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In der Hitze eines gnadenlosen Sommers versucht die Psychotherapeutin Gabrielle, nach einem Autounfall wieder in ihrem Beruf Fuß zu fassen. Aber dann weist man ihr ausgerechnet die 16-jährige Bethany als Patientin zu. Bethany hat auf grausame Weise ihre Mutter umgebracht. Sie ist gewalttätig, manipulativ – und sie behauptet, sie könne Katastrophen vorhersehen. Gabrielle tut das als Symptom von Bethanys psychischer Erkrankung ab. Doch dann treten genau die Unglücksfälle ein, die Bethany prophezeit hat. Ist es möglich, dass tatschlich die Apokalypse bevorsteht, eine letzte Katastrophe, die eine vom Konsumwahn verblendete Menschheit endgültig in den Abgrund stürzen wird?
| ISBN-10: | 3-423-40722-0 |
|---|---|
| EAN: | 9783423407229 |
| Originaltitel: | The Rapture |
| Erschienen: | 04.2011 |
| Verlag: | Deutscher Taschenbuch Verlag |
| Einband: | EPUB |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Auflage: | 1 |
| Seitenzahl: | 400 |
| Übersetzer: | Susanne Goga-Klinkenberg |
| Erschienen bei: | Deutscher Taschenbuch Verlag |
| Übersetzt von: | Susanne Goga-Klinkenberg |
| Spieldauer: | 383 KB |
| Kapitel: | 0 |
| Medium: | EPUB |
Liz Jensen hat bisher fünf Romane veröffentlicht. Zuletzt erschien von ihr Das neunte Leben des Louis Drax bei Bloomsbury Berlin (2004, BvT 2006), der von Anthony Minghella verfilmt wird. Liz Jensen lebt in London.
von Armin Rosenberg, am 24.08.2011 aus der Thalia-Buchhandlung in Wien
von Andrea Scheiber, am 19.04.2011 aus der Thalia-Buchhandlung in Innsbruck, Wagnersche
von einer Kundin/einem Kunden, am 29.09.2011
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von Elohym78, am 11.07.2011
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4. Teil (S. 331-333)
15
Im dichten Verkehr in Norfolk wirken wir normal und damit unsichtbar. Ein grauer Nissan mit Hybrid-Antrieb, darin eine kleine Pseudo-Familie, am Steuer ein Patriarch mittleren Alters, der sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält und über eine wenig malerische Route nach London fährt: Wir könnten jedermann sein.
Und das ist sehr beruhigend. Links von uns ein saures, metallisches Meer; zu unserer Rechten fahlbraunes, gepflügtes Ackerland, sporadisch unterbrochen von Gewerbegebieten, Wohnwagenparks, Bürogebäuden und Imbissen, die Kaffee, Hotdogs, Coca-Cola und Internetzugang anbieten. Ich habe das Navigationssystem so programmiert, dass es uns über Nebenstraßen bis Great Yarmouth leitet, an der Küste entlang durch Lowestoft, Aldeburgh und Felixstowe und dann Richtung Westen, parallel zum Mündungsgebiet der Themse, bis zur Stadium Island.
Ein psychotischer Teenager im Auto birgt ein gewisses Risiko, doch zum Glück hat sich Bethany bislang nicht gegen unsere Fluchtpläne gewehrt. Als Frazer Melville an einer anonymen Tankstelle anhielt, um Vorräte zu kaufen, darunter auch die Vorratspackung Popcorn, auf die sie bestanden hatte, schlüpfte sie mit einem Haufen Make-up in die Toilette und tauchte als Mischung aus Nutte und Goth wieder auf. Niemand würdigte sie (oder uns) eines Blickes.
So weit, so gut. Dennoch werde ich nicht den Fehler begehen, ihr zu vertrauen. Jetzt hat sie sich wieder auf dem Rücksitz ausgebreitet, der mit Konfetti aus zerplatzten, karamellisierten Maiskörnern übersät ist. Ihre Augen zucken hin und her, und mit dem rasierten Kopf, der einen grotesken Helm aus Stoppeln trägt, erinnert sie an ein angekettetes Tier, das auf seinen großen Auftritt wartet. Gelegentlich liest sie mit sich überschlagender Marge-Simpson-Stimme Reklametafeln vor (Kredit gefällig? Kostenlose Beratung unter 0870–101 101. Pagoda Emporium – Frühstück, so viel Sie wollen!). Ansonsten ist es eine schweigsame Fahrt.
Wir alle sind eingesponnen in unsere Gedanken. Meine verschaffen mir keinen Trost. Als ich das Fenster öffne, dringt ein widerlicher Geruch herein, als wäre der Mond verwest und atmete seine lunare Fäulnis über den Ozean. Mir wird bewusst, dass eine Insel ein Gefängnis ist. Wie sicher kann die Sicherheit sein, in die wir uns bringen? Wie kann eine gelähmte Frau in einer überhitzten, von Hochwasser bedrohten, geplünderten Welt überleben, in der die Kommunikationswege zusammengebrochen, die Ressourcen eingeschränkt und Lebensmittel schwer zu bekommen sind? Werden wir Mineralwasser, Zucker und Sardinenbüchsen aus Supermärkten stehlen? Oder Kohl anbauen? Wer wird uns den Umgang mit Schusswaffen beibringen, falls wir sie benötigen? Und auf wen werden wir schießen? Vielleicht habe ich tief im Inneren angenommen, dass es nicht zu dieser Katastrophe kommen wird. Und wenn doch, dass wir still, effizient und schmerzlos sterben, indem wir eine Art innerer Löschtaste drücken, die es uns erlaubt, binnen einer Sekunde zu verschwinden. Bislang hat mir der Gedanke an meinen Tod keine Angst gemacht, vielleicht weil ich ihn schon einmal so lange und heftig geküsst habe und eine krankhafte Vertrautheit zu ihm fühle. Nun aber, da die Katastrophe wie ein Gespenst hinter den drohenden Wolken lauert, wird mir klar, dass ich nicht bereit bin, zu sterben. Außerdem habe ich eine durchaus gesunde Angst vor Schmerzen.