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Meine Rezensionen

  • Mutter bei die Fische
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    Runde 2 für Falks neues Insulanerleben
    Rezension vom 03.06.2013
    Falk fiebert seiner zweiten Saison als Strandkorbvermieter entgegen und hält sich bis dahin mit Gelegenheitsjobs über Wasser. So landet er im Tourismusbüro, wo er eigentlich nicht viel zu tun hat. Dann jedoch bedroht eine Falschmeldung die Saison auf Heisterhoog. Falks Kumpel Bertie, der beim Film arbeitet, scheint da die Rettung zu sein. Dann taucht auch noch Falks Mutter Grit auf, die den Urlaub bei ihrem neuen Freund, Bratfisch-Piet, verbringen will. Zwischen dem Stress als Tourismusmanager, Strandkorbvermieter, Seelentröster für seine verzweifelte Freundin Gina und seiner Mutter Grit taucht zu allem Überfluss auch noch Falks Vater Harms, der arrogante und ignorante Schriftsteller, der sich jahrelang nicht um seinen Sohn geschert hat, auf der Insel auf.

    Auch bei diesem neuen Roman um Falks Strandkorb-Verleih kam bei mir wieder fast sofort Urlaubsstimmung auf. Es war wieder eine große Freude, Falk bei der Bewältigung seiner kleinen und großen Probleme zu verfolgen. Die sympathischen Insulaner des letzten Bandes sind auch wieder alle mit von der Partie und man lernt sie näher kennen, wobei es sogar die eine oder andere Überraschung gibt, sowohl für die Leser, als auch für die Insulaner. Zusätzlich tauchen aber auch neue Gesichter (zum Beispiel teilweise sehr, äh, spezielle Filmleute) auf, die das beschauliche Inselleben ganz schön aufmischen. :D Und als dann auch noch Harms auftaucht, hat Falk ganz schön viel um die Ohren. Aber im Vergleich zum ersten Band ist er doch deutlich souveräner geworden und legt nicht mehr ganz so sehr die Faulenzer-Mentalität zu Tage. Das Inselleben ist wie schon im ersten Band sehr schön und lebendig beschrieben. Auch der angenehme und leichte Schreibstil hat wieder dazu beigetragen, dass ich ganz in den Roman abtauchen konnte.

    Das Ende ging mir dann allerdings ein wenig zu schnell und kam zu abrupt. Das hätte ich mir noch ausführlicher gewünscht. Außerdem fand ich es ein wenig ZU dick aufgetragen. Ich habe absolut nichts gegen ein Happy End, gerade bei so einem locker-leichten Buch zum Abschalten, aber ein bisschen weniger hätte meiner Meinung nach auch gereicht. ;-)

    Fazit: Alles im allem eine gelungene Fortsetzung von „Nackt unter Krabben“. Den ersten Band fand ich zwar einen Tick besser, aber auch hier hat mich wieder fast sofort die Urlaubsstimmung gepackt. Insgesamt wieder ein herrlich leichter und heiterer Roman zum Entspannen, mit sympathischen Charakteren und einer turbulenten Handlung.
  • Die schöne Philippine Welserin
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    Ein Leben jenseits der Standesdünkel
    Rezension vom 14.03.2013
    Es ist das Jahr 1580, die Gesundheit von Philippine Welser verschlechtert sich rapide und ihr Tod naht. In diesen Tagen blickt sie auf ihr Leben an der Seite des Erzherzogs Ferdinand II. von Habsburg zurück, von dem dieser Roman erzählt. Entgegen aller Widerstände heiratet der Adlige die Bürgerliche, Missgunst und Hass schlagen ihnen von allen Seiten entgegen und ihre Ehe muss lange Zeit geheim bleiben. Philippines Tante, Katherina von Loxan, ist ihr dabei stets eine wichtige Stütze in diesen schweren Zeiten. Aber auch die Heilkunst und Kräuterkunde, in die sie von ihrer Mutter Anna Welser eingeweiht wird und mit denen sie vielen Menschen helfen kann. Doch von einigen wird ihre Kunst auch gegen sie verwendet. Wurde ihr das letztlich zum Verhängnis?

    Besonders gut hat mir die Gestaltung und der Aufbau des Buches gefallen: Jedes Kapitel ist einer anderen Heilpflanze gewidmet, und wird mit deren Name, Bild und Wirkung eingeleitet. Im jeweiligen Kapitel selbst spielt dieses Kraut dann (unter anderem) eine mehr oder minder wichtige Rolle. Im Laufe der Geschichte gerät allerdings immer mehr die negative Wirkung der Pflanzen in den Vordergrund, sprich es gibt recht viele (teils vermeintliche?) Giftanschläge.
    Der Roman umfasst den Handlungszeitraum von 1556 bis 1580. Als Grundlage für diesen Roman dienten der Autorin wichtige Stationen im Leben Philippines, auf welche sie im Nachwort eingeht. Vor allem die Probleme in Bezug auf ihre Herkunft, die Geheimhaltung der Ehe und die damit verbundenen Nachteile für die Söhne, die Auswirkungen auf ihre Familie, die sie bis nach Tirol begleitet. Die meisten anderen Personen sind ebenfalls historisch belegt. Ausgehend von diesen Fakten hat die Autorin eine sehr interessante Geschichte geschrieben, die mir das Leben Philippine Welsers nahe gebracht hat. Hauptaugenmerk liegt auf ihren Sorgen und Nöten, aber auch auf ihrer innigen Liebe zu Ferdinand und ihrer Familie. Die Probleme und Intrigen, die ihre Verbindung mit sich brachte, werden mehr als deutlich.
    Der neutrale Erzählstil wird immer wieder unterbrochen von fiktiven Tagebucheinträgen Philippines. Dieser Wechsel hat mir gut gefallen, da mir der Roman dadurch lebendiger und aufgelockerter erschien, vor allem im Hinblick auf die rasch fortschreitende Erzählung: Vieles wird nur angedeutet, mehrere Jahre Lücken werden höchstens kurz im Rückblick betrachtet. Genauso prägnant und treffend ist der Schreibstil, es gibt keine Ausschweifungen, dennoch finden sich viele Details aus dem Leben im 16. Jahrhundert.
    Als Kriminalroman würde ich es allerdings nicht bezeichnen. Es gibt zwar immer wieder Anschläge auf Philippines Leben oder das ihrer Familie, diese werden aber oft nicht aufgeklärt und teilweise wird dabei nicht immer klar, was Vorsatz und was Einbildung ist.

    Fazit:
    Alles in allem ein fesselnder historischer Roman, in dem Tatsachen und Fiktion geschickt verbunden wurden, der jedoch die Bezeichnung „Kriminalroman“ meines Erachtens nicht verdient. Der wechselnde Erzählstil hat mir sehr gefallen, ebenso wie die Gestaltung des Buches und die vielen Pflanzenbezüge.
  • Die Chronik des Eisernen Druiden 1
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    Dicke Luft im keltischen Göttergeschlecht
    Rezension vom 01.03.2013
    Tja, was soll ich sagen? Die Geschichte um Atticus und seine „Gefährten“, allen voran der Wolfshund Oberon, hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt! Bereits auf diesen 350 Seiten des ersten Bandes fährt der Autor schon allerhand magische Wesen auf: Angefangen natürlich bei dem Druiden, über die (nicht nur keltischen) Gottheiten, Hexen, Werwölfe, Vampire bis hin zu Ghulen und Dämonen. Und die Charaktere sind allesamt einmalig! Atticus und die meisten seiner Bekanntschaften finden sich ja ziemlich gut in der modernen Welt zurecht, was man von einigen Thuatha dé Dannan nicht so richtig behaupten kann, allein das sorgt schon für einige Lacher, um mal ein Beispiel zu nennen. Oder auch die aus Irland stammende Witwe MacDonagh, die nicht viel von irisch-britischer Verständigung hält.

    Aber es spielt nicht nur die keltische Mythologie eine große Rolle, auch andere Glaubensrichtungen haben ihre Vertreter in der Geschichte, so z. B. auch die amerikanische Gottheit Coyote, die einen ziemlich schrägen Humor hat. Na gut, den haben eigentlich alle Gestalten in dieser Geschichte, die einen vielleicht mehr als die anderen. Jedenfalls sind mir Atticus und Co. Richtig ans Herz gewachsen und das Buch hätte ruhig noch dicker sein können! Aber zum Glück ist dieser Roman erst der Beginn einer Serie (im Original erscheint bald der 6. Band) und ich freue mich schon tierisch auf neue Abenteuer mit Atticus, Oberon und Co.!

    Der Schreibstil ist sehr gut und flüssig zu lesen, er sprüht nur so vor Witz und Einfallsreichtum, aber dabei driftet es nie ins Alberne ab, finde ich. Die Kapitel sind nicht allzu lang, zudem endet so ziemlich jedes Kapitel mit einem Cliffhanger, sodass ich eigentlich immer weiter lesen musste und nur so durch die Seiten geflogen bin. Trotz allen Witzes kommt auch die Spannung nicht zu kurz, es geht sogar ziemlich heftig zur Sache und es gibt natürlich so einige überraschende Wendungen und Intrigen. Aber auch dort sind noch genug Stellen, wo man schmunzeln muss: Atticus‘ Galgenhumor und makabere Vergleiche und Lebensweisheiten oder Oberons herrlich unbekümmertes Gemüt.

    Fazit: Kevin Hearne hat hier einen wunderbaren Auftakt geschrieben! Eine spannende, phantastische und lustige Geschichte mit allerhand illustren Charakteren und spritzigen Dialogen! Das einzige Manko: Es war ein zu kurzes Vergnügen! Aber in Anbetracht der bisherigen Bände im Original, lässt sich das leicht verschmerzen. Ich freue mich jedenfalls schon riesig auf weitere Abenteuer mit Atticus, Oberon und Co.!
  • Monuments Men
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    Die Bewahrung der europäischen Kulturgüter während des 2. Weltkrieges
    Rezension vom 20.02.2013
    Dieses Buch beschreibt die Arbeit einer ganz besonderen Einheit während des 2. Weltkrieges zwischen 1943 und 1945: Der Sektion „Monuments, Fine Arts ans Archives“ kurz MFAA, deren Mitglieder „Monuments Men“ genannt wurden und fast alle beruflich mit Kunst und Kultur (es waren Restauratoren, Museumsdirektoren, Künstler etc.) beschäftigt waren. Sie hatten die Aufgabe, europäische Kulturgüter vor den Auswirkungen des Krieges so gut wie möglich zu schützen und geraubte Kunstschätze aufzuspüren und sie ihren rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben. Diese Sektion war unterbesetzt, anfangs schlecht in die restlichen militärischen Abläufe eingebunden, schlecht ausgestattet und daher besonders stark auf Hilfe von außen angewiesen.

    Robert Edsel geht hier besonders auf die Arbeit von einigen wenigen Monuments Men ein. Der Autor erwähnt bereits im Vorwort die Fülle an Material, die vielen Schauplätze usw. Denn obwohl die Monuments Men nur ein kleines Trüppchen waren, haben sie die meisten der unzähligen Kunstschätze wieder aufgespürt. Daher musste sich der Autor auf wenige Personen und Schauplätze konzentrieren, was beim Lesen auch sehr deutlich wird.

    Im Laufe ihrer Arbeit stoßen die Monuments Men auf viele Helfer, den meisten liegt wirklich an der Rettung der Kunst, wie der französischen Museumsangestellten Rose Valland, aber einige wollen auch nur ihre Haut retten.

    Trotz aller Erfolge gab es auch immer wieder Rückschläge: Nicht jedes Kunstwerk / Kulturgut konnte gerettet werden und auch die Rückführung an die ursprünglichen Besitzer lief nicht immer wie geplant.

    Durch die reichliche Verwendung von Originalzitaten liest sich das Buch sehr lebendig, weniger wie ein Sachbuch, als vielmehr wie ein Roman. Unterstrichen wird dies noch durch die vielen abgedruckten Briefe der Monuments Men an ihre Familien, die ihre Begeisterung und Aufopferung für diese große Aufgabe noch verdeutlichen.

    Abgerundet wird das Buch von zusätzlichen Bildtafeln, die den Text sehr gut ergänzen, sowie umfangreichen Darstellungen der Hauptakteure zu Beginn und im Anhang. Zur besseren Übersicht gibt es im Buchdeckel eine Karte mit den wichtigsten Stationen der im Buch beleuchteten Monuments Men, sowie weitere Karten mit Kriegsverlauf und anderen wichtigen Orten in den entsprechenden Kapiteln. Das im Anhang befindliche Quellen- und Literaturverzeichnis lässt erahnen, wie viel (Recherche-)Arbeit in diesem Buch steckt.

    Ich bin nach der Lektüre tief beeindruckt von der Arbeit dieser Männer (und Frauen), die während des Krieges ihre Leben riskierten, um das kulturelle Erbe Europas zu schützen. Mir war bis zu diesem Buch nicht bewusst, dass es eine solche Einheit gegeben hat und auch Edsel zeigt, dass diese Arbeit lange Zeit kaum beachtet wurde, daher finde ich es gut, dass jetzt Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt wird, nicht zuletzt durch den geplanten Film!

    Fazit: Ein sehr lesenswertes Buch über die Arbeit der Monuments Men während des zweiten Weltkrieges, die ihre Leben riskiert haben im Bemühen, die europäischen Kulturgüter zu schützen und die geplünderten und versteckten Kunstgegenstände ausfindig zu machen. Die Tätigkeit einiger Monuments Men wird in diesem Buch sehr lebendig und eindrucksvoll beschrieben.
  • Sehet die Sünder
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    Dunkle Geheimnisse in der Bretagne
    Rezension vom 08.01.2013
    Der Winter 1440 hält für die Bewohner des kleinen Dorfes Saint Mourelles in der Bretagne grausige Überraschungen bereit: Es fängt mit dem Verschwinden zweier Kinder an. Doch dabei bleibt es nicht: Die Haushälterin des Pfarrers findet schließlich die erste Leiche, was nur der Anfang ist. Mit jedem Fund breitet sich mehr Unruhe im Dorf aus. Währenddessen genießt Baron Amédé de Troyenne einen ausschweifenden Lebensstil, der ihn in so manchen Engpass führt und schließlich zu unkonventionellen Mitteln greifen lässt. Dennoch schenkt er den Ängsten der Dorfbewohner sein Gehör. Aber auch beim Bischof ihrer Diözese ersuchen die Dorfbewohner um Unterstützung. Dieser misst dem Geschehen anfangs keine große keine große Bedeutung bei, wittert jedoch bald eine ganz andere Chance.

    Da mir der erste Roman der Autorin sehr gut gefallen hat, habe ich mich sehr auf diesen neuen Roman gefreut. Leider waren meine Erwartungen wohl zu hoch, denn obwohl es ein kurzweiliges Lesevergnügen war, hat mich diese Geschichte nicht so sehr überzeugen können, wie der erste Roman von Liv Winterberg. Im Laufe der Handlung kommen die Dorfbewohner dem Mörder immer näher, dementsprechend gefährlicher wird es natürlich. In diesen unruhigen Zeiten spielen aber auch die gegenseitigen Gefühle zwischen dem Bauern Mathis und der Haushälterin des Pfarrers Catheline eine große Rolle, sogar darüber hinaus. Dies ist aber wohldosiert eingesetzt, sodass es sich gut in die Geschichte einfügt. Anfangs erscheinen die ganzen Ermittlungen und Vermutungen noch ziemlich kopflos, aber es fügt sich schnell eines zum anderen. Im Erzählfluss gibt es jedoch ein paar Mal größere Sprünge, wodurch mir die Handlung teilweise nicht so richtig konsistent erschien und mein Lesefluss etwas gestört wurde. Mit diesem Stilmittel konnte ich mich jedenfalls nicht so richtig anfreunden, aber das ist sicherlich Geschmackssache. Der Schreibstil ist jedenfalls wieder angenehm zu lesen und meiner Meinung nach gut an die Geschichte angepasst. Auch die Charaktere sind gut gezeichnet, wobei einige Nebencharaktere vielleicht etwas eindimensional geblieben sind, was aber nicht weiter gestört hat. Abgerundet wird dieser Roman von einer Personenübersicht, einem umfangreichen und interessantem Glossar am Ende des Romans und Bemerkungen der Autorin zum geschichtlichen Hintergrund.

    Fazit: Alles in allem ein kurzweiliges Lesevergnügen, mit einer interessanten Geschichte, die einige überraschende Wendungen parat hat. Spannung kommt genauso wenig zu kurz wie ein bisschen Gefühl und auch der geschichtliche Hintergrund ist sehr gut eingewoben, sodass ich, mit wenigen Abstrichen, ein paar unterhaltsame Stunden hatte.
  • Kapital
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    Interessanter Blick in die Londoner Gesellschaft
    Rezension vom 13.11.2012
    In diesem Roman wird eine Vielzahl von Personen beleuchtet, die alle eine Verbindung zu der Pepys Road haben, einer aufsteigenden Straße im Süden Londons. Um nur einige zu nennen: Der (mehr oder weniger) erfolgreiche Banker Roger Yount, samt verwöhnter Familie. Die pakistanische Familie, der einen Kiosk an der Straßenecke betreibt und deren Mitglieder unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Fußballstar Freddy Kamo samt Vater Patrick, der in London auf seine große Chance hofft. Die Witwe Petunia Howe, die nicht nur die älteste, sondern auch die längste Bewohnerin der Pepys Road ist, samt deren Familie. Alle Bewohner haben plötzlich seltsame Postkarten in ihren Briefkäste: Mit Fotos des Hauses und dem Satz: „Wir wollen, was ihr habt.“ Diese Karten begleiten die Bewohner durch ein Jahr voller Erfolg und Misserfolg, Glück und Unglück, Hoffen und Bangen.

    Aber diese seltsame und beängstigende Botschaft hat nicht einmal das Hauptaugenmerk der Geschichte. Es geht hauptsächlich um das Leben von sehr unterschiedlichen Personen in den verschiedenen Phasen. Es geht um Erfolg, Reichtum, Glück, Hoffnung, genauso wie um Angst, Trauer, Missgunst, Abstieg. Einige sind erfolgreicher als andere, reicher, glücklicher etc. Aber dennoch steht immer noch etwas anderes mehr im Mittelpunkt: Das liebe Geld. Wer hat es? Wer will es? Wer hat noch nicht genug davon? Wer zu viel? Die Geschichten der Protagonisten sind sehr flüssig erzählt und durch den sehr treffenden Schreibstil bekommt man schnell ein Gespür für die sehr unterschiedlichen Menschen, die in diesem Roman eine Rolle spielen: Alteingesessene, Reiche, Mittelständler, Künstler, Immigranten usw. Und dabei werden die fast 700 Seiten nie langweilig, immer wieder hat der Autor die eine oder andere Überraschung parat. So hinterlässt nicht nur die globale Finanzkrise deutliche Spuren, sondern auch die vielen kleineren, persönlichen Schicksale, mitunter auch aus erstgenanntem entstehend, nehmen viel Raum ein.

    Fazit: Alles in allem ein sehr interessanter und vielfältiger Einblick in die Londoner Gesellschaft, die sicherlich auch sehr gut stellvertretend für andere europäische Metropolen stehen kann. Ein Jahr lang nimmt man am Leben von Menschen teil, die verschiedener nicht sein können und dabei sowohl von kleinen als auch großen Schicksalen geprägt werden. Ein sehr empfehlenswerter und aktueller Roman!
  • Ein wildes Herz
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    Eine stürmische Liebe und ihre Folgen
    Rezension vom 02.10.2012
    Obwohl die Handlung – verheiratete Frau verliebt sich in geheimnisvollen Fremden, es scheint nur eine Frage der Zeit, bis ihr Ehemann es herausfindet – an sich nichts Neues ist, war ich von der ersten Seite an hin und weg. Ein Grund dafür ist der Schreibstil: Er ist ruhig, ohne langweilig zu werden und atmosphärisch, ohne zu abgehoben zu wirken. Er passt einfach perfekt zu den Personen und dem Ort, sodass ich sofort von der Handlung gefangen war. Es ist schwer es zu beschreiben. Und trotz der Ruhe baut sich die Spannung mit jeder Seite mehr auf, wird man immer weiter in diesen Strudel hinein gesogen. Die Tragik der Geschichte wird immer offensichtlicher, genauso wie die Folgen für die anderen Beteiligten.

    Am Anfang wird sehr viel Wert darauf gelegt, die Personen, allen voran Charlie und Sylvan, und das gesellschaftliche Gefüge von Brownsburg eingehend zu beleuchten. Sowohl Charlie als auch Sylvan sind Fremdkörper in dieser Gemeinschaft, die so sehr an Traditionen und der Religion festhält. Sie mit ihrem extravaganten, modernen Stil. Er mit seiner geheimnisvollen Vergangenheit, mit seiner Skepsis den Kirchen gegenüber. Zudem der haltsuchende Sam, der sich richtiggehend an Charlie klammert, obwohl das Folgen für ihn hat. Die schwarze Claudie, die sich nicht um Konventionen schert. Um nur einige zu nennen.

    Im Nachhinein betrachtet, stand die Liebesgeschichte nicht einmal so sehr im Vordergrund. Vielmehr ihre Folgen auf den ganzen Ort, auf die Menschen, allen voran Sam. Der 5jährige Junge vergöttert Charlie richtiggehend, Charlie wird zu seinem großen Vorbild. Umso schwerer wird es für Charlie, angesichts seiner Situation, dieser Rolle gerecht zu werden und da ist es nicht verwunderlich, dass sich bald die Folgen für Sam zeigen, der sich trotz allem an sein Idol klammert.

    Auch die anderen Bewohner Brownsburgs, die Charlie nach anfänglicher Skepsis freundlich in ihrer Gemeinschaft aufgenommen haben, sind doch zu sehr in ihren Gewohnheiten gefangen und lassen sich mehr von den Pastoren führen als von ihrem eigenen Herzen. Auch das ist in diesem Buch sehr gut gelungen, wie ich finde: Die Darstellung der Kleinstadt, die 1948 noch in ihren Wertvorstellungen gefangen ist, die Rassen noch säuberlich getrennt werden und quasi jeder, der anders ist, abgestempelt wird.

    Fazit:
    Insgesamt eine sehr berührende Geschichte, die ihr Augenmerk nicht nur auf die innige Liebe zweier Menschen richtet, die beide Fremde in der Gemeinschaft sind, sondern auch deren Auswirkungen auf die Umgebung eindrücklich darstellt. Hinzu kommt die sehr gelungene Darstellung einer Kleinstadt der endenden 40er Jahre, in der großer Wert auf Tradition und die Trennung der Rassen gelegt wird und deren Bewohner von der Religion geleitet werden. Die tiefgründigen und interessanten Charaktere und die wunderschöne Sprache runden diesen sehr bewegenden Roman ab.
  • Goldmacher
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    Familienroman von der Weimarer Republik bis ins neue Jahrtausend
    Rezension vom 01.09.2012
    Anton Bluhm wird 1924 als Sohn des Papierfabrikanten Johann Bluhm in Hannover geboren. Sein Vater ist ein Opfer des dubiosen Goldmachers bei München, durch den er schließlich seine Papierfabrik verliert. Nur 2 Monate nach Anton kommt in München Franz Münzer zur Welt. Dessen Vater ist ein erfolgreicher Bankier, der den Goldmacher nicht nur mit Räumlichkeiten unterstützt. Anton wird strikt katholisch erzogen und setzt es sich schnell zur Lebensaufgabe, den Wunderglauben aus der Welt zu vertreiben, während Franz in seiner Kindheit und Jugend an eben jenen glaubt. Schon früh ist sind ihre Leben miteinander verwoben, ihre Wege kreuzen sich immer wieder und schließlich entwickelt sich sogar eine Freundschaft zwischen den so verschiedenen Männern.

    Die Einblicke in die Entwicklung der Bundesrepublik, wie wir sie heute kennen, fand ich sehr interessant. Auch wenn die Figuren und ihre Leben fiktiv sind, so ist doch der Hintergrund real und die Entwicklung der Personen vor diesem fand ich sehr glaubhaft dargestellt. Bisher hatte ich noch keinen Roman gelesen, der so einen Streifzug durch die Geschichte zum Inhalt hat, sondern immer nur zu einzelnen Epochen, umso größer war hier mein Interesse. Ich fand die Geschichte sehr interessant, da sie so eine große Zeitspanne umfasst und somit auch Zusammenhänge zwischen Geschehnissen deutlich werden.
    Die Geschichte beginnt 1924 in der Weimarer Republik, zeigt den allmählichen Aufstieg der NSDAP und des Wunderglaubens und der Rolle des Wunderglaubens im 2. Weltkrieg. Schließlich auch die Nachkriegszeit und Wiederaufbau, das Erstarken der Bundesrepublik, Wirtschaftswunder, aber auch die Zeit der Demonstrationen und Revolutionen in den 60ern und 70ern. Und sie führt bis hin zum Mauerfall und der Wiedervereinigung und den Anschlägen auf das WTC.
    Allerdings fand ich durch den langen Handlungszeitraum und die Fülle an Ereignissen die 400 Seiten ein wenig knapp. Durch die relativ geringe Seitenzahl wirkt die Geschichte etwas gerafft, sodass ich mir teilweise etwas mehr Tiefe gewünscht hätte. Es bleibt nicht nur bei Anton und Franz, auch Weggefährten und Verwandte werden mal mehr, mal weniger genau beleuchtet. Daher kamen mir die Entwicklungen der Personen manchmal etwas abrupt vor.
    Der ganze Roman ist abgerundet mit einer kurzen Chronik der wichtigsten Ereignisse, vorne und hinten im Buchdeckel. Diese Informationen nehmen allerdings naturgemäß die Geschehnisse voraus, sodass man sie anfangs lieber überblättern sollte. Ansonsten fand ich dieses Detail sehr hilfreich und habe im Laufe der Geschichte immer mal wieder nachgeschlagen. Hier werden nicht nur konkrete Jahreszahlen zu Ereignissen genannt (die im Roman fast ausschließlich fehlen), sondern auch Verbindungen aufgezeigt.

    Fazit:
    Insgesamt ist der Roman ein sehr interessanter Streifzug durch fast 8 Jahrzehnte deutscher Geschichte. Durch die beiden reichlich unterschiedlichen Familien Bluhm und Münzer bekommt man einen differenzierten Blick auf die Geschehnisse mitsamt den unterschiedlichen Sichtweisen. Für diese Themenfülle hätte ich mir allerdings ein wenig mehr Umfang gewünscht. Aber auch so ist es ein sehr empfehlenswerter Roman über die Entwicklung zweier Familien im Deutschland seit der Weimarer Republik.
  • Biosphere
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    Auf den Spuren der Urzeit
    Rezension vom 31.08.2012
    Als 1791 ein Schiff vor Hender‘s Island halt macht, weiß die Besatzung noch nichts von der Gefahr und die ersten, die diese Insel betreten überleben es nicht lange. Über 200 Jahre später wirft die Trident, eine Jacht, an der die Realityserie „SeaLife“ mit Wissenschaftlern gedreht wird, ihren Anker vor dieser Insel. Angelockt wurde sie von einem mysteriösen Notrufsignal. Kurzerhand begeben sich einige auf die Insel, unter ihnen ist auch die junge Biologin Nell Ducksworth, die bei der Serie mitwirkt. Der Aufenthalt auf der Insel endet ähnlich dramatisch wie schon die erste Entdeckung von 1971. Die Wesen auf der Insel stellen eine schreckliche Gefahr dar und rücken nicht nur deshalb in das Interesse bestimmter Gruppen.

    Ehrlich gesagt, hätte ich das Buch auf den ersten Seiten mehrmals beinahe abgebrochen. Zu Anfang fand ich die Handlung sehr zäh und es wirkte auf mich viel zu aufgesetzt. Es geht fast ausschließlich um diese Fernsehsendung „SeaLife“ und die „Darsteller“, ich fand das richtiggehend ätzend. Hinzu kommt, dass ich mich mit den Charakteren überhaupt nicht anfreunden konnte. Das hat sich dann zwar etwas gebessert, aber trotzdem blieben sie mir über das gesamte Buch hinweg zu blass.

    Nach dem zähen Start wurde es dann aber doch ziemlich spannend. Die Passagen auf der Insel waren ziemlich gruselig und gut beschrieben, sodass ich froh war, die ersten Seiten durchgehalten zu haben. Es kommen zwar im Verlauf immer mal wieder etwas ruhigere Stellen, aber die waren nicht mehr so schlimm wie die zu Beginn. Diese völlig fremden Wesen sind sehr gut beschrieben, sogar teilweise mit Zeichnung und Datenblättern, und durch den sehr wissenschaftlich orientierten Ansatz kommt es auch nicht allzu abgehoben daher. Die Erforschung und Beschreibung der neuen Arten nimmt nämlich einen großen Teil ein, da die Hauptprotagonisten allesamt Wissenschaftler sind. Überhaupt ist dieser Roman überhäuft mit wissenschaftlichen Theorien, Begriffen und Erklärungen. Für jemanden, der sich nicht mit Biologie auskennt, könnte das möglicherweise etwas störend sein. Mir hat aber gerade das sehr gut gefallen.

    Das Ende fand ich dann wieder nicht so gelungen. Es war für mich zu übertrieben und ziemlich dick aufgetragen. Es ist damit eher im Stile der ersten Seiten, also nicht so sehr mein Fall.

    Fazit: Nach einigen Startschwierigkeiten hat mir die Geschichte dann doch zugesagt, nicht nur wegen der gut beschriebenen „Ungeheuer“ (teilweise sogar mit Zeichnung) und actionreichen Szenen auf der Insel, sondern auch wegen des wissenschaftlichen Ansatzes. Anfang und Ende waren dagegen nicht nach meinem Geschmack und die Charaktere blieben mir das Buch über zu blass. Insgesamt gebe ich 3,5 Sterne.