Buch
Taschenbuch (508 Seiten)
Sprache: Deutsch
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Scarpettas bisher bedrohlichster Fall: Der Sandmann, ein grausamer Killer, geht um
Die 16-jährige Drew Martin, Shooting-Star am Tennishimmel, fällt in Rom einem abscheulichen Verbrechen zum Opfer. Nachdem er sie grausam gefoltert hat, füllt der Mörder Drews leere Augenhöhlen mit Sand, bevor er ihre Lider für immer verschließt. Die italienischen Carabinieri sind überfordert und bitten Gerichtsmedizinerin Dr. Kay Scarpetta um Hilfe. Der Sandmann kommt aus den USA. Und der Tennisstar ist nicht sein letztes Opfer ...
Ausgezeichnet mit dem British Book Award 2008 in der Kategorie BESTER THRILLER DES JAHRES.
Pressestimmen:
"Patricia Cornwell versetzt uns mit ihrer Kultfigur Kay Scarpetta immer wieder in Entsetzen und hypnotische Spannung." Cosmopolitan
| Verkaufsrang: | 6.311 |
|---|---|
| ISBN-10: | 3-442-46101-4 |
| EAN: | 9783442461011 |
| Originaltitel: | Book of the Dead |
| Erschienen: | 12.10.2009 |
| Verlag: | Goldmann Taschenbuch |
| Einband: | Taschenbuch |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 508 |
| Länge/Breite: | 187mm/119mm |
| Gewicht: | 408 g |
| Übersetzer: | Karin Dufner |
| Reihe: | Goldmanns Taschenbücher |
Patricia Cornwell, geboren 1956 in Miami, arbeitete als Gerichtsreporterin und Computerspezialistin in der forensischen Medizin, bevor sie mit ihren Thrillern um Kay Scarpetta internationale Erfolge feierte und mit hohen literarischen Auszeichnungen bedacht wurde. Die Autorin lebt derzeit in New York und Florida.
von Sabine, am 26.03.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 12.10.2010
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von Blacky, am 12.07.2010
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von einer Kundin/einem Kunden, am 16.06.2010
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von IBO, am 15.11.2009
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von Sandra Byrohl, am 15.09.2009
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Rom
Wasser plätschert. Eine Wanne aus grauen Mosaikfliesen, tief im Terrakottaboden versenkt.
Langsam rinnt das Wasser aus dem alten Messinghahn; durch ein Fenster dringt Dunkelheit herein. Auf der anderen Seite der schmutzigen Glasscheibe liegen die piazza, der Brunnen, die Nacht.
Reglos sitzt sie im Wasser. Das Wasser ist sehr kalt, Eiswürfel schwimmen darin. Inzwischen ist ihr Blick stumpf. Fast alles Leben scheint aus ihren Augen gewichen. Anfangs waren ihre Augen noch wie Hände, die sich ihm entgegenstreckten und ihn um Gnade anflehten. Nun aber haben sie einen schmutzig-trüben Blauton angenommen. Was einst in ihnen gewesen war, ist nahezu verschwunden. Bald wird sie eingeschlafen sein.
"Hier." Er reicht ihr einen Cognacschwenker aus mundgeblasenem Muranoglas. Wodka.
Ihn faszinieren die Teile ihres Körpers, die noch nie die Sonne gesehen haben. Sie sind bleich wie Kalkstein. Er dreht den Hahn fast ganz zu, aus dem Rinnsal werden einzelne Tropfen, und beobachtet, wie ihr Atem immer schneller geht und ihre Zähne klappern. Ihre hellen Brüste, zart wie weiße Blüten, treiben dicht unter der Wasseroberfläche. Ihre von der Kälte steifen Brustwarzen sind feste, rosige Knospen. Er muss an die Bleistifte mit dem rosafarbenen Radiergummistummel denken, die er als Schüler abgekaut hat. Seinem Vater - und manchmal auch seiner Mutter - erklärte er, er brauche keine Radiergummis, er mache sowieso keine Fehler.
Aber in Wahrheit kaute er nun mal gern drauf herum. Dagegen war er einfach machtlos.
"Du wirst dich an meinen Namen erinnern", sagt er zu ihr.
"Nein, bestimmt nicht", erwidert sie. "Ich kann ihn wieder vergessen." Ihre Zähne klappern.
Er weiß, warum sie das sagt. Wenn sie seinen Namen vergisst, könnte er vielleicht ihr Schicksal neu überdenken wie in einem Schlachtplan, der an eine veränderte Lage angepasst werden muss.
"Wie heiße ich?", fragt er. "Sag mir meinen Namen."
"Ich kann mich nicht erinnern." Sie zittert und schluchzt.
"Sag ihn mir", herrscht er sie an und betrachtet dabei ihre sonnengebräunten, von Gänsehaut bedeckten Arme mit den blonden aufgestellten Härchen, ihre jungen Brüste und die dunkle Stelle im Wasser zwischen ihren Beinen.
"Will."
"Und wie weiter?" "Rambo."
"Du findest diesen Namen komisch", sagt er und lässt sich nackt auf dem Toilettensitz nieder. Sie schüttelt heftig den Kopf.
Lügnerin. Sie hat sich über ihn lustig gemacht, als er ihr seinen Namen sagte, und gelacht, das sei doch ein erfundener Name, ein Name aus einem Film. Nein, sagte er, der Name ist schwedisch. Unsinn, das ist kein schwedischer Name. Doch, es ist ein schwedischer Name. Oder woher soll er denn sonst stammen? Es gibt diesen Namen wirklich. Na klar, so wie Rocky. Sie kicherte. Schau doch im Internet nach, den Namen gibt es wirklich. Es gefiel ihm nicht, sich wegen seines Namens rechtfertigen zu müssen. Das war vor zwei Tagen. Er hat es ihr zwar nicht übel genommen, es sich jedoch gemerkt. Aber er verzeiht ihr. Schließlich leidet sie sehr. Ihr Leid ist geradezu unerträglich.
"Meinen Namen zu kennen ist wie ein Echo", sagt er. "Eigentlich spielt er keine Rolle. Er ist nur ein Geräusch, das ausgesprochen wird."
"Ich würde ihn niemals aussprechen." Panik.
Ihre Lippen und ihre Nägel sind blau, und sie zittert am ganzen Leib. Sie starrt ihn an. Er fordert sie auf, noch mehr zu trinken. Sie wagt nicht, sich zu weigern. Sie weiß genau, was ihr blüht, wenn sie auch nur im Ansatz Widerstand leistet. Ein kleiner Schrei genügt, das ist ihr klar. Ruhig sitzt er auf der Toilette, die Beine gespreizt, damit sie sieht, wie erregt er ist, und sich davor fürchtet. Inzwischen fleht sie ihn nicht mehr an, doch mit ihr zu machen, was er will, falls das der Grund sein sollte, warum er sie gefangen hält. Sie hat es aufgegeben, denn sie weiß, was geschieht, wenn sie ihn beleidigt, indem sie auch nur andeutet, dass er überhaupt etwas von ihr wollen könnte. Und nicht sie es will und sich ihm bereitwillig hingibt.
"Du weißt, ich habe dich nur freundlich gebeten", sagt er.
"Ich weiß nicht." Ihre Zähne klappern.
"Du weißt es sehr gut. Ich habe dich gebeten, dich bei mir zu bedanken. Mehr verlange ich nicht, und ich war nett zu dir. Ich habe dich ganz freundlich gefragt, aber du wolltest es ja so. Du hast mich dazu gezwungen. Siehst du" - er steht auf und betrachtet seine Nacktheit im Spiegel über dem glatten Waschbecken aus Marmor -, "ich muss es tun, weil du so leidest. Eigentlich will ich das ja gar nicht. Du hast mir wehgetan. Ist dir klar, wie sehr es mich quält, von dir dazu gezwungen zu werden?", sagt sein nacktes Spiegelbild.
Sie sagt, sie habe verstanden. Ihre Augen irren durch den Raum wie fliegende Glasscherben, als er den Werkzeugkasten öffnet und ihr Blick auf die Teppichcutter, Messer und Sägen fällt. Er nimmt einen kleinen Beutel mit Sand heraus und stellt ihn auf den Waschbeckenrand. Es folgen einige Ampullen mit lavendelfarbenem Klebstoff.
"Ich mache alles, was du willst. Du kannst von mir haben, was du willst." Jetzt fängt sie schon wieder damit an.
Sie kann es einfach nicht lassen, obwohl er es ihr streng verboten hat.
Als seine Hände ins Wasser tauchen, spürt er die beißende Kälte. Er packt ihre nassen, sonnengebräunten Knöchel, reißt sie hoch und umklammert ihre kalten weißen Füße. Dabei spürt er, wie sich vor Angst ihre Muskeln verkrampfen. Als er sie so ein bisschen länger festhält als beim letzten Mal, sträubt sie sich und rudert wild mit den Armen. Das eisige Wasser spritzt umher. Schließlich lässt er los. Sie hustet, schnappt gierig nach Luft, wimmert leise. Aber sie beschwert sich nicht. Sie hat gelernt, sich nicht zu beschweren - es hat eine Zeitlang gedauert, aber sie hat es gelernt. Das war nur zu ihrem Besten, denn nun ist sie dankbar dafür, ein Opfer zu bringen, das sein Leben - nicht ihres, seines - verändern wird. Wenn auch nicht zum Guten. Aber er hatte ja nie ein gutes Leben. Wird auch nie eines haben. Sie sollte sich über dieses Geschenk freuen.