Tödliche Saturnalien

Ein Krimi aus dem alten Rom

von John Maddox Roberts

Buch

Taschenbuch (280 Seiten)

Sprache: Deutsch

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Weitere Artikelinformationen

Decius Caecilius Metellus kehrt nach Rom zurück, um seinem verstorbenen Verwandten Celer die letzte Ehre zu erweisen. Als das Gerücht aufkommt, Celer sei von seiner Frau Clodia vergiftet worden, forscht Decius nach und findet sich schnell in der geheimnisvollen Welt der Hexen und Wahrsagerinnen wieder. In dieser dunklen Welt steht sein Leben bald auf dem Spiel ...






Produktdetails

ISBN-10: 3-442-55379-2
EAN: 9783442553792
Originaltitel: Saturnalia
Erschienen: 01.06.2004
Verlag: Portobello
Einband: Taschenbuch
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 280
Länge/Breite: 182mm/114mm
Gewicht: 197 g
Übersetzer: Kristian Aus d. Englischen v. Lutze
Reihe: Goldmanns Taschenbücher (Portobello)
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Kristian Aus d. Englischen v. Lutze

Lee Vance studierte in Harvard und arbeitete lange Jahre für Goldman Sachs, eine der ältesten und angesehensten Investmentbanken der Welt. Er lebt mit seiner Familie in New York.

John Maddox Roberts

John Maddox Roberts, 1947 in Ohio geboren, machte sich zunächst als Autor zahlreicher Science-Fiction-Romane einen Namen. Sein erster historischer Kriminalroman »SPQR« wurde 1991 für den Edgar Allan Poe Award nominiert und war der Beginn einer Serie ausgesprochen erfolgreicher Romane mit dem Helden Decius Caecilius Metellus.

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Es war ein ungemütlicher Dezembertag, als ich meinen Fuß nach langer Zeit erstmals wieder auf italienischen Boden setzte. Der Wind blies mir den kalten Regen ins Gesicht, als der kleine Marinekutter die Ruder einzog und am Dock von Tarentum festmachte. Es war eine üble Jahreszeit, um auf See unterwegs zu sein, die Schifffahrtssaison lag bereits Monate zurück. Aber wenn man mich fragt, gibt es ohnehin keine gute Jahreszeit für Schiffsreisen. Wir hatten Rhodos bei ähnlich miesem Wetter verlassen, uns mühselig von Insel zu Insel und dann weiter an der zerklüfteten Küste vorgearbeitet. Wir hatten die Meerenge zwischen Griechenland und Italien passiert und die Südostspitze Italiens umschifft, bis wir die ruhigen Gewässer des tarentischen Golfs erreicht hatten.
Ich kletterte den Landungssteg hinauf und betrat das Land mit dem vertrauten Gefühl nachhaltiger Erleichterung. Ich sank zwar nicht direkt auf die Knie und küsste den Boden, aber es war nur mein Sinn für Anstand, der mich davon abhielt. Sofort begann mein Magen sich zu stabilisieren. Nur der Regen wollte nicht aufhören.
"Land!" rief Hermes mit tiefer, von Herzen empfundener Dankbarkeit, die Bündel mit unseren Sachen unter beide Arme geklemmt. Er hasste das Meer noch mehr als ich.
"Genieß es, solange du kannst", riet ich ihm. "Denn schon bald wirst du deinen revoltierenden Magen gegen einen wundgescheuerten Hintern eintauschen."
"Du meinst, wir müssen reiten}" Pferde hasste er fast so sehr wie das Meer.
"Hast du geglaubt, wir würden nach Rom laufen?"
"Ich denke, das würde ich aushalten. Wie weit ist es denn?"
"Fast dreihundert Meilen, glücklicherweise die ganze Zeit über erstklassige Straßen. Wir folgen der Via Appia zunächst bis Capua und bleiben dann entweder auf der Via Appia bis Rom oder nehmen die Via Latina, je nachdem wie die Straßenverhältnisse sind. Vielleicht ist die Via Latina um diese Jahreszeit etwas trockener."
"So weit?" fragte Hermes. Als Sklave in meinen Diensten war er schon weiter gereist als die meisten Jungen seines Alters, dessen ungeachtet waren seine geographischen Kenntnisse noch immer recht vage. "Aber wir sind doch in Italien!"
"Es gibt mehr von Italien, als du dir träumen lässt. Jetzt geh und hol unser restliches Gepäck." Grummelnd kehrte er aufs Schiff zurück, um meine Seekiste und die anderen Sachen zu holen. Derweil betrat ein offiziell aussehender Mann in Begleitung eines Sekretärs den Pier.
"Quintus Silanus", stellte er sich vor, "Hafenmeister. Und du bist...?"
"Decius Caecilius Metellus der Jüngere", erklärte ich ihm.
"Der Sohn des Censors, wie? Man hat uns informiert, daß du entweder hier oder in Brundisium ankommen würdest. Willkommen daheim in Italien, Senator. Wir haben Vorkehrungen getroffen, damit du so schnell wie möglich nach Rom kommst."
Ich war beeindruckt. Ich hatte mich vorher nie für so wichtig gehalten. "Tatsächlich? Was für Vorkehrungen?"
"Laß uns ins Trockene gehen", schlug Silanus vor. Ich folgte ihm zu einem Gebäude unweit des Marinedocks, wo wir uns unter dem Porticus den Regen aus unserer Kleidung schüttelten, bevor wir das Büro betraten.
"Hier, nimm einen Schluck, das beruhigt den Magen", sagte Silanus. Ein Sklave goß mir einen Becher Weißwein ein.
Es war ein durchaus trinkbarer, nicht zu verwässerter Bruttier.
"Im städtischen Stall nahe der Porta Appia stehen Pferde für dich bereit, und irgendwo muß ich auch Proviant-Anweisungen für dich haben, damit du sie auf dem Weg nach Rom füttern und in öffentlichen Ställen unterstellen kannst. Im Bedarfsfall kannst du auch frische Pferde bekommen." Er kramte etwa eine Minute lang in diversen Fächern, bis ihn sein Sekretär elegant zur Seite schob, zielstrebig in eines der Fächer griff und einen Lederbeutel voller kleiner Schriftrollen hervorzog.
"Wer hat das alles veranlaßt?" fragte ich.
"Der Censor", sagt Silanus. "Hast du das nicht erwartet?"
"Eigentlich nicht", gab ich zu. "Sein Ruf erreichte mich auf Rhodos, und ich habe das erstbeste Schiff nach Italien genommen. Ich war allerdings davon ausgegangen, daß ich mich selbst um die Weiterreise nach Rom kümmern müßte. Für gewöhnlich stürzt mein Vater zur Begrüßung nicht mit ausgebreiteten Armen und wehender Toga aus dem Tor, wenn ich nach Hause komme, wenn du verstehst, was ich meine."
"So sind Väter nun mal", sagte Silanus und goß sich selbst einen Becher Wein ein. "Man kann nicht erwarten, daß sie sich wie eine alte sabinische Krankenschwester benehmen."
"Wohl nicht. Und wie läuft es zur Zeit so in der Gegend?"
"Ungewöhnlich ruhig. Du kannst deine Waffen zur Abwechslung einmal eingepackt lassen."
"Und wie ist es in der Stadt?" fragte ich.
"Dazu kann ich nicht viel sagen. Aber ich habe gehört, es soll in letzter Zeit recht rauh zugehen."
"Clodius?" Es war das Jahr, in dem Clodius für das Tribunat kandidierte, das damals in vielerlei Hinsicht das mächtigste politische Amt in Rom war. Und wenn Clodius gewählt werden sollte, wäre er ein Jahr lang sowohl ungeheuer mächtig als auch sakrosankt, unberührbar durch das Gesetz oder seine Mitbürger. Allein der Gedanke verursachte mir Bauchgrimmen. Allgemein ging man davon aus, daß er die Wahl sicher gewinnen würde. Die Claudier waren an sich Patrizier und damit von diesem Amt ausgeschlossen; doch Clodius hatte Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um zur Plebs übertreten zu dürfen. Schließlich war ihm das dank des Einflusses von Caesar und Pompeius auch gelungen. Er hatte sein Ziel erreicht, indem er sich von einem obskuren plebejischen Verwandten namens Fronteius adoptieren ließ. Jeder, der sich diesem Übertritt widersetzt hatte, durfte für das kommende Jahr allerlei Unannehmlichkeiten erwarten.
"Er ist Caesars Bluthund", sagte Silanus, "aber man sagt, daß der Konsul ihn an der langen Leine läßt." Wie alle anderen sprach auch Silanus von Caesar, als sei er alleiniger Konsul. Sein Amtskollege Bibulus war eine derart unbedeutende Figur, daß die Römer dieses Jahr seither stets als das des "Konsulats von Julius und Caesar" bezeichnet haben. Ich steckte die Vollmachten ein, sammelte meinen Sklaven und mein Gepäck ein und trottete im Regen durch die Porta Appia.
An sich war vereinbart, daß ich erst nach Rom zurückkehren sollte, wenn Clodius seine Amtszeit beendet und Rom verlassen hatte. Andererseits war aber nicht vorgesehen, daß Metellus Celer starb. Die Anordnung meines Vaters war, gelinde gesagt, kategorisch gewesen.
Unser Verwandter Quintus Caecilius Metellus Celer ist tot, vermutlich vergiftet. Anläßlich seiner Beerdigung tritt der Familienrat zusammen. Du hast unverzüglich nach Rom zurückzukehren.
Mir kam das ein wenig übertrieben vor. Celer war zugegebenermaßen einer der bedeutendsten Caecilier seiner Zeit, aber normalerweise hätten lediglich die engste Familie und alle Mitglieder der Gens, die sich zur Zeit zufällig in Rom aufhielten, an seiner Beerdigung teilgenommen und sich um die weiteren Rituale gekümmert, die das Hinscheiden eines so berühmten Mannes begleiteten. Daß Caecilier von so entlegenen Orten wie Rhodos heimbeordert wurden, deutete vielmehr darauf hin, daß eine politische Krise bevorstand.
Wir Meteller sind stets politische Menschen gewesen, aber ich war das einzige Familienmitglied, dessen Anwesenheit in Rom als politisch wenig ratsam galt. Mein Talent, mir Feinde zu machen, war schon bemerkenswert für einen Mann ohne jeden politischen Ehrgeiz. Vor allem Menschen, die etwas zu verbergen hatten, wurden in meiner Gegenwart unruhig.
Am Stadttor wählten Hermes und ich unsere Pferde und packten unsere spärlichen Habseligkeiten auf einen dritten Gaul. Als wir losritten, hüpfte Hermes in seinem Sattel so auf und ab, daß schon das Zuschauen schmerzte, aber ich konnte nur herzhaft darüber lachen. Ich selbst war ein passabler Reiter. Als kleiner Junge bin ich auf sanftmütigen Gäulen über unsere ländlichen Anwesen geritten, und als ich die Toga eines Mannes anlegen durfte, schickte mich mein Vater zum Unterricht bei den Männern, die im Circus neben den Wagen her galoppieren und die Vierspänner vorwärtstreiben. Diese Übung kam mir bei meinem militärischen Einsatz in Spanien gut zustatten, denn ein Großteil der Jagd auf die Freiheitskämpfer, die sich in die Berge zurückgezogen hatten, wurde zu Pferde erledigt.

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