Planet der Sonnen
Leseprobe

Planet der Sonnen

Roman. Deutsche Erstausgabe

von Karl Schröder

Buch

Taschenbuch (447 Seiten)

Sprache: Deutsch

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Hätten Sie nicht auch gern eine eigene Sonne?


In den Weiten des Weltalls ist dieser Traum zur Realität geworden: Im Inneren einer gigantischen Sphäre haben sich die Menschen auf umherfliegenden Asteroiden künstliche Sonnen und Gravitationsfelder errichtet. Doch Licht und Schwerkraft werden von mächtigen Imperien hart umkämpft. Das muss auch der junge Hayden Griffin erfahren, dessen Eltern bei einer Strafexpedition getötet werden. Um Rache zu üben, macht sich Hayden auf eine abenteuerliche Reise, die ihn für immer verändern wird ...


Pressestimmen:

"Eine erstaunliche Weltenschöpfung! Planet der Sonnen ist ein Meisterwerk." Vernor Vinge

Produktdetails

ISBN-10: 3-453-52626-0
EAN: 9783453526266
Originaltitel: Sun of Suns - Virga 1
Erschienen: 01.02.2010
Verlag: Heyne Taschenbuch
Einband: Taschenbuch
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 447
Länge/Breite: 186mm/120mm
Gewicht: 364 g
Übersetzer: Irene Holicki
Reihe: Heyne-Bücher Allgemeine Reihe
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    von Andreas Wetekam, am 21.11.2010

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    „Planet der Sonnen“ von Karl Schroeder ist sicherlich eher unkonventionelle Science Fiction, es haftet der Idee immer dieser Seeräubertouch an. Ein Handlungsschauplatz an dem sich ungeschützt von Welt zu Welt bewegen kann, ist ebenfalls erst einmal gewöhnungsbedürftig. Aber das Ganze strömt von Anfang an einen gewissen Charme aus, der den Leser gefangen hält.
    Es dauert allerdings 100 Seiten bevor man ansatzweise erklärt bekommt, in was für einer Welt wir uns überhaupt bewegen. Das ist etwas störend, bietet aber die Möglichkeit die Hauptcharaktere in Szene zu setzen, indem der Leser direkt in die Handlung gestoßen wird.
    Nachdem der Leser langsam aber sicher ein Bild von Virga bekommt, verliert sich sehr schnell die Verwunderung über dieses Piratenabenteuer und man merkt, dass man es mit „echter“ Science Fiction zu tun hat. Virga ist eine Dyson-Sphäre, in der die Zeit auf gewisse Weise stehen geblieben ist und die technologische Entwicklung eher rückläufig ist, ganz im Gegenteil zu der Welt „da draußen“.
    Karl Schroeder hat mit diesem Buch eine tolle Idee mit Leben gefüllt und schafft einen gelungenen Balanceakt zwischen abgeschlossener Geschichte und Fortsetzung.
    Nichts für Leser von „klassischer“ Science Fiction, aber wer mal etwas experimentieren will, dem kann ich diesen Roman sehr ans Herz legen.

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Hayden Griffin rupfte gerade einen Fisch, als der Schwerkraftalarm ertönte. Das dumpfe Dröhnen der Glocke drang sogar durch die dicken Holzwände der Konzernkantine; der Alarm war so angelegt, dass er im ganzen Habitat zu hören war. Hayden hielt inne, runzelte die Stirn und ließ den Fisch probeweise los. Vier Federn schwebten wie Kerzenflammen durch einen Sonnenstrahl, der sich durch eine Ritze im Fußboden in den Raum verirrt hatte. Der Fisch landete einen Meter links von ihm. Hayden beobachtete, wie ihm die Federn in trägen Bogen folgten und daneben zu liegen kamen.
"Ziemlich früh zum Hochfahren, oder?", fragte Hayden. Miles antwortete mit einem zerstreuten Knurren. Der frühere Soldat, jetzt Koch des Konzerns, war damit beschäftigt, einen dampfenden Truthahn, den er soeben aus der kleinen Hölle der Bratröhre gerettet hatte, mit Sauce zu begießen. Sein kahler Schädel glänzte im Feuerschein. "Vielleicht brauchen sie mich trotzdem", fuhr Hayden fort. "Ich sehe lieber mal nach."
Miles blickte auf. "Deine Ma hat dich hier abgestellt", sagte er. "Du warst mal wieder unartig. Heb den Fisch auf."
Hayden lehnte sich mit dem Rücken gegen den Tisch und verschränkte die Arme. Er suchte noch nach einer Antwort, die nicht weinerlich klang, als der Alarm zum zweiten Mal ertönte, diesmal mit mehr Nachdruck. "Siehst du?", sagte er. "Sie brauchen jemanden. Niemand im ganzen Habitat kann mit den Bikes so gut umgehen wie ich. Und wie willst du überhaupt den Fisch kochen, wenn die Schwerkraft wegbleibt?"
"Die Schwerkraft bleibt nicht weg, Junge", fuhr Miles ihn an. "Die ist stabil."
"Dann sollte ich erst recht nachsehen, was los ist."
"Du willst doch nur miterleben, wie deine alte Dame die Sonne entzündet", sagte Miles.
"Du etwa nicht?"
"Das ist heute nur ein Testlauf. Ich warte bis morgen, wenn es wirklich so weit ist."
"Komm schon, Miles. Ich bin doch gleich wieder da."
Der Koch seufzte. "Meinetwegen, verschwinde und bring die Bikes in Gang. Aber danach kommst du sofort zurück." Hayden stürmte auf die Tür zu, und Miles rief ihm nach: "Lass den Fisch nicht auf dem Boden liegen!"
Als Hayden durch den Flur zur Vorderseite der Kantine ging, sah er wieder einen Sonnenstrahl durch die Ritzen des Dielenbodens dringen. Das war kein gutes Zeichen; Mama musste auf eine dichte Wolkendecke warten, bevor sie die neue Sonne des Habitats entzünden konnte. Die Slipstreamer durften sie nämlich nicht sehen. Slipstream würde eine weitere Sonne so dicht an seiner eigenen niemals dulden. Das Projekt war geheim - jedenfalls bisher. Morgen würde die ganze Welt davon erfahren.
Hayden ging rückwärts an der hochglanzpolierten Eichentheke vorbei, ließ seine langen Arme lässig an den Seiten herunterbaumeln und sagte: "Es gab Alarm. Muss nach den Bikes sehen." Einer der Gäste grinste skeptisch; Mama Fifty, die hinter der Bar stand, warf ihm einen misstrauischen Blick zu. Doch bevor sie etwas sagen konnte, war er schon aus der Tür.
Hier draußen wehte wie immer ein scharfer Wind, er pfiff sogar von unten durch die Straßenplanken. Die Sonne spitzte über die Firste der steilen Dächer, Lichtstreifen und Rechtecke glitten über die Beplankung und an den Wänden der dicht aneinandergebauten Häuser empor, zwischen denen kein Fleckchen Grund frei blieb. Die Bretter federten unter Haydens Schritten, als er im Laufschritt die engen Kurven nahm. Die Straße war um diese Tageszeit fast menschenleer.
Gavin erwachte nicht vor dem Abend. Dann strömten die Arbeiter, die hier schliefen, lachend und schwatzend aus allen sechs Himmelsrichtungen zusammen. Die Händler klappten die Läden vor ihren Schaufenstern erst für den Nachtmarkt zurück, wenn überall die Gaslaternen angezündet wurden. Nun öffnete auch die Tanzbar ihre Pforten für all jene, die noch genügend Energie für ein paar Runden hatten. Hayden verdiente sich mit dem Anzünden der Laternen ein paar Scheine zusätzlich. Schließlich konnte er gut mit Feuer umgehen.
Wenn Hayden sich erst die Bikes vornahm, würde er die Sonne nicht sehen können, also machte er einen Umweg. Er schlüpfte durch einen schmalen Durchgang zwischen zwei hohen Häusern und erreichte eine der beiden Ringstraßen des Habitats - eigentlich war es nur ein schmaler überdachter Fußweg. Das Dach war an die Häuser und Geschäfte angebaut, deren Eingänge jetzt beim Hinaustreten zu seiner Linken lagen. Nach rechts erstreckte sich ein rauer Bretterzaun, der nur ganz oben einen Spaltbreit offen war. Hin und wieder wurde er von einem Fenster mit geschlossenen Läden unterbrochen, aber Hayden blieb vor keinem davon stehen. Er strebte einer offenen Galerie zu, die ein Stück weiter oben an der Straße
lag.
In solchen Momenten - wenn er allein war und viel zu tun hatte - vergaß er sich entweder völlig, oder er versank in Trauer. Der Tod seines Vaters lastete noch immer schwer auf ihm, obwohl inzwischen ein Jahr vergangen war; wohnte er mit seiner Mutter wirklich schon so lange hier? Mutter beteuerte ihm immer wieder, es sei die beste Lösung, zu Hause in Habitat Zweiundzwanzig wären sie ständig von Dingen umgeben gewesen, die an Papa erinnerten. Aber was wäre daran denn so schlimm?
Sein Vater konnte das Entzünden der Sonne, die Vollendung des Projektes seiner Frau - die Krönung des Werkes seiner Familie - nicht miterleben. Wenn Hayden sich in Erinnerung rief, wie seine Eltern darüber gesprochen hatten, hörte er stets den Jubel und die Hoffnung in der Stimme seines Vaters. Mutter war stiller gewesen, aber auch ihr Stolz und ihre Liebe schwangen mit in dem Gemurmel, das nachts durch die Schlafzimmerwand drang und Hayden in den Schlaf wiegte. Eine eigene Sonne erschaffen! So wurden Nationen gegründet. Wer eine Sonne entzündete, würde für alle Zeit im Gedächtnis bleiben.


Als Hayden zwölf war, hatten ihn seine Eltern zum ersten Mal mit nach Rush genommen. Er hatte sich beklagt, weil er kurz vorher erfahren hatte, dass Slipstream zwar eine große, aber nicht seine Nation war. Seine Freunde hatten ihn verspottet, weil er das Lager des Feindes besuchte, dabei wusste er nicht einmal so genau, warum die Slipstreamer böse waren oder was es bedeutete, stattdessen Bürger von Aerie zu sein.
"Deshalb fliegen wir hin", hatte sein Vater gesagt. "Damit du das begreifst."

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