Rezensent im Portrait

Gesamte Rezensionen
55 (ansehen)

Meine Rezensionen

  • Paris Trout
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Ein Gesellschaftsportrait
    Rezension vom 28.11.2011
    Weil Deadwood so grandios war, gleich noch eine dringende Empfehlung für Pete Dexter.
    Paris Trout spielt in einer Kleinstadt im südstaatlichen Georgia. Es sind die 50er Jahre, das Klima ist geprägt von Rassenvorurteilen und Bigotterie, von Feigheit und Gewalt – all jenem, das Dexter als „die amerikanische Krankheit“ bezeichnet.
    Die titelgebende Hauptfigur ist ein angesehener Geschäftsmann, er bestimmt den Kurs der Stadt mit, ist aber auch einer, der glaubt für ihn gelten die bestehenden Regeln und Gesetze nicht, auch nicht nachdem er ein schwarzes Mädchen und dessen Pflegemutter niedergeschossen hat.
    Auf welche Art und Weise diese Tat geahndet wird, ist Thema des Romanes und Dexter erzählt vielschichtig und subtil von der Besessenheit Trouts, der Gewalt, die er mehr noch psychisch als physisch ausübt, von der Solidarität einer Männerwelt, in der sich die gesellschaftliche Reputation aus Totschweigen und Feigheit speist, in der sich das Wegschauen und das gelassene Übergehen als genauso gefährlich erweisen wie die Selbstgerechtigkeit des Mörders.
    Die große Könnerschaft des Autors liegt einmal mehr darin, dass er sich nie hineinversetzt in seine Figuren und doch tief in ihre Psyche eindringt, sie präzise, kühl und analytisch, mehr durch das Erzählprinzip „action is character“(F.S.Fitzgerald) als durch Erklärungen in ihrer menschlichen Komplexität zeichnet.
    Ein Meisterwerk, schrieb die Los Angeles Times bei Erscheinen völlig zu Recht, vergleichbar mit den Südstaatendramen Faulkners. Das ist nur zu unterstreichen. Wir haben ein Kleinod in der Hand in dieser viel zu oft sehr flachen, geschwätzigen und doch nichtsagenden Bücherwelt.
  • Die Insel der Verlorenen
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv
    Traum und Albtraum
    Rezension vom 15.11.2011
    Literatur könnte zum Beispiel definiert werden als Möglichkeit, Geschichten zu erzählen, die nicht den Tatsachen entsprechen und dennoch viel mit der Realität zu tun haben. Was aber, wenn das wirklich Geschehene auch in der Realität nicht so einfach zu bestimmen ist?
    Dieser Frage geht Laura Restrepo in ihrem neuen Buch nach. Sehr gekonnt aufgebaut, schickt sie eine Buchautorin auf Spurensuche nach Ereignissen, die vor 80 Jahren passiert sind. Sie befragt die Überlebenden, sie durchforstet Dokumente und Briefe und stößt dabei nicht nur auf Leerstellen, sondern auch auf Widersprüche und Widerstände. Es gibt die verschiedensten Sichtweisen, denen sie im Laufe ihrer Recherche begegnet. Aus denen fügt sich dann mosaikartig der Hauptteil des Romanes zusammen, jene Geschichte, die sich vor einem Menschenleben auf einem winzigen Eiland knapp 1000 km von der mexikanischen Westküste entfernt ereignet hat: wie sich militärische Ordnung zugunsten informellen Lebens auflöst, wie eine kleine Gruppe verschiedenster Menschen ohne Kontakte nach außen sich selbst und einer rauen Natur überlassen ist, wie Situationen eskalieren, in Resignation oder religiösen Fanatismus enden und wie starke Frauen pragmatisch und entschlossen reagieren.
    Restrepo erzählt diese Geschichte fesselnd, farbenprächtig und ohne Sentimentalität. Sie entwirft die Portraits von Menschen in Ausnahmesituationen und was diese aus ihnen gemacht haben glaubwürdig und mit großer sprachlicher Kraft. Man folgt ihr gerne nach Clipperton und schließt das Buch mit dem Gefühl, einfach ein schönes Buch gelesen zu haben.
  • Deadwood
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Wo die Helden sterben
    Rezension vom 09.11.2011
    Zwei alternde, schon etwas versehrte Westernhelden, eine schlammige, übelriechende Goldgräberstadt, Chinesen im Ghetto, Morde, die so nebenbei geschehen und vieles mehr ist in diesem fast schon genialen Western, der letztlich eine Zustandsbeschreibung des menschlichen Daseins ist, zu finden.
    Nonchalant erzählt, jeder Figur, auch den Nebenfiguren, Leben einhauchend, ohne dass große Introspektion betrieben würde, erzählt Dexter von Menschen, deren Träumen und deren zerplatzten Illusionen, von Schmutz, der nicht nur auf der Straße liegt, sondern auch auf der Seele.
    Deadwood ist die Geschichte eines Unterganges, tragisch, melancholisch, aber auch mit dem gewissen Quäntchen Ironie. Herrlich z.B. die Szene, in der Bill und Charley die noch nicht ausgereifte Methode der Leichenverbrennung testen und dabei über die Unsterblichkeit der Seele räsonieren oder vielsagend die Tatsache, dass die harten Männer des Westens den Whiskey durch einen pinkfarbenen Cocktail ersetzen.
    Dexter beherrscht die Kunst, komplexe Geschichten nur in Andeutungen zu erzählen und Protagonisten zu kreieren, bei denen vieles im Schatten bleibt, vage bleibt – dadurch aber umso stärker und eindrücklicher wirkt. Legenden werden geschaffen – die Presse tut schon 1876 das ihrige dazu – Leben werden vernichtet, ohne Sinn, ohne Moral. Rechtsprechung ist immer eine Sache der Auslegung, des Kapitals und der Hautfarbe.
    Wenn uns all das irgendwie bekannt vorkommt, dann liegt es daran, dass der Mensch sich wenig geändert hat, außer dass er seine Methoden verfeinerte.
    Und dann lesen wir noch über eine Reihe von bemerkenswerten Frauen: unvergleichlich das Portrait von Calamity Jane, eine tief tragische und doch ungeheuer robuste Frau, aufschlussreich wie Agnes Lake, die geheimnisvolle Trapezkünstlerin auf der eine Seite und die extrovertierte Mrs. Langrishe auf der anderen die zwei Seiten Charleys ansprechen; oder Lurline, die so ziemlich dem romantischen Klischee der Hure entspricht und Ci-an, die junge Chinesin, die ihren eigenen Kampf ausfechtet und das Missverständnis nicht nur zwischen Mann und Frau präsentiert, sondern auch das zwischen den Kulturen.
    Bei all dieser Fülle: der Ton der Sprache ist trocken, lakonisch. Der Autor hält sich an das, woran sich auch seine Figuren halten: wenn sich etwas in zehn Worten sagen lässt, dann werden nur zehn Worte gesagt, nicht mehr, nicht weniger. Schwätzer, Captain Jack zum Beispiel, werden nicht ernst genommen, die Realität zeigt sowieso früher oder später, dass sie eben nur Schwätzer sind.
    Ein grandioser Roman. Ein Buch auf das ein guter, alter Whiskey getrunken werden kann.

  • Cut
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv
    Adrenalinstöße
    Rezension vom 15.10.2011
    Eine neue Ermittlerin hat die Szene betreten. Sie überzeugt, weckt Interesse auf mehr und gerne lässt man sich ein auf ihr doch recht unkonventionelles Leben.
    Keye Street ist eine intelligente, starke und selbstbewusste Frau, ironisch, manchmal auch äußerst sarkastisch und sich ihrer dunklen Seiten, ihrer Ecken und Kanten sehr wohl bewusst. Ihr Alkoholproblem hat sie den Job beim FBI gekostet, das Verhältnis zu ihrer Familie ist relativ kompliziert und ihre Arbeit als Detektivin ist manchmal ziemlich schmutzig und gewalttätig. Ein paar gute Freunde und eine Katze verleihen ihrem Leben die notwendige Stabilität. Zumindest so lange, bis einer dieser Freunde, ein Polizist, sie um Hilfe bittet.
    Ein Serienkiller macht Atlanta unsicher, die Polizei tappt im Dunkeln.
    Und hier beginnt nun eine den Leser fesselnde kriminalistische Story. Schon richtig: Serienkiller, die eine Stadt terrorisieren, die eine Rechnung mit dem hauptverantwortlichen Polizisten offen haben, Profiler, die sich selbst profilieren wollen und Ermittlungen, die ohne von den Regeln abzuweichen nicht lösbar sind – all das haben wir schon gelesen. Was aber CUT zu einem überdurchschnittlichen und empfehlenswerten Krimi macht, sind die von Williams geschaffenen Charaktere, wie sie miteinander und gegeneinander agieren. Dass manch eine der Wendungen auch für abgebrühte Krimileser überraschend kommt, ist ein zusätzlicher Pluspunkt.
    Ein gelungenes Debüt, bei dem man gespannt auf den nächsten Fall wartet und ein Muss für alle, die z.B. Tana French gerne gelesen haben.
  • Eco U: Der Friedhof in Prag
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv
    Die Geduld des Lesers strapazierend
    Rezension vom 07.10.2011
    Umberto Eco ist zweifellos ein sehr kluger Mann und er schafft es spielend das Faszinierende der Semiotik in Romane und Geschichten zu verweben – das hat er schon bewiesen. Ob er allerdings seinem Ruf als Romancier mit diesem Buch gerecht wird, das sei angezweifelt.
    Angesiedelt ist die Handlung in der Belle Epoque, einer Zeit die übervoll war an neuen Ideen, an Aufbrüchen, wegweisenden Innovationen und fatalen Verschwörungstheorien. Eco kennt sich natürlich in all dem bestens aus. Alles was er uns erzählt beruht auf Fakten – mit Ausnahme der Hauptfigur des Buches, nämlich Simon Simonini, ein schon älterer, von Hass auf alles und jedes zerfressener Mann, der wohl als Archetyp für jede Zeitepoche stehen kann.
    Daher ist er auch die ideale Figur, gänzlich amoralisch für die diversesten Auftraggeber zu arbeiten. Er ist Spion, Mörder, Dealer, Fälscher und – Ecos Vergnügen an Vieldeutigkeit und semantischem Spiel geschuldet - eine doppelte Persönlichkeit.
    Das Thema „Was ist echt, was ist falsch“ zieht sich als roter Faden durch das Buch, festgemacht in erster Linie an den berüchtigten Protokollen der Weisen von Zion, die es ja, als Fälschung tatsächlich gegeben hat. „Traue immer nur der Theorie, die du selbst gefälscht hast, traue immer nur dir selbst und dem, was du selbst tust“ könnte der Leitsatz Simoninis sein, wenn da nicht plötzlich ein bestimmter Abbe Dalla Piccola sich in sein Leben drängen würde.
    Was spannend und interessant klingt, erfüllt leider die Erwartungen nicht. Zu viel von allem wird uns da geboten, zu viele Details, zu viele Nichtigkeiten, die den Fluss der Erzählung brechen, die den Leser irgendwann nur noch langweilen. Es ist, als ob der Autor noch zu sehr im Buch „Die unendliche Liste“ verhaftet gewesen wäre, als er an diesem Roman gearbeitet hat. Was letztlich bleibt, ist ein Gefühl von Geschwätzigkeit und die Frage, ob es sinnvoll war, seine Zeit mit diesem Text zu verbringen.
  • Der Schmerz der Engel
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Die Suche selbst ist das Ziel
    Rezension vom 05.10.2011



    „ Es gibt Bücher, die dich unterhalten, dich aber nicht wirklich im Innersten bewegen. Und dann gibt es Bücher, die dich zweifeln machen, sie geben dir Hoffnung, sie erweitern die Welt und machen dich mit Abgründen bekannt. Auf diese Bücher kommt es an.“ Bücher, die diesem Anspruch in jeglicher Hinsicht entsprechen, schreibt der isländische Autor Jon Kalman Stefansson. Er braucht keine aufregenden Geschichten, keine aufsehenerregende Ereignisse, um große Literatur zu schaffen, ihm reichen die kleinen, die alltäglichen, um den Geheimnissen des Lebens und des Todes nachzuspüren und um über das Sein und das Dasein zu philosophieren.
    In „Der Schmerz der Engel“ greift er die Geschichte des namenlos bleibenden Jungen aus „Himmel und Hölle“ wieder auf und erzählt sie weiter. Gestrandet in einem Fischerdorf, lernt der Junge nicht nur seinen eigenen Weg zu gehen, er lernt auch neue Menschen kennen und damit neue Geschichten – tragische, schöne, geheimnisvolle und jede einzelne muss es wert sein, erzählt zu werden, denn jede bedeutet ein individuelles Schicksal, aus jeder lässt sich, wenn man will, etwas lernen, jede kann von der Verlorenheit und von der Größe des Menschen erzählen. Leise, poetisch, mit einer Sprache, die einen unweigerlich in einen Sog zieht, atmosphärisch unglaublich dicht und plastisch erleben wir ein Island der Stürme und Kälte und dessen Bewohner, die beidem trotzen, lesen wir einen Text voller Melancholie und Todessehnsucht, aber auch einen Text, der viel über Lebenskraft und Lebenslust erzählt.
    Mit Leichtigkeit vereint Stefansson scheinbare Widersprüche: Wortgewaltigkeit mit poetischer Stille, Pathos mit nüchterner Vernunft, die raue Außenwelt der Landschaft mit den innersten Sehnsüchten der Menschen. Schreiben ist bei ihm Verdichtung von Gedanken und Emotionen, also genau das, was grandiose, unvergessliche Literatur ausmacht.


  • Kickboxen mit Lu
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv
    Eine Auszeit
    Rezension vom 07.09.2011
    Roman Marchel ist ein Autor, der bisher mit seinen Erzählungen und Gedichten nicht aufgefallen ist. Das sollte sich mit dem Romandebüt unbedingt ändern, denn der Mann kann was und jeder, der neugierig ist auf neue Literatur, der interessiert daran ist, welche sprachlichen Möglichkeiten ein Schriftsteller für sich entdeckt, der ist gut beraten, diese Geschichte zu lesen.
    Es geht um Lu, ein 16jähriges Mädchen, das sehr gerne und sehr viel redet. Da ist natürlich auch Unreflektiertes, Unsinniges dabei, aber es ist zu erkennen, dass hier ein kritischer Geist heranreift, der Fragen stellt, der beginnt auch gegen das Vorgekaute zu denken. Lu „philosophiert sich oft weg“ und dann kommt sie nicht nur auf Ungereimtes im Leben, sondern auch auf so schöne Sätze wie“ wenn es nicht zusammenpasst, ist es irgendwie mehr“. Beeindrucken kann sie damit Tulpe, eine alte Dame, die sich zum Sterben ins Hotel zurückgezogen hat, aber wegen Lu und ihrer gemeinsam verbrachten Tage den Drang verspürt, noch einmal ein Buch zu schreiben und in Folge so etwas wie neue Lebenskraft spürt. Rettender Engel für beide, wenn sie es dringend bedürfen, ist Patrice, der Besitzer der Pension, in der die Geschichte spielt. Marchel zeigt ihn sehr im Hintergrund, er sagt wenig über ihn, das was aber zwischen den Zeilen herauszulesen ist, sagt nicht nur etwas über Patrice aus, sondern auch über das feinsinnige, stilistische Können des Autors.
    Es ist ein Spiel mit der Sprache: auf der einen Seite der unaufhaltsame Redefluss eines Teenagers, auf der anderen die grüblerische Reflektiertheit einer gealterten Schriftstellerin. Erstaunlich wie sehr sich der Autor in beide einzufühlen vermag.
    Marchel hat das zustande gebracht, was eine gute Geschichte zu leisten hat, nämlich nicht zu sagen, was der Leser denken soll, sondern Fragen zu stellen, über die der Leser nachdenken kann. Das einzige was ihm wirklich vorzuwerfen ist, ist der Name"Tulpe".
  • Das Mädchen
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv
    Lebenswille
    Rezension vom 30.08.2011
    „Sie fliegt höher und höher, bis sie ganz verschwunden ist“- damit endet ein beeindruckendes und eindrückliches Buch, dessen Thema Verwahrlosung und Brutalität ist.
    Klüssendorf erzählt die Geschichte eines Mädchens, das den Versuch wagt, aus seinem lebensweltlichen Elend zu entkommen. Die Mutter meist alleinerziehend und fast immer vom Leben überfordert, der Vater ein Trinker, der nur sporadisch anwesend ist und der kleine Bruder, der mehr und mehr verstört sind ihr Mittelpunkt und ihr Fluchtpunkt gleichzeitig. Der Alltag ist eine regellose, von Willkür beherrschte Welt, die zermürbt und das Ausbrechen nur dann möglich macht, wenn eine ganz eigene, manchmal sehr egozentrische Kraft entwickelt wird.
    Das Besondere an diesem Buch ist nun, dass die Autorin einerseits nie in eine klagende oder tränenselige Sprache verfällt, ganz im Gegenteil ist es eine sehr nüchterne, sachliche, ja distanzierte Schilderung, die eine starke Atmosphäre schafft und die menschliche Rohheit gleichsam widerspiegelt. Das Geschehen wird mit Beiläufigkeit erzählt und erhält doch eine immense Dringlichkeit.
    Andererseits ist in dieser Kälte nie Verachtung für die Figuren spürbar, Klüssendorf ist nicht parteiisch, sie ist nicht wertend, sie versteht die Menschen aus ihrem Menschsein heraus, aus einer zutiefst humanistischen Sicht und sie kommt nie als selbstgefällig Moralisierende daher.
    Verdienterweise ist dieser Text nominiert für den Deutschen Buchpreis.

  • Der Pfad der Winde
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Die Sturmlicht-Chroniken
    Rezension vom 20.08.2011
    Brandon Sanderson, das ist Fantasy abseits von undiskutablen Vampir-, Engel- oder Werwolfgeschreibsel, das ist High-Fantasy mit Kreativität und Stil.
    Reich an Phantasie und an neuen Ideen, verhaftet in jener Tradition, die Tolkien mit „Herr der Ringe“ begründet hat, schreibt hier ein Autor eine ausgeklügelte Geschichte, die alles hat, was man von diesem literarischen Genre erwarten kann. Sanderson führt in eine Welt voller Schlachten und politischer Intrigen, in eine Welt des Verrates und der persönlichen Verantwortung, in eine Welt, die am Abgrund steht und den Leser nicht mehr loslässt.
    Eskapismus? Vielleicht. Aber Sanderson versteht es, all die Themen, die zeitlos sind, die uns in der Realität auch beschäftigen sehr gut in seine Geschichte zu integrieren. Es geht um Macht und Machtmissbrauch, um Schuld und Verantwortung, um Würde und Abhängigkeiten, um Dummheit und Klugheit und bei all dem fehlt weder die differenzierte Sichtweise noch das notwendige Quäntchen Humor.
    Eine grandiose Fantasy-Saga, die im Rahmen dessen, was Fantasyliteratur sein kann und sein soll ohne weiteres die 5 Sterne verdient.

  • XY
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv
    Der Schatten des Bösen
    Rezension vom 09.08.2011
    Ein ungeheuerliches Massaker passiert in einem kleinen Dorf in den Trentiner Bergen. Elf Leichen, ein verstörtes Pferd und ein Baum, der scheinbar von Blut durchtränkt ist, bilden das Tableau. Giovanna, eine junge Psychologin, der selbst gerade etwas ziemlich Seltsames passiert ist, und der Pfarrer des Ortes, Don Ermete, stellen sich Fragen, lassen sich nicht mit den offiziellen Erklärungen abspeisen. Doch die Suche nach der Wahrheit gestaltet sich äußerst kompliziert.
    Was jetzt klingt wie ein normaler Krimi oder Thriller, stellt sich als brillant geschriebener und stilistisch gelungener literarischer Versuch über das Böse heraus. Veronese nimmt diese beiden Figuren gleichsam als Metapher für die zwei möglichen Zugangsarten an das, was völlig unerklärlich ist an diesen Morden, das was das Böse schlechthin zu sein scheint.
    Don Ermete, facettenreich und komplex gezeichnet, nie naiv im Glauben, steht für die metaphysische Herangehensweise: wenn allerdings dieses Verbrechen als Strafe Gottes zu interpretieren wäre, wie dann die Theodizee argumentieren? Giovanna, die Analytikerin, die den Rationalismus verteidigen will und muss, stößt mit ihren Definitionsversuchen jedoch genauso an die Grenzen des Erklärbaren. Der Autor ist zu klug, als dass er am Ende eine einfache oder überhaupt eine Lösung böte. Beide Zugänge sind möglich, der rationale wie der spirituelle, beide bleiben letztlich aber unbefriedigend, es kann keine Erkenntnis über das Böse als letztgültige Wahrheit gefunden werden, es kann nur Argumente geben, die mehr oder weniger überzeugen, je nach Einstellung, und die die Argumentierenden etwas klüger und erkenntnisreicher in manch anderer Hinsicht zurücklassen.
    Was bleibt ist Kierkegaards Feststellung, dass das Böse einfach eine „unbegreifliche Faktizität“ ist.
    Wer nach der Lektüre das Bedürfnis hat, sich selbst etwas intensiver mit den Theorien des Bösen auseinanderzusetzen, dem seien als gute Einführungen dazu Peter Kampits: Wer sagt, was gut und böse ist und Terry Eagleton: Das Böse empfohlen.