Rezensent im Portrait

aus Göttingen

Gesamte Rezensionen
239 (ansehen)
Alter
40 Jahre
Im Beruf seit
1995

Meine Rezensionen

  • Das zweite Leben des Herrn Roos
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    Neues Spiel, neues Glück?!
    Rezension vom 24.10.2010
    Nach „Mensch ohne Hund“ und „Eine ganz andere Geschichte“ ist nun mit „Das zweite Leben des Herrn Roos“ der dritte Kriminalroman um den charismatischen Kommissar Gunnar Barbarotti erschienen. Diesmal ermittelt der leicht lädierte Barbarotti in einem Vermisstenfall: Ante Valdemar Roos, 59 Jahre alt, durchschnittlicher als jeder Durchschnittstyp, frustriert und abgehalftert, ändert in einer verspäteten Midlife-Crisis und dank eines verheimlichten Lotto-Gewinns sein Leben. Er wirft sein monotones Dasein von heute auf morgen über Bord, doch als er plötzlich verschwindet und dazu noch ein vermisstes Mädchen und ein Toter auf- bzw. abtreten, ist es Zeit für Gunnar Barbarotti zu ermitteln. Haakan Nesser schafft es erneut, einen hochspannenden Krimi zu präsentieren, der vor allem durch die wunderbare Beschreibung Valdemar Roos’ besticht, der zwar ein zweites Leben beginnt, seinem Schicksal aber nicht entrinnen kann. Einfach klasse!
  • Grabesgrün
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    Packender Irland-Thriller
    Rezension vom 24.10.2010
    Wenn schon der Ermittler (und Erzähler) Detective Ryan am Beginn dieses Kriminalromans einräumt, dass sein Verhältnis zur Wahrheit nicht immer ungetrübt ist, fragt man sich als Leser natürlich, worauf man sich dann in dem vorliegenden Fall - ein junges Mädchen wird ermordet und geschändet aufgefunden – überhaupt verlassen kann. Nicht nur aufgrund dieser immer wiederkehrenden Frage ist das Roman-Debüt "Grabesgrün" der Irin Tana French ein wirklich hervorragender Krimi. Die Zeichnung des Ermittlerduos, ihre zwischenmenschlichen Probleme und die Vergangenheit von Detective Ryan sind nicht nur interessantes Zwischenspiel, sondern machen das Besondere dieses Romans aus. Nicht zuletzt wird eine unglaubliche spannende Story erzählt, die sich – vor allem am Ende – jenseits der normalen Krimi-Konvention bewegt. Ein toller Irland-Krimi!
  • Flammenbrut
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    Interessanter Psychothriller
    Rezension vom 24.10.2010
    Dieser Psychothriller von Simon Beckett um eine junge Geschäftsfrau, die unbedingt ein Baby möchte und bei der künstlichen Befruchtung auf den falschen Vater/Spender setzt, lässt sich nur schwer mit den Hunter-Krimis, die Becketts Ruhm in Deutschland begründet haben, vergleichen. In „Flammenbrut“ steht nicht eine spannende Krimihandlung im Vordergrund, sondern Beckett legt mehr Wert darauf, psychologische (oder psychiatrische) Motivationen für menschliches (oder unmenschliches) Verhalten darzustellen. Es geschehen zwar Morde und Gewaltverbrechen, es stehen aber mehr die – sehr gut recherchierten – psychischen Vorraussetzungen der Taten im Vordergrund. Wer hier der Böse ist, ist eigentlich von vornherein klar, und gerade das macht den Reiz dieses Buches aus...
  • Vita Classica
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    Viva Classica!
    Rezension vom 24.10.2010
    Nach seinen eigenen Angaben ist Steffen Möller in Polen der zweitbekannteste Deutsche nach dem Papst. Mit seinem Besteller „Viva Polonia“ hat er uns die manchmal wunderlichen Eigenschaften von Polen und Deutschen näher gebracht. Jetzt nimmt er sich eines persönlichen Kuriosums an: seiner angebornen, unerschütterlichen Liebe zur klassischen Musik. Mit viel Witz und Augenzwinkern schildert Möller die Martyrien eines nicht geouteten Klassik-Fans in den 70er und 80er Jahren. Während Geschwister und Freunde der Pop- und Rock-Musik frönen, erfreut sich der jugendliche Steffen an Bruckner, Mahler oder Debussy. Steffen Möller gelingt nicht nur ein humorvolles Porträt seines Werdegangs vom Klassik-Liebhaber zum Kenner, sondern eröffnet auch dem Klassik-ungeübten Hörer und Leser interessante Einblicke in entfernte Welten. Ein Buch für Klassik-Rookies ebenso wir für Klassik-Junkies. Unterhaltsam und äußerst lesenswert!
  • Frankie Machine
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    Cooler Thriller!
    Rezension vom 24.10.2010
    Dass man von seiner Vergangenheit immer wieder eingeholt wird, muss der allseits beliebte Frank Machianno am eigenem Leib erfahren. Während der Rentner ein beschauliches Leben an den Stränden Kaliforniens führt, versucht ihn ein Unbekannter in eine Falle zu locken und zu töten. Doch da hat der Unbekannte die Rechnung ohne Frank Machianno gemacht. Denn Frank, der ob seiner präzisen und kompromisslosen Coolness als Mafia-Profi-Killer nur Frankie Machine genannt wird, weiß sich zu wehren und will nun die Auftraggeber finden. So wird der Gejagte zum Jäger. Um die Schuldigen zu finden, muss sich Frankie Machine aber zuerst mit seiner schmutzigen Vergangenheit auseinandersetzen... Don Winslow führt den Leser in die brutale Welt der US-amerikanischen Mafia jenseits aller „Der Pate“-Romantik. Dabei erinnert er in seiner gradlinigen Schreibweise und in der Beschreibung des ausgekochten Gentleman-Verbrechers Frankie Machine an beste Hard-boiled-Krimis à la Dashiell Hammett oder Richard Stark. Insgesamt ein hoch spannender, harter Krimi mit einem furiosen Showdown! Lesenswert!
  • Mein Leben als Mensch
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    Köstliche Unterhaltung
    Rezension vom 24.10.2010
    Nicht erst seit der Verfilmung von Jan Weilers Erzählung „Maria, ihm schmeckst nicht“ haben die Geschichten um seine Familie – und vor allem seinem kauzigen italienischen Schwiegervater Antonio – Kultstatus. Allen, die selbst nach „Antonio im Wunderland“ nicht genug bekommen können, sei dieses Buch wärmstens empfohlen: Hier gibt es Jan Weilers allerschönste Kolumnen endlich in Buchform – und also besonderer Bonus neue Antonio-Geschichten. Unvergesslich: Antonio mit Schwiegersohn im Elektro-Wunderland um einen Fernseher mit „Flakebild“ zu kaufen. Einfach beste Unterhaltung!
  • Angriff auf die Freiheit
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    Wichtiges Debattenbuch
    Rezension vom 24.10.2010
    Als ich dieses Buch gelesen habe, habe ich mich geärgert. Nein, nicht über das Buch oder gar die Thesen von Juli Zeh und Ilija Trojanow, sondern darüber, wie arglos wir - also ich selbst mit meinen persönlichen Daten umgehe. Und mit den persönlichen Daten beginnt erst die Spirale, an deren Ende die Freiheit in der demokratischen Grundordnung steht. Dass Zeh und Trojanow manchmal sehr grobschlächtig argumentieren, oft ihre Thesen nicht belegen und zuweilen m.E. den Bogen überspannen, tut diesem Buch keinen Abbruch. Allein aufzurütteln und das Bewusstsein zu schaffen, dass es die persönliche Freiheit nicht erst in Afghanistan, sondern am heimischen PC zu verteidigen gilt, ist das besondere Verdienst von Juli Zeh und Ilija Trojanow. Unbedingt lesen und mitdiskutieren.
  • Der Geschmack von Apfelkernen
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    Schöner Familienroman!
    Rezension vom 24.10.2010
    Auf den ersten Blick ist die Geschichte weder neu noch besonders spektakulär: Eine junge Frau, die seit langem ihr Eltern- bzw. Großelternhaus verlassen hat, erbt das Haus ihrer Großmutter Bertha. Die Rückkehr in das Haus wird für Iris zum Moment des Erinnerns und des Hervorholens von bereits vergessenen oder bewusst verdrängten Erlebnissen. Warum diese einfache Geschichte doch einen so großen Reiz ausübt und den Roman zu einem heimlichen Besteller gemacht hat, ist schon noch wenigen Seiten Lektüre zu beantworten: Zum einen ist es wirklich spannend zu lesen, wie sich Iris auf die Spuren der – durchaus drastischen - Familiengeheimnisse macht. Zum anderen ist es die elegante wie treffende sprachliche Gestaltung des Romans. Die wichtigste Komponente ist allerdings in der Hauptfigur Iris begründet, die - teils bieder, teils forsch – ein einfach wundervoller Charakter ist. Eine angenehme und lohnenswerte Lektüre.
  • Atemschaukel
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    Erschütternd und berührend!
    Rezension vom 24.10.2010
    Dieses Buch lediglich zu beschreiben, fällt auch dem geübten Leser schwer; es jedoch mit äußerstem Nachdruck zu empfehlen in keiner Weise. Ein junger Mann aus Siebenbürgen kommt 1945 ins russische Arbeitslager und erlebt dort die unvorstellbaren Schrecken der Deportation und des Lageralltags. Im Lichte seines Schicksals erzählt Herta Müller die Geschichte der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen unter der Herrschaft Stalins. Doch vor allem wie Herta Müller diese Geschichte erzählt, ist bemerkenswert: durch Zeitzeugenberichte entsteht ein authentisches und realistisches Bild, das aber gebrochen durch Müllers lyrische Sprache gleichsam poetisch aufgeladen und erschütternd wirkt. Ein in seiner Brutalität überwältigender und sprachlos machender Roman. Unbedingt lesen!
  • Brendels Fantasie
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    Feinsinnige, poetische Erzählung
    Rezension vom 24.10.2010
    Der todkranke Industrielle Höller hat einen Traum: im italienischen Castelnuovo möchte er Franz Schuberts „Wanderer-Fantasie“ aus dem Jahre 1822 in Perfektion aufführen lassen - und das von keinem Geringeren als dem österreichischen Starpianisten Alfred Brendel höchstpersönlich. Dass von diesem ebenso spinösen wie kostspieligen Unterfangen seine Familie nicht begeistert ist, versteht sich von selbst. Doch trotz seiner tödlichen Erkrankung brennt Höllers Leidenschaft für sein Vorhaben und er plant – unbeirrt von Rückschlägen – sein Vermächtnis. Dieser wunderbare Roman um die Liebe und Leidenschaft zur Musik und dem Streben, seine eigentliche Bestimmung zu finden, ist tieftraurig und zugleich erstaunlich amüsant - und wie eine Karikatur von Thomas Manns „Tod in Venedig“ zu lesen, an den der Roman ganz unweigerliche erinnert. Nicht nur Freunden der klassischen Musik sei dieser Roman sehr ans Herz gelegt.