Rezensent im Portrait

Eine Kundin / Ein Kunde aus Hagen

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Meine Rezensionen

  • Südlich der Grenze, westlich der Sonne
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    Die grosse Sehnsucht
    Rezension vom 09.06.2013
    Der Barbesitzer Hajime lebt sein Leben. Er ist verheiratet, hat 2 Kinder und nennt zwei erfolgreiche Jazz-Clubs sein Eigen. Eigentlich ist er glücklich, eigentlich ist er erfolgreich. Doch dann erscheint Shimamoto und stellt sein Leben auf den Kopf. Shimamoto, die er schon als Kind gekannt und geliebt hat. Shimamoto, die ihn an seine Kindheit erinnert. An die Kindheit, in der er ein Einzelgänger war und vor allen Dingen ein Einzelkind. Alle anderen Kinder hatten Geschwister, nur Hajime war allein. Dann kommt Shimamoto, auch ein Einzelkind, auch so allein wie er. Die beiden sind unzertrennlich, hegen bereits Gefühle füreinander, sind sich dessen aber noch gar nicht so bewusst. Dann zieht Hajime mit seinen Eltern weg. Die beiden sehen sich nicht mehr.
    Viele, viele Jahre später erscheint dann Shimamoto in Hajimes Bar. Auf einmal verspürt Hajime eine Sehnsucht, die er so noch nicht erlebt hat. Er liebt seine Frau und seine Kinder, doch mit Shimamoto ist es etwas anderes. Sie ist geheimnisvoll. Ihr Auftreten hat etwas Mysteriöses an sich, erscheint sie doch immer nur, wenn es regnet. Hajime und Shimamoto fangen an, sich regelmässig zu treffen. Nichts passiert. Sie gehen spazieren, sie gehen ins Theater. Hajime wird regelrecht in einen Sog der Gefühle hinein gezogen. Eines Tages fahren die beiden in Hajimes Ferienhaus und endlich, ja, endlich, finden die beiden richtig zueinander, doch hat diese Liebe eine Chance? Und was wird aus Hajimes Familie?

    Ich habe ganz oft gelesen, dass dieser Roman - vor Jahren erschienen unter dem Titel "Gefährliche Geliebte" ein Skandalbuch sein soll. Ich kann dieses Urteil überhaupt nicht nachvollziehen. "Südlich der Grenze, westlich der Sonne" ist ein sehr feinfühliger Roman, ein sehr leiser Roman, fast schon poetisch kommt er daher. Haruki Murakami versteht es, den Leser mit seiner einfühlsamen Sprache zu fesseln. Skandalös? Nein. Dämonische Kräfte - wie auf dem Buchrücken beschrieben? Nein. Eine wunderschöne Geschichte um einen Mann, der alles hat und nach vielen Jahren seine Jugendliebe wiedertrifft. Ein Roman, eine Geschichte, mit der ich mich sehr wohl gefühlt habe.
  • Ich koch dich tot
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    Mörderisch gut!
    Rezension vom 02.06.2013
    Vivi ist seit langem verheiratet mit Werner. Eine langweilige Ehe, die die beiden führen. Eine Ehe, wie sie auch heute noch viele führen. Der Mann hat das Sagen, die Frau ist zum Kochen da. Und kochen kann Vivi. Kochen ist ihre grosse Leidenschaft. Doch Vivi kann es gar nicht leiden, wenn man ihre köstlichen Speisen nachwürzt. Das wird ihrem Mann Werner dann auch zum Verhängnis. Er greift zur vermeintlichen Pfeffermühle, doch in dieser befindet sich Rattengift. Als Vivi den Nachtisch servieren will, findet sie ihren Mann mit dem Kopf in der Sosse vor. Ein tragischer Unfall. Vivis Freundin Ela sorgt dafür, dass Vivi recht bald schon wieder am schönen Leben teilnimmt. Da läuft ihr Richard über den Weg. Richard, ein Mann, ein Traum oder doch eher ein Albtraum? Er will sie um ihr Geld bringen, doch Vivi, gerade noch naiv und schwer verliebt, lädt Richard zum Essen ein. Bald hat sie eine Sammlung todsicherer Rezepte zusammen. Vivi lässt sich nichts mehr gefallen. Und dann verliebt sie sich in Jan. Jan, ausgerechnet Jan, der in ihrem Fall ermittelt. Jan ist ihre grosse Liebe. Sie schwimmen auf der gleichen Wellenlänge oder etwa doch nicht? Die Bremsen an ihrem Auto versagen. Auf der Hochzeitsreise reisst eine Welle sie mit sich und wo ist Jan in dem Moment? Er weiss doch, dass sie nicht schwimmen kann. Was hat es mit Jan auf sich? Und warum passieren Vivi auf einmal so seltsame Dinge?

    "Ich koch dich tot" ist ein Roman mit rabenschwarzem Humor. Überspitzt, natürlich überzogen, nicht ernst zu nehmen, herrlich komisch und einfach zum Lachen! Ellen Berg hat mal wieder eine rasante Komödie geschrieben, die einfach Spass macht, sie zu lesen. So werden verregnete Sommertage wieder sonnig!
  • Geheime Liebe auf Sylt
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    Ein Roman voller Überraschungen
    Rezension vom 01.06.2013
    Mathilde und Bastian führen ein geruhsames Leben auf der Insel Sylt. Vor Jahren haben sie dort ein Haus geerbt. Das Leben geht seinen Gang. Mathilde und Bastian - laut dem Horoskop ihrer Mutter ihr Mann fürs Leben schlechthin - scheinen zufrieden, bis Mathilde eines Tages einen Brief erhält. Ein Brief, der ihr ganzes bisheriges Leben auf einen Schlag auf den Kopf stellt. Mathilde will leben. Sie will noch mal etwas erleben. So packt sie ihren Koffer und verlässt klammheimlich Bastian und die Insel. Sie fährt nach Hamburg, will sich dort ins pure Leben stürzen. In Hamburg trifft sie auf Jonas, ihren Nachbarn auf Sylt. Mathilde, von Jonas liebevoll Thilda genannt, verliebt sich ihn. Die beiden beginnen eine Affaire. Doch auch Markus, ihr ehemaliger Schulfreund, bei dem sie sich um eine Stelle in seiner PR-Agentur beworben hat, hat ein Auge auf sie geworfen. Mathilde blüht auf in Hamburg. Eines Tages zeigt sie Jonas den geheimnisvollen Brief und Thildas wie auch sein Leben werden noch einmal auf den Kopf gestellt.

    "Geheime Liebe auf Sylt", wer hier einen Roman für einen seichten und lauen Sommerurlaub vermutet, liegt völlig falsch. "Geheime Liebe auf Sylt" ist ein Roman voller Überraschungen und behandelt ein sehr ernstes Thema. Es geht um Alltagstrott und die Frage, ob das alles war. Es geht um Schicksalsschläge und Neuanfang. Gabriele Diechler versteht es äusserst gut, dem Leser die Emotionen nahe zu bringen. Mathildes Schock, als sie den Brief gelesen hat, aber auch ihre Vorfreude, in Hamburg etwas Neues zu entdecken, einen neuen Job, eine neue Liebe. Ein Roman mit sehr viel Lebensgefühl, der auch für mich eine Überraschung war.
  • Der Duft von Tee
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    Ein Roman voller Genuss
    Rezension vom 25.05.2013
    Grace und ihr Ehemann Pete sind nach Macao ausgewandert. Graces grösster Wunsch war es immer, eine Familie zu gründen, doch dieser Wunsch soll ihr nicht gewährt werden. Gerade in Macao angekommen, muss sie erfahren, dass sie keine Kinder bekommen kann. Während Pete im neuen Job aufgeht und kaum noch Zeit hat, fällt Grace in ein tiefes Loch, aus dem sie nur mit grösster Anstrengung wieder heraus findet. Sie entdeckt ein leer stehendes Lokal und mit neu erwachter Tatkraft eröffnet sie schliesslich ein kleines Cafe, das Lillians. Das Cafe wird schnell zum Geheimtipp. Hier sind hauptsächlich Frauen zu Gast. Hier sind sie unter sich, können miteinander reden, plauschen, sie selbst sein. Hier in ihrem Lillians erfindet Grace immer wieder neue Rezepte ihrer bald berühmten Macarons. Es dauert gar nicht lange und schon muss Grace zwei Frauen einstellen. Ihr Cafe ist so ein grosser Erfolg, dass sie die Arbeit nicht mehr alleine bewältigen kann. Die Tage ohne Rilla und Gigi kann sie sich bald nicht mehr vorstellen. Und auch Majory, die jeden Tag ins Cafe kommt, wird ihr zur guten Freundin. Die drei Frauen stehen ihr auch bei, als ihre Ehe in eine erste grosse Krise gerät. Pete verdächtigt Grace, mit Leon, dem Franzosen angebandelt zu haben. Und tatsächlich fühlt sie sich zu dem netten Franzosen hingezogen, der ihr das Backen der Macarons gezeigt hat. Doch Pete gesteht auch, dass er Kontakt zu einer käuflichen Frau hatte. Grace ist am Boden zerstört. Nur das Lillians gibt ihr Halt und Kraft. Und immer wieder schreibt sie ihrer verstorbenen Mutter liebevolle Briefe. Doch schliesslich findet auch Grace ihr Glück.

    Hannah Tunnicliffe setzt sich sehr einfühlsam mit dem Thema Kinderlosigkeit auseinander. Man spürt Graces Verzweiflung, als die erfährt, dass sie keine Kinder bekommen kann. Man fiebert aber ebenso mit ihr mit, als sie sich ihren Traum vom Lillians erfüllt. Die Frauen, über die die Autorin schreibt, sind interessante, unterschiedliche und vielschichtige Persönlichkeiten, die einem schnell ans Herz wachsen. Und nicht zu vergessen, die Macarons und der Tee! Die Kapitelüberschriften - ein wahrer Genuss! Wer beim Lesen von "Thê pour Deux - Tee für zwei - Pink Earl Grey mit einer Ganache aus dunkler Schokolade" keinen Appetit bekommt, ist selbst Schuld. Um Rezepte dieser sicherlich köstlichen Macarons werde ich mich umgehend kümmern. Da Hannah Tunnicliffe sehr bildhaft schreibt, konnte ich leicht eintauchen in das Leben im fernen Macao.
    Dieser wunderschöne Roman ist unbedingt empfehlenswert, aber bitte die Tasse Tee beim Lesen nicht vergessen!
  • Der Sommer auf Usedom
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    Sommer, Sonne, Usedom
    Rezension vom 20.05.2013
    Jasmin und Gabi haben versprochen, sich mindestens einmal im Jahr zu sehen. So auch dieses Mal. Während Gabi arbeitet, will Jasmin malen, Ateliers und Ausstellungen besuchen und einfach nur die Insel erkunden. Als sie gerade an einer Führung in einem Museum teilnehmen möchte, stolpert hinter ihr noch ein Mann herein. Er scheint die Tollpatschigkeit gepachtet zu haben, denn immer wieder begegnet sie ihm und ihm passieren kleine Missgeschicke. Jasmin fällt er allerdings nicht nur dadurch auf. Irgendwie gefällt er ihr. Sie kommen ins Gespräch, doch seinen wirklichen Namen will er ihr nicht nennen. Immer wieder taucht er in Museen und Ateliers auf und plötzlich kommt Jasmin ein böser Verdacht. Er wird doch wohl nichts mit den Kunstdiebstählen auf der Insel zu tun haben? Wieso tut er so geheimnisvoll? Und wieso verrät er ihr nicht seinen Namen? Eins kommt zum anderen und irgendwie kommt alles anders.

    Ein spritziger, ein turbolenter Roman. Ein Roman mit Esprit. Und leider hat man ihn viel zu schnell durchgelesen. Die Beschreibungen der Kaiserbäder, die Seebrücken, die Strände. Beim Lesen war ich in Gedanken vor Ort, habe alles sehen können. "Der Sommer auf Usedom", ein Roman, der einen den Sommer näher bringt.
  • Die Schwere des Lichts
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    Gefühlvoll mit Tiefgang
    Rezension vom 20.05.2013
    Als Ellies Mutter ganz plötzlich stirbt, trifft sie auf der Trauerfeier ihre Jugendliebe Hutch wieder. Hutch arbeitet an einer Ausstellung über Frauen, die Herausragendes in den Sechziger Jahren geleistet haben. Hutch, den sie über alles geliebt hat. Hutch, ihre einzige und grosse Liebe. Hutch, den sie für ein Leben in Sicherheit und Wohlstand aufgegeben hat, so, wie ihre Mutter es ihr damals immer wieder eingeflüstert hat, bis sie selbst es so glaubte. Ellie hat Rusty geheiratet, mit dem sie eine inzwischen erwachsene Tochter hat. Ellie geht es gut. Sie führt ein wohlgeordnetes Leben im Wohlstand, doch dann entdeckt sie beim Aufräumen der Sachen ihrer Mutter ein Tagebuch. Das Tagebuch ihrer Mutter. Beim Lesen muss Ellie entdecken, dass ihre Mutter nicht immer so kühl und auf Distanz war, wie sie sich zu Lebzeiten gegeben hat. Ihre Mutter war eine Frau voller Leben, voller Liebe. Plötzlich entdeckt Ellie, dass ihr das Leben, so wohlgeordnet es auch sein mag, zu eng wird. Sie will raus aus den engen Strukturen. Sie erkennt, dass sie ihren Mann Rusty längst nicht mehr liebt. Ellie packt ihre Sachen und fährt an die Küste zu Birdie, der besten Freundin ihrer Mutter. Dort kann Ellie im Gästehaus wohnen. Dort findet sie endlich zu sich selbst. Und sie trifft auf Hutch. Alte Gefühle erwachen und Ellie erkennt, dass sie Hutch noch immer liebt, dass sie nie aufgehört hat ihn zu lieben, doch Hutch will nicht noch einmal verletzt werden. Zu tief sitzt noch immer der Schmerz, den Ellie ihm einst zugeführt hatte. Während Ellie nach und nach heraus bekommt, wie ihre Mutter einst war, kommen Ellie und Hutch sich langsam näher.

    "Die Schwere des Lichts" ist ein herausragender Roman in einer wunderschönen Sprache geschrieben. Der Roman ist romantisch und gefühlvoll. Der Roman macht aber auch nachdenklich. Sind wirklich alle Menschen so glücklich, wie es vorgeben zu sein? Und kann man so einfach aus seinem bisherigen Leben ausbrechen? Sehr angetan war ich auch von der Beschreibung des Jubilee, einem Naturwunder dort am Meer, das plötzlich vorkommt und nicht zu berechnen istl. Beim Lesen war ich mittendrin, habe mich mit den Menschen dort freuen können. Ich war traurig und glücklich zugleich mit Ellie und all den anderen Personen um sie herum. Ein Roman, den man unbedingt lesen sollte und der mir persönlich ein paar wunderbare Stunden gebracht hat.
  • Inselsommer
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    Ein herrlischer Sommer-Roman
    Rezension vom 14.05.2013
    Karin möchte mit ihren Kindern ein paar beschauliche Tage auf Borkum verbringen, doch sie hat die Rechnung ohne ihren Vater gemacht. Ihr Vater Walter, eigentlich putzmunter und immer sehr agil, macht auf einmal auf krank und möchte nicht alleine zurückgelassen werden. Karin wird weich und nimmt ihren Vater schliesslich mit. Ob das so eine gute Idee gewesen ist? Ihr Vater hält sie fast mehr auf Trab wie ihre beiden Jungs. Eigentlich möchte Karin während der Ferien mit ihrem neuen Buchprojekt beginnen, doch so recht will sich kein Anfang finden lassen. Wenn es darum geht, in ihrem Tagebuch zu schreiben, hat sie keinerlei Probleme. Das geht wie von selbst. Licht, Sonne, gute Luft - das ist Entspannung pur. Als man denkt, Karin wird endlich lockerer, spielt Leon plötzlich auf den Gleisen und wird noch rechtzeitig gerettet, bevor die Inselbahn angefahren kommt. Immer wieder trifft sie auf Kommissar Wegner, dem attraktiven Insel-Polizist4en. Andreas Wegner verwirrt sie. Ist sie etwa dabei, sich in ihn zu verlieben? Dabei möchte Karin doch gar keine neue Beziehung eingehen. Sie kann sich irgendwie nicht richtig auf Andreas einlassen. Karin will zu perfekt sein. Sie will alles auf einmal. Walter hingegen sieht alles locker und nimmt das Leben wie es kommt. Langsam scheint sich zwischen Karin und Andreas etwas anzubahnen, doch Karin wird nicht richtig schlau aus ihm. Will er nun oder doch nicht? Mit ihrem Buchprojekt klappt es auch am Ende der Ferien noch immer nicht, doch plötzlich hat sie eine Idee. Jonas verbringt den Rest der Ferien in einem Zeltlager in Frankreich und blüht regelrecht auf. Leon hat einen Freund auf der Insel gefunden. Walter macht einen Surfkurs und lässt sich von älteren Damen bewundern und Karin... Ja, und Karin hat auf einmal die Idee zu einem anderen Buchprojeket und kommt auch endlich ihrem Andreas ein Stückchen näher.

    "Inselsommer" ist ein herrlich erfrischender Sommer-Roman. Ein Roman, der kurzweilig ist und den man am liebsten in einem Rutsch durchlesen möchte. Die Personen sind mir schnell ans Herz gewachsen. Besonders hat es mir Walter angetan, der Opa, der gar kein typischer Opa ist, sondern ein älterer Herr mit einem ewig verschmitzten Lächeln im Gesicht. Neben sehr turbulenten Szenen kommt auch die Liebe nicht zu kurz. Und nicht zu vergessen, die schönen Beschreibungen der Insel, die Lust machen, selbst einmal hinzufahren, wenn man wie ich noch nie da war.
  • Die Schwestern von Sherwood
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    Ganz grosses Buchkino!
    Rezension vom 10.05.2013
    Melinda lebt im Nachkriegsberlin und schlägt sich so durchs Leben. Eines Tages erhält sie ein Paket, ein Paket ohne Absender. Der Inhalt: Bilder einer geheimnisvollen Landschaft in Südengland und eine rote Schachfigur. Was hat das zu bedeuten? Wer hat ihr diese Dinge geschickt? Und warum? Melindas Neugier ist geweckt. Der Zufall will es, dass die Zeitung, bei der sie sich gerade als Journalistin beworben hat, eine Fortbildung ausgeschrieben hat, die in London stattfindet. Melinda darf an der Fortbildung teilnehmen und macht sich auf den Weg nach England. An den Wochenenden hat sie frei und was liegt da näher, als sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Ort zu machen, der auf den Bildern dargestellt ist? Zudem kommt ihr die Idee, eine Story zu schreiben über die Mythen und Legenden im Dartmoor, denn dort hat ihre Reise sie hingebracht. Man begegnet ihr dort aber nicht nur mit Wohlwollen. Melinda wird von einigen Personen angefeindet. Sie wird sogar angegriffen. Für Melinda wird die Angelegenheit immer mysteriöser. Und welche Rolle spielt überhaupt George Clifford? Der Mann, dem sie schon einmal kurz in Berlin begegnet ist und in den sie sich jetzt auch noch verliebt hat. Nach und nach kann Melinda das geheimnisvolle Rätzel lösen und stösst so auch auf die Geschichte der Sherwood-Schwestern.
    Cathleen und Amalia, die beiden Schwestern. Unzertrennlich wie sie sind, teilen sie einfach alles miteinander. Doch Amalia wird krank und verliert ihr Gehör. Für die ehrgeizige Mutter Elisabeth ist sie nun praktisch nichts mehr wert. Elisabeth und ihr Mann haben sich hoch gearbeitet. Sie sind reich, doch in der feinen Gesellschaft sind sie noch immer nicht anerkannt. Eine taube Tochter stört auf dem Weg dorthin. So soll Cathleen mit Lord Edward Hampton verheiratet werden. Doch Edward liebt eine andere. Er liebt Amalia. Amalia, der blonde Engel, die er im Moor beim Malen kennen- und liebengelernt hat. Eine Liebe, die nicht sein darf. Als Amalia plötzlich verschwindet, fügt er sich den Umständen und heiratet schliesslich Cathleen, doch lieben tut er immer noch Amalia.

    Ein grossartiger historischer Roman, der auf zwei Zeitebenen spielt. Einmal bei Melinda im Nachkriegsberlin und einmal Ende des 19. Jahrhunderts in Südengland bei Cathleen und Amalia.

    Claire Winter nimmt den Leser mit auf eine spannende Reise in die Vergangenheit. Sie versteht es zwei Geschichten so miteinander zu verweben, dass schliesslich zum Ende eine Geschichte daraus wird, die Geschichte einer grossen Liebe. "Die Schwestern von Sherwood" ist eines dieser Wohlfühl-Romane, die man nicht mehr aus der Land legen möchte. Man möchte immerzu nur lesen, lesen, lesen. Claire Winter schreibt sehr bildhaft. Man ist beim Lesen dabei. Man fühlt mit Amalia mit. Amalia, die leidet, weil sie plötzlich taub ist, weil sie plötzlich als dumm gilt, nur, weil sie nicht mehr sprechen kann. Amalias Leid, Cathleen, die von ihrem Mann nicht geliebt wird. Und schliesslich Melinda, die dem Geheimnis der Schwestern auf der Spur ist.

    Ein wunderschöner historischer Roman - ganz grosses Buchkino!
  • Wünsche
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    Ein leiser Wunsch
    Rezension vom 05.05.2013
    Vera sollte eigentlich ihren 46. Geburtstag feiern. Feiern wie jedes Jahr im Kreis ihrer Familie und ihrer Freunde. Immer dieselben Leute, immer derselbe Film, der zu Beginn der Feier angesehen wird. Vera geht schwimmen und Vera kehrt nicht nach Hause zurück zu ihrer Feier. Vera hat Wünsche und Vera lässt sich im Schwimmbad den Schrank einer anderen Frau aufschliessen, einer Frau, die ihr sehr ähnlich sieht. Sie nimmt deren Ausweis an sich und fährt nach London. London, Veras grosser Wunsch. Schon einmal war war sie dort vor vielen, vielen Jahren und immer war es ihr Wunsch, noch einmal zurückzukommen. Vera hat schnell kein Geld mehr, nimmt einen schlecht bezahlten Job an. Ob sie in London ihr Glück findet? Ob sie hier ihre geheimen Wünsche verwirklichen kann?
    Zeitgleich eröffnet Friedrich Wünsche Zuhause sein Kaufhaus Wünsche. Er möchte die Wünsche seiner Kunden verwirklichen. Die Kunden sollen wieder König sein. Herr Wünsche hat geerbt und erfüllt sich mit der Wiedereröffnung des Kaufhauses einen Wunsch.

    Ist ein anderes, ein besseres Leben möglich? Veras Sehnsucht ist spürbar. Sie möchte, nein, sie muss dem Einerlei ihres Alltags Zuhause entfliehen. Ihr Sohn ist gross, er wird es verstehen. Ihr Mann, ja, ihr Mann führt irgendwie auch sein eigenes Leben.

    Ein leiser Roman. Ein Roman über Träume, über Wünsche, über Sehnsüchte, aber auch ein Roman über das Älterwerden und die Frage, ob man noch einmal neu beginnen kann, neu beginnen sollte. Ein Roman, der nachdenklich stimmt und doch leicht daher kommt.
  • An einem Tag im Januar
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    Sehr berührend
    Rezension vom 04.05.2013
    Mark Fife verlor vor sieben Jahren auf tragische Weise seinen kleinen Sohn. Brendan sollte sein Zimmer aufräumen, weigerte sich jedoch und sollte sein Zimmer nicht eher verlassen dürfen, bis er seine Aufgabe erledigt hatte. Brendan packte seinen Rucksack und wollte sich davonschleichen. Er stolperte, fiel die Treppe hinunter und starb. Mark und seine Frau Chloe haben sich nie von dieser Tragödie erholt. Ihre Ehe zerbrach. Das Haus wurde verkauft. Inzwischen hat sich Mark ein neues Leben aufgebaut, ein Leben mit Allison. Allison, mit der er sich verlobt hat und die er bald heiraten möchte.
    Dann steht plötzlich eine fremde Frau vor Mark und behauptet mit ihrem Sohn in Marks früherem Haus zu wohnen. In dem Haus würden seltsame Dinge geschehen. Ein Geist würde umhergehen, den ihr Sohn sogar gesehen hat. Ob es Brendans Geist sei?
    Als Chloe von der Geschichte erfährt, fährt sie sofort zum Haus. Später erzählt sie Mark ihre Erlebnisse. Auch sie will Brendan gespürt haben. Mark, der eigentlich nicht an Geister glaubt, gerät ins Wanken. Sollte es doch wahr sein? Können er und Chloe tatsächlich Kontakt zu ihrem Sohn aufnehmen? Und was bedeutet das für die Zukunft?
    Mark steigert sich so in diese Hoffnung hinein, dass er seine Beziehung zu Allison gefährdet. Er fängt wieder an zu trinken, obwohl er dem Alkohol vor Jahren abgeschworen hatte. Und er entdeckt, dass er noch immer Gefühle für Chloe empfindet, doch was ist mit Allison?

    Ein wunderschöner Roman, der mich von Anfang an gefesselt hat. Ein Roman über Zweifel und Verzweiflung, über Hoffnung und Liebe über den Tod hinaus. Christopher Coake versteht es, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Man spürt beim Lesen, wie verzweifelt Mark Fife ist. Mark Fife, der eigentlich nicht an Geister glaubt und doch nach diesem letzten Strohhalm greift, um noch einmal ein "Lebenszeichen" seines Sohnes zu erhalten. Marks schlechtes Gewissen, wieso er nicht öfter nach seinem Sohn geguckt hat, anstatt sich ein Spiel im Fernsehen anzusehen. Das schlechte Gewissen, die Trauer und schließlich die Hoffnung. Christopher Coake ist es gelungen, einen Roman zu schreiben, der traurig ist, der schön ist, der einen sich fragen lässt, ob man nicht auch bereit wäre, plötzlich an die Existenz von Geistern zu glauben, wenn man in so eine Situation geraten würde.

    Erschienen im Goldmann-Verlag.

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