehen)


Meine Bewertungen

Ein Engel auf Abwegen?

Curculio aus Deutschland , am 19.08.2013

Ich wollte schon sehr lange mal was von Tad Williams lesen, weil man ja unweigerlich auf seinen Namen trifft, wenn man sich für Fantasy interessiert. Nun war es endlich soweit und obwohl (oder gerade weil?) es sich hierbei um urbane Fantasy handelt, bin ich begeistert. Allein schon die Idee hat mir auf Anhieb gefallen.
Bobby ist der Ich-Erzähler der Geschichte und er kommentiert die Geschehnisse sehr bissig, sarkastisch und selbstironisch. Selbst in den brenzligsten Situationen hat Bobby immer einen coolen Spruch auf Lager. Allerdings war durch seine ausschweifende Erzählweise der Einstieg für mich ein wenig zäh. Es war sehr lustig zu lesen und man hat einige Hintergründe erfahren, aber ich musste mich erst an den Stil gewöhnen. Dann allerdings sind die Seiten nur so dahin geflogen.
Bobby selbst ist sehr abgebrüht und hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, außerdem geht er mit jüngeren Kollegen nicht gerade zimperlich um, aber trotzdem ist er sehr sympathisch. Seine grundskeptische Einstellung hat er mit seinen erdgebundenen Engel-Kollegen wohl gemeinsam, allerdings ist sie bei (unter anderem) ihm noch deutlich stärker ausgeprägt und bereitet ihm so manche Probleme. Er stellt viele Fragen und zweifelt vieles an und muss infolge dessen das ein oder andere Mal umdenken, womit er sich keine Freunde macht.
Auch die Nebencharaktere sind allesamt sehr originell. Da ist zum Beispiel der einsame George, genannt Fatback, der Bobby mit Informationen versorgt, allerdings erst nach Mitternacht. Dann der Möchtegern-Gangster G-Man, der Bobby ganz schön auf die Nerven geht. Oder Nachwuchs-Anwaltsengel Clarence, der von Bobby und Sam (Bobbys Freund und Kollegen) immer so schön hochgenommen wird. Einfach zum Schießen.
Die Handlung selbst ist durchgängig sehr spannend und actionreich: Es gibt wilde Verfolgungsjagden, Schießereien mit sehr viel krach-bumm-peng und es fehlen natürlich auch Intrigen und Geheimnisse nicht. Insgesamt empfand ich den Roman als Spionage-Thriller im Fantasy-Gewand, gewürzt mit Bobbys bissigem Humor.
Die Geschichte ist größtenteils in sich abgeschlossen, so dass es theoretisch auch möglich ist, den Roman für sich zu lesen. Es werden natürlich nicht nur Fragen beantwortet, sondern auch neue aufgeworfen, die dann wahrscheinlich für die Folgebände relevant sind, aber es gibt keinen Cliffhanger oder ähnliches.
Sehr gelungen fand ich auch die Passagen im Himmel. Es ist sehr bildlich beschrieben, aber gleichzeitig auch etwas diffus, traumhaft, wie auch Bobby selbst seine Besuche beschreibt. Die Umsetzung fand ich sehr gelungen, da beim Lesen (bei mir zumindest) genau dieses Gefühl aufkam. Es war weder zu konkret, noch zu schwammig, sondern genau richtig.

Fazit:
Insgesamt ein spritziger Auftakt für eine neue Trilogie um den Anwaltsengel Bobby Dollar, der mich voll überzeugt hat. Die Idee ist toll und detailreich umgesetzt und bietet noch reichlich Geheimnisse und Intrigen für nachfolgende Bände. Die Handlung ist sehr spannend und actionreich, Bobbys bissiger Erzählstil rundet das Ganze noch ab. Das wird sicherlich nicht mein letzter Tad Williams sein!

Bobby Dollar 01. Die dunklen Gassen des Himmels
von Tad Williams
(25)
Buch 23,60

Zauberhafte Geschichte über Liebe, Theater und Träume

Curculio aus Deutschland , am 09.07.2013

Caroline hat es nicht leicht – für den Platz auf der Schauspielschule musste sie kämpfen, sowie auch für jede Rolle, die sie ihrem Traum eine Schauspielerin zu werden immer näher bringen soll. Nach einem missglückten Casting erhält sie die Chance die Julia zu spielen, in dem eigens dafür wiedererweckten Bimah-Theater. Dieses wurde 1935 geschlossen, nachdem dort bei der Erstaufführung von „Romeo und Julia“ Johannes Steiner, der den Romeo gab, auf der Bühne ermordet und verflucht wurde. Seitdem lebt sein Geist in dem Theater weiter und mit seiner Hilfe holt Caroline das Beste aus sich heraus und kommt ihm dabei immer näher.

Um ehrlich zu sein, waren meine Erwartungen an den Roman nicht allzu hoch. Ich habe eine nette Liebesgeschichte erwartet und die habe ich auch bekommen. Aber die Umsetzung war viel besser als erwartet. Die Autorin hat einen sehr schönen Schreibstil, dank dem ich gleich in der Geschichte versunken bin. Man fiebert gleich mit Caroline mit, die nicht nur für ihre Schauspielkarriere kämpft, sondern sich auch aufopferungsvoll um ihren Bruder und auch ihre Mutter kümmert.
Die Kontraste in diesem Buch sind schon sehr stark: Auf der einen die arme, vom Schicksal gebeutelte Caroline, die für ihre Glück kämpfen muss. Auf der andere Seite ihre „Freundin“ Mia, aus einer Schauspielfamilie stammend, die scheinbar schon alles hat, wofür Caroline kämpft. Dies setzt sich letztlich auch im Verhalten der beiden fort. Nicht zuletzt stellt Mias Verhalten einen starken Kontrast zu der herzerwärmenden Liebe zwischen Caroline und Johannes dar.
Die Liebesgeschichte zwischen Caroline und Johannes fand ich jedenfalls wunderschön, auch wenn es teilweise fast kitschig zu werden drohte, aber das passt wunderbar zu dem Roman, zu dem Romeo und Julia-Thema, zum Sommer, zu der Theater-Handlung. Überhaupt fand ich, dass alles wunderbar zusammengepasst hat: Alle Teile haben sich nahtlos ineinander gefügt und wunderbar harmoniert, insgesamt eine wunderschöne Geschichte zum Träumen.

Fazit:
Eine wunderbare Geschichte, die ihrem Titel mehr als gerecht wird: Ein Sommerroman voller Zauber: Der Zauber des Theaters, der Zauber der Liebe. Ein Roman über die Kraft zu kämpfen und das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen und nicht zuletzt auch mit einem Schuss Übersinnlichem. Schön!

Sommernachtszauber
von Ellen Alpsten
(19)
Buch 18,50

Fesselnder Schmöker vor herrlicher Kulisse

Curculio aus Deutschland , am 03.07.2013

Meine Erwartungen an diesen Roman, nämlich ein fesselnder Schmöker vor exotischer, historischer Kulisse mit sympathischen Charakteren, wurden vollauf erfüllt. Anfangs schien es zwar nicht so, weil ich nicht so recht Zugang zu der Geschichte gefunden habe, aber das waren zum Glück nur Startschwierigkeiten und nachdem diese überwunden waren, bin ich Seite um Seite mehr in der Geschichte versunken. Die Leben der Protagonisten sind sehr spannend und einfühlsam, aber auch dramatisch und nicht zuletzt sehr gefühlvoll erzählt. Ein paar Mal wurde es mir dann fast ein wenig zu viel, aber die Geschichte hat sich dann stets doch ganz anders entwickelt. Trotz der Fülle an Seiten waren keine Längen vorhanden, der Roman bleibt stets fesselnd. Das mag auch an den größeren Sprüngen liegen, da hierdurch neue Personen und Schicksale in den Vordergrund rückten, aber auch alle vorherigen Protagonisten nicht zu kurz kommen.

Die Geschichte spielt nicht nur in Südamerika, hier vor allem in Montevideo, sondern auch zu einem großen Teil in Deutschland, hier vor allem in Frankfurt a. M. und im Taunus. Gerade zu Beginn nimmt letzterer Handlungsort einen relativ großen Teil ein, aber es geht alsbald zurück nach Montevideo. Auch zwischendurch wird ein paar Mal der Kontinent gewechselt. Ich habe diese Wechsel sehr genossen und insgesamt fand ich den Kontrast sehr angenehm, da so die Unterschiede zwischen den beiden Ländern (und Kontinenten) besonders deutlich wurden.

Insgesamt ist der Roman in 3 große Teile gegliedert, die das Leben und Schicksale von 3 Generationen der Gothmanns und de la Vegas‘ schildert. Die Handlung erstreckt sich dabei insgesamt auf die Jahre 1847 bis 1889. Dank der hohen Seitenzahl kommt zudem kein Protagonist zu kurz, alle werden sehr facettenreich dargestellt. Und auch die historischen Hintergründe werden ebenso detailreich eingeflochten wie die fantastischen Landschaftsbeschreibungen Südamerikas, vor allem Uruguays.

Über den langen Zeitraum wird aber ebenso Entwicklung Montevideos und damit Uruguays deutlich: Die zunehmende Ablösung von Europa, die wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Nicht zuletzt werden die Gothmanns immer wieder in bedeutende historische Ereignisse verwickelt: So spielen sie nicht nur eine Rolle bei der Deutschen Revolution, sondern werden auch vom südamerikanischen Krieg mit Paraguay direkt betroffen.


Fazit:
Alles in allem hat mir „Die Rosen von Montevideo“ trotz leichter Startschwierigkeiten sehr gut gefallen: Die sympathischen Charaktere, ihre wechselvollen Schicksale, ihre Verflechtungen und nicht zuletzt die herrlichen Landschaftsbeschreibungen und die südamerikanische Kulisse. Insgesamt ein richtig schöner Schmöker zum Abtauchen!

Die Rosen von Montevideo
von Carla Federico
(38)
Buch 10,30

Ein Leben jenseits der Standesdünkel

Curculio aus Deutschland , am 14.03.2013

Es ist das Jahr 1580, die Gesundheit von Philippine Welser verschlechtert sich rapide und ihr Tod naht. In diesen Tagen blickt sie auf ihr Leben an der Seite des Erzherzogs Ferdinand II. von Habsburg zurück, von dem dieser Roman erzählt. Entgegen aller Widerstände heiratet der Adlige die Bürgerliche, Missgunst und Hass schlagen ihnen von allen Seiten entgegen und ihre Ehe muss lange Zeit geheim bleiben. Philippines Tante, Katherina von Loxan, ist ihr dabei stets eine wichtige Stütze in diesen schweren Zeiten. Aber auch die Heilkunst und Kräuterkunde, in die sie von ihrer Mutter Anna Welser eingeweiht wird und mit denen sie vielen Menschen helfen kann. Doch von einigen wird ihre Kunst auch gegen sie verwendet. Wurde ihr das letztlich zum Verhängnis?

Besonders gut hat mir die Gestaltung und der Aufbau des Buches gefallen: Jedes Kapitel ist einer anderen Heilpflanze gewidmet, und wird mit deren Name, Bild und Wirkung eingeleitet. Im jeweiligen Kapitel selbst spielt dieses Kraut dann (unter anderem) eine mehr oder minder wichtige Rolle. Im Laufe der Geschichte gerät allerdings immer mehr die negative Wirkung der Pflanzen in den Vordergrund, sprich es gibt recht viele (teils vermeintliche?) Giftanschläge.
Der Roman umfasst den Handlungszeitraum von 1556 bis 1580. Als Grundlage für diesen Roman dienten der Autorin wichtige Stationen im Leben Philippines, auf welche sie im Nachwort eingeht. Vor allem die Probleme in Bezug auf ihre Herkunft, die Geheimhaltung der Ehe und die damit verbundenen Nachteile für die Söhne, die Auswirkungen auf ihre Familie, die sie bis nach Tirol begleitet. Die meisten anderen Personen sind ebenfalls historisch belegt. Ausgehend von diesen Fakten hat die Autorin eine sehr interessante Geschichte geschrieben, die mir das Leben Philippine Welsers nahe gebracht hat. Hauptaugenmerk liegt auf ihren Sorgen und Nöten, aber auch auf ihrer innigen Liebe zu Ferdinand und ihrer Familie. Die Probleme und Intrigen, die ihre Verbindung mit sich brachte, werden mehr als deutlich.
Der neutrale Erzählstil wird immer wieder unterbrochen von fiktiven Tagebucheinträgen Philippines. Dieser Wechsel hat mir gut gefallen, da mir der Roman dadurch lebendiger und aufgelockerter erschien, vor allem im Hinblick auf die rasch fortschreitende Erzählung: Vieles wird nur angedeutet, mehrere Jahre Lücken werden höchstens kurz im Rückblick betrachtet. Genauso prägnant und treffend ist der Schreibstil, es gibt keine Ausschweifungen, dennoch finden sich viele Details aus dem Leben im 16. Jahrhundert.
Als Kriminalroman würde ich es allerdings nicht bezeichnen. Es gibt zwar immer wieder Anschläge auf Philippines Leben oder das ihrer Familie, diese werden aber oft nicht aufgeklärt und teilweise wird dabei nicht immer klar, was Vorsatz und was Einbildung ist.

Fazit:
Alles in allem ein fesselnder historischer Roman, in dem Tatsachen und Fiktion geschickt verbunden wurden, der jedoch die Bezeichnung „Kriminalroman“ meines Erachtens nicht verdient. Der wechselnde Erzählstil hat mir sehr gefallen, ebenso wie die Gestaltung des Buches und die vielen Pflanzenbezüge.

Die schöne Philippine Welserin
von Brigitte Riebe
(18)
Buch 15,50

Die Bewahrung der europäischen Kulturgüter während des 2. Weltkrieges

Curculio aus Deutschland , am 20.02.2013

Dieses Buch beschreibt die Arbeit einer ganz besonderen Einheit während des 2. Weltkrieges zwischen 1943 und 1945: Der Sektion „Monuments, Fine Arts ans Archives“ kurz MFAA, deren Mitglieder „Monuments Men“ genannt wurden und fast alle beruflich mit Kunst und Kultur (es waren Restauratoren, Museumsdirektoren, Künstler etc.) beschäftigt waren. Sie hatten die Aufgabe, europäische Kulturgüter vor den Auswirkungen des Krieges so gut wie möglich zu schützen und geraubte Kunstschätze aufzuspüren und sie ihren rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben. Diese Sektion war unterbesetzt, anfangs schlecht in die restlichen militärischen Abläufe eingebunden, schlecht ausgestattet und daher besonders stark auf Hilfe von außen angewiesen.

Robert Edsel geht hier besonders auf die Arbeit von einigen wenigen Monuments Men ein. Der Autor erwähnt bereits im Vorwort die Fülle an Material, die vielen Schauplätze usw. Denn obwohl die Monuments Men nur ein kleines Trüppchen waren, haben sie die meisten der unzähligen Kunstschätze wieder aufgespürt. Daher musste sich der Autor auf wenige Personen und Schauplätze konzentrieren, was beim Lesen auch sehr deutlich wird.

Im Laufe ihrer Arbeit stoßen die Monuments Men auf viele Helfer, den meisten liegt wirklich an der Rettung der Kunst, wie der französischen Museumsangestellten Rose Valland, aber einige wollen auch nur ihre Haut retten.

Trotz aller Erfolge gab es auch immer wieder Rückschläge: Nicht jedes Kunstwerk / Kulturgut konnte gerettet werden und auch die Rückführung an die ursprünglichen Besitzer lief nicht immer wie geplant.

Durch die reichliche Verwendung von Originalzitaten liest sich das Buch sehr lebendig, weniger wie ein Sachbuch, als vielmehr wie ein Roman. Unterstrichen wird dies noch durch die vielen abgedruckten Briefe der Monuments Men an ihre Familien, die ihre Begeisterung und Aufopferung für diese große Aufgabe noch verdeutlichen.

Abgerundet wird das Buch von zusätzlichen Bildtafeln, die den Text sehr gut ergänzen, sowie umfangreichen Darstellungen der Hauptakteure zu Beginn und im Anhang. Zur besseren Übersicht gibt es im Buchdeckel eine Karte mit den wichtigsten Stationen der im Buch beleuchteten Monuments Men, sowie weitere Karten mit Kriegsverlauf und anderen wichtigen Orten in den entsprechenden Kapiteln. Das im Anhang befindliche Quellen- und Literaturverzeichnis lässt erahnen, wie viel (Recherche-)Arbeit in diesem Buch steckt.

Ich bin nach der Lektüre tief beeindruckt von der Arbeit dieser Männer (und Frauen), die während des Krieges ihre Leben riskierten, um das kulturelle Erbe Europas zu schützen. Mir war bis zu diesem Buch nicht bewusst, dass es eine solche Einheit gegeben hat und auch Edsel zeigt, dass diese Arbeit lange Zeit kaum beachtet wurde, daher finde ich es gut, dass jetzt Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt wird, nicht zuletzt durch den geplanten Film!

Fazit: Ein sehr lesenswertes Buch über die Arbeit der Monuments Men während des zweiten Weltkrieges, die ihre Leben riskiert haben im Bemühen, die europäischen Kulturgüter zu schützen und die geplünderten und versteckten Kunstgegenstände ausfindig zu machen. Die Tätigkeit einiger Monuments Men wird in diesem Buch sehr lebendig und eindrucksvoll beschrieben.

Monuments Men
von Robert M. Edsel
(7)
Buch 26,90

Dunkle Geheimnisse in der Bretagne

Curculio aus Deutschland , am 08.01.2013

Der Winter 1440 hält für die Bewohner des kleinen Dorfes Saint Mourelles in der Bretagne grausige Überraschungen bereit: Es fängt mit dem Verschwinden zweier Kinder an. Doch dabei bleibt es nicht: Die Haushälterin des Pfarrers findet schließlich die erste Leiche, was nur der Anfang ist. Mit jedem Fund breitet sich mehr Unruhe im Dorf aus. Währenddessen genießt Baron Amédé de Troyenne einen ausschweifenden Lebensstil, der ihn in so manchen Engpass führt und schließlich zu unkonventionellen Mitteln greifen lässt. Dennoch schenkt er den Ängsten der Dorfbewohner sein Gehör. Aber auch beim Bischof ihrer Diözese ersuchen die Dorfbewohner um Unterstützung. Dieser misst dem Geschehen anfangs keine große keine große Bedeutung bei, wittert jedoch bald eine ganz andere Chance.

Da mir der erste Roman der Autorin sehr gut gefallen hat, habe ich mich sehr auf diesen neuen Roman gefreut. Leider waren meine Erwartungen wohl zu hoch, denn obwohl es ein kurzweiliges Lesevergnügen war, hat mich diese Geschichte nicht so sehr überzeugen können, wie der erste Roman von Liv Winterberg. Im Laufe der Handlung kommen die Dorfbewohner dem Mörder immer näher, dementsprechend gefährlicher wird es natürlich. In diesen unruhigen Zeiten spielen aber auch die gegenseitigen Gefühle zwischen dem Bauern Mathis und der Haushälterin des Pfarrers Catheline eine große Rolle, sogar darüber hinaus. Dies ist aber wohldosiert eingesetzt, sodass es sich gut in die Geschichte einfügt. Anfangs erscheinen die ganzen Ermittlungen und Vermutungen noch ziemlich kopflos, aber es fügt sich schnell eines zum anderen. Im Erzählfluss gibt es jedoch ein paar Mal größere Sprünge, wodurch mir die Handlung teilweise nicht so richtig konsistent erschien und mein Lesefluss etwas gestört wurde. Mit diesem Stilmittel konnte ich mich jedenfalls nicht so richtig anfreunden, aber das ist sicherlich Geschmackssache. Der Schreibstil ist jedenfalls wieder angenehm zu lesen und meiner Meinung nach gut an die Geschichte angepasst. Auch die Charaktere sind gut gezeichnet, wobei einige Nebencharaktere vielleicht etwas eindimensional geblieben sind, was aber nicht weiter gestört hat. Abgerundet wird dieser Roman von einer Personenübersicht, einem umfangreichen und interessantem Glossar am Ende des Romans und Bemerkungen der Autorin zum geschichtlichen Hintergrund.

Fazit: Alles in allem ein kurzweiliges Lesevergnügen, mit einer interessanten Geschichte, die einige überraschende Wendungen parat hat. Spannung kommt genauso wenig zu kurz wie ein bisschen Gefühl und auch der geschichtliche Hintergrund ist sehr gut eingewoben, sodass ich, mit wenigen Abstrichen, ein paar unterhaltsame Stunden hatte.

Sehet die Sünder
von Liv Winterberg
(27)
Buch 15,40

Interessanter Blick in die Londoner Gesellschaft

Curculio aus Deutschland , am 13.11.2012

In diesem Roman wird eine Vielzahl von Personen beleuchtet, die alle eine Verbindung zu der Pepys Road haben, einer aufsteigenden Straße im Süden Londons. Um nur einige zu nennen: Der (mehr oder weniger) erfolgreiche Banker Roger Yount, samt verwöhnter Familie. Die pakistanische Familie, der einen Kiosk an der Straßenecke betreibt und deren Mitglieder unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Fußballstar Freddy Kamo samt Vater Patrick, der in London auf seine große Chance hofft. Die Witwe Petunia Howe, die nicht nur die älteste, sondern auch die längste Bewohnerin der Pepys Road ist, samt deren Familie. Alle Bewohner haben plötzlich seltsame Postkarten in ihren Briefkäste: Mit Fotos des Hauses und dem Satz: „Wir wollen, was ihr habt.“ Diese Karten begleiten die Bewohner durch ein Jahr voller Erfolg und Misserfolg, Glück und Unglück, Hoffen und Bangen.

Aber diese seltsame und beängstigende Botschaft hat nicht einmal das Hauptaugenmerk der Geschichte. Es geht hauptsächlich um das Leben von sehr unterschiedlichen Personen in den verschiedenen Phasen. Es geht um Erfolg, Reichtum, Glück, Hoffnung, genauso wie um Angst, Trauer, Missgunst, Abstieg. Einige sind erfolgreicher als andere, reicher, glücklicher etc. Aber dennoch steht immer noch etwas anderes mehr im Mittelpunkt: Das liebe Geld. Wer hat es? Wer will es? Wer hat noch nicht genug davon? Wer zu viel? Die Geschichten der Protagonisten sind sehr flüssig erzählt und durch den sehr treffenden Schreibstil bekommt man schnell ein Gespür für die sehr unterschiedlichen Menschen, die in diesem Roman eine Rolle spielen: Alteingesessene, Reiche, Mittelständler, Künstler, Immigranten usw. Und dabei werden die fast 700 Seiten nie langweilig, immer wieder hat der Autor die eine oder andere Überraschung parat. So hinterlässt nicht nur die globale Finanzkrise deutliche Spuren, sondern auch die vielen kleineren, persönlichen Schicksale, mitunter auch aus erstgenanntem entstehend, nehmen viel Raum ein.

Fazit: Alles in allem ein sehr interessanter und vielfältiger Einblick in die Londoner Gesellschaft, die sicherlich auch sehr gut stellvertretend für andere europäische Metropolen stehen kann. Ein Jahr lang nimmt man am Leben von Menschen teil, die verschiedener nicht sein können und dabei sowohl von kleinen als auch großen Schicksalen geprägt werden. Ein sehr empfehlenswerter und aktueller Roman!

Kapital
von John Lanchester
(16)
Buch 25,70

Fantastische Reise voller Wunder

Curculio aus Deutschland , am 07.08.2012

Die Idee dieses Romans ist wirklich beeindruckend. Wasser zum Gegenstand einer solch fantastischen Geschichte zu machen, ist mal was Neues. Der enge Zusammenhang zum menschlichen Wesen ist dabei nur folgerichtig, Wasser ist immerhin der Quell allen Lebens. Aber so fremdartig diese Welt auch scheint, gibt es doch große Parallelen zu unserer Welt. In der heutigen Zeit wird auch in der Realität das lebensspendende Wasser immer knapper, in manchen Regionen mehr als in anderen, was wiederum zu Konflikten führt oder führen wird. Dieses aktuelle Thema ist äußerst geschickt in diesen fantastischen Hintergrund eingeflochten worden.
Aber abgesehen von diesem sehr offensichtlichen Bezug zur Realität ist dieser Roman großartige High-Fantasy! Die geschaffene Welt mit ihren Völkern ist unheimlich vielfältig, die Beschreibungen davon sind sehr eindrücklich. Die Völker könnten verschiedener nicht sein und ihre unterschiedlichen Charaktere kommen sehr gut zur Geltung, was auch in enger Verbindung zu ihrer Heimat steht. Das setzt sich bis zu den Personen fort, die allesamt vielschichtig erscheinen, was sich sogar bei den Nebencharakteren fortsetzt.
Die Reise erinnert anfangs ein wenig an „Der Herr der Ringe“: Gefährten, die sich auf eine Reise begeben um die Welt zu retten. Aber da hören die Ähnlichkeiten auch schon auf. Die Geschichte ist eine komplett andere, und auch die Orte wo die Reisenden hingelangen, sind sehr originell. Auf die üblichen Verdächtigen in Fantasy-Romanen wird hier fast komplett verzichtet und trotzdem kommen die fantastischen Elemente nicht zu kurz. Zudem haben die Protagonisten meist eine sehr rationale Sicht auf die Welt und auch wenn manches mystische Element, wie die Undae, offensichtlich ist, stehen sie den Dingen anfangs skeptisch gegenüber.
Es ist einfach nur traumhaft schön in der Geschichte zu versinken und zusammen mit Felt und Co. zu über den Kontinent zu reisen. Es begegnen ihnen viele Wunder und fantastische Orte, die Beschreibungen dazu sind wunderschön. Aber natürlich gibt es auch einiges Leid, was genauso eindrücklich beschrieben wird, beide Seiten werden beleuchtet. Spannung kommt auch vor, allerdings darf man keine epische Schlachten oder ähnliches erwarten. Sie ist eher wohldosiert eingesetzt, was aber sehr gut zu der Geschichte passt.

Fazit: Insgesamt ein sehr erfrischender Fantasy-Roman, der viel Neues zu bieten hat! Die Figuren werden lebendig und authentisch beschrieben, die Reise geht natürlich nicht spurlos an ihnen vorbei, auch das wird offensichtlich. Es gibt unheimlich viele Wunder zu entdecken, aber noch mehr werden angedeutet, sodass auch die nächsten Bände mit Sicherheit noch viele Überraschungen bieten werden. Der Schreibstil passt sich immer der Geschichte an und ist sehr angenehm zu lesen. Die Spannung ist wohldosiert eingesetzt, mehr ist gar nicht nötig, wie ich finde. Ein toller Auftakt, der mich sofort in den Bann gezogen hat und Lust auf mehr macht!

Zwölf Wasser Buch 1: Zu den Anfängen
von E. L. Greiff
(14)
Buch 17,40

Ein Sommer der Veränderung

Curculio aus Deutschland , am 18.07.2012

Wie jedes Jahr, treffen sich auch an diesem 14. Juli wieder die 5 Freunde Delphine, Denis, Nicolas, Marie und Lola in Coutainville, in dem Ferienhaus von Denis und Delphine. Doch dieser Sommer ist anders als die vorhergehenden. Die Ehe von Delphine und Denis bröckelt langsam, worunter auch die beiden Kinder Alex und Jeanne zu leiden haben. Nicolas und Marie scheinen dagegen noch immer glücklich miteinander zu sein, haben aber mit anderen Problemen zu kämpfen. Lola bringt wieder einmal einen neuen Liebhaber mit in das Ferienhaus. Der gut 10 Jahre jüngere Samuel unterscheidet sich allerdings von seinen Vorgängern. Schließlich taucht auch noch der mysteriöse Junge Dimitri auf, der eine unheimliche Anziehungskraft auf Jeanne ausübt.

Die Zeit bleibt nicht stehen: Das merkt man nicht nur an dem Örtchen Coutainville, welches sich so stark verändert hat, sondern auch in den Kiefern, die langsam schwächeln und nicht zuletzt bei den 3 Paaren. Sie alle werden von verschiedenen Ängsten geplagt, welche im Laufe der Geschichte immer deutlicher werden: Angst vor der Zukunft, Angst vor einer Bindung, Angst vor der Liebe. Es werden viele Fragen aufgeworfen, die wohl für viele Menschen irgendwann mal eine Rolle spielen könnten. Durch die sehr unterschiedlichen Charaktere werden sehr gut die verschiedenen Sichtweisen verdeutlicht.
Der Schreibstil ist sehr leicht und sensibel. Nicht nur die Landschaft wird sehr eindrücklich beschrieben, sondern es wird auch viel Wert auf Gefühle und Emotionen gelegt, mit denen man einen guten Eindruck von den Protagonisten bekommt. Nicht immer kann man ihr Verhalten nachvollziehen, oft wird aneinander vorbei geredet, aber je weiter die Geschichte fortschreitet, desto mehr kann man es verstehen und desto mehr kristallisieren die Probleme der einzelnen Personen heraus.
Den Klappentext finde ich ein wenig irreführend. Besagte Suche findet nur auf den letzten paar Seiten statt und das empfand ich auch nicht als das Hauptthema des Buches, eher als zusätzliche Verdeutlichung des Zustandes der Paare. Und in völlig neuen Paarungen findet diese Suche schon gar nicht statt. Ich hätte die Konsequenzen allerdings durchaus interessant gefunden, so wurden meine Erwartungen leider ein wenig enttäuscht. Auch Dimitri selbst, den jeder anders zu sehen scheint, hat eine ganz andere Rolle als ich anfangs dachte.

Fazit: Alles in allem ein leicht zu lesender Sommerroman über die Sinnsuche von 3 Paaren. Der Schreibstil ist wirklich wunderschön und bei den ganzen Beschreibungen hatte ich mehr als einmal das Gefühl in der Normandie am Strand zu stehen. Allerdings wurden die Erwartungen, die der Klappentext bei mir erweckt hat, ein wenig enttäuscht. Nichtsdestotrotz ein schöner Roman über Themen, die wohl jeden mal in der ein oder anderen Form beschäftigen werden. 3,5 Sterne!

In diesem Sommer
von Veronique Olmi
(15)
Buch 19,50

Was für eine verrückte Familie!

Curculio aus Deutschland , am 18.06.2012

Die Battles sind eine ganz normale Familie, in deren Haus gerade der ganz normale Wahnsinn der Pubertät tobt. Tochter Dora steht kurz vor ihrem Schulabschluss und ihrem 18. Geburtstag, Sohn Peter ist 16, reichlich extrovertiert, betont stets seine enge Verbindung zu Oscar Wilde, weswegen er auch nur Oscar genannt werden will. Hinzu kommt noch Mutter Mo, der gerade so gut wie alles über den Kopf wächst. Die einzigen, die bei diesem alltäglichen Wahnsinn noch einen kühlen Kopf und die Kontrolle bewahren sind der Vater und Oma Pamela.

Der ganze Roman wird abwechselnd aus der Sicht von Mo, Dora und Oscar erzählt, die alle unterschiedlicher nicht sein könnten. Mo mit ihrer verzweifelten, hilflosen Art, die rebellische Dora mit ihren peinlichen Anwandlungen und schließlich der extravagante Oscar, der seltsamerweise total zu dieser verrückten Familie passt, auch wenn er so anders ist. ;-) Die einzig „normalen“ Familienmitglieder sind Vater Denys und Oma Pamela, die den ganzen Laden schließlich auch am Laufen halten. Mo war mir dagegen ziemlich unsympathisch, im Laufe des Romans verhält sie sich noch schlimmer als Dora. Einige Male hätte ich sie am liebsten schütteln wollen. Das mag auch daran liegen, dass ich mich überhaupt nicht in ihr Alter hineinversetzen kann. :D Sieht so eine Midlife-Crisis aus? Keine Ahnung, ich kann es jedenfalls überhaupt nicht verstehen.
Der Roman ist sehr angenehm flüssig und flott zu lesen, wozu auch die recht kurzen Kapitel mit den immer wechselnden Perspektiven beitragen. Zwischendurch drohten mir die ewigen Streitereien auf die Nerven zu gehen, aber durch die wechselnden Perspektiven wurde das gut kompensiert und die Handlung hat dann noch die Kurve gekriegt. Im Großen und Ganzen war die Geschichte immer sehr lustig zu lesen.
Toll fand ich auch, dass am Ende vom Buch die Rezepte der Lieblingskuchen der Battles verzeichnet sind. Die spielen eine nicht unentscheidende Rolle und da finde ich es schön, dass sie gleich noch verewigt sind. ;-)

Fazit: Alles in allem ein sehr lustiger Roman über den ganz normalen Familien-Wahnsinn. Durch die kurzen Kapitel und die wechselnden Perspektiven (die sich auch ziemlich unterscheiden), liest sich das Buch sehr flott und es kommt keine Langeweile auf.

Irgendwas geht immer
von Dawn French
(15)
Buch 10,30