Rezensent im Portrait

aus Oberösterreich
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Vorschlag für eine Neue WeltordnungRezension vom 10.09.2008Zusammen mit Nostradamus gesammelten Prophezeiungen war Samuel Philips Huntingtons "Kampf der Kulturen" eines jener Bücher, die im Zuge von 9/11 im unsicheren Klima des angebrochenen Jahrtausends Bestsellerstatus erlangten. Dabei wussten die wenigsten Leser dass Huntingtons Analyse der weltpolitischen Lage einem 1993 entstandenen Artikel für das hoch angesehene US-Magazin Foreign Affairs, dem konservativeren Gegenstück zur französischen Le Monde, entstammt. Als Reaktion auf das Feedback zu diesem Artikel begann Huntington seinen Artikel zum Buch auszubauen, die Theorien zu vertiefen und weil er ja als Berater des Außenministeriums galt, genoss das Buch sehr schnell große Anerkennung, wie es auch verteufelt wurde. Nun, Huntingtons Prophezeiungen haben sich bisher nicht erfüllt, die Stimmen welche US-Politikern und Thinktanks Kalten Krieg-Denkweisen vorwerfen sind lauter geworden.
Ursprünglich schrieb Huntington von einem "Clash of Civilisations?", ließ dann aber das Fragezeichen wegfallen und in deutscher Lizenzübersetzung wurde aus dem Zusammenprall der Zivilisationen ein Kampf der Kulturen. Doch so sehr sich Huntingtons Artikel seit 1993 durch Buch und Übersetzung verändert hat, so sehr hat sich auch die Welt verändert. Der Kampf der Kulturen ist lange vor der Jahrtausendwende entstanden, lange vor steigenden Ölpreisen und Rohstoffverknappungsängsten, Huntington konnte das nicht wissen, seine Theorien gehen daher von einer Weltordnung aus, die von der Euphorie des Friedens nach dem Kalten Krieg getragen wird, in der die Nationen keine größeren Probleme haben, als ihre kulturelle Homogenität und Zivilisation durch andere Religionen bedroht zu sehen, denn an der Religion verläuft laut Huntington die Hauptverwerfung im Kampf der Kulturen. Rückblickend wirken Theorien, wie die Kernstaatenthese zwar ideal, um sich Achsen des Bösen zusammenzuschustern und den Irak als Hort der Al Qaida anzugreifen, doch hoffnungslos veraltet und in Cold-War-Denkmustern verhaftet. Die Aufteilung der Welt in nun regionale Machtzentren und deren Einflusssphären, mit Konflikten an Überschneidungszonen, mag da als ideales Beispiel dienen.
Es ist nicht nur eine gewisse Naivität an Huntington, die von kulturellen und zivilisatorischen Standpunkten ein friedliches Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Regionen in Frage stellt, sondern auch die verschwiegene Implikation eines tiefgehenden WASP-Rassismus, der mitschwingt, aber erst in Huntingtons neuerem Werk "Who are we" zur Geltung kommt. Die USA sollen sich mehr an das kulturell und zivilisatorisch ähnliche Europa annähern, Europa jedoch die Führungskompetenzen der USA anerkennen und sich unterordnen. Im Falle der EU müsste das zu einem Ausschluss von Griechenland und Rumänien führen, da diese als mehrheitlich orthodoxe Staaten in einer Huntingtonschen Weltordnung keinen Platz in "Europa" hätten. Worte wie Überfremdung, ethnische Homogenisierung und Säuberung kennt Huntington anscheinend nicht, lässt Lesern aber die Möglichkeit offen, diese im Einklang mit seinen veralteten Theorien als legitim anzusehen. In den USA sieht Huntington die Ordnung durch die Zuwanderung der Latinos bedroht, dieser würden auf absehbare Zeit zur dominierenden ethnischen Gruppe im Lande werden und in seinem abschließenden fiktiven Szenario unterstellt er ihnen wenig diskret Unpatriotismus, liberale Denkweisen und Sezessionsabsichten, sollten sie Bundesstaaten durch Mehrheitsverhältnisse dominieren.
Fazit:
Veraltete Theorien, in irreführender Übersetzung, die schlicht und einfach zu sehr in Denkmustern des Kalten Krieges verhaftet sind. Dennoch ein Werk das man nicht nur gelesen, sondern auch darüber nachgedacht haben sollte.
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Der ultimative HitchhikerRezension vom 10.09.2008Arthur Dent wacht eines Morgens auf, nur um festzustellen, dass sein Haus gerade davorsteht einer Umfahrungsstraße zu weichen. Die Debatten mit dem Bauleiter bringen wenig und doch sind Arthurs Probleme an diesem Tag eher unbedeutend, denn wenig später ist es die gesamte Erde die einer Umfahrungsstraße weichen soll. Mit seinem Freund Ford Prefect, der sich plötzlich als Reisejournalist des Hitchhikers Guide to the Galaxy entpuppt, beginnt für Arthur eine unglaubliche Weltraumodyssee als sie auf einem Raumschiff der Bauflotte entkommen...
Doch obwohl The Hitchhikers Guide to the Universe zum Kultklassiker geworden ist und auch als Weltliteratur bezeichnet wird, das Buch an sich ist unvollständig. Sein Ende wurde etwa von Douglas Adams nach mehrfach überschrittener Deadline zwischen einem Telefonat mit seinem Verleger und der Ankunft des Boten verfasst. Natürlich stört das kaum einen Leser, auch weil die fehlenden Kapitel später als "The Restaurant at the End of the Universe" veröffentlicht wurden und dem Hitchhiker damit sein rechtmäßiges Ende verleihten.
Heute ist die Hitchhiker als Trilogie in fünf Teilen bekannt, der ein sehr seltsamer Kanon zu Grunde liegt. Schloss das Restaurant noch den Hitchhiker ab, war "Life, the Universe and Everything" bereits eher eine Fortsetzung, welche jedoch noch teilweise den Stil und die Atmosphäre des Hitchhikers weiterführen könnte und somit die Trilogie abschloss. "So long, and thanks for all the fish" wirkte dabei eher wie ein Anhängsel der Hitchhiker-Saga und brachte nur kurz eine Rückkehr bekannter Charaktere, während des Buchs von einer Love Story auf der plötzlich wiederauferstandenen Erde geprägt war. Douglas Adams selbst weißt im Buch darauf hin, dass man vielleicht gleich bis zu den letzten Kapiteln vorblättern sollte, da dort wieder Marvin und Ford vorkommen. Wohl auch wegen diesem irritierenden vierten Band, wollte Adams die Hitchhiker-Saga mit Mostly Harmless ein und für allemal beenden. Was er bereits mit dem eigentlichen Hitchhiker beenden wollte, endet daher im fünften Teil der Trilogie, jedoch eher verworren und zwischen den Dimensionen hin und hergerissen.
Insgesamt ist die Hitchhiker-Saga jedoch ein Meisterwerk, eine hochklassige Science Fiction-Parodie mit eigener Philosophie. Unkonventionell gelingt es Douglas Adams jede Ernsthaftigkeit zu vermeiden und mit viel Witz die Galaxis zu erklären. Dabei verzichtet er betont auf echte Helden, Arthur Dent bleibt etwa durch und durch ganz gewöhnlich. Die Handlung verläuft unberechenbar und ist von Wendungen gezeichnet, die völlig unwahrscheinlich wirken, den Leser aber intellektuell stets herausfordern.
In vorliegender Ausgabe ist die Hitchhiker-Saga vollständig in einem Band zusammengefasst, im Gegensatz zu manch anderen Sammelbänden aber ohne die Kurzgeschichten "Young Zaphod plays it safe". Diese ist jedoch ohnehin in Salmon of Doubt, dem offiziellen Nachlassband des Autors, enthalten. Rein preislich liegt diese Ausgabe relativ günstig und unter mancher Konkurrenz, wobei sie sich durch ein handlicheres Format und geringeres Gewicht hervortut.
Fazit:
Schlicht und einfach, der ideale Hitchhiker-Sammelband - günstig, einigermaßen handlich und natürlich vollständig. -
Die Prequel-TrilogieRezension vom 10.09.2008Die Bücher zum Film sind meistens schneller - so könnte es einem vorkommen, wenn schon das Buch vor dem Film erscheint und jetzt auch noch, bevor die Prequel-Trilogie in einer Sammelbox erhältlich ist, die Bücher zu den Filmen bereits in einem Sammelband vorliegen. Zum gebotenen Preis ein wahres Schnäppchen und vor allem für Fans interessant, die bisher wenig mit dem Merchandising des Expanded Universe zu tun hatten. Der Sammelband zur Prequel-Trilogie kann Geschmack auf mehr machen, denn 2 der Autoren, R. A. Salvatore und Matthew Stover haben auch Star Wars-Romane außerhalb der Filmhandlung vorgelegt.
Für sich genommen sind die einzelnen Bücher hervorragende Romanadaption, die sich in Stil und Extras sehr stark unterscheiden. Terry Brooks konnte in Episode 1 eine wohl sehr frühe Drehbuchversion als Ausgang für sein Buch benutzen, man merkt das sehr gut an einigen Extraszenen, über Anakins Leben auf Tatooine, bevor die Jedi dort eintreffen. Stilistisch ist das Buch gut, aber nicht überraschend, Macht und Gedankenwelt der Charaktere werden eher außen vor gelassen. R. A. Salvatore, der mit Vector Prime sein bisher einziges und eher weniger gut aufgenommenes Buch im erweiterten Star Wars-Universum geschrieben hat, scheint kaum Bonusszenen vorlegen zu können, versucht sich aber mehr in die Gedankenwelt und Randbemerkungen zu flüchten, etwas das ihm an und für sich gelingt, aber nicht an das Niveau Matthew Stovers herankommt. Stover, der als einer der besten Star Wars-Autoren gehandelt wird, hat mit Traitor, Shatterpoint und Shadows of Mindor seinen Ruhm begründet, der vor allem darauf zurückgeht, dass er es nicht nur versteht seinen Charakteren eigene Gedanken einzuhauchen, sondern auch die Story lebendiger zu machen, während er gleichzeitig mit einem neuartigen und interessanten Verständnis der Macht hantiert.Was Stover mit der Romanadaption von Episode 3 geschafft hat, kann sich sehen lassen und hebt ihn unter seinen beiden Kollegen ab, es ist der Film, aber zugleich mehr und um Nuancen reicher, ja vielleicht sogar eine völlig andere Dimension der Handlung.
Fazit:
Ein Sammelband für Fans der Filme, welche die Einzelbände bisher noch nicht besitzen, aber nach verlgeichsweise günstigen Möglichkeiten suchen, an diese zu kommen. -
Eine etwas andere Sicht auf das Leben des KronprinzenRezension vom 10.09.2008Mit Kronprinzen haben die Menschen seit jeher große Hoffnungen verbunden, auch wenn diese nicht immer erfüllt wurden. In gewisser Weise kann man das auch über die Kronprinzen Rudolf und Franz Ferdinand sagen, beide wurden auf ihre jeweils ihre Art Opfer beim langsam voranschreitenden Zerfall der Monarchie. Im Gegensatz zu Franz Ferdinand dessen Ermordung in Sarajewo als unmittelbarer Auftakt des Ersten Weltkriegs und dem Todesstoss für Österreich-Ungarn gesehen werden kann, war Rudolfs Selbstmord eine persönlich gezogene Konsequenz aus jenen Entwicklungen, welche den Grundstein für den Untergang der Donaumonarchie gelegt haben.
Der Mythos Mayerling hat seit jeher für wilde Spekulationen gesorgt, auch wenn die Beweise klar dafür sprechen, dass Rudolf zuerst Mary Vetsera und dann sich selbst erschossen hat. Doch der Weg nach Mayerling, Rudolfs Lebensweg und der abschließende Grund für seinen Selbstmord sind weit faszinierender als alle Verschwörungstheorien. Ohne Zweifel, der Kronprinz war einer der begabtesten Habsburger, wenngleich sein Mythos von angeblicher Drogensucht und Krankheit überschattet wird. Katrin Unterreiner hat mit ihrer Rudolf-Biografie den Versuch unternommen, einige der gängigen Rudolf-Mythen ins rechte Licht zu rücken, wie dass der Kronprinz nicht mehr Drogen konsumiert hat, als andere Angehörige des Kaiserhauses und in seiner Kindheit ein sehr gut entwickeltes, aufgewecktes, statt schwächlich, schüchternes Kind war.
"Die Frage, ob Rudolf zu Recht als die große Hoffnung für die Zukunft der österreichisch-ungarischen Monarchie angesehen wurde und wird, ist aus Sicht einer Historikerin zwar obsolet, eines darf dabei jedoch nicht vergessen werden: Auch wenn Rudolfs politische Visionen heute als zukunftsweisend angesehen werden können, so darf man diese nicht isoliert betrachten. Abgesehen davon, dass es fraglich ist, ob selbst Rudolf die verkrusteten Strukturen so schnell hätte verändern können, bleibt die Tatsache, dass die politische Entwicklung der Zeit in eine völlig andere Richtung ging. Selbst ein Kaiser Rudolf hätte den aufflammenden Nationalismus nicht ignorieren und negieren können, der schließlich zum Ende der Monarchie führte. So kann Rudolfs Selbstmord nicht nur als persönliches Scheitern des Kronprinzen angesehen werden, sondern als Vorbote des Zerfalls des Habsburgerreiches. Rudolf hatte die Probleme des Staates erkannt und war daran zerbrochen, den Untergang sehend, nichts verändern zu können." (Auszug aus dem Epilog, S. 243)
Den Vergleich mit der umfassenderen Rudolf-Biografie Brigitte Hamanns braucht Karin Unterreiner nicht zu scheuen. Im Gegensatz zu Hamann beschränkt sie sich auf die Erzählung der Geschichte und lässt die Analyse politischer Strömungen außen vor, werden diese doch auch von Hamann trotz des Anspruchs nur ungenügend beleuchtet. Im Gegenteil, die Geschichte ist flüssiger und weniger episodenhaft. Trotz der Kürze liegt die Besonderheit von Katrin Unterreiners Biografie darin sich von der Masse andere Publikationen abzuheben und fundiert so manche einfach hingestellte Aussagen zu relativieren.
Fazit:
Eine zutiefst beeindruckende Biografie des Kronprinzen, die durch aktuelle Forschungsergebnisse und neue Ansichten besticht.
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Der Beginn der Clone WarsRezension vom 10.09.2008War der Comic zu Episode 1 ein Vorgeschmack auf das Star Wars Revival, so kann man Episode 2 als den großen Knall betrachten, mit dem noch einmal eins nachgelegt wurde, nicht zuletzt durch die Auswahl der Zeichner Jan Duurseema. Duursema diese "Ehre" zukommen zu lassen, war rückblickend für viele Fans wohl die richtige Entscheidungen, die Zeichnungen sind hochkarätig, farbenprächtig und detailreich. Duursemas Stil ist dem des Zeichners von Episode 1 ganz klar überlegen.
Das Interessante am Episode 2 Comic ist nicht nur, dass er symptomatisch als Beginn der Clone Wars angesehen werden kann, sondern auch das sich sein Zeichenstil durch Jan Duursema auf viele der folgenden Comics mitübertragen hat, die Kontinuität bleibt so gewahrt. Für die Fans war der Comic umso interessanter, weil er im Grunde schon vor dem Filmstart veröffentlicht wurde und so die Wartezeit des legendären Line-ups angenehm überbrücken konnte. Wie das Buch basiert auch der Comic allerdings auf einer frühen Version des Drehbuchs, enthält also Szenen die später nicht ganz so in den Film übernommen wurden. Markantestes Beispiel, Padmes erneute Rede vor dem Senat und Dookus Duell mit Yoda, mit 2 Lichtschwertern! Zumindest die Senatsrede gibt es auf der DVD-Fassung des Films unter den entfallenen Szenen, aber einen Zweischwertkampf Yoda konnte Count Dooku in der Filmfassung dann wohl leider doch nie führen.
Fazit:
Schade, um so manche entfallene Szene, ein brillant gezeichneter und für den Fan unverzichtbarer Comic.
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Retrospektiv ein gelungener VorgeschmackRezension vom 10.09.2008Als mit Episode 1 Phantom Menace 1999 Star Wars zurück in die Kinos kam, um Darth Vaders Werdegang zu offenbaren, waren die meisten alten Fans irritiert und sogar mancher enttäuscht, gab es nun doch bis auf Obi-Wan und Yoda völlig neue Helden in einer nur geringfügig erwachsener gewordenen Saga, die mit spektakulären Animationen aufzuwarten verstand. Doch was schon mit dem Videospiel- und Multimedia-Projekt Shadows of the Empire erprobt wurde, fand nun seinen großartigen Anfang, das Star Wars Universum wurde mit zahlreichen neuen Comics, Büchern und Spielen wiederbelebt.
Der Episode 1 Comic war schon bereits sehr schön illustriert eine schöne Abwechslung zu vorigen Comicreihen wie Dark Empire, in deren Zeichenstil viele Details leider untergingen. 1:1 wurde die Story übernommen, ist jedoch durch den begrenzten Umfang klarerweise auch kürzer als Storyboardzeichnungen und kommt dem Leser daher schon etwas zu kurz vor. Jede einzelne Szene ist allerdings sehr detailliert gezeichnet und doch auf das Wichtigste beschränkt in die Comicadaption aufgenommen worden. Diese besondere Detailtreue konnte jedoch nur erreicht werden, indem man das im Film als überlang empfundene Podrennen auf wenigen Seiten zurechtpressen musste, um nicht die Qualität des restlichen Comics unter diesem leiden zu lassen.
In Deutschland vom Panini Verlag als Sonderband veröffentlich ist Episode 1 als Comic zumindest aus deutscher Sicht, der Beginn eines neuen Zeitalters für Star Wars-Fans. In Amerika war es Dark Horse, wo Star Wars mit Episode 1 wiederbelebt wurde und die Republic-Comicreihe mit später über 80 Bänden ihren Anfang nahm.
Fazit:
Ein Band den man als Star Wars Fan und Nostalgiker, also Sammler, auf jeden Fall in irgendeiner Ausgabe besitzen sollte.









