Rezensent im Portrait

aus Hannover
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- lese und lese und lese....und trotzdem gibt es noch immer zu viele Bücher die ich nicht gelesen habe.
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Harry und der ErlöserRezension vom 19.06.2013Kurz vor Weihnachten wird ein Mitglied der Heilsarmee mitten in Oslo auf offener Strasse erschossen. Es gibt keinerlei Hinweise oder Indizien, wer der Täter ist oder warum diese Person ermordet wurde. Doch kurz danach wird klar, dass der Täter das falsche Opfer ausgewählt hatte, denn auf ein weiteres Mitglied der Heilsarmee wird mit derselben Waffe ein Anschlag verübt. Die Spuren führen zuerst nach Zagreb, doch von dort wieder zurück nach Oslo und man beginnt zu ahnen, dass auch in der Heilsarmee nicht alles eitel Sonnenschein zu sein scheint.
Harry Hole, Kriminalhauptkommissar, der die Trennung von Rakel, seiner großen Liebe, und deren Sohn Oleg nur mühsam zu verkraften schien, scheint dennoch langsam darüber hinweg zu kommen, ohne erneut dem Alkohol zu verfallen. Doch neue Unannehmlichkeiten sind im Anmarsch: Sein alter Chef Bjarne Mᴓller, der oft genug seine schützende Hand über Harry gehalten hat, wird nach Bergen versetzt und sein neuer Vorgesetzter, Gunnar Hagen, scheint ihm nicht allzu wohlgesonnen zu sein. Doch Harry kommt erstaunlich gut klar, was wohl auch an dem etwas tiefergehenden Flirt mit einer der Frauen aus der Heilsarmee zu liegen scheint.
'Der Erlöser' ist spannend wie alle bisherigen Harry Hole-Bücher mit einem erstaunlich stabilen Protagonisten, was seine Fans sicherlich freuen wird. Ebenso wie zuvor werden in diesem Band aktuelle gesellschaftliche Problemsituationen miteingeflochten, wenn auch nicht in der gewohnten Ausführlichkeit. Dennoch: Nichts scheint zu weit hergeholt, die Zusammenhänge wirken plausibel und glaubwürdig und auch das Ende um den Erlöser löst beim Lesenden eher Verständnis als Kopfschütteln aus. Jo Nesbᴓ ist mit dem neuen Band um seinen Helden wiederum ein wirklich gelungener Thriller geglückt und ich freue mich bereits auf das nächste noch zu lesende Buch. -
Empört Euch! Und dann?Rezension vom 10.06.2013Empört Euch! ist ein 15seitiger Aufruf gegen die Gleichgültigkeit, die in weiten Teilen unserer Gesellschaft grassiert. Der Autor, der sich zeit seines 93jährigen Lebens empört hat und auch Widerstand leistete, vermisst dies heute und fordert mit seiner kurzen Streitschrift seine MitbürgerInnen auf, sich auch heute zu entrüsten und einzusetzen ("Wenn man sich über etwas empört,..., wird man aktiv, stark und engagiert."). Er räumt ein, dass es in den jetzigen Zeiten schwieriger ist klar Stellung zu beziehen als im III. Reich, wo der Gegner offensichtlich war. Die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse sind komplexer, nicht jede scheinbar eindeutige Situation stellt sich als derart unstrittig heraus wie man es sich wünsche würde. Dennoch gibt es noch immer genügend Gelegenheiten die die Möglichkeit der Empörung bieten, wie Stéphane Hessel aufführt.
Ich habe mir wohl etwas zuviel von der Lektüre versprochen, denn Empörung allein bringt einen nicht automatisch weiter. Vielmehr erhoffte ich mir Impulse, wie ich und andere diese Empörung konstruktiv einsetzen könnten, sodass nicht nach der ersten Welle der Entrüstung gleich alles wieder verebbt. Wie könnte man die Aufregung nachhaltig kanalisieren? In Bahnen leiten um tatsächliche Veränderungen zu erreichen, ohne dass man gleich seinen Beruf und sein ganzes restliches Leben aufgeben muss? Fragen, die unmittelbar nach der Empörung kommen und noch immer nicht geklärt sind. -
Weihnachten nervt!Rezension vom 07.06.2013Oh ja, es nervt! Ende August, Anfang September kann man bereits Lebkuchen in den Supermärkten erwerben, keine vier Wochen später werden die ersten Lichterdekorationen aufgehängt. Und spätestens Ende Oktober beginnt die kaum noch erträgliche Weihnachtsmusikbeschallung. Grausam! Aber was, wenn es das alles nicht mehr gäbe? Flix' Hauptfigur wünscht sich nichts sehnlicher als das und siehe da! Manchmal können Wünsche tatsächlich in Erfüllung gehen. Doch machen sie dann auch wirklich glücklich? Zumindest dieser?
Flix zeigt treffsicher mit schönen kleinen :-) Übertreibungen die charakteristischen Nebenerscheinungsformen unserer heutigen Weihnachtszeit, die jedoch immer mehr dazu tendieren, zur Hauptsache zu werden. Man lächelt, 'Ja, genau, so ist es' und trifft immer weitere Beschreibungen, die einem ungemein bekannt vorkommen. Und auch der Lösung (Keine Weihnacht ist auch keine Lösung) dürften die Meisten vermutlich ebenfalls zustimmen, allein schon aus Happy-End-Gründen ;-)
So klein das Büchlein auch ist, so ist es doch eine richtige Erzählung. Die einzelnen Bilder sind recht klein gehalten (überwiegend drei oder vier auf einer Seite), so dass man bei ganzseitigem Format immerhin auf 85 Seiten gekommen wäre.
Eine wirklich schöne Geschenkidee (nicht nur) zu Weihnachten für Weihnachtshasser ;-) -
Wann ist man ein Verräter?Rezension vom 06.06.2013Erez Israel, 1947: Profus, 12 Jahre alt, hat mit zwei Freunden eine Untergrundorganisation gegründet, deren Ziel es ist, die Briten aus Israel zu vertreiben. Doch zufällig lernt er einen britischen Soldaten kennen den er immer wieder trifft, um sich gegenseitig hebräisch und englisch beizubringen. Profus' Sympathien für den Briten verwirren ihn: Es ist der Feind, ihn kann man nicht mögen, nein, man darf es nicht. Und so macht er sich vor, ihn nur zu treffen um ihn auszuhorchen.
Auch wenn durch das Alter des Protagonisten suggeriert wird, es handle sich um ein Kinderbuch, ist es wohl eher für Jugendliche und Erwachsene, denn erzählt wird es von Profus' Jahrzehnte später, der sein außergewöhnliches Interesse an Sprache, Worten und Wissen zum Beruf gemacht hat, was sich in der Schreibweise des Buches niederschlägt (beispielsweise wie er als 12jähriger überlegt, wie erschlagen, verschlagen, beschlagen und übereinanderschlagen zusammenhängen. Oder die 13seitige Beschreibung der Bibliothek seines Vaters, die wie eine Armee dargestellt wird - genial!). Trotz seiner durchaus altersgerechten Träume, Fragen und Interessen (die Untergrundorganisation baut ein U-Boot, das im Lavastrom nach London fahren und dort eine Bombe hochjagen soll ;-)), die mich stets auf's Neue schmunzeln ließen, stellt er sich immer wieder Fragen wie: Wann ist man ein Verräter? Wieso kann der britische Soldat nicht einfach bei uns am Tisch sitzen? Ganz beiläufig taucht auch das Grauen des III. Reiches auf: Wenn erwähnt wird, dass die Familien von Vater und Mutter von Hitler umgebracht wurden. Oder die Schicksale der Nachbarn, die eher am Rande erzählt werden, aber nichtsdestotrotz das Monströse dieser Zeit zeigen. So wechselt man von einer Stimmungslage in die nächste: Man hält bestürzt den Atem an, um dann eine Seite weiter über die Gedanken Profus' zu schmunzeln und im nächsten Kapitel herrliche Beschreibungen wie die über die Bibliothek zu lesen.
Unglaublich gut geschrieben und trotz des zeitweise sehr ernsten Themas einfach schön zu lesen - das war nicht mein letztes Buch von Amos Oz! -
Der Kampf ums LebenRezension vom 04.06.2013Mit 21 Jahren die Diagnose zu hören bekommen: Krebs, selten, aggressiv, metastasierend - sicherlich eine Horrorvorstellung für jeden. Sophie trifft dieses Schicksal, doch statt zu verzweifeln oder zu resignieren, nimmt sie auf ihre Art den Kampf gegen die Krankheit auf. Sie bewahrt sich ihre Fröhlichkeit und Lebensfreude, und den Verlust ihrer Haare nimmt sie als Gelegenheit, durch unterschiedlichste Perücken Facetten ihrer Persönlichkeit und ihrer Stimmungen auszuleben. Offen bis weit über die Schmerzgrenze hinaus berichtet sie von ihren Ängsten, Zweifeln und Befürchtungen, aber ebenso auch von der Bereicherung die die Krankheit für ihr Leben mit sich bringt.
Ein ungemein ehrliches, erschreckendes aber auch ausgesprochen Mut machendes Buch - nicht nur für an Krebs Erkrankte. Auch wenn es keine Lösung im Sinne von Heilung gibt (was auf Sophie nicht zutrifft), zeigt es, dass man das Leben dennoch genießen kann. Im Hier und Jetzt! -
Erschreckend nah an der Realität?Rezension vom 31.05.2013Nach einem Angriff einer amerikanischen Drohne auf eine Pilgerstätte im Irak, die Tausende von Menschenleben forderte, häufen sich scheinbare Terroranschläge in den USA. Die Rufe nach einer Aufrüstung des Militärs durch autonome Drohnen werden lauter und eine unbekannte Gruppe versucht unter allen Umständen und offenbar mit jeder erdenklichen Methode, eine Mittelbewilligung des amerikanischen Kongresses über mehrere Milliarden Dollar zu ihren Gunsten durchzudrücken. Doch während in der Öffentlichkeit noch über das Ob und ggf. Wie gestritten wird, ist die tatsächliche Entwicklung schon wesentlich weiter: Auf der Grundlage eines Algorithmus über Schwarmintelligenz der Weberameisen, die aggressivsten ihrer Art, wurde bereits eine ganze Armee von autonomen Drohnen erstellt - mit dem Ziel, Menschen zu vernichten. Und es funktioniert...
(IT)-Technische Fachausdrücke noch und nöcher - nach den ersten beiden Büchern DAEMON: Die Welt ist nur ein Spiel und DARKNET ist bei diesem Autor etwas anderes ja auch nicht zu erwarten gewesen. Doch hier wird das Umherwerfen solcher Spezial- und Sondertermini noch einmal in neue Dimensionen geführt (Ein Beispiel einer nicht ungewöhnlichen Seite: kinetischer Krieg, BIGOT-Liste, kompartmentalisiertes Geheimprojekt, CONUS-Angriffe). Aber selbst wenn man nur teilweise versteht worum es sich dabei handelt, tut es der Spannung keinen Abbruch. Denn obwohl sich die Geschichte um ein Thema dreht, mit dem Herr und Frau MüllerMeierSchulze normalerweise nichts zu tun haben, hat man doch ständig das Gefühl: Sooo unwahrscheinlich ist das doch alles nicht. Man steckt mitten drin in Verschwörungen bis in allerhöchste Ränge, wird mit den neuesten Abhörtechniken und Manipulationsmöglichkeiten von Social-Media konfrontiert, sodass wohl niemand ganz von Ansätzen von Paranoia verschont bleiben wird ;-)
Doch etwas Kritik bleibt: Manche Erklärungsversuche diverser Fachdetails kommen schlicht unglaubwürdig daher und die Liebesgeschichte ist wohl eher einer kommenden Verfilmung geschuldet ebenso wie das für mich etwas übertriebene Finale (das im Kino wahrscheinlich recht imposant daher kommt). Glücklicherweise gehen an diese Punkte nicht allzu viele Seiten verloren, so dass es alles in allem ein wirklich spannender Thriller ist. -
Spannend, aber fern jeglicher RealitätRezension vom 10.05.2013Bei den Vorbereitungen zu Abrissarbeiten eines heruntergekommenen Hauses entdecken Bauarbeiter im Keller einen halbverhungerten misshandelten Jungen, gefangen in einem Käfig aus Knochen. Alles deutet daraufhin, dass hier ein Ritual vollzogen werden sollte. Kommissar Phil Brennan und seine Partnerin Marina Esposito ermitteln gemeinsam, doch Phils Erkenntnis, dass dieser Fall in irgendeiner Form auch mit seiner Vergangenheit zu tun hat, erschwert die Zusammenarbeit außerordentlich.
Die Lektüre dieses Buches ist in mehr als einer Hinsicht haarsträubend. Haarsträubend wegen der Grausamkeiten, die man anhand der Entdeckung des kleinen Jungen mehr ahnt als weiß. Und haarsträubend aufgrund der Handlungen diverser Figuren dieses Thrillers. Ein leitender Polizeichef, der nach Gutdünken Leute suspendiert? MitarbeiterInnen, die ohne Widerstand sich alles gefallen lassen? Eine erfahrene Polizistin, die sehenden Auges ins Messer rennt? Das ist alles so an den Haaren herbeigezogen, dass mir das Lesen immer wieder verleidet wurde. Auch ist die Schreibweise der Autorin nicht unbedingt die beste. Immer wieder versucht sie, einen leicht 'philosophischen' Hintergrund über die Vergänglichkeit des Lebens einzubauen, doch leider wirkt das alles ziemlich aufgesetzt. Ich hätte sicherlich das Buch vorzeitig zur Seite gelegt, wenn, ja, wenn es nicht so spannend geblieben wäre. Trotz all dieser Unstimmigkeiten, Unlogiken, Unglaubwürdigkeiten wollte ich doch immer wissen: Wer steckt hinter all dem? Und was ist die Ursache für all die Geschehnisse? Durch viele Szenenwechsel, hin zu den Täter(n), dann zum Ermittler, weiter zum nächsten usw. entsteht zwar eine gewisse Hektik, doch ist diese dem Spannungsaufbau durchaus förderlich.
Alles zusammengenommen bleibt daher ein zwar spannender, aber ansonsten gerade noch mittelmäßiger Thriller, den man nicht unbedingt gelesen haben muss. -
VatersucheRezension vom 05.05.2013Vier Chris' aus verschiedenen Ländern sind auf der Suche nach ihrem Vater Gabriel - im wortwörtlichen wie im übertragenen Sinne. Jeden von ihnen (ebenso wie ihre Mütter) hat er vor vielen Jahren verlassen und keiner weiß Genaueres, was geschehen ist. Christòfol aus Spanien erfährt fast 30 Jahre nach der letzten gemeinsamen Zeit, dass sein Vater offiziell als vermisst gemeldet wurde. Zu seiner Überraschung stellt er fest, dass dieser die ganzen Jahre nicht allzu weit von ihm entfernt lebte und er noch drei Halbbrüder in Großbritannien, Frankreich und Deutschland hat, die offenbar alle nichts voneinander wissen. Christòfol nimmt Kontakt zu ihnen auf und nach einem ersten Treffen beschließen sie, das Leben ihres gemeinsamen Vaters zu rekonstruieren. Sie befragen ihre Mütter, machen alte Freunde ausfindig, Arbeitskollegen undundund. Nach und nach erhalten sie so das Bild eines Mannes, den Bindungen offenbar mehr schreckten als alles andere, der sie aber dennoch über alles zu lieben schien. Und zugleich scheinen sie eine Spur zu seinem jetzigen Leben gefunden zu haben So wie Gabriels Reisen als Fernfahrer ihn kreuz und quer durch halb Europa führten, so leiten einen die unterschiedlichen Geschichten durch die Zeiten seit den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit. Es erzählen die Söhne von ihrer Jugend und ihrem Leben, die Mütter über sich und ihre Zeit mit Gabriel, Arbeitskollegen und Freunde von ihren gemeinsamen Jahren und immer wieder gibt es Abstecher in die Gegenwart, wie weit die Recherchen gediehen sind. Die Sprache ist den jeweiligen Erzählenden angepasst, wobei die Unterschiede jedoch nicht allzu gravierend sind, so dass man sich beim Lesen nicht sehr umstellen muss. Lediglich die ständigen Zeit-, Orts- und Personenwechsel sind gelegentlich etwas verwirrend, führen aber auch zu steigender Spannung, da in besonderen Situationen natürlich ein Szenenwechsel erfolgt. Puntí schildert die verschiedenen Epochen in den unterschiedlichen Ländern sehr überzeugend und vermutlich auch recht realitätsgetreu (zumindest hatte es für mich den Anschein). Die Zeit der 68er in Paris, die revoltierenden Studenten, die Zeit der WGs; das Leben als Findelkind im früheren Spanien man hat die einzelnen Stationen gut vor Augen. Alles in allem ist das Buch nicht nur eine interessante Familiengeschichte, sondern ebenso eine Reise durch das noch junge Europa. Und ganz nebenbei wird klar: Die ersten wahren Europäer waren die Fernfahrer ;-) -
Verstörend und hoffnungsvoll zugleichRezension vom 24.04.2013Ich habe, glaube ich, noch nie ein Buch gelesen bei dem ich so oft darüber nachdachte: Was hat der Autor jetzt erfunden und was ist realistisch? Schon mal vorweg: Für die Menschen in Nordkorea hoffe ich, dass der fiktionale Teil deutlich überwiegt.
Johnsons Roman, der gerade erst den Pulitzerpreis erhalten hat, erzählt das Leben des Jungen Jun Do, der in einem Waisenhaus in Nordkorea aufwächst. Es ist ein überaus karges und hartes Leben, geprägt von Wilkür, immer (über)bewacht durch den Geliebten Führer Kim Jong Il. Die Menschen leben in ständiger Not und Angst, ein falsches Wort kann einen ins Arbeitslager bringen. Das Einzige was zählt, ist der absolute Glaube und die Hingabe an den nordkoreanischen Staat und seinen Geliebten Führer. Wer davon abweicht, zählt als Verräter. Doch Jun Do beginnt plötzlich andere Dinge zu entdecken, die für ihn von Bedeutung sind: Freundschaft, Vertrauen, Liebe.
Was dieses Buch so eindringlich macht, ist die detaillierte Beschreibung des Lebens in Nordkorea. Menschen werden nicht als eigenständige Subjekte angesehen, sondern sind nichts anderes als Objekte, mit denen der Geliebte Führer verfahren kann wie er möchte. Männer bekommen Frauen als Gattinnen zugewiesen, stirbt der Mann, bekommt sie einen Ersatzehemann. Liegen Gefangene im Sterben, wird ihnen zuvor noch ihr Blut für Blutkonserven abgezapft. Braucht man Leute für Ernteeinsätze, werden sie auf den Straßen 'gefangengenommen', auf LKWs verfrachtet und zum Arbeitsort gebracht. Nach ein, zwei Tagen sind sie wieder daheim. Denunzierte werden so lange gefoltert bis sie gestehen und landen dann im Arbeitslager oder werden durch Elektroschockeinsätze ihrer Vergangenheit beraubt. Schöne junge Frauen vom Land werden in die Stadt verschleppt, wo sie als Hostess arbeiten müssen oder einen Ehemann zugewiesen werden. Undundund - es gibt so viele solcher Beispiele und ständig spukte mir die Frage im Kopf herum: Ist das alles tatsächlich möglich? Auch wenn ich weiss, dass der Autor für dieses Buch sehr viel recherchierte (unter anderem auch vor Ort), kann ich mir noch immer nicht vorstellen, dass solch ein Ort tatsächlich existiert, an dem derartige Dinge möglich sind.
Und doch lässt einen die Lektüre nicht trostlos zurück: Jun Do findet nicht nur Menschen die ihm zur Seite stehen und helfen, er entdeckt Vertrauen - und die Liebe. Und nicht nur er: Auch Andere befallen Zweifel ob der Richtigkeit ihres Handelns, ihres ganzen Lebens. Und ziehen ihre Konsequenzen daraus.
Ein Buch, das lange nachwirkt!!












