Der letzte Traumwanderer

Roman. Originalausgabe

von Christoph Lode

Buch

Taschenbuch (381 Seiten)

Sprache: Deutsch

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Eine Zeit der Dunkelheit, der Magie und der verlorenen Träume


Das Gelbe Buch von Yaro D'ar zu finden ist Liam Satanders einziges Ziel. Es war die letzte Bitte seines Vaters, bevor dieser von den gefürchteten Spiegelmännern ermordet wurde. Auf seiner Suche schleicht sich Liam in den Palast der mächtigen Herrscherin von Bradost ein - ein Ort voller Gefahren und dunkler Geheimnisse. Doch Liam kennt keine Furcht. Um herauszufinden, warum sein Vater sterben musste, würde er es mit jedem Feind aufnehmen. Selbst mit jemandem, der Macht über die Träume der Menschen besitzt ...


Produktdetails

ISBN-10: 3-442-47173-7
EAN: 9783442471737
Erschienen: 15.11.2010
Verlag: Goldmann Taschenbuch
Einband: Taschenbuch
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 381
Länge/Breite: 207mm/137mm
Gewicht: 497 g
Reihe: Goldmanns Taschenbücher
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Christoph Lode

Christoph Lode, geboren 1977, ist in Hochspeyer bei Kaiserslautern aufgewachsen. Er studierte in Ludwigshafen am Rhein und arbeitet heute hauptberuflich in einer psychiatrischen Klinik bei Heidelberg. Er lebt mit seiner Frau in Mannheim. Der Autor ist Mitglied bei 'Quo Vadis Autorenkreis historischer Roman'.

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Buchhändlertipps

  • Deutsche All-Age Fantasy-Trilogie Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Lisa Gfällner, am 17.03.2011 aus der Thalia-Buchhandlung in Linz

    Nach dem Tod seines Vaters, versucht Liam Satander dessen letzte Bitte zu erfüllen: das gelbe Buch von Yaro D’ar zu finden. Für diesen Zweck sucht er sich eine Stelle als Gärtner im Palast Lady Sarkas, die im Besitz des einzigen Exemplars sein soll. Dort trifft er auf Jackon, der dort ebenfalls als Gärtnergehilfe arbeitet, doch was Liam nicht weiß: Jackon ist ein Traumwanderer. Die Lady versucht ihn auszubilden, um mit ihm die Herrschaft über die „Stadt der Seelen“; den Traumlanden, zu erlangen und somit einen noch eisernen Griff über Bradosts Bewohner zu erlangen. Doch genau dass möchte Liam mithilfe des Buches verhindern. Er erhofft sich Lady Sarka zu stürzen und den Bewacher Bradost, den Phoenix, in seine Stadt zurückzubringen.
    Lodes „Der letzte Traumwanderer“ ist ein wunderbarer Auftakt einer Trilogie, die sehr viel versprechend ist. Das Buch spielt in einer magischen, an das viktorianische Zeitalter erinnernde Welt und die Charakter gewinnen mit der Zeit and Tiefe und Liebenswürdigkeit. Außerdem schreibt Lode in einem schönen Schreibstil und überzeugt mit originellen und spannenden Ideen. Dieses Buch macht richtig Lust auch die weiteren Teile zu lesen.

Kundenrezensionen

  • Der letzte Traumwanderer Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Ina Zilch, am 29.02.2012

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Jackon ist ein 15-jähriger Schlammtaucher und lebt in den Kanälen unter der Stadt Bradost. Bradost wird von der grausamen Lady Sarka und ihren unheimlichen Spiegelmännern beherrscht. Eines Tages wird Jackon plötzlich vom furchtbaren Corvas gefangen genommen und zu Lady Sarka in den Palast gebracht. Dort soll er seine Ausbildung als Traumwanderer beginnen. Die zweite Geschichte worum es in dem Buch geht, ist die von Liam. Er hasst Lady Sarka. Nachdem Corvas und die Spiegelmänner seine Vater getötet haben. Einen letzten Auftrag hat er von ihm erhalten: Finde das gelbe Buch von Yaro D'ar. Mit Hilfe des Erfinders Quindal schleicht er sich in den Palast der Lady ein...
    Das Buch "Der letzte Traumwanderer" ist ein spannendes und lebhaftes Buch.
    Am Anfang war es für mich etwas verwirrend, da sozusagen zwei Geschichten erzählt werden. Aber man findet sich schnell ein und die Mischung ist meiner Meinung nach perfekt.
    Mich hat es nicht mehr losgelassen. Es ist einerseits düster, aber andererseits findet man eine schöne Liebesgeschichte darin. Christoph Lode hat es geschafft, die Spannung kontinuierlich aufrecht zu erhalten und eine wunderbare Welt erschaffen.
    Von Anfang bis Ende spannend und wirklich zu empfehlen!

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  • Na bitte, es geht doch! Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 24.05.2011

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Zuerst einmal lese ich normalerweise eher Fantasyromane aus dem englischsprachigen Raum, weil mir bisher die Romane aus dem deutschssprachigen Raum eigentlich nicht wirklich zusagten. Dieser Roman hat mich allerdings vom Gegenteil überzeugt und wirklich vom Hocker gerissen! Chrstoph Lode hat es geschafft, eine magische, spannende Welt zu beschreiben, in die man eintaucht und in der man mit den Charakteren mitfiebert, kämpft und leidet. Absolut spannend und empfehlenswert!

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  • Düster, mystisch, unheimlich spannend! Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Philipp Rohn, am 05.04.2011

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Christoph Lode, ein Autor aus dem "Ländle" schreibt Fantasy und Historienromane, die sich sehen lassen können! Nach der Lektüre von "Der letzte Traumwanderer", dem ersten Teil der Pandaemonia-Trilogie, hatte ich nur zwei alles beherrschende Gedanken: "Was war das grade?!" und "Wo bekomme ich mehr davon?!!"

    Die Welt, die Christoph Lode bis ins letzte Detail liebevoll beschreibt, ist ein düsterer Mix aus Steam-Punk Fantasy und aktueller Gesellschaftskritik. Die Charaktere sind liebenswert, die Story vielschichtig und spannend. Damit setzt "Der letzte Traumwanderer" für mich einen neuen Maßstab in der Fantasy. Absoluter Topp-Tipp, unbedingt lesen!

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  • All-Age Fantasy Abenteuer Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 05.12.2010

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Man muss sich erst durch die ersten 50 Seiten durchkämpfen um in das Universum des Autors auszukennen. Aber danach erwartet dem Leser eine sehr abenteurliche Geschichte. Die Geschichte ist spannend geschrieben (aber sehr einfach), da der Leser gemeinsam mit den Protagonisten immer stückchenweise die Geheimnisse von Brandost aufdeckt. Und es gibt mehr als genug Geheimnisse. Politische Intrigen, Freundschaften und merkwürdige Wesen (Spiegelmänner) sind einige der guten Zutaten des Buches. Erwachsene Leser werden manchmal ihren Kopf schütteln über die Naivität der Protagonisten oder manche Szenen, die kindisch wirken. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass der Autor ein All-age Publikum ansprechen wollte und deswegen auch die grausamsten Szenen, wie alltägliche Handlungen manchmal klingen. Trotzdem ist das Buch viel Besser als anderes auf dem Markt und bestimmt lesenswert.Leider ist aber das Buch der erste Band einer Trilogie und dies heißt warten bis der nächste Band erscheint.

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In den Kanälen
Überall Krähen.
Sie hockten auf Regentraufen und Mauervorsprüngen, auf Fenstersimsen und Kaminen, durchsuchten die Dachrinnen nach Ungeziefer, krächzten gelegentlich und spreizten dabei ihr schillerndes Gefieder. Schwarze Knopfaugen starrten in die Gasse hinab.
Jackon wurde das Gefühl nicht los, dass sie ihn beobachteten.
Voller Unbehagen ging er die menschenleere Gasse mit ihren heruntergekommenen Fassaden, leer stehenden Stadthäusern und Torbögen voller Schutt entlang. Er konnte die durchdringenden Blicke der Krähen beinahe spüren, und jedes Mal, wenn er Flügelschlagen hörte, lief ihm ein Schauder über den Rücken.
Seit Tagen ging das so. Kaum verließ er die Kanäle, erwarteten ihn die schwarzen Vögel bereits, als folgten sie ihm auf Schritt und Tritt. Im Viertel hatte es schon immer Scharen von Krähen gegeben. Der Fischmarkt am Flussufer lockte sie an und der Bettlerfriedhof, wo nur eine dünne Erdschicht die Toten bedeckte. Doch normalerweise verhielten sie sich nicht so merkwürdig.
Seine Hand schloss sich um den Stein in seiner Hosentasche.
Er dachte an die Geschichten, die man sich in den Kanälen erzählte. Lady Sarka kann durch ihre Augen sehen, sagten die Schlammtaucher. Töte nie eine Krähe, sonst holen dich die Spiegelmänner, und du verschwindest auf Nimmerwiedersehen in ihrem Kerker unter dem Ministerium der Wahrheit. Die Bewohner der Kanäle erzählten ständig solche Dinge, und Jackon hatte nie viel auf ihr Gerede gegeben. Inzwischen war er sich jedoch nicht mehr so sicher.
Einige Schritte vor ihm landete eine Krähe. Aus einer Ritze im Kopfsteinpflaster zog sie einen Regenwurm, der sich in ihrem Schnabel wand, bevor sie ihn verschlang. Dann blickte sie Jackon an, die Augen von einer beinahe menschlichen Intelligenz erfüllt.
»Haut endlich ab!«, rief er.
Der Vogel flatterte auf und ließ sich auf einem Erker nieder, gefolgt von einigen Artgenossen. Jackon warf seinen Stein, der von einem vernagelten Fenster abprallte. Zwei Krähen flogen davon, doch die anderen rührten sich nicht vom Fleck. Ihr Gekrächze klang spöttisch.
Jackon ergriff die Flucht.
So schnell er konnte, rannte er durch die verlassenen Straßen, sprang über eingestürzte Mauern und hetzte durch dunkle Hinterhöfe, ohne sich ein einziges Mal umzusehen. Erst als er den Platz vor der Alten Glasbläserei erreichte, machte er langsamer. Während er Atem schöpfte, blickte er zu den Dächern auf.
Keine Krähen zu sehen. Er hatte sie abgehängt. Wenigstens vorläufig.
Es war ein heißer Tag, und sein Spurt trieb ihm den Schweiß aus allen Poren. Er schlurfte zu einer Nische zwischen zwei verfallenen Häusern, wo frisches Wasser aus einem rostigen Rohr sprudelte, in ein zerbrochenes Steinbecken plätscherte und sich von dort aus auf das Pflaster ergoss. Fliegen schwirrten über der Pfütze. Jackon legte seinen Beutel ab, wusch sich das Gesicht und löschte seinen Durst. Er genoss jeden Schluck, denn sauberes Wasser war in den Kanälen schwer zu bekommen. Anschließend konnte er wieder klar denken - und kam sich wie ein Narr vor. Jetzt fürchtete er sich schon vor ein paar Krähen. Hatte er nicht bereits genug Sorgen? Dies war die Grambeuge und er nur ein kleiner Schlammtaucher, dessen Leben noch weniger zählte als das eines Bettlers. Er täte gut daran, die Augen offen zu halten, damit man ihm nicht seine Sachen stahl, bevor er sie verkaufen konnte. Es wäre nicht das erste Mal.
Als hätte er sie mit seiner Wachsamkeit heraufbeschworen, erschienen Gesichter in den Durchgängen der Arkaden, die den kleinen Platz umgaben. Manche der verfallenen Häuser waren bewohnt, von Huren, Opiumsüchtigen, Tagelöhnern und Halsabschneidern. Hastig nahm er seinen Beutel an sich und eilte zur Alten Glasbläserei, lief die Rampe zum Gewölbekeller hinab und war erleichtert, als die Schatten ihn vor den feindseligen Blicken verbargen.
Es sah so aus, als wäre er der letzte Schlammtaucher, der heute Abend eintraf. Die anderen saßen und standen bereits allein oder in kleinen Gruppen herum und warteten auf Asher und dessen Kumpane. Niemand beachtete ihn. Jackon hatte nichts dagegen. Selbst unter Seinesgleichen war er bestenfalls geduldet, weshalb er sich von den zerlumpten Männern und Frauen fernhielt und sich in einem Winkel niederließ, wo er keine Aufmerksamkeit erregte. Nur schnell die Funde des Tages verkaufen und wieder verschwinden, bevor es Ärger gab - so lebte es sich am ungefährlichsten.
Rostige Ketten hingen von der Gewölbedecke. Es roch nach Asche und alter Schlacke. Enge Rampen führten zu den oberen Stockwerken des leer stehenden Gebäudes; Schutt türmte sich in eingestürzten Kellergängen auf, schwarze Schächte gähnten zwischen den Pfeilern aus brüchigen Ziegelsteinen.
Fackeln verströmten flackerndes Licht. Als Asher und seine beiden Handlanger hereinkamen, wuchsen ihre Schatten an den Wänden empor, bis sie die wartenden Schlammtaucher wie riesenhafte Dämonen überragten.
Genau das sind sie, dachte Jackon verdrießlich. Drei hässliche, stink^ende, nimmersatte Dämonen.
Asher setzte sich; sein goldener Ohrring baumelte glitzernd hin und her. Während er in aller Seelenruhe seinen Becher mit Ale füllte, bildeten die Wartenden eine Schlange vor seinem Tisch. Jackon versuchte gar nicht erst, nach vorne zu gelangen. Mit seinen fünfzehn Jahren war er der jüngste, kleinste und schwächste Schlammtaucher. Hätte er sich vorgedrängelt, hätten die anderen ihn verprügelt oder, schlimmer noch, fortgejagt. Also nahm er das Unvermeidliche hin und stand ganz am Ende der Schlange.
Schritt für Schritt rückten die Schlammtaucher vor, legten ihre Funde auf den Tisch, ließen sie von Asher schätzen und zogen mit ein paar Münzen in der Hand von dannen. Einer von Ashers Gehilfen schob sich eine dampfende Kartoffel in den Mund, kaute mit vollen Backen und spülte den Bissen mit Ale herunter. Der Anblick erinnerte Jackon daran, wie hungrig er war. Sein Magen knurrte so laut, dass es jeder im Keller hören musste. Er sehnte sich so sehr nach einer heißen Kartoffel, dass es schmerzte. Er wünschte, er hätte wenigstens ein bisschen Brot. Oder überhaupt irgendetwas zu essen.
Um sich abzulenken, lutschte er einen Kieselstein und hörte den geflüsterten Gesprächen der anderen Schlammtaucher zu. Angeblich kam es wieder zu Unruhen, diesmal in Scotia und bei den Aetherküchen am Stadtrand, und die Geheimpolizei der Lady suchte seit Tagen ohne Erfolg nach den Rädelsführern. Für Jackon waren das Geschichten aus einer anderen Welt. Er war noch nie auf der anderen Seite des Flusses gewesen. Was kümmerte es ihn, was dort geschah?
Sehr viel größere Sorgen bereiteten ihm die neusten Gerüchte über die Ghule.
Der Mann vor ihm, ein dürrer Kerl mit einem Geschwür unter dem linken Auge, raunte seinen Kumpanen zu, in der vergangenen Nacht hätten die Ghule wieder jemanden geholt: die schwangere Alys, die so dumm gewesen war, sich beim Hauptsammler herumzutreiben. Als ihr Mann sich auf die Suche nach ihr machte, hörte er ihre Schreie und sah fahle Augenpaare in der Dunkelheit, bevor er Hals über Kopf floh. Niemand machte ihm einen Vorwurf. Gegen die Ghule konnte selbst der stärkste Mann nichts ausrichten. Außerdem war es Alys' eigene Schuld.
Jackon schluckte. Er hatte Alys gekannt. Und sein Unterschlupf befand sich ganz in der Nähe der Pumpstation. Nacht für Nacht hörte er das Stampfen und Zischen der riesigen Pumpen, aber manchmal drangen auch andere Geräusche aus dem schwarzen Abgrund des Hauptsammlers herauf, unheimliche Geräusche, und er hoffte stets, dass es nur die Ratten waren.
»Na los, Junge, lass sehen, was du hast.«
Jackon schrak auf. In seiner Besorgnis hatte er gar nicht bemerkt, dass er an der Reihe war.
Asher hatte die obersten Knöpfe seines Wamses geöffnet und die Ärmel hochgekrempelt und glotzte Jackon ungeduldig an. Der bullige Lumpenhändler hatte ein gerötetes Gesicht, denn er schüttete becherweise Ale in sich hinein, während er die Sachen der Schlammtaucher begutachtete. Jackon machte sich auf unangenehme Verhandlungen gefasst. Betrunken war Asher noch geiziger als sonst.
Er öffnete seinen Beutel und schüttelte den Inhalt heraus.
»Was soll das sein?«, knurrte Asher, als er aus den Knochen und Leinenresten einen Brocken Holz herausfischte.
»Ein Stück von einer Wetterfahne«, sagte Jackon.
Der Lumpenhändler schnaubte. »Schaut euch diese Rotznase an«, sagte er. »Bringt uns eine halbe Wetterfahne.«
Seine beiden Helfer grinsten verächtlich.
Ashers Augen verengten sich. »Verrate mir mal, Junge, was ich mit einer halben Wetterfahne anfangen soll.«
Jackon schwieg. Dass seine heutige Ausbeute nicht gerade berauschend war, wusste er selbst.
»Na schön«, meinte der Lumpenhändler. »Für die Knochen und das Leinen kriegst du einen Viertelschilling.«
»Was? Letzte Woche gab's für die gleiche Menge noch einen halben!«
»Letzte Woche, letzte Woche«, wiederholte Asher unwirsch. »Die letzte Woche ist vorbei, Junge, falls du's noch nicht gemerkt hast. Ich brauch deine Knochen nicht. Krieg das Zeug karrenweise. Es gibt ja immer mehr von euch.«
Damit hatte er leider nicht unrecht: Jede Woche nisteten sich neue Leute in den Abwasserkanälen ein, und die Schlange in der Alten Glasbläserei wurde von Tag zu Tag länger. Trotzdem wollte Jackon sich nicht so leicht geschlagen geben. »In der Seifensiederei könnte ich einen ganzen Schilling für die Knochen bekommen.«
»Was du nicht sagst. Warst du schon mal dort?«
»Ja«, log Jackon.
»Gut. Dann weißt du ja, dass sie am anderen Ende der Stadt liegt. Geh ruhig zur Seifensiederei. In der Zwischenzeit durchwühlen deine Nachbarn dein Schlupfloch und klauen alles, was du nicht am Leib trägst.«
»So etwas tun Schlammtaucher nicht«, gab Jackon kleinlaut zurück.
»Ach ja, richtig, die berühmte Bettlerehre.« Asher schnaubte noch einmal. »Ich geb dir einen kostenlosen Rat, Junge: Nimm den Viertelschilling und schwirr ab, bevor ich's mir anders überlege.«
Er warf eine Münze über den Tisch. Jackon hob sie auf und steckte sie ein, obwohl er dem Lumpenhändler lieber ins Gesicht gespuckt hätte. Während er davonging, lachten die drei Männer über ihn.
Einen lumpigen Viertelschilling, für einen ganzen Tag stumpfsinniges Warten bei seinen Netzen, für stundenlanges Hoffen, dass sich endlich einmal etwas darin verfing.
Aber was hätte er tun sollen? Asher wusste genau, dass Jackon auf ihn angewiesen war. Er konnte jeden Preis zahlen, den er wollte.
Jackon war zu hungrig, um sich in Selbstmitleid zu ergehen. Die Münze sicher in der Faust verwahrt, kehrte er der Glasbläserei den Rücken und eilte durch die unbewohnten Gassen, bis er zum Flussufer kam. Die Fischhändler bauten bereits ihre Stände ab und verstauten Kisten und Körbe auf ihren Booten. Möwen tummelten sich auf den alten Piers und Anlegestegen und stritten sich kreischend um die Fischabfälle. Vor den Garküchen am Rand des Hafenviertels herrschte Gedränge; Matrosen und Hafenarbeiter machten sich gierig über ihren Gerstenbrei oder Salzfisch her.
Jackon lief das Wasser im Mund zusammen, als er den geräucherten Stockfisch roch, der auf den Tischen auslag. Er stellte sich irgendwo an, wurde jedoch verjagt, bevor er beweisen konnte, dass er Geld besaß. Schließlich fand er eine Garküche, wo auch Schlammtaucher bedient wurden. Der Viertelschilling reichte gerade einmal für etwas lauwarme Erbsensuppe und ein Stück knochenhartes Brot. Er hielt seinen Holznapf hin und bettelte so lange, bis ihm der Verkäufer eine halbe Kelle mehr gab und ihn mit einem Fluch zum Teufel schickte.
Er suchte sich einen Platz auf der Ufermauer, wo er ungestört essen konnte, und ließ die Beine baumeln. Jeden Bissen kaute er so oft wie möglich; trotzdem quälte ihn der Hunger anschließend schlimmer als vorher. Er war schon jetzt recht mager. Wenn das so weiterging, bestand er bald nur noch aus Haut und Knochen. Wenigstens bin ich dann kein Leckerbissen für die Ghule mehr, dachte er grimmig.
Nachdem er aufgegessen hatte, blieb er noch eine Weile sitzen, um die letzten Sonnenstrahlen zu genießen. Er mochte das Flussufer. In seinem Rücken erstreckte sich die Grambeuge mit der Alten Glasbläserei, deren Bleidächer matt in der Sonne schimmerten, den alten Stadthäusern und den Hütten aus Holz, rostigem Blech und Segeltuch: ein Sammelsurium aus abenteuerlichen Konstruktionen, die gegen alle Erwartung dem Wind trotzten. Der Rauch von den Müllfeuern und Kohlepfannen vermischte sich manchmal mit den seltsamen Gerüchen vom Chymischen Weg, wo Alchymisten, Giftmischer und Wunderheiler Tag und Nacht mit exotischen und tödlichen Substanzen hantierten. Im Süden grenzte die Grambeuge an das Hafenviertel; die Bretterbuden wichen Lagerhallen, Werften und Tavernen mit Bleiglasfenstern, in denen Seeleute aus aller Herren Länder ein und aus gingen: dunkelhäutige Männer mit gezwirbelten Bärten aus Yaro D'ar, Kapitäne der aetherbe- triebenen Schaufelbarken, die den Rodis hinauf- und hinunter- schipperten, Walfänger aus Torle und Matrosen aus Ländern, die so fern und fremdartig waren, dass Jackon ihre Namen nicht aussprechen konnte. Auf der anderen Seite des Flusses lag der Luftschiffhafen Bradosts mit seinem Wald aus Ankermasten und den Hallen, die riesigen Muscheln ähnelten. Vom Flugfeld stiegen unaufhörlich Fesselballons und Luftschiffe auf und schwebten am glühenden Abendhimmel wie Untiere aus grauer Vorzeit.
Als die Sonne hinter dem Phönixturm versank, machte Jackon sich auf den Weg zu den Kanälen. Er entschied sich für einen Zugang im Hafenviertel, obwohl dies einen kleinen Umweg bedeutete. Aber nach dem Ärger mit Asher hatte er keine Lust, anderen Schlammtauchern zu begegnen. Schlimm genug, dass er jeden Abend mit ihnen in der Glasbläserei zusammentraf. Heute hatten sie ihn in Ruhe gelassen, vermutlich weil ihnen der Vorfall mit den Ghulen zu schaffen machte. An den meisten anderen Tagen hatte er nicht so viel Glück.
Bei den Kais stieg er eine steile Treppe hinab. Keinen halben Schritt über dem Fluss war ein schmiedeeisernes Tor in die Ufermauer eingelassen; braunes Wasser schwappte gegen die Schwelle. Jackon schlüpfte durch den Spalt zwischen den rostigen Torflügeln und betrat die Unterwelt von Bradost.
Er war in den Abwassertunneln aufgewachsen und kannte sie wie seine Westentasche; er brauchte kein Licht, um sich darin zurechtzufinden. Außerdem war offenes Licht gefährlich: Manchmal bildeten sich faulige Dämpfe in den Tunneln, die sich leicht entzündeten und Gänge zum Einsturz brachten, wenn sie explodierten. Deshalb hausten die meisten Schlammtaucher in den Katakomben unter der Altstadt oder in Flussnähe, wo frische Luft in die Tunnel drang. In der Nähe des Hauptsammlers, wo es besonders gefährlich war, lebten nur die Ausgestoßenen: Mörder, Verrückte, Cholerakranke, Leute, die sich vor den Spiegelmännern versteckten - und Jackon.
Er gelangte in eine Abwasserleitung, der er stadteinwärts folgte, indem er sich auf dem steinernen Steg neben dem Abwasserstrom hielt, seine Schritte zählte und auf die Geräusche in der Dunkelheit achtete. Als er den breiteren Haupttunnel erreichte, stieg er eine eiserne Leiter hinab und zwängte sich durch die zertrümmerten Überreste eines hydraulischen Tores. Sein Weg führte ihn durch Gänge und Hallen, die nur noch teilweise zum Abwassersystem Bradosts gehörten: uralte Zisternen, Keller und Schächte aufgegebener Manufakturen, vom Fluss ausgewaschene Höhlen, Kasematten vergessener Festungsanlagen. Nicht einmal Jackon wusste, wohin all diese Tunnel und Stollen führten. Einige waren viele Meilen lang und erstreckten sich angeblich bis zu den alten Grabgängen und Beinhäusern tief unter der Stadt.
Schließlich hörte er ein vertrautes Rauschen, das sich zu einem ohrenbetäubenden Tosen steigerte, als der Tunnel in den Hauptsammler mündete.
Obwohl Jackon daran gewöhnt war, raubte ihm der Gestank schier den Atem. Aus mehr als einem Dutzend Leitungen stürzten die Abwässer in die gewaltige Zisterne, die mit ihren gemauerten Bögen und steinernen Rippen einer unterirdischen Kathedrale ähnelte. Fahles Licht aus einem Deckenschacht fiel auf Simse, Treppenfluchten und gusseiserne Geländer, bis es sich in der Dunkelheit verlor.
Jackon fürchtete sich nicht vor der Finsternis; dennoch pochte sein Herz bis zum Hals, als er einem der Simse folgte. Denn er kannte die Gefahren, die dort unten in der Tiefe lauerten, nur zu gut.
Er kletterte in eine mannshohe Abwasserleitung, und Erleichterung durchströmte ihn beim Anblick des fernen Lichtscheins. Einige Tunnelbewohner besaßen Gaslaternen, bei denen keine Gefahr bestand, dass sie die Dämpfe in den Gängen entzündeten. Ihre Besitzer löschten sie nie - die Ghule hassten helles Licht.
Jackons Behausung befand sich am äußersten Rand der beleuchteten Tunnel, denn nicht einmal die Ausgestoßenen duldeten ihn in ihrer Nähe. Im Kanal waren seine Netze aufgespannt. Er überprüfte, ob sich etwas darin verfangen hatte, während er fort war, fand zu seiner Enttäuschung jedoch nur ein paar Knochen. Er stopfte sie in seinen Beutel, kletterte über die Planke, die über dem Abwasserstrom lag, und schlüpfte in eine Öffnung in der Tunnelwand. Dahinter befand sich sein Zuhause: eine kleine Kammer mit einigen Kisten, einem Bett aus strohgefüllten Säcken und einer rostigen Leiter, die zu einem Luftschacht führte.
Er hatte im Tunnel keine Dämpfe gerochen und entschied, dass er ein wenig Licht riskieren konnte. Er zog eine Kiste hervor, die seine Schätze enthielt; Dinge, die er im Lauf der Jahre gefunden, gestohlen oder aus dem Kanal gefischt hatte: einen Kavalleriesäbel mit abgebrochener Klinge, ein Ersatznetz, eine löchrige Hose, einen Feuerstein und einen Kerzenstummel.
Mit dem Feuerstein und einigen Holzspänen zündete er die Kerze an und setzte sich auf das Schlaflager.
Aus der Dunkelheit seiner Kammer schälte sich eine Gestalt.
Jackon keuchte vor Entsetzen auf und griff nach dem Säbel; dabei ließ er die Kerze fallen. Er hörte ein wütendes Knurren, dann packten ihn kräftige Hände am Hemdkragen und zogen ihn auf die Füße, bevor er den Säbel zu fassen bekam.
Der flackernde Kerzenschein fiel auf ein entstelltes Gesicht. Hinter der fliehenden Stirn standen die Haare in alle Richtungen ab. Ein fauliger Geruch, widerwärtiger noch als der Gestank des Abwassers, schlug ihm entgegen.
»Da bist du ja, du Wicht. Dachte schon, du hättest dich vor Angst verkrochen.«
Darren!, begriff Jackon erleichtert, während er nach Luft schnappte. Es ist nur Darren!
Dann wurde ihm klar, dass dies nicht unbedingt Anlass zur Erleichterung bot.
Seine Füße scharrten über den Boden. Vergeblich versuchte er, sich aus dem eisernen Griff zu befreien.
»Wie oft hat Darren dir gesagt, du sollst ihn in Ruhe lassen? Na?«
»Hab nichts gemacht«, ächzte Jackon, was den Eindringling veranlasste, ihn so heftig zu schütteln, dass seine Zähne auf- einanderschlugen.
»Dreckiger Lügner! Gestern Nacht warst du wieder in Darrens Kopf.«
»Ich weiß nicht, was du Der Rest des Satzes blieb Jackon im Hals stecken, als Darren ihn auf die Strohsäcke schleuderte. Dann beugte sich der Hüne über ihn und bleckte seine verfaulten Zahnstümpfe. Die beiden Hälften seines Gesichts passten nicht richtig zusammen: Das rechte Auge befand sich nicht auf der gleichen Höhe wie das linke, eine Wange hing herunter, als gäbe es keine Muskeln, die ihr Form verliehen.
»Das passiert, wenn man Darren wütend macht«, knurrte der Missgestaltete und trat gegen eine Kiste, sodass sie in den Kanal fiel.
»Nicht meine Sachen!«, rief Jackon. Er stürzte zum Ausgang der Kammer, bekam die Kiste jedoch nicht mehr zu fassen und konnte nur noch dabei zusehen, wie sie fortgespült wurde.
Darren packte ihn am Nacken und zog ihn zurück in die Kammer, wo er ihn auf den Boden schleuderte. »Merk dir das, du kleiner Hurensohn. Beim nächsten Mal wirft Darren dich hinein.«
Mit schweren Schritten stapfte der Hüne über die Planke und beförderte das Brett mit einem Tritt in die Brühe, bevor er davonschlurfte und Jackon die Ghule an den Hals wünschte.
Jackon rieb seinen schmerzenden Nacken bis er verbranntes Stroh roch. Fluchend wirbelte er herum, schüttelte die Kerze vom Strohsack herunter und trat die Flammen aus. Dann hob er die Kerze auf, die in dem ganzen Durcheinander erloschen war, zündete sie an einem glimmenden Halm an und stellte sie behutsam in eine kleine Nische im Mauerwerk. Sie war alles, was er noch besaß, abgesehen von den Säcken und den Kleidern am Leib. Seine Kiste, der Säbel und der Rest seiner Sachen waren im Schlund des Hauptsammlers verschwunden. Nicht einmal die Planke hat er mir gelassen, dachte er niedergeschlagen.
Er setzte sich auf sein Schlaflager und versuchte, seinen knurrenden Magen zu ignorieren.
Wenigstens das Netz hatte er noch. Ohne das Netz taugte er nicht einmal mehr zum Schlammtaucher und könnte sich ebenso gut in den Hauptsammler stürzen. Er konnte nur hoffen, dass sich in den nächsten Tagen ein paar brauchbare Dinge darin verfingen, denn er benötigte dringend eine neue Planke und vor allem etwas zu essen. Allein mit den Knochen und Leinenresten kam er nicht mehr weit, denn es war abzusehen, dass Asher die Preise weiter drücken würde.
Heute war wahrlich nicht sein Glückstag.
Wenn er nur wüsste, was er tun könnte, damit Darren und die anderen Ausgestoßenen ihn in Ruhe ließen.
Es war nicht der erste Vorfall dieser Art. Früher, als er noch in Flussnähe gelebt hatte, war keine Woche vergangen, in der man ihm nicht vorwarf, er hätte die anderen Bewohner der Abwasserkanäle nachts belästigt und im Schlaf heimgesucht. Er dachte, es würde besser werden, nachdem er sich eine andere Unterkunft gesucht hatte, weit weg von den Quartieren der Schlammtaucher. Ein Irrtum. Seitdem brachte er die Ausgestoßenen gegen sich auf, was noch schlimmer war, denn bei den meisten handelte es sich um gewalttätige Verrückte wie Darren.
Er wollte niemanden belästigen, tagsüber nicht, und erst recht nicht nachts. Er wollte sich nur um seine Netze kümmern, in der Hoffnung, mit seinen Funden etwas Geld zu verdienen. Und er trieb sich auch nicht in den Köpfen anderer Leute herum. Wie sollte so etwas überhaupt möglich sein?
Plötzlich war er so erschöpft, dass er sich hinlegen musste. Er schloss die Augen und hätte gerne gebetet, doch ihm fiel kein einziges Gebet ein.
Er musste eingeschlafen sein, denn als er die Augen öffnete, war es dunkel in seinem Schlupfwinkel. Von draußen drang Gaslicht herein. In der Ferne rauschte der Hauptsammler.
Er sah nach seiner Kerze. Lediglich ein unbrauchbarer Stummel war noch davon übrig. Er verfluchte sich dafür, dass er in seinem Elend vergessen hatte, sie rechtzeitig zu löschen. Jetzt hatte er kein Licht mehr.
Dunkelheit lockte die Ghule an.
Es musste nur die Gaslaterne am Zugang des Tunnels ausfallen, und schon wäre der gesamte Gang stockfinster.
Jackon schluckte trocken. Er durfte jetzt nicht in Panik verfallen. Es war schon schlimm genug, dass er beinahe verhungerte.
Er brauchte eine neue Unterkunft. Hier, so nahe bei der Pumpstation, durfte er nicht bleiben. Alys hatte die Ghule gewiss nicht satt gemacht. Möglich, dass nun ihre Gier erwacht war und sie die Tunnel durchstreiften, auf der Jagd nach neuer Beute.
Er holte seine Netze ein und stopfte sie in den Beutel. Die Säcke musste er hierlassen, denn sie würden ihn bei einem langen Marsch durch die Tunnel nur behindern. Da er keinen Wert darauf legte, Darren zu begegnen, beschloss er, die Kammer durch den Luftschacht zu verlassen. Vielleicht konnte er im Hafenviertel schlafen, bis er eine neue Kerze aufgetrieben hatte.
Gerade als er die Leiter hinaufkletterte, ertönte ein grässlicher Schrei. Jackon erschrak so sehr, dass er abrutschte und mit dem Rücken auf die Säcke fiel.
Was, bei allen Namen Tessarions, war das?
Er wälzte sich herum und starrte zum Eingang der Kammer hinaus.
Schatten tanzten über die Kanalwände. Zuckende Schemen, wie gewaltige Schwingen. Noch einmal ertönte der Schrei. Ein unmenschliches Krächzen, das ihm schier das Blut gefrieren ließ.
Steh auf!, sagte er sich. Steh auf und lauf! Doch seine Beine wollten ihm nicht gehorchen. Sämtliche Kraft schien seinen Körper verlassen zu haben.
Die Schatten wurden kleiner, verschwanden. Das sind keine Ghule, durchfuhr es ihn plötzlich. Dieses Krächzten Das ist nur.
Eine Krähe. Sie landete in der Öffnung und blickte ihn unverwandt an.
Jackon war so verblüfft, dass er wie erstarrt liegen blieb. Vor lauter Hunger und Ärger mit Asher und Darren hatte er die Sache mit den Krähen völlig vergessen. Doch ganz offensichtlich hatten sie ihn nicht vergessen. Und jetzt folgten sie ihm schon in die Kanäle.
Jackons Entsetzen wich Zorn - Zorn darüber, dass ein dummer Vogel es geschafft hatte, ihm Todesangst einzujagen. Er federte hoch und holte mit seinem Beutel aus. Doch bevor er ihn
werfen konnte, veränderte die Krähe ihre Gestalt. Sie wuchs
und verschwamm zu einer unförmigen schwarzen Masse, aus Flügeln wurden Arme, aus Krallenfüßen Beine, aus einem Schnabel und zwei Knopfaugen bildete sich ein menschliches Gesicht, alles innerhalb eines Herzschlags.
Jackon ließ den Beutel fallen und taumelte keuchend zurück.
Wo eben noch der Vogel gesessen hatte, stand nun ein Mann. Sein Mantel war so schwarz wie Krähengefieder, sein haarloser Schädel leichenblass.
Seine Hand schnellte vor und schloss sich um Jackons Arm.
Jackon schrie.

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