BuchhändlerInnen im Portrait

aus Hamburg
- Gesamte Rezensionen
- 931 (ansehen)
- Über mich
- liebe es, mich von Büchern aus der Gegenwart entführen zu lassen. Dabei ist es mir egal, ob es historische, literarische oder unterhaltsame Romane sind.
- Alter
- 50 Jahre
- Abteilung
- Belletristik (Romane, Krimis, Historische)
- Funktion
- Abteilungsleiterin
- Lieblingsautoren
- Marian Keyes, Rebecca Gablé, Judith Lennox, Edward Rutherfurd, Cathy Kelly, Sheila O'Flanagan
- An meinem Beruf gefällt mir
- Ich liebe es neue Autoren zu entdecken und diese Entdeckungen an meine Kunden weiterzugeben. Ebenso liebe ich den Austausch mit meinen Kunden.
- Im Beruf seit
- 1982
- Das beste Buch aller Zeiten
- Edward Rutherfurd, Sarum
Meine Favoriten
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Gibt es leider nur noch in englischer Sprache. Ein Toller historischer Roman über die Entstehung der... mehr
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Vielen Dank Frau Friedrich für diesen unglaublich, großartigen Roman, der den Widerständlern noch einmal... mehr
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Für mich der Frauenroman überhaupt. Die Artus-Geschichte aus Frauensicht mit tollen starken Frauencharakteren. mehr
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Ein großartiger, literarischer Roman, der sich mit den Nachwirkungen des spanischen Bürgerkrieges in... mehr
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Ein herrlich ruhiger Frauenroman, der ein ganzes Frauenleben von 1914 bis in die 90er Jahre umfasst.... mehr
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Für alle, die wissen möchten, wie viel Kämpfe die Schwulen und Lesebn in den fünfziger und sechziger... mehr
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Wenn Sie Ihrem Leben eine neue Richtung geben oder sich einfach wohler in Ihrer Haut fühlen wollen,... mehr
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Ein Kult-Frauen-Buch! Hier können die jungen Frauen von heute nachlesen, wie viele Kämpfe die Frauen... mehr
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Es ist ein toller Roman, der wieder einmal aufzeigt, wie anders die Südstaaten ticken als die großen... mehr
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Nicht nur für junge MütterRezension vom 20.05.2013Fiona Higgins ist eine australische Autorin und selber Mutter. In ihrem ersten Roman Mit euch an meiner Seite erzählt sie die Geschichte von sechs jungen Frauen, die gerade Mütter geworden sind. Der Klappentext des Buches wird dem Inhalt des Buches nicht wirklich gerecht, denn es bietet viel mehr als dieser es vermuten lässt.
Das Buch gliedert sich in sechs Kapitel. Dadurch bekommt jede junge Mutter ihr eigenes Kapitel, in dem ihre eigene Geschichte genauer vorgestellt, die eigentliche Handlung aber weiter vorangetrieben wird. Ginie ist eine sehr karriereorientierten junge Frau, die ihr Kind schon früh einem Kindermädchen anvertraut, damit sie selbst wieder arbeiten kann. Made ist eine junge Frau aus Bali, die mit einem deutlich älteren Mann verheiratet ist. Suzie wurde von dem Vater ihres Kindes während der Schwangerschaft verlassen und hat das Glück, dass sie einen neuen kennenlernt, der ein Traummann zu sein scheint. Miranda war beruflich sehr erfolgreich. Sie heiratet einen sehr dominanten und erfolgreichen Witwer, der bereits einen kleinen Sohn hat. Jetzt versucht sie beiden Kindern gerecht zu werden. Pippa ist sehr zurückhaltend. Es dauert lange bis die anderen Mütter erfahren, was sie bedrückt. Und Cara ist eine ausgesprochen warmherzige Person, die es schafft diese unterschiedlichen Frauen zu Freundinnen zu machen. Doch dann passiert etwas, was die Müttergruppe und ihre Freundschaft auf eine harte Probe stellt.
Das ich dieses Buch gelesen haben, war ein Zufall. Der Klappentext hatte mich nämlich nicht angesprochen. Da erschien mir das Buch viel zu banal. Jetzt bin ich froh, dass ich es doch zur Hand genommen habe. Denn dieses Buch ist wieder ein Beispiel für die von mir schon so oft gepriesen angelsächsischen Unterhaltungsromane, die vordergründig gut unterhalten und doch etwas zu erzählen haben. Keine dieser Frauen ist perfekt, jede hat ihr Päckchen zu schleppen, aber die anderen helfen, so gut sie können. Trotzdem wissen sie nicht alles voneinander, wie sie am Ende leidvoll erfahren müssen.
Die Autorin spricht in diesem Roman viele Probleme an, mit denen junge Mütter häufig alleingelassen werden. Es ist in so einem Roman natürlich sehr verdichtet, aber gerade das macht auch den Reiz eines solchen Buchs aus.
Mich hat dieses Buch fast so tief berührt wie zuletzt Jojo Moyes Ein ganzes halbes Jahr.
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Beeindruckende wahre LiebesgeschichteRezension vom 20.05.2013Ganz häufig denke ich, wenn ich vor den Biografien stehe, dass es doch nun langsam mal genug sein müsste mit den Biografien aus der Zeit von 1933 bis 1945. Und doch habe ich jetzt selber wieder eine gelesen, die mir ausgesprochen gut gefallen hat! Denn es gab noch etwas Neues zu entdecken. Es ging um Norwegen in dieser Zeit. Und über die Verbindung von Norwegen und das drittes Reich habe ich bisher so gut wie gar nichts gewusst.
Die Autorin Randi Crott ist eine 1951 in Wuppertal geborene Journalistin, die eine norwegische Mutter und deutschem Vater hat. Erst 1969 hat sie von ihrer Mutter erfahren, dass ihr Vater Halbjude ist. Er hat selber nie mit ihr darüber gesprochen. Und erst als ihr Vater gestorben ist, macht sich Randi Crott daran, der bewegenden Liebesgeschichte ihrer Eltern nachzuforschen. Hierbei kommt ihr natürlich sowohl ihre journalistische Ausbildung zugute, als auch, dass ihre Mutter Tagebuch geführt, die Briefe von damals aufgehoben und ihr alles zur Verfügung gestellt hat. Und herausgekommen ist dabei eine ausgesprochen gut lesbare und zugleich sehr informative Liebesgeschichte, eingebettet in den geschichtlichen Zusammenhang. Denn Randi Crott erzählt nicht nur die Liebesgeschichte ihrer Eltern. Sie informiert sich, wieso es überhaupt dazu gekommen ist, dass Deutschland Norwegen besetzt hat. Sie recherchiert die Lebenssituationen von Kindern, die einen jüdischen Elternteil haben. Und sie beschreibt in ihrem Buch auch die Lage, wie sie sich für die Norweger während der Zeit der Besatzung dargestellt.
Es ist eine bewegende Liebesgeschichte in einer ganz dunklen Zeit von zwei Menschen, die einfach gewusst haben, dass sie unter allen Umständen zusammenbleiben wollen. Sie haben dafür beide einiges aufgeben und viel ertragen müssen, aber am Ende hat die Liebe gesiegt!
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Eine Vater-Sohn-GeschichteRezension vom 20.05.2013Patricio Pron ist ein junger argentinischer Autor, der einige Zeit in Göttingen gelebt und studiert hat. Heute lebt er in Barcelona. Der Geist meiner Väter steigt im Regen auf ist sein erster Roman und wurde auf Spanisch geschrieben.
Vom Alter her könnte die Geschichte autobiografisch geprägt sein, aber der Autor weist selber nie darauf hin. Er erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der aus Deutschland zurück nach Argentinien reist, da sein Vater im Krankenhaus liegt. Er weiß nicht, ob er noch rechtzeitig ankommt. Zurück in Argentinien ist sein Zuhause zwar noch genauso wie er es erinnert, aber trotzdem fühlt er sich völlig fremd. Um seinen Vater, einem Journalisten, wieder näher zu kommen, blättert in dessen Unterlagen. Dabei stößt er auf einen Ordner, der sich mit dem Verschwinden eines Mannes aus dem Geburtsort seines Vaters beschäftigt. Allerdings ist er erst 2008 verschwunden und nicht während der Militärjunta-Zeit. Was hat seinen Vater an dieser Geschichte so fasziniert. Langsam nähert er sich der Geschichte an. Und dabei entdeckt er Einiges aus seiner Vergangenheit, dass er schon für immer vergessen glaubte.
Es ist ein sehr ungewöhnlicher schmaler Roman, der es dem Leser nicht einfach macht. Der Ich-Erzähler ist offensichtlich psychisch krank, war Drogenabhängig und nimmt immer noch vom Arzt verschriebene Medikamente. Durch diese Vorgeschichte weist sein Gedächtnis große Lücken auf. Dies stellt der Autor grandios dadurch dar, dass er die Geschichte fragmentartig zusammensetzt. Gerade im ersten Teil, wo der Ich-Erzähler noch mit sich ringt, ob er nach Argentinien reisen soll, erzählt er in kurzen Kapiteln, wobei immer wieder Kapitel dazwischen fehlen. Der zweite Teil besteht völlig aus dem Inhalt der Mappe, die sich mit dem Verschwinden von Alberto José Burdisso beschäftigt. Und im dritten und vierten Teil kommen alle losen Fäden langsam zusammen.
Ich geb es zu, ich bin mit diesem Roman nicht wirklich zurechtgekommen. Ich habe mir an Hand des Klappentextes einfach etwas anderes vorgestellt. Mehr in der Richtung von Carolina de Robertis Perla und Wolfram Fleischhauer Drei Minuten mit der Wirklichkeit. Aber der Roman ist sprachlich sehr gut und inhaltlich ungewöhnlich erzählt. Für mich war es eher ein Roman, bei dem die literarische Qualität im Vordergrund stand und weniger die politisch-geschichtliche Handlung, die ich aber erwartet hatte.
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Nicht nur für junge MütterRezension vom 20.05.2013Fiona Higgins ist eine australische Autorin und selber Mutter. In ihrem ersten Roman Mit euch an meiner Seite erzählt sie die Geschichte von sechs jungen Frauen, die gerade Mütter geworden sind. Der Klappentext des Buches wird dem Inhalt des Buches nicht wirklich gerecht, denn es bietet viel mehr als dieser es vermuten lässt.
Das Buch gliedert sich in sechs Kapitel. Dadurch bekommt jede junge Mutter ihr eigenes Kapitel, in dem ihre eigene Geschichte genauer vorgestellt, die eigentliche Handlung aber weiter vorangetrieben wird. Ginie ist eine sehr karriereorientierten junge Frau, die ihr Kind schon früh einem Kindermädchen anvertraut, damit sie selbst wieder arbeiten kann. Made ist eine junge Frau aus Bali, die mit einem deutlich älteren Mann verheiratet ist. Suzie wurde von dem Vater ihres Kindes während der Schwangerschaft verlassen und hat das Glück, dass sie einen neuen kennenlernt, der ein Traummann zu sein scheint. Miranda war beruflich sehr erfolgreich. Sie heiratet einen sehr dominanten und erfolgreichen Witwer, der bereits einen kleinen Sohn hat. Jetzt versucht sie beiden Kindern gerecht zu werden. Pippa ist sehr zurückhaltend. Es dauert lange bis die anderen Mütter erfahren, was sie bedrückt. Und Cara ist eine ausgesprochen warmherzige Person, die es schafft diese unterschiedlichen Frauen zu Freundinnen zu machen. Doch dann passiert etwas, was die Müttergruppe und ihre Freundschaft auf eine harte Probe stellt.
Das ich dieses Buch gelesen haben, war ein Zufall. Der Klappentext hatte mich nämlich nicht angesprochen. Da erschien mir das Buch viel zu banal. Jetzt bin ich froh, dass ich es doch zur Hand genommen habe. Denn dieses Buch ist wieder ein Beispiel für die von mir schon so oft gepriesen angelsächsischen Unterhaltungsromane, die vordergründig gut unterhalten und doch etwas zu erzählen haben. Keine dieser Frauen ist perfekt, jede hat ihr Päckchen zu schleppen, aber die anderen helfen, so gut sie können. Trotzdem wissen sie nicht alles voneinander, wie sie am Ende leidvoll erfahren müssen.
Die Autorin spricht in diesem Roman viele Probleme an, mit denen junge Mütter häufig alleingelassen werden. Es ist in so einem Roman natürlich sehr verdichtet, aber gerade das macht auch den Reiz eines solchen Buchs aus.
Mich hat dieses Buch fast so tief berührt wie zuletzt Jojo Moyes Ein ganzes halbes Jahr.
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Ein schwieriges ThemaRezension vom 12.05.2013Anja Röhl hat mit ihrem sehr persönlichen Buch ein sehr schwieriges und mit Sicherheit extrem kontrovers zu diskutierendes Buch geschrieben. Es ist die Erinnerung an eine sehr schwierige Kindheit und Jugend in der Zeitspanne von ca. 1958 bis 1976. Es ist aber auch die Erinnerung an Ulrike Meinhof.
Wie kommt Anja Röhl dazu über Ulrike Meinhof so zu schreiben? Ganz einfach Ulrike Meinhof ist die zweite Frau ihres Vaters Klaus Rainer Röhl. Anja Röhl war noch sehr jung, als sich ihre Eltern scheiden ließen. Sie lebte bei der Mutter, die mit der gesamten Situation überfordert war. Zu der Zeit war es für eine Frau noch ein extremer Makel, wenn sie geschieden war, denn eine Frau ohne Mann war nix wert. Als ihr Vater ihr eines Tages an einem Papitag Ulrike Meinhof vorstellt, lernt Anja Röhl eine ganz andere Art mit Menschen umzugehen kennen. Ulrike Meinhof ist eine Frau, die auf sie eingeht, ihr zuhört, ihr Fragen beantwortet, ihr viel erklärt und sich schützend vor das Kind stellt, wenn der Vater mal wieder durchdreht. Das prägt das Leben der jungen Anja Röhl ungemein.
Das Buch ist durchgängig in der 3. Person geschrieben. Im ersten Teil redet die Autorin von das Kind, dann kommt die Zeit der Pubertät und sie spricht von das Mädchen. Am Ende des Buches wird die Geschichte von die junge Frau erzählt. Sie erzählt erschreckende Erfahrungen, die sie in der Schule und in Heimen gemacht hat. Sie erzählt auch sehr intime Details, die sie mit ihrem Vater erlebt hat. Ihr Vater war zwar politisch links, aber er hatte eine extrem frauenverachtende Art und Weise an sich, die er früh seiner Tochter mitgeteilt hat. Einzig seine zweite Frau hat es gewagt, ihm zu widersprechen. Dementsprechend bewundert die Autorin ihre Stiefmutter. Das ändert sich allerdings auch nicht, nachdem sich Klaus Rainer Röhl und Ulrike Meinhof haben scheiden lassen, und Ulrike in den Untergrund gegangen ist, bzw. später verhaftet wurde.
Mich hat dieses Buch einerseits sehr erschüttert. Ich bin nur acht Jahre jünger als die Autorin, habe aber zum Glück schon eine ganz andere Kindheit und Jugend gehabt. Ich kann schon verstehen, dass die Autorin als Kind und junges Mädchen zu Ulrike Meinhof aufgesehen hat. Allerdings ist mir ihre Betrachtung später zu undifferenziert. Sie verklärt die späte Ulrike Meinhof und geht überhaupt nicht darauf ein, was in dem Zeitraum passiert ist, nachdem Ulrike Meinhof in den Untergrund gegangen ist. Nichtdestotrotz finde ich dieses Buch auch sehr wichtig, denn es gibt ein Leben der Ulrike Meinhof vor der RAF. Und damals war sie eine sehr angesehene Journalistin. Dies darf man meiner Meinung nach auch nicht vergessen.
Einige Stellen des Buches mussten geschwärzt werden, nachdem die Halbschwestern Anja Röhl juristische Schritte angedroht hatten. Es ist eine sehr persönliche Abrechnung mit dem Vater und eine Hommage an die Stiefmutter.
An dieser Stelle möchte ich noch einmal dem am 01. Mai 2013 verstorbenen Verleger Lutz Schulenburg danken, der mit seinen Verlagskolleginnen und kollegen den Mut hatte, dieses schwierige Buch herauszubringen.
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Die Geschichte zweier total verschiedener SchwesternRezension vom 10.05.2013Dieser Roman ist das Debüt der kanadischen Autorin Beverly Jensen. Sie erzählt darin die Geschichte ihrer Familie mütterlicherseits.
Der Roman beginnt 1916 in New Brunswick in Kanada, einer kargen, wildromantischen Küstengegend in Kanada. Dort leben die beiden Schwestern Idella und Avis mit ihrem größeren Bruder Dalton und ihren Eltern. Der Vater verdient den Lebensunterhalt mehr schlecht als recht mit Landwirtschaft. Dalton trägt durch Hummerfang noch zusätzlich zum Lebensunterhalt bei. 1916 sind Idella acht und Avis sechs Jahre alt. Im ersten Kapitel geht die Tragödie der Familie gleich richtig los. Die Mutter stirbt bei der Geburt der kleinen Schwester Emma. Da der Vater den Tod seiner Frau nicht verkraften kann und seiner neugeborenen Tochter die Schuld an dem Tod gibt, gibt er sie der Familie seiner Schwägerin zur Pflege. Die anderen drei Kinder bleiben allerdings bei ihm. So versucht Idella den Haushalt zu führen. Unterstützung sucht die Familie immer wieder bei wechselnden französischstämmigen Dienstmädchen, die nie lange bei der Familie bleiben. Doch irgendwann versuchen die Schwestern dem armen kargen Leben in Kanada zu entkommen und versuchen ihr Glück in den USA.
Beverly Jensen erzählt die Geschichte ihrer Mutter und ihrer Tante in Kurzgeschichten. Da diese Kurzgeschichten aber immer ihre Familie zum Thema haben, konnte man sie wunderbar zu einem Roman zusammenfügen. Sie sind teilweise unterschiedlich in der Art der Erzählweise. Die meisten Geschichten werden von einem außenstehenden Beobachter erzählt, aber es gibt immer wieder Berichte, die von Idella, Avis oder einer Tochter von Idella erzählt werden. Das Buch gliedert sich in vier Teile. Der erste Teil ist die Kindheit der beiden Schwestern, danach kommt die Zeit als junge Frauen in den USA, dann die frische Ehezeit von Idella und zum Schluss das Alter.
Es sind herrliche Geschichten von zwei Frauen, die völlig unterschiedlich sind. Idella ist tatkräftig, packt an und ist sehr in sich gekehrt. Ganz anders ihre Schwester Avis. Avis setzt eher auf ihr Äußeres und bezirzt die Männer. Sie durchleben schwere Zeiten, aber sie lassen sich nie unterkriegen und halten doch auch irgendwie immer zusammen.
Leider werden wir keine weiteren Bücher dieser kanadischen Autorin mehr lesen können, denn sie starb mit 49 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ihre Familie hat dieses Buch erst nach ihrem Tode herausgebracht. Vielleicht hätte sie noch etwas daran verändert, aber auch so ist es eine großartige Geschichte geworden.
Für Leser/innen von Elizabeth Strout Mit Blick aufs Meer, Annie Proulx Schiffsmeldungen und David Guterson Schnee, der auf Zedern fällt.
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Was ist vor 28 Jahren passiert?Rezension vom 09.05.2013Ich habe Ihnen an dieser Stelle bereits zwei sehr spannende politische Thriller von Alex Berg vorgestellt Machtlos und Die Marionette. Sie schreibt aber auch unter dem Namen Stefanie Baumm Krimis, die ich bisher allerdings noch nicht gelesen habe. Umso gespannter war ich auf das neue Buch von Alex Berg, das als Roman tituliert war. Ist es ein Krimi oder ein Roman?
Der Roman erzählt die Geschichte von Caroline, genannt Lillie. Caroline wurde in Schweden als Tochter einer Deutschen und eines Schweden geboren. Sie lebte in einem kleinen Ort in Mittelschweden und ihre besten Freunde waren Maybrit, Ulf und Björn. Ulf war ihr Liebster, sie wollten heiraten. Doch plötzlich vor 28 Jahren verlässt sie ihren Heimatort ohne sich von Irgendjemand zu verabschieden. Und niemand weiß, was passiert ist und wohin Caroline gegangen ist. Doch jetzt ist sie plötzlich wieder da. Sie sucht die Einsamkeit ihres Elternhauses, denn ihre Tochter Lianne ist tot. Sie wurde überfahren. Maybrit und Björn leben nach wie vor in diesem kleinen Ort, aber Ulf ist in der Zwischenzeit Kommissar in Stockholm. Per Zufall bekommt er ein Foto auf seinen Schreibtisch Caroline, die in Schweden geblitzt wurde. Ganz spontan fährt er für ein Wochenende nach Hause. Er will endlich wissen, was damals passiert ist. Und so treffen die vier ehemaligen Freunde plötzlich wieder aufeinander. Bevor Ulf wirklich an Caroline herangekommen ist, erfährt er von seinem direkten Kollegen Hakan, dass Caroline international zur Fahndung ausgeschrieben ist. Er konfrontiert sie nicht direkt. Doch die ganze Situation eskaliert, als Ulf sie endgültig zur Rede stellen will. Caroline und Ulf werden eingeschneit, und Caroline findet nur einen Ausweg aus dieser Situation.
Alex Berg hat ein unglaublich spannendes und stimmiges Buch geschrieben. Die Spannung hält sich wirklich bis zum Ende, wo die Geschichte endlich aufgelöst wird. Mich hat auch die Beschreibung der Landschaft in Schweden fasziniert. Ich habe wirklich gemeint, diese Kälte zu spüren, die sie beschrieben hat.
Und ist es jetzt ein Krimi? Auf gar keinen Fall ein klassischer! Aber ich werde ihn bei uns auf jeden Fall bei den Krimis lassen, denn das Buch ist unglaublich spannend und läuft auf ein großes Finale hinaus.
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Wer ist Gabriel Delacruz?Rezension vom 09.05.2013Jordi Punti ist ein katalanischer Autor, Journalist und Übersetzer. Beim Kiepenheuer & Witsch Verlag ist bereits sein Band mit Erzählungen Erhöhte Temperatur erschienen.
Die irren Fahrten des Gabriel Delacruz ist ein schwer zu erzählender Roman über vier Halbbrüder, die sich im erwachsenen Alter plötzlich auf die Suche nach ihrem Vater machen, den sie alle eine sehr lange Zeit nicht mehr gesehen haben. Alles beginnt damit, dass Cristofol eines Tages eine Benachrichtigung erhält, dass sein Vater schon seit einem Jahr spurlos verschwunden ist. Die Wohnungsverwaltung fragt bei ihm an, wie es mit der Wohnung und der ausstehenden Miete weitergehen soll. Cristofol ist völlig irritiert, schließlich hat er seit fast 30 Jahren nichts mehr von seinem Vater gehört. Er besucht die Wohnung und findet einen Zettel mit drei weiteren Namen und Adressen in Frankfurt, London und Paris. Er forscht nach und entdeckt, dass er noch 3 Halbbrüder in Europa hat. Er ermittelt sie alle und sie treffen in Barcelona zusammen. Und hier beginnt das Buch. Christof, der Deutsche, ist der älteste, dann kommt Christopher, der Brite, danach Christophe, der Franzose und zuletzt Christofol aus der Heimatstadt seines Vaters Barcelona. Sie alle stehen in der Zwischenzeit Mitten im Leben und haben ihren Vater nur als kleine Kinder kennengelernt. Ihre Mütter wussten nichts voneinander und haben die Situation einfach als gegeben hingenommen. Aber wer ist dieser Gabriel, der in vier Ländern vier Söhne mit dem gleichen Namen hat? Es entspinnt sich ein spannender Roman über einen Mann, der als Findelkind von Nonnen aufgezogen wurde und per Zufall Fahrer und Möbelpacker einer Speditionsfirma wurde. Er reiste mit seinem besten Freund Bundo und einem weiteren Kollegen quer durch Europa. Sie erleben einige Abenteuer und haben ihre ganz eigene Lebensphilosophie. Doch eines Tages ist damit plötzlich Schluss. Was ist passiert? Langsam aber sicher basteln sich die vier Chris die Geschichte ihres Vaters zusammen. Und plötzlich scheint es, als ob etwas Unheimliches in Gabriels Wohnung vor sich geht. Lebt er noch? Werden die vier Chris ihn finden? Und falls ja, welche Geschichte hat er zu erzählen?
Jordi Punti hat einen sehr unterhaltsamen und ungewöhnlichen Roman über einen charmanten Lebenskünstler geschrieben. Es ist ein Roman voller ungewöhnlicher Geschichten, und er spiegelt sehr schön die Geschichte Europas in den sechziger Jahren wieder. In Spanien herrscht der Diktator Franco, aber in Paris demonstrieren die Studenten. Und so ungewöhnlich wie das Leben von Gabriel war, so überraschend löst der Autor die Geschichte auf.
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Eine Geschichte von LiebeRezension vom 09.05.2013Dieses Buch fällt einem zuerst einmal auf, weil es optisch ganz anders als das Gros ist. Man nimmt es in die Hand. Der Titel sagt auch noch nicht wirklich was über das Buch aus. Dann der Autorenname Riikka Pulkkinen. Ist es ein Mann oder eine Frau? Und dann erst liest man den Klappentext und entscheidet sich für oder gegen dieses Buch.
Riikka Pulkkinen erzählt die Geschichte von Elsa einer Psychologin und ihrem Mann Martti, einem Maler. Und sie erzählt die Geschichte von Eeva, die Kindermädchen von Ella, der Tochter von Elsa und Martti war. Elsa hat Krebs und ist zum Sterben nach Hause gekommen. Unterstützung erhält sie durch ihre Familie. Denn sowohl ihre Tochter Eleonoora, genannt Ella als auch ihre eine Enkelin, Maria, sind Ärzte. An einem Nachmittag, als Anna, die andere Enkelin, sich um ihre kranke Großmutter kümmern soll, findet sie ein Kleid im Schrank ihrer Großmutter. Und plötzlich erzählt Elsa ihr von Eeva, der dieses Kleid gehört hat. Anna, die gerade selber eine unglückliche Liebesbeziehung hinter sich hat, ist geschockt und versucht ohne ihre Großeltern und ihre Mutter weiter zu befragen, etwas über Eeva herauszufinden. Und während dieser Suche findet sie auch gleichzeitig etwas über sich selbst heraus. Dazwischen kommen immer wieder Momentaufnahmen von Elsa, Martti und Eleonoora, die sich an Früher erinnern, die über ihr Leben und die Liebe nachdenken. Eingebettet in diese Momentaufnahmen sind die Erinnerungen von Eevi selber aus der Zeit von 1962 bis 1969. Gerade diese Zeit der sechziger Jahre hat die Autorin besonders schön eingefangen. Die Jahre, in der sich die Welt durch den Vietnamkrieg massiv verändert hat, sich neu erfunden hat.
Die Geschichten verschwimmen ineinander. Ist es wirklich Eeevas Geschichte, die sie selbst erzählt? Oder ist dies die Geschichte, die Anna sich ausdenkt, weil sie ihrer eigenen unglücklichen Liebesgeschichte ähnelt?
Dies ist ein schönes Buch. Dies ist ein nachdenkliches Buch. Ist es ein trauriges Buch? Doch, ich finde, es ist ein trauriges aber zeitgleich wunderschönes Buch. Und es ist ein philosophisches Buch, das zum Nachdenken anregt.
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Die Kraft der PuppenRezension vom 09.05.2013Eva Weaver ist eine in Deutschland geborene britische Autorin, die ursprünglich als Trauma- und Kunsttherapeutin gearbeitet hat. Bei diesem Hintergrund passt die Geschichte des Romans Jakobs Mantel hervorragend.
Denn Eva Weaver erzählt die Geschichte eines jungen Juden, der im Warschauer Ghetto die Menschen als Puppenspieler wenigstens kurzzeitig von ihrer Situation ablenkt. Mika hat ursprünglich mit seiner Mutter und seinem Großvater, einem allseits beliebten Universitätsprofessor, in guten Verhältnissen gelebt. An seinen Vater kann er sich kaum erinnern. Dann marschieren die Deutschen in Polen ein, und für die Juden verschlechtert sich die Lebenssituation dramatisch und endet erstmals 1940 im Warschauer Ghetto. Doch es wird noch schlimmer. Mikas Großvater wird von den Deutschen erschossen, als er einer Frau helfen will. Mika erbt seinen Mantel und macht in den diversen heimlichen Taschen des Mantels eine ungeheuerliche Entdeckung sein Großvater hat Puppen gebastelt. Mika ist davon fasziniert und entdeckt, dass er Talent als Puppenspieler hat. Erst führt er nur im kleinen Kreis Stücke auf, doch denn spricht sich sein Talent im Ghetto herum, und er spielt vor immer größerem Publikum. Eines Tages macht er einen Fehler, und plötzlich will der deutsche Wehrmachtssoldat Max, dass er für die Deutschen spielt. Mika ist entsetzt, kann dadurch aber auch etwas für die anderen Juden im Ghetto tun. Dies alles und noch viel mehr erzählt der alte Mika 2009 seinem Enkel Danny in New York als er ein Plakat entdeckt, das ein Puppenspiel über den Puppenspieler des Warschauer Ghettos ankündigt. Im zweiten Teil wird die Geschichte des Soldaten Max erzählt, nachdem Deutschland den Krieg verloren hat. Auch hier spielt wieder eine der Puppen aus dem Ghetto eine zentrale Rolle.
Eva Weaver hat eine unglaublich ergreifende Geschichte erzählt. Sie beschreibt das Grauen des Ghettos sehr genau. Unter diesen schrecklichen Lebensumständen muss Mika erwachsen werden. Er wächst wie viele andere Menschen in dieser Situation über sich hinaus. Dabei helfen ihm die Puppen. Und diese Puppen lenken die Menschen von ihrer Situation, ihrem Hunger, ihrer Angst ab. Sie geben ihnen einen kleinen Moment Glück und Normalität. Aber sie beschreibt nicht nur die Situation der Opfer, sondern sie beschreibt auch sehr genau, wie es dem deutschen Soldat ergeht. Und sie zeigt auf, wie schmal der Grat ist, auf dem sich die Menschen im 3. Reich bewegt haben. Grundsätzlich steht der Soldat Max hinter der Politik von Adolf Hitler, aber in Mika erkennt er einfach einen Jungen, der im Alter seines Sohnes ist. Und dieser Junge ist gar nicht so anders. Gleichzeitig zeigt sie auch auf, wie schwierig die Situation für die Kriegskinder und -enkel ist. Es dauert lange, bis die Menschen wirklich darüber sprechen können.
Ein großartiger und beeindruckender Roman über die Kraft der Menschen in Extremsituationen. Und es ist gleichzeitig auch ein versöhnlich stimmender Roman. Er hat mich ähnlich beeindruckt wie Der Junge im gestreiften Pyjama von John Boyne.























