Rezensent im Portrait
Eine Kundin / Ein Kunde aus St. Ingbert
- Gesamte Rezensionen
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Abgründe eines LehrersRezension vom 27.04.2012Als der Lehrer Schirner beim nächtlichen Spaziergang mit seinem Hund erstochen wird, löst dies im Lehrerkollegium, bei seinen Schüler und auch bei seiner Familie Entsetzen und Unverständis aus. Er war so ein beliebter und engagierter Lehrer, dass niemand diese Greueltat nachvollziehen oder gar verstehen kann.
Kommisar Brandt nimmt die Ermittlungen auf und stößt dabei auf eine Mauer des Schweigens. Er kann einfach nicht glauben, dass Schirner nichts zu verbergen hatte und nach langem Bohren bröckelt so langsam die Fassade des beliebten Schirner. Während der Ermittlungen tun sich weitere Abgründe auf, die den Leser erschaudern lassen. Und nachdem der Täter neben Schirner noch weitere Opfer ins Visier nimmt, zieht der Fall ungeahnte Kreise.
Auch in diesem Roman lässt Franz seine Leser tief in die abtrünnige Seele des Täters blicken und bringt düstere Fakten zum Vorschein, die schlichtweg Entsetzen auslösen. Nichts desto trotz kann ich den Täter sehr gut verstehen und seine Reaktionen absolut nachempfinden. Franz zeigt mal wieder, dass hinter der Fassade nichts ist wie es scheint.
Nicht so gut gefallen hat mir das Ende der Geschichte. Auch wenn es logisch ist und ab einem gewissen Punkt vorhersehbar - es ist trotzdem irgendwie offen geblieben. -
(Überlebens)grüße aus dem JenseitsRezension vom 27.04.2012Nachdem ihr Mann Gerry an einem Gehinrtumor stirbt ist Holly auf sich allein gestellt. Sie vergräbt sich nach diesem Schicksalsschlag in ihrem Schneckenhaus und der Kummer frisst sie innerlich auf. Sie kann und will Gerrys Tod nicht akzeptieren, denn der Plan war ein anderer: Sie wollten zusammenbleiben bis ans Ende ihres Lebens. Und das sollte verdammt nochmal nicht schon Ende zwanzig sein.
Doch das es für Holly nicht leicht sein wird hat Gerry bereits in seinen letzten Lebensmonaten kommen sehen. So hat er sich etwas überlegt, wie er ihr trotz dass er tot ist Stück für Stück zurück ins Leben helfen kann. Er hat ihr Briefe geschrieben, in welchen er sie auffordert Dinge zu tun, die sie wieder am Leben teilhaben lassen. Und zwar am Leben außerhalb ihrer Wohnung.
Auf diese Weise findet Holly tatsächlich schrittweise zurück ins Leben und beginnt wieder zu leben auch ohne Gerry.
Ich glaube es gibt keine Frau, die diese Geschicht um Holly und Gerry nicht kennt und schon gar keine, deren Augen beim Lesen trocken geblieben sind. Ich habe keine Ahnung was Cecelia Ahern auf eine solch rührende Geschichte gebracht hat, aber sie berührt sicherlich viele Menschen emotional. Mit viel Tiefgang und äußerst gefühlvoll und einfühlsam schildert sie Hollys Trauer um Gerrys Tod, wie sie jeglichen Lebenswillen und ihre Lebenskraft verliert und letztendlich dank Gerrys Hilfe wieder langsam den Weg zurück ins Leben findet. Ich konnte mich sehr gut in Hollys Lage hineinversetzen und habe geradezu mit ihr mitgefühlt. -
Reise in die VergangenheitRezension vom 27.04.2012Die Geschichte beginnt in Frankreich, wo der Revuetheaterbesitzer Georges Hofmann ins Arte Studio eingeladen und dort von der Fernsehjournalistin Valerie interviewt wird. Während des Gesprächs erzählt er eigentlich ungewollt von der Zeit des Nationalsozialismus und die verdrängten Erinnerungen kommen in ihm zum Vorschein.
Nach der Sendung wird ihm ein Umschlag zugespielt, auf dem lediglich das Wort Auschwitz steht und in dem sich eine noch nicht veröffentlichte Operette von Jacques Offenbach befindet. Valerie schlägt Georges vor, für ihn in Deutschland nach einem Käufer zu suchen und begibt sich auf die Reise.
Wenige Tage später ereignet sich im Sultans Imbiss am Frankfurter Mainufer ein Massaker: Fünf Menschen werden erschossen und vom Wirt fehlt jede Spur. Außerdem wurde Valerie entführt. Die Zeugin Eva Helberger hat alles beobachtet und auch der Polizei gemeldet die jedoch den Anruf zunächst nicht ernst nimmt.
Kommissar Marthaler nimmt die Ermittlungen auf, die ihn in die Zeit der NS-Verbrechen führen und ihm sowie dem Leser deutlich machen, dass diese Zeit längst noch keine abgeschlossene Vergangenheit ist.
Die Entwicklung der Geschichte hat mich äußerst positiv überrascht. Zunächst sind dem Leser die Zusammenhänge der unterschiedlichen und scheinbar voneinander unabhängigen Handlungsstränge noch nicht bewusst und es dauert auch fast bis zum Ende hin, bis die Parallelen sichtbar werden. Alles in allem ein äußerst gelungener Kriminalroman mit unerwarteten Wendungen. -
TodeskünstlerRezension vom 27.04.2012Wer sich auf den Klappentext verlässt und auf den Seelenbrecher wartet wird enttäuscht. Denn wie sich beim Lesen herausstellt, hat der Täter ganz andere Ambitionen als zusehen, wie ihre Augen brechen. Und auch in der Kurzbeschreibung wird leider nur ansatzweise auf die eigentliche Story eingegangen, wodurch bei mir falsche Erwartungen geweckt wurden.
Es geht um einen Serienmörder, der seine weiblichen Opfer scheinbar wahllos auswählt und in immer kürzeren Abständen zuschlägt. Die Profilerin Lena Peters unterstützt das Polizeiteam um Volker Drescher bei den Ermittlungen, wird dann allerdings nach nur kurzem Einsatz wieder gefeuert. Da sie der Fall nicht loslässt ermittelt sie auf eigene Faust weiter und erhält Unterstützung vom (ebenfalls) suspendierten Wulf Belling.
Die Story ist spannend geschrieben und in kurze Kapitel gegliedert, die sich recht zügig lesen lassen. Allerdings pendelt sich die Geschichte durch die recht schnell nacheinander passierenden Ereignisse auf einem Level ein, wodurch ein Spannungsaufbau der im Finale gipfelt nicht gegeben ist. Auch erscheint mir der ein oder andere Sprung (z.B. Lenas Besuch bei ihrer Vorgängerin in der Psychiatrie in Schottland oder ihr Überfall nachts in einer Gasse) etwas zu weit hergeholt. Auch das viel zu abrupte Ende und die Erklärung, warum auf einmal alles so schnell und reibungslos lief scheinen mir unglaubwürdig. -
Detailreich geschilderte Spion-AnwerbungRezension vom 27.04.2012CIA-Agent Rogers wird nach Beirut versetzt, wo er ein hohes Mitglied der Fatah als Spion abwerben soll. Jamal ist jedoch Diener vieler Herren und spielt sein eigenes Spiel. Nur langsam baut Rogers Kontakt zu Jamal auf und genau dieser Prozess ist Inhalt des gesamten Buchs.
Die Story ist wie immer bei Ignatius detailliert beschrieben und man erhält einen tiefen Einblick in die Spionagewelt. Jedoch kommt es mir in diesem Buch so vor, dass sich Ignatius ein wenig verzettelt hat und teils sind die Handlungsstränge nicht sauber herausgearbeitet, so dass es dem Leser der doch recht schweren Lektüre, hohe Konzentration abverlangt. Alles in allem ist die Geschichte trotz der äußerst interessanten Thematik kompliziert und teils zäh geschrieben. -
TotenbuchRezension vom 27.04.2012Wie bei bislang allen Büchern die ich von Joy Fielding gelesen habe, hat mich auch dieses wieder voll überzeugt.
Es spielt in der Kleinstadt Torrance in Süd-Florida, wohin es Sandy mit ihrer Familie auf Wunsch ihres Mannes Ian hinverschlagen hat. Doch kurz nach Ankunft verlässt dieser seine Familie wegen einer anderen Frau, mit der er schon vor ihrem Umzug eine Affäre begonnen hatte. So ist Sandy also dem Spot der ganzen Stadt ausgesetzt und muss zudem auch noch die Tochter von Ians Geliebter unterrichten. Dass die neue Heimat für Sandy nicht viel Gutes bereithält setzt sich im Laufe der Geschichte weiter fort. Ganz anders ergeht es ihrer Tochter und ihrem Sohn, die schnell Freunde finden und sich zum ersten Mal verlieben.
Getrübt wird diese Idylle als plötzlich junge Frauen verschwinden, die nach einer Weile tot im Sumpfgebiet aufgefunden werden. Schnell beherrschen Angst und Panik den Alltag der Bewohner und Sheriff Weber versucht alles um den Täter zu fassen.
Abwechselnd wird die Geschichte mal aus Täter- und Ermittlersicht geschildert und auch die anderen Protagonisten schildern die Ereignisse aus ihrer Sicht.
Das Ende war für mich völlig unerwartet und wird absolut grandios ausgebaut. Auch das Nachwort aus Tätersicht klärt die letzten noch offen gebliebenen Fragen. -
Morddrohungen im HochzeitsfieberRezension vom 27.04.2012Nach etlichen Beziehungsversuchen haben sich die Fitnesstrainerin Blair und der Polizist Wyatt zusammengerauft und wollen ihre Beziehung mit einer Eheschließung besiegeln. Da Wyatt den schnellen und unkomplizierten Weg via Vegas bevorzugt, bleiben Blair ganze 30 Tage eine Hochzeit nach ihrem Geschmack auszurichten, da sonst Wyatts Pläne realisiert werden.
Während sie also im Hochzeitsstress die ersten Einkäufe erledigt, wird sie nach der Shoppingtour von einem Wagen angefahren und verletzt. Zunächst gehen alle von einem Zufall aus und keiner glaubt ihr so recht, dass es jemand auf sie abgesehen hat. Bis sie wieder zu hause ist und der Verfolger sie telefonisch belästigt. Der Terror nimmt weiter zu und so langsam bekommt es Blair doch noch mit der Angst zu tun. Noch während sie sich von ihren Unfallverletzungen erholt und parallel die Hochzeit organisiert, schlägt der Täter wieder zu und steckt ihr Haus in Flammen. Ab diesem Moment ist auch Wyatt klar, dass Blair nicht paranoid ist...
Total überraschend war für mich am Ende zu erfahren, wer sich hinter dem Täter verbirgt. Denn während des ganzen Buchs waren keine Hinweise zu finden. Und trotzdem hat am Ende alles einen Sinn ergeben.
Weniger gut gefallen hat mir, dass es in dem Buch neben dem Stalking fast ausschließlich um Blairs und Wyatts Sexleben geht. Linda Howard mag ja erotisch schreiben, doch ich kann nicht verstehen, wie man nach einem Mordanschlag noch Sexgelüste verspürt. -
Doch wer ist der Puppenspieler?Rezension vom 27.04.2012Issa, ein tschetschenischer Moslem, flüchtet sich nach Deutschland, wo ihn eine türkische Familie aufnimmt. Diese stellt für ihn Kontakt zu einer jungen Flüchtlingshilfswerk-Anwältin Annabelle her, die ihm dabei hilft, sein ihm zustehendes Geld aus Kriegsgeschäften seines Vaters vom Bankhaus Frères zu beschaffen, damit er das geplante Medizinstudium in Deutschland aufnehmen kann.
Dadurch werden beim Bankier Brue alte Wunden aufgerissen, denn die sog. Lippizaner-Konten rühren aus dubiosen Bankgeschäften, die sein Vater mit ausländischen Geldwäschern zu Zeiten des Kalten Krieges abgewickelt und in die er selbst nie involviert war. Doch damit nicht genug. Aufgrund seiner Herkunft und seiner umständlichen Einreise nach Deutschland ist der Geheimdienst auf Issa aufmerksam geworden und beobachtet ihn. Dies hat auch für seine Kontaktpersonen in Deutschland verheerende Folgen, denn auch sie geraten ins Visier der Terrorfahnder.
Auch wenn der Autor und ehemalige MI5-Agent in seiner Heimat in England regelrecht gefeiert und über den grünen Klee gelobt wird, so kann ich diese Euphorie nicht ganz nachvollziehen. Mich hat sein Werk Marionetten nicht gerade bedingungslos überzeugt. Das mag vielleicht aber auch daran liegen, dass mich der Kalte Krieg und die damit einhergegangenen Folgen noch nie sehr interessiert haben. Und dieses geschichtliche Ereignis kam bisweilen häufiger und intensiver in der Geschichte vor als die angekündigten Folgen des 11. September.
Weiterhin ist das Buch sprachlich eine wahre Herausforderung. Es ist inhaltlich sehr anspruchsvoll geschrieben, setzt einiges an geschichtlichem Wissen und bilateralen Beziehungen voraus, so dass man sich darauf konzentrieren muss, um es vollends zu verstehen.
Am Ende gibt es nur Verlierer, die trotz des Gefühls eigenständig zu handeln, letztendlich Marionetten und somit für den (nicht existierenden) Puppenspieler durchschaubar waren. -
Wirklich machtlosRezension vom 27.04.2012Dieser Thriller hat sich seinen Titel wahrhaft verdient. Die Story dreht sich um Valerie Weymann, die auf dem Weg zu einem Geschäftstermin an der Passkontrolle am Flughafen wegen Terrorverdachts verhaftet wird. Nach etlichen Verhören mit nicht immer ganz sauberen Methoden wird sie ins Ausland gebracht, wo sie unter Folter von ihren Peinigern zur Aussage gezwungen wird. Ihre Familie versucht derweil ihre Spur zu verfolgen und herauszufinden, was passiert ist. Doch die Mauer des Schweigens der Behörden verhindert geschickt die Wahrheitsfindung.
Alex Berg hat es geschafft, den Leser mit dieser Story zu fesseln. Ich konnte mich sehr gut in die Rolle der Protagonistin hineinversetzen und die Machtlosigkeit springt geradezu auf den Leser über. Es ist erschreckend mit welchen Methoden im Verborgenen vorgegangen wird, nur um die Wahrheit aus einem Mensch herauszubekommen. Und auch in Nachrichtendienstkreisen gilt: man weiß nie, wem man vertrauen kann und welche Spiele parallel gespielt werden.
Die Idee der Story, nämlich dass eine Unschuldige nur aufgrund von Verstrickungen unglücklicher Zufälle unter Terrorverdacht gestellt und entsprechend abschätzig behandelt wird, ist brandaktuell und lässt einen eiskalt erschaudern. Ein Politthriller der Gänsehautfeeling garantiert! -
Ex-Profiler jagt MonsterRezension vom 27.04.2012Eigentlich ist Agent Steve Dark bei der Special Circumstances Division ausgestiegen, nachdem das von ihm gejagte Level 26-Monster Sqweegel seine (Pflege)familie ausgelöscht hat. Doch der Verteidigungsminister will ihn zurück auf dem Spielfeld haben und so setzt er Darks ehemaligen Vorgesetzten Riggins ein Ultimatum: Entweder er bringt Dark dazu die Jagd auf Sqweegel zum Abschluss zu bringen oder Riggins ist ein toter Mann. Auch Sqweegel will Dark zurück auf dem Spielfeld sehen und durch einen Einbruch in Darks Haus gewinnt er dessen ungeteilte Aufmerksamkeit und hat sein Ziel erreicht: Dark begibt sich zusammen mit Riggins und Constance auf die Jagd nach Sqweegel.
Im Klappentext (und auch im Buch) wird ein Level 26-Täter als DAS schrecklichste Monster überhaupt beschrieben, das jeden zum Opfer macht und dabei keinem bestimmten Muster folgt. Jedoch hat Sqweegel ein Motiv: moralische Rechtschaffenheit. Und damit folgt es meines Erachtens doch einem Muster: So tötet Sqweegel zwar überall und jeden, der seiner Moralvorstellung nicht entspricht, doch wie viele Menschen er auf dem Gewissen hat und wer sich genau hinter der Kreatur versteckt bleibt bis zuletzt offen. So auch die Frage, wieso er Darks Pflegefamilie ausgelöscht hat?
Kurios wird es dann, als er nach all den wahllosen Morden plötzlich nach Plan mit Ansage zu morden beginnt, indem er den Behörden einen Rätsel-Reim zuspielt, in dem er seine Taten ankündigt. Dabei steckt hinter jeder Zeile eine Bedeutung, die es zu entschlüsseln gilt.
Gejagt wird das Monster von Steve Dark. Dieser wird als DER Profiler schlechthin beschrieben, der sich in die Lage des Gejagten hineinversetzt. Dieses (angeblich) professionelle Profiling war für mich jedoch leider nicht erkennbar. Lediglich gegen Ende hin findet sich Dark kurzzeitig in Sqweegels Kopf hinein und nimmt mit nicht zu vernachlässigender Hilfe von Constance seine Fährte auf.
Die Jagd nach Sqweegel wird abwechselnd aus den Perspektiven der Hauptprotagonisten erzählt und da vor jedem Kapitel nur der Ort des Geschehens steht dauert es meist ein paar Zeilen bis dem Leser klar ist, aus wessen Perspektive gerade berichtet wird. Denn bisweilen sind die Ortsangaben auch irreführend.
Als super schrecklich habe ich die Beschreibung des Monsters (mal ganz zu schweigen von dem albernen Aussehen in den Filmchen) nicht empfunden. Die auf dem Klappentext angekündigte schreckliche Bedrohung war für mich eher eine gewöhnliche Jagd nach einem Psychopaten. Denn zu viel ist bereits unter anderem durch Sqweegels Erzählsicht vorweggenommen und sonderliche Spannung habe ich beim Lesen nicht empfunden.
Durch die multimediale Aufmachung ist zwar der Gedanke einer neuen Welt des Lesens und Erlebens einer Geschichte geschaffen, doch ich hatte mir wesentlich mehr davon versprochen. Die Ankündigungen auf dem Klappentext und die dadurch bei mir geweckten Erwartungen wurden bei weitem nicht erfüllt.













