BuchhändlerInnen im Portrait

Top 100 Rezensent
aus Hamburg

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Über mich
liebe es, mich von Büchern aus der Gegenwart entführen zu lassen. Dabei ist es mir egal, ob es historische, literarische oder unterhaltsame Romane sind.
Alter
50 Jahre
Abteilung
Belletristik (Romane, Krimis, Historische)
Funktion
Abteilungsleiterin
Lieblingsautoren
Marian Keyes, Rebecca Gablé, Judith Lennox, Edward Rutherfurd, Cathy Kelly, Sheila O'Flanagan
An meinem Beruf gefällt mir
Ich liebe es neue Autoren zu entdecken und diese Entdeckungen an meine Kunden weiterzugeben. Ebenso liebe ich den Austausch mit meinen Kunden.
Im Beruf seit
1982
Das beste Buch aller Zeiten
Edward Rutherfurd, Sarum
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Meine Favoriten

Meine Rezensionen

  • Solange am Himmel Sterne stehen
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    Die unglaubliche Liebe von Rose und Jacob
    Rezension vom 23.04.2013
    Dies ist der erste ins Deutsche übersetzte Roman der Amerikanerin Kristin Harmel. Der Buchumschlag ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, macht aber Sinn, wenn man das Buch gelesen hat. Auf den beiden Innenseiten des Einbands wird dieses Buch von einigen Mitarbeitern des Blanvalet Verlags geradezu mit Superlativen überhäuft. Eine Kritik verglich dieses Buch sogar mit „Die Bücherdiebin“, „Drachenläufer“ und „Zwei an einem Tag“. Da ich zwei von diesen Büchern selber gelesen habe und diese sehr liebe, hat es mich doch neugierig gemacht, und ich habe „Solange am Himmel Sterne stehen“ gelesen. Hier nun meine Beurteilung:

    Die Geschichte wird zum größten Teil von Hope in der Ich-Form erzählt. Hope ist Ende Dreißig, frisch geschieden und hat eine zwölfjährige Tochter namens Annie. Sie hat eine kleine Ein-Mann-Bäckerei., um die es aber finanziell schlecht gestellt ist. Auch privat läuft für Hope nicht alles gut. Und dann ist da noch Hopes Großmutter Rose, die an Alzheimer erkrankt ist. Doch gerade Rose sorgt in der Familie für eine Überraschung. Denn als sie einen klaren Tag hat, gibt sie Hope eine Liste mit Namen ihrer Familie und 1000 Dollar, damit Hope nach Paris reisen kann, um Nachforschungen nach dem Verbleib der Familienmitglieder anzustellen. Rose ist total irritiert. Die Menschen auf der Liste (Rose Eltern und Geschwister) heißen mit Nachnamen Picard. Aber ihre Großmutter hieß vor der Hochzeit Durand. Wie passt das zusammen? Gavin, ein guter Freund von Hope, gibt ihr den entscheidenden Hinweis. Könnte es sein, dass Rose eine Jüdin ist, die auf der Flucht aus Paris sowohl ihren Nachnamen als auch ihre Konfession gewechselt hat? Hope recherchiert und kommt einer unglaublichen Geschichte auf die Spur. Sie lernt einige neue Menschen kennen, die ihr unglaubliche Geschichten aus der Zeit der Judenverfolgung erzählen, und sie erkennt, dass ihre eigene Lebensgeschichte ganz andere Wurzeln hat als sie immer dachte.

    Dieser Roman ist ein typischer Vertreter des Schmöker-Genres. Eine Rahmenhandlung in der Gegenwart und ein dunkles Geheimnis in der Vergangenheit. Ich habe schon viele dieser Geschichten, die gerne auch zur Zeit des 2. Weltkriegs spielen, gelesen, aber es gibt auch für mich immer noch neue Facetten des Grauens zu entdecken. Und so berühren mich diese Romane noch immer. Und so war es auch bei diesem Roman. Die Geschichte von Rose hat mich unglaublich in ihren Bann gezogen, eine und wunderbare Liebesgeschichte. Sie allein hätte gut einen Roman füllen können. Und dann wäre das Ganze wohl auch nicht so kitschig geworden. Die Geschichte von Hope fand ich persönlich allerdings völlig überflüssig und banal Die Geschichte ist zu rund. Es läuft bei der Recherche von Hope einfach alles viel zu glatt und einfach. Nach der Lektüre des Buches muss ich sagen, dass ich die Vergleiche mit „Die Bücherdiebin“, „Drachenläufer“ und „Zwei an einem Tag“ sehr vermessen finde.

    Ein wunderbarer Schmöker und eine große Liebesgeschichte an der Grenze zum Kitsch!
  • Das große Los
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    Für Fernreisende genauso wie für Menschen, die lieber reisen lassen
    Rezension vom 18.04.2013
    Zu diesem Buch musste ich erst gezwungen werden. Und dann habe ich es an 2 Tagen durchgelesen. Und ich weiß nicht, was überwiegt: Der Neid, dass die Autorin den Mut hatte, diese Reise zu machen oder einfach dieses „Boah – wie toll ist das denn“-Gefühl?

    Meike Winnemuth ist eine freie Journalistin, die 2010 bei Günter Jauch 500.000 EUR gewonnen hat. Sie hat sich mit diesem Geld ein Jahr Auszeit gegönnt und jeden Monat in einer anderen Stadt gelebt, in die sie immer schon einmal reisen wollte. Ihre Reiseroute ging kreuz und quer über die ganze Welt. Sie hat aber nicht einfach in Hotels gewohnt, sondern sich im Internet möblierte Wohnungen gesucht, in denen sie für den einen Monat gelebt hat. Sie hat diese Städte nicht klassisch mit Reiseführer erkundet, sondern sie auf eigene Faust und durch Tipps von Lesern erobert. Während dieser Reise hat sie Kolumnen für Zeitungen geschrieben, Leseraufträge erfüllt und einen Reiseblog „Vor mir die Welt“ geschrieben.

    Herausgekommen ist ein unglaubliches Buch. Sie hat jeder Stadt (Sydney, Buenos Aires, Mumbai, Shanghai, Honolulu, San Francisco, London. Kopenhagen, Barcelona, Tel Aviv, Addis Abeba und Havanna) ein Kapitel gewidmet. Doch sie beschreibt nicht einfach die jeweilige Stadt, sondern sie schreibt einen Brief an einen Freund oder Bekannten. Und dadurch ist dieser jeweilige Brief natürlich viel mehr als eine Reisebeschreibung. Er ist etwas sehr persönliches. Und man merkt, dass die Autorin sich während dieser Reise verändert. Jedes Ziel bringt etwas anderes in ihr hervor. Und so ist diese Reise im Prinzip auch eine Reise zu ihr selbst. Einige Kapitel bringen einen die Stadt oder das Land näher, andere die Autorin. Als Leser kann man einfach nur über ihren Mut staunen. Man kann begeistert ihren Schilderungen folgen, aber man kann dieses Buch auch durchaus als ein Selbstfindungsbuch sehen. Denn dieses Buch enthält viele kluge Gedanken über unser alltägliches Leben, die zum Nachdenken anregen. Hier ein Beispiel: „Es hilft manchmal, das Leben von hinten her zu denken: Worauf möchte ich mal zurückblicken können, was möchte ich getan haben? Und es dann zu tun, so schnell es geht.“ (Seite 141)

    Ich für mich habe bei diesem Buch festgestellt, dass ich für so eine Aktion viel zu feige wäre. Ich hätte immer diese Angst, die ganze Zeit allein zu sein, niemanden kennenzulernen. Aber irgendwie kribbelt es schon. Vielleicht in einem der nächsten Urlaube doch mal ein wenig mehr Mut, unbekanntes zu entdecken?

    Dieses Buch macht Lust aufs Reisen. In ihrem letzten Kapitel gibt sie einige Ratschläge für Menschen, die etwas Ähnliches planen. Und somit ist es ein ideales Buch für Menschen, die gerne reisen, egal ob nur im Kopf oder real.
  • Schnee im April
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    Frauenschicksale aus Japan
    Rezension vom 18.04.2013
    „Schnee im April“ ist der erste Roman der Autorin Aly Cha, die einen Einblick in viele unterschiedliche Kulturen hat, denn sie wurde in Südkorea geboren und wuchs in Japan, Kanada und den USA auf. Jetzt lebt sie in Zürich und New York.

    Ihr Roman erzählt die Geschichte von einigen japanischen Frauen aus unterschiedlichen Zeiten, die jeweils ein schweres Schicksal zu tragen haben, aber niemals aufgeben. Den Anfang macht die sechsjährige Tochter Yuki, die an einem schneereichen Tag mitten in der Nacht mit ihrer Mutter Miho von Tokio in Osaka ankommt. Sie sind auf dem Weg zu Mihos Mutter Asako. Dieser Teil der Geschichte, die am Anfang und am Ende des Buches steht, spielt Ende der sechziger Jahre. Dann macht das Buch einen großen Sprung und geht zurück in die Zeit Ende des 19. Jahrhunderts. Hier wird die Geschichte von Michiko und ihrer Mutter bzw. später ihrer Tochter erzählt. Michiko ist die älteste Tochter eines Fischers und seiner Frau. Sie ist der verwöhnte Liebling des Vaters, doch nach seinem Tod ändert sich ihr Leben komplett. Erst in der Mitte des Buches erfährt der Leser, wie diese Geschichte zusammen gehören. Wobei man natürlich bereits eine Vermutung hat.

    Aly Cha beschreibt in diesem Roman die Leben von Yuki, Asako und Michiko sehr genau. In einigen Nebenrollen haben noch einige andere Frauen und zwei Männer einen großen Einfluss auf das Schicksal der drei Hauptpersonen. Die Autorin gibt uns einen guten Einblick in die Traditionen der japanischen Kultur. Alle Frauen haben einen sehr steinigen Weg vor sich, aber sie geben nicht auf und stellen ihr Schicksal selten in Frage. Die Geschichte ist sehr schön in einer gradlinigen, schnörkellosen Sprache erzählt. Einzig das Ende hat mich sehr überrascht, auch wenn es schlüssig ist!

    Für Leserinnen von Amy Tan und Franka Potente.
  • Das große Los
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    Für Fernreisende genauso wie für Menschen, die lieber reisen lassen
    Rezension vom 16.04.2013
    Zu diesem Buch musste ich erst gezwungen werden. Und dann habe ich es an 2 Tagen durchgelesen. Und ich weiß nicht, was überwiegt: Der Neid, dass die Autorin den Mut hatte, diese Reise zu machen oder einfach dieses „Boah – wie toll ist das denn“-Gefühl?

    Meike Winnemuth ist eine freie Journalistin, die 2010 bei Günter Jauch 500.000 EUR gewonnen hat. Sie hat sich mit diesem Geld ein Jahr Auszeit gegönnt und jeden Monat in einer anderen Stadt gelebt, in die sie immer schon einmal reisen wollte. Ihre Reiseroute ging kreuz und quer über die ganze Welt. Sie hat aber nicht einfach in Hotels gewohnt, sondern sich im Internet möblierte Wohnungen gesucht, in denen sie für den einen Monat gelebt hat. Sie hat diese Städte nicht klassisch mit Reiseführer erkundet, sondern sie auf eigene Faust und durch Tipps von Lesern erobert. Während dieser Reise hat sie Kolumnen für Zeitungen geschrieben, Leseraufträge erfüllt und einen Reiseblog „Vor mir die Welt“ geschrieben.

    Herausgekommen ist ein unglaubliches Buch. Sie hat jeder Stadt (Sydney, Buenos Aires, Mumbai, Shanghai, Honolulu, San Francisco, London. Kopenhagen, Barcelona, Tel Aviv, Addis Abeba und Havanna) ein Kapitel gewidmet. Doch sie beschreibt nicht einfach die jeweilige Stadt, sondern sie schreibt einen Brief an einen Freund oder Bekannten. Und dadurch ist dieser jeweilige Brief natürlich viel mehr als eine Reisebeschreibung. Er ist etwas sehr persönliches. Und man merkt, dass die Autorin sich während dieser Reise verändert. Jedes Ziel bringt etwas anderes in ihr hervor. Und so ist diese Reise im Prinzip auch eine Reise zu ihr selbst. Einige Kapitel bringen einen die Stadt oder das Land näher, andere die Autorin. Als Leser kann man einfach nur über ihren Mut staunen. Man kann begeistert ihren Schilderungen folgen, aber man kann dieses Buch auch durchaus als ein Selbstfindungsbuch sehen. Denn dieses Buch enthält viele kluge Gedanken über unser alltägliches Leben, die zum Nachdenken anregen. Hier ein Beispiel: „Es hilft manchmal, das Leben von hinten her zu denken: Worauf möchte ich mal zurückblicken können, was möchte ich getan haben? Und es dann zu tun, so schnell es geht.“ (Seite 141)

    Ich für mich habe bei diesem Buch festgestellt, dass ich für so eine Aktion viel zu feige wäre. Ich hätte immer diese Angst, die ganze Zeit allein zu sein, niemanden kennenzulernen. Aber irgendwie kribbelt es schon. Vielleicht in einem der nächsten Urlaube doch mal ein wenig mehr Mut, unbekanntes zu entdecken?

    Dieses Buch macht Lust aufs Reisen. In ihrem letzten Kapitel gibt sie einige Ratschläge für Menschen, die etwas Ähnliches planen. Und somit ist es ein ideales Buch für Menschen, die gerne reisen, egal ob nur im Kopf oder real.
  • Rosenfeld A: Adams Erbe
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    Ein Leben für die Liebe
    Rezension vom 13.04.2013
    „Adams Erbe“ ist der erste Roman der deutschen Autorin Astrid Rosenfeld. Er hat es auf Anhieb 2011 gleich auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft. Jetzt ist er als Taschenbuch erschienen.

    Astrid Rosenfeld erzählt in einer ganz eigenen Herangehensweise die Geschichten von Edward und Adam Cohen. Es ist eine Geschichte von 2 sehr dominanten Großmüttern, zwei schwachen Müttern, zwei so gut wie nicht vorhandenen Vätern und zwei wenig lebensfähigen Enkeln. Die Gegenwartshandlung wird von Edward erzählt. Edward lebt als Kind mit seiner Mutter bei seinen Großeltern. Seinen Vater lernt er nie kennen. Schon von klein auf an wird er mit seinem Großonkel Adam verglichen, dem er anscheinend unglaublich ähnlich sieht. Adam ist aber ein Thema, über das die Familie nicht wirklich spricht. Er hat eine schräge Jugend und wird eher aus Verlegenheit ein Ladenbesitzer und Designer von merkwürdigen Sorgenpüppchen. Als seine Großmutter stirbt, entdeckt er auf dem Dachboden ein nie geöffnetes Päckchen. Er öffnet es und findet ein Buch von seinem Großonkel Adam. Er beginnt zu lesen. Adam wurde 1919 geboren. Bevor er sich in die polnische Jüdin Anna verliebte, hatte sein Leben keinen wirklichen Sinn. In der Nacht des 9. Novembers 1938 verschwindet Anna spurlos. Adam will sie unbedingt suchen. Zu seinem Glück ist seine Großmutter Edda mit dem Sturmbannführer Bussler, einem Kriegskameraden seines Vaters, befreundet. Bussler nimmt ihn unter seine Fittiche, obwohl Adam und seine Familie Juden sind. Adam wird zum arischen Anton und reist nach Krakau um Anna wiederzufinden. Bzw. eigentlich versucht der ebenfalls nach Polen entsandte Bussler Anna zu finden. Zwangsläufig wird Anton/Adam langsam erwachsen und übernimmt Verantwortung. Für seine Liebe zu Anna nimmt er unglaubliches auf sich.

    Astrid Rosenfeld erzählt diese Geschichte in einer sehr eigenwilligen, humorvollen und respektlosen Art und Weise. Sie hat sehr eigenwillige Charaktere geschaffen, die sie aber sehr liebevoll gestaltet. Am Anfang des Buches musste ich immer wieder schmunzeln, doch nach und nach wird der Ton gleichzeitig mit dem ernster werdenden Thema auch immer ernster. Während der Lektüre habe ich mich gefragt, ob man so über das Thema Nationalsozialismus schreiben darf? So nennen z.B. Edda und Adam Adolf Hitler immer August und bezeichnen seine Parteigenossen als diesen Verein. Doch am Ende des Buches habe ich gemerkt, dass es sogar sehr gut so geht. Dieses Buch hat mich nämlich richtig in sich reingezogen. Ursprünglich war es nur als Verlegenheitslösung vorgesehen, doch dann konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Und die Liebesgeschichte, die nie die Chance hatte, richtig zu beginnen, hat mich unglaublich berührt. Eine sehr ungewöhnliche Geschichte über eine große Liebe in einer dunklen Zeit, die einmal nicht so extrem ernst daher kommt.

    Für Leser von John Boynes Roman „Der Junge im gestreiften Pyjama“.
  • Schmerzliche Heimat
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    Ein erschreckender Bericht
    Rezension vom 13.04.2013
    Das Buch „Schmerzliche Heimat“ von Semiya Simsek und Peter Schwarz erzählt die Geschichte von Enver Simsek. Enver Simsek ist das erste Opfer der Zwickauer Terrorzelle gewesen. Semiya Simsek ist seine Tochter. Sie war 14 Jahre alt als ihr Vater am 09. September 2000 ermordet wurde. Ihre Familie musste elf Jahre warten, bis sie endlich erfahren haben, wer Enver erschossen hat. Elf lange Jahre, die die Familie selber unter Verdacht stand.

    Semiya Simsek wurde in Deutschland geboren. Nach dem Abitur hat sie ein FH-Studium Soziale Arbeit mit einem Bachelor abgeschlossen. Einige Zeit hat sie als Sozialpädagogin gearbeitet. In der Zwischenzeit hat sie geheiratet und lebt in der Türkei, die sie vorher eigentlich nur von den Urlauben mit der Familie kannte. Ihre Wurzeln sind in Deutschland. Peter Schwarz ist Redakteur der „Waiblinger Kreiszeitung“ und erhielt bereits dreimal den Deutschen Lokaljournalistenpreis.

    Dieses Buch hat mich ausgesprochen beeindruckt. Semiya Simsek erzählt darin sowohl die Geschichte ihrer Familie als auch die Geschichte einer unglaublich einseitig geführten Morduntersuchung. Mich persönlich hat besonders die Geschichte ihrer Familie angesprochen. Sie erzählt, aus welcher Kultur ihr Vater stammte, wie und warum er nach Deutschland kam, wie er seine Frau kennengelernt hat und wie er von einem ungelernten Arbeiter zu einem wohlhabenden Unternehmer wurde. Sie erzählt wie sie und ihr jüngerer Bruder aufgewachsen sind, und wie das Leben der Familie aussah. Und natürlich erzählt sie auch, wie die Polizei ermittelt und was dies für ihre Familie bedeutet hat. Es ist ein Wunder, dass die Familie daran nicht zerbrochen ist. Eingeflochten in diese Geschichte sind immer wieder Abschnitte, in denen Peter Schwarz die Tatsachen chronologisch zusammenfasst. Er berichtet von den einzelnen Morden und der Polizeiarbeit. Es ist ein aufrüttelnder und erschütternder Bericht. Ursprünglich wollte ich dieses Buch gar nicht lesen, aber meine Frau war von diesem Buch so betroffen, dass sie mich um meine Meinung gebeten hat. Interessant ist, dass wir bei diesem Buch zwei unterschiedliche Schwerpunkte hatten. Sie war extrem von der schlampigen und einseitigen Polizeiarbeit erschüttert, mich hat die Familie fasziniert, die so ganz anders ist als ich mir eine türkische Familie vorgestellt habe.

    Dieses Buch ist ein wunderbares Buch und für mich ein unglaublich wichtiger Beitrag zum Thema Integration, denn es regt dazu an, einmal die eigene Einstellung gegenüber Migranten und anderen Kulturen zu überdenken. Und deshalb möchte ich diese Besprechung auch mit einem Zitat der Autorin abschließen:

    „Integration beruht auf Gegenseitigkeit. Wenn wir in Deutschland zusammenleben wollen, dann müssen wir lernen, unsere Kulturen miteinander zu teilen, gemeinsam zu essen und zu feiern. Das Wort „Integration“ hat zwei Dimensionen, es geht in zwei Richtungen. Es bedeutet nicht nur, dass sich Menschen in eine fremde Gesellschaft einpassen, sondern auch, dass diese Gesellschaft bereit ist, sich zu öffnen und Fremde aufzunehmen. Wenn die eine Seite durch die Tür treten will, muss die andere Seite auch bereit sein, diese Tür aufzumachen. Man kann nur die Hand ergreifen, die einem entgegengestreckt wird.“ (S. 209/210)

  • Winter T: Unbekannt verzogen
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    Cecilia Ahern trifft auf englischen Humor
    Rezension vom 13.04.2013
    Tom Winter ist ein britischer Autor und hat vorher als Werbetexter für internationale Firmen gearbeitet. „Unbekannt verzogen“ ist sein erster Roman.

    An diesem Buch hat mich zuerst der sehr schöne Buchumschlag angesprochen. Dann habe ich den Klappentext gelesen und dachte, das könnte doch mal wieder eine nette Unterhaltungslektüre sein. Das Buch fing dann auch recht humorvoll an. Da ist Carol, die Hausfrau, die zu früh den falschen Mann geheiratet hat, weil sie schwanger von ihm war. Jetzt ist sie Ende dreißig und die Tochter, die ihr eh vollkommen fremd ist, ist fast erwachsen. Da bietet es sich doch an, sich aus dieser Familie zurückzuziehen und in Athen, eine Stadt, die sie schon immer angezogen und fasziniert hat, neu anzufangen. Doch ausgerechnet jetzt erfährt sie, dass ihr Mann einen Knoten im Hoden ertastet hat. Da kann sie ihn doch nicht alleine lassen. Ihre beste Freundin, die eher esoterisch veranlagt ist, gibt ihr den Rat, Briefe ans Universum zu schreiben. Und da Carol nichts Besseres zu tun hat, gibt sie dieser Möglichkeit eine Chance. Und dann ist da noch Albert. Albert ist ein alter Postbote, der demnächst pensioniert werden soll. Er lebt ganz alleine mit seiner Katze Gloria zusammen in einem schrecklichen, anonymen Hochhaus in einer eher schlechten Gegend von London. Da seine Vorgesetzten nicht wirklich wissen, was sie mit ihm noch anfangen sollen, verdonnern sie ihn dazu, unzustellbare Briefe zu sortieren. Und dabei findet er natürlich Carols Briefe. Diese Briefe sprechen ihn unmittelbar an. Sie geben seinem Leben plötzlich wieder einen Sinn, und er versucht Carol ausfindig zu machen.

    Am Anfang hat mich dieses Buch mit seinem teilweise doch recht schwarzen Humor auch gut unterhalten. Aber mit der Zeit fand ich es dann nicht mehr wirklich glaubwürdig. Und das Ende hat mich sehr überrascht. Ich finde, das Buch hat durchaus Potential, aber der Autor hat es noch nicht wirklich geschafft, mich bis zum Schluss zu fesseln. Im Moment schreibt er an seinem zweiten Roman. Mal schauen, vielleicht gebe ich ihm noch einmal eine zweite Chance!
  • Adams Erbe
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    Ein Leben für die Liebe
    Rezension vom 13.04.2013
    „Adams Erbe“ ist der erste Roman der deutschen Autorin Astrid Rosenfeld. Er hat es auf Anhieb 2011 gleich auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft. Jetzt ist er als Taschenbuch erschienen.

    Astrid Rosenfeld erzählt in einer ganz eigenen Herangehensweise die Geschichten von Edward und Adam Cohen. Es ist eine Geschichte von 2 sehr dominanten Großmüttern, zwei schwachen Müttern, zwei so gut wie nicht vorhandenen Vätern und zwei wenig lebensfähigen Enkeln. Die Gegenwartshandlung wird von Edward erzählt. Edward lebt als Kind mit seiner Mutter bei seinen Großeltern. Seinen Vater lernt er nie kennen. Schon von klein auf an wird er mit seinem Großonkel Adam verglichen, dem er anscheinend unglaublich ähnlich sieht. Adam ist aber ein Thema, über das die Familie nicht wirklich spricht. Er hat eine schräge Jugend und wird eher aus Verlegenheit ein Ladenbesitzer und Designer von merkwürdigen Sorgenpüppchen. Als seine Großmutter stirbt, entdeckt er auf dem Dachboden ein nie geöffnetes Päckchen. Er öffnet es und findet ein Buch von seinem Großonkel Adam. Er beginnt zu lesen. Adam wurde 1919 geboren. Bevor er sich in die polnische Jüdin Anna verliebte, hatte sein Leben keinen wirklichen Sinn. In der Nacht des 9. Novembers 1938 verschwindet Anna spurlos. Adam will sie unbedingt suchen. Zu seinem Glück ist seine Großmutter Edda mit dem Sturmbannführer Bussler, einem Kriegskameraden seines Vaters, befreundet. Bussler nimmt ihn unter seine Fittiche, obwohl Adam und seine Familie Juden sind. Adam wird zum arischen Anton und reist nach Krakau um Anna wiederzufinden. Bzw. eigentlich versucht der ebenfalls nach Polen entsandte Bussler Anna zu finden. Zwangsläufig wird Anton/Adam langsam erwachsen und übernimmt Verantwortung. Für seine Liebe zu Anna nimmt er unglaubliches auf sich.

    Astrid Rosenfeld erzählt diese Geschichte in einer sehr eigenwilligen, humorvollen und respektlosen Art und Weise. Sie hat sehr eigenwillige Charaktere geschaffen, die sie aber sehr liebevoll gestaltet. Am Anfang des Buches musste ich immer wieder schmunzeln, doch nach und nach wird der Ton gleichzeitig mit dem ernster werdenden Thema auch immer ernster. Während der Lektüre habe ich mich gefragt, ob man so über das Thema Nationalsozialismus schreiben darf? So nennen z.B. Edda und Adam Adolf Hitler immer August und bezeichnen seine Parteigenossen als diesen Verein. Doch am Ende des Buches habe ich gemerkt, dass es sogar sehr gut so geht. Dieses Buch hat mich nämlich richtig in sich reingezogen. Ursprünglich war es nur als Verlegenheitslösung vorgesehen, doch dann konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Und die Liebesgeschichte, die nie die Chance hatte, richtig zu beginnen, hat mich unglaublich berührt. Eine sehr ungewöhnliche Geschichte über eine große Liebe in einer dunklen Zeit, die einmal nicht so extrem ernst daher kommt.

    Für Leser von John Boynes Roman „Der Junge im gestreiften Pyjama“.
  • Schmerzliche Heimat. Deutschland und der Mord an meinem Vater
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv
    Ein erschreckender Bericht
    Rezension vom 13.04.2013
    Das Buch „Schmerzliche Heimat“ von Semiya Simsek und Peter Schwarz erzählt die Geschichte von Enver Simsek. Enver Simsek ist das erste Opfer der Zwickauer Terrorzelle gewesen. Semiya Simsek ist seine Tochter. Sie war 14 Jahre alt als ihr Vater am 09. September 2000 ermordet wurde. Ihre Familie musste elf Jahre warten, bis sie endlich erfahren haben, wer Enver erschossen hat. Elf lange Jahre, die die Familie selber unter Verdacht stand.

    Semiya Simsek wurde in Deutschland geboren. Nach dem Abitur hat sie ein FH-Studium Soziale Arbeit mit einem Bachelor abgeschlossen. Einige Zeit hat sie als Sozialpädagogin gearbeitet. In der Zwischenzeit hat sie geheiratet und lebt in der Türkei, die sie vorher eigentlich nur von den Urlauben mit der Familie kannte. Ihre Wurzeln sind in Deutschland. Peter Schwarz ist Redakteur der „Waiblinger Kreiszeitung“ und erhielt bereits dreimal den Deutschen Lokaljournalistenpreis.

    Dieses Buch hat mich ausgesprochen beeindruckt. Semiya Simsek erzählt darin sowohl die Geschichte ihrer Familie als auch die Geschichte einer unglaublich einseitig geführten Morduntersuchung. Mich persönlich hat besonders die Geschichte ihrer Familie angesprochen. Sie erzählt, aus welcher Kultur ihr Vater stammte, wie und warum er nach Deutschland kam, wie er seine Frau kennengelernt hat und wie er von einem ungelernten Arbeiter zu einem wohlhabenden Unternehmer wurde. Sie erzählt wie sie und ihr jüngerer Bruder aufgewachsen sind, und wie das Leben der Familie aussah. Und natürlich erzählt sie auch, wie die Polizei ermittelt und was dies für ihre Familie bedeutet hat. Es ist ein Wunder, dass die Familie daran nicht zerbrochen ist. Eingeflochten in diese Geschichte sind immer wieder Abschnitte, in denen Peter Schwarz die Tatsachen chronologisch zusammenfasst. Er berichtet von den einzelnen Morden und der Polizeiarbeit. Es ist ein aufrüttelnder und erschütternder Bericht. Ursprünglich wollte ich dieses Buch gar nicht lesen, aber meine Frau war von diesem Buch so betroffen, dass sie mich um meine Meinung gebeten hat. Interessant ist, dass wir bei diesem Buch zwei unterschiedliche Schwerpunkte hatten. Sie war extrem von der schlampigen und einseitigen Polizeiarbeit erschüttert, mich hat die Familie fasziniert, die so ganz anders ist als ich mir eine türkische Familie vorgestellt habe.

    Dieses Buch ist ein wunderbares Buch und für mich ein unglaublich wichtiger Beitrag zum Thema Integration, denn es regt dazu an, einmal die eigene Einstellung gegenüber Migranten und anderen Kulturen zu überdenken. Und deshalb möchte ich diese Besprechung auch mit einem Zitat der Autorin abschließen:

    „Integration beruht auf Gegenseitigkeit. Wenn wir in Deutschland zusammenleben wollen, dann müssen wir lernen, unsere Kulturen miteinander zu teilen, gemeinsam zu essen und zu feiern. Das Wort „Integration“ hat zwei Dimensionen, es geht in zwei Richtungen. Es bedeutet nicht nur, dass sich Menschen in eine fremde Gesellschaft einpassen, sondern auch, dass diese Gesellschaft bereit ist, sich zu öffnen und Fremde aufzunehmen. Wenn die eine Seite durch die Tür treten will, muss die andere Seite auch bereit sein, diese Tür aufzumachen. Man kann nur die Hand ergreifen, die einem entgegengestreckt wird.“ (S. 209/210)

  • Unbekannt verzogen
    Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv
    Cecilia Ahern trifft auf englischen Humor
    Rezension vom 13.04.2013
    Tom Winter ist ein britischer Autor und hat vorher als Werbetexter für internationale Firmen gearbeitet. „Unbekannt verzogen“ ist sein erster Roman.

    An diesem Buch hat mich zuerst der sehr schöne Buchumschlag angesprochen. Dann habe ich den Klappentext gelesen und dachte, das könnte doch mal wieder eine nette Unterhaltungslektüre sein. Das Buch fing dann auch recht humorvoll an. Da ist Carol, die Hausfrau, die zu früh den falschen Mann geheiratet hat, weil sie schwanger von ihm war. Jetzt ist sie Ende dreißig und die Tochter, die ihr eh vollkommen fremd ist, ist fast erwachsen. Da bietet es sich doch an, sich aus dieser Familie zurückzuziehen und in Athen, eine Stadt, die sie schon immer angezogen und fasziniert hat, neu anzufangen. Doch ausgerechnet jetzt erfährt sie, dass ihr Mann einen Knoten im Hoden ertastet hat. Da kann sie ihn doch nicht alleine lassen. Ihre beste Freundin, die eher esoterisch veranlagt ist, gibt ihr den Rat, Briefe ans Universum zu schreiben. Und da Carol nichts Besseres zu tun hat, gibt sie dieser Möglichkeit eine Chance. Und dann ist da noch Albert. Albert ist ein alter Postbote, der demnächst pensioniert werden soll. Er lebt ganz alleine mit seiner Katze Gloria zusammen in einem schrecklichen, anonymen Hochhaus in einer eher schlechten Gegend von London. Da seine Vorgesetzten nicht wirklich wissen, was sie mit ihm noch anfangen sollen, verdonnern sie ihn dazu, unzustellbare Briefe zu sortieren. Und dabei findet er natürlich Carols Briefe. Diese Briefe sprechen ihn unmittelbar an. Sie geben seinem Leben plötzlich wieder einen Sinn, und er versucht Carol ausfindig zu machen.

    Am Anfang hat mich dieses Buch mit seinem teilweise doch recht schwarzen Humor auch gut unterhalten. Aber mit der Zeit fand ich es dann nicht mehr wirklich glaubwürdig. Und das Ende hat mich sehr überrascht. Ich finde, das Buch hat durchaus Potential, aber der Autor hat es noch nicht wirklich geschafft, mich bis zum Schluss zu fesseln. Im Moment schreibt er an seinem zweiten Roman. Mal schauen, vielleicht gebe ich ihm noch einmal eine zweite Chance!