Rabenliebe
Leseprobe

Rabenliebe

Roman. Ausgezeichnet mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis 2010 und dem Publikumspreis der Tage der deutschsprachigen Literatur 2010

von Peter Wawerzinek

Buch

gebunden (427 Seiten)

1. Auflage

Sprache: Deutsch

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Bachmannpreis 2010 plus Publikumspreis für Rabenliebe.
Ein Buch wie ein Erdbeben. Über fünfzig Jahre quälte sich Peter Wawerzinek mit der Frage, warum seine Mutter ihn als Waise in der DDR zurückgelassen hatte. Dann fand und besuchte er sie. Das Ergebnis ist ein literarischer Sprengsatz, wie ihn die deutsche Literatur noch nicht zu bieten hatte. Ihre Abwesenheit war das schwarze Loch, der alles verschlingende Negativpol in Peter Wawerzineks Leben. Wie hatte seine Mutter es ihm antun können, ihn als Kleinkind in der DDR zurückzulassen, als sie in den Westen floh? Der Junge, herumgereicht in verschiedenen Kinderheimen, blieb stumm bis weit ins vierte Jahr, mied Menschen, lauschte lieber den Vögeln, ahmte ihren Gesang nach, auf dem Rücken liegend, tschilpend und tschirpend. Die Köchin des Heims wollte ihn adoptieren, ihr Mann wollte das nicht. Eine Handwerkerfamilie nahm ihn auf, gab ihn aber wieder ans Heim zurück.
Wo war Heimat? Wo seine Wurzeln? Wo gehörte er hin? Dass er auch eine Schwester hat, erfuhr er mit vierzehn. Im Heim hatte ihm niemand davon erzählt, auch später die ungeliebte Adoptionsmutter nicht. Als Grenzsoldat unternahm er einen Fluchtversuch Richtung Mutter in den Westen, kehrte aber, schon jenseits des Grenzzauns, auf halbem Weg wieder um. Wollte er sie, die ihn ausgestoßen und sich nie gemeldet hatte, wirklich wiedersehen? Zeitlebens kämpfte Peter Wawerzinek mit seiner Mutterlosigkeit.
Als er sie Jahre nach dem Mauerfall aufsuchte und mit ihr die acht Halbgeschwister, die alle in derselben Kleinstadt lebten, war das über die Jahrzehnte überlebensgroß gewordene Mutterbild der Wirklichkeit nicht gewachsen. Es blieb bei der einzigen Begegnung.
Aber sie löste - nach jahrelanger Veröffentlichungspause - einen Schreibschub bei Peter Wawerzinek aus, in dem er sich das Trauma aus dem Leib schrieb: Über Jahre hinweg arbeitete er wie besessen an Rabenliebe, übersetzte das lebenslange Gefühl von Verlassenheit, Verlorenheit und Muttersehnsucht in ein großes Stück Literatur, das in der deutschsprachigen Literatur seinesgleichen noch nicht hatte.

Produktdetails

ISBN-10: 3-86971-020-9
EAN: 9783869710204
Erschienen: 19.08.2010
Verlag: Galiani Verlag
Einband: gebunden
Sprache(n): Deutsch
Auflage: 1. Auflage
Seitenzahl: 427
Gewicht: 520 g
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Peter Wawerzinek

Peter Wawerzinek wurde unter dem Namen Peter Runkel 1954 in Rostock geboren. Er wuchs in verschiedenen Heimen und bei verschiedenen Pflegefamilien auf. Seit 1988 ist er freier Schriftsteller, Regisseur, Hörspielautor und Sänger.

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Buchhändlertipps

  • Der Begrüßungskuchen von Lidl

    von Rudy Sturmer, am 31.12.2010 aus der Thalia-Buchhandlung in Wien

    Man muss den Mann einfach gern haben, überhaupt, wenn man ihn erzählen hört. Er hat einen Sinn für absurde Situationen (manche würden es "Überlebensstrategie Galgenhumor" nennen). Da hat ihn also seine Mutter als Kleinkind in der damaligen DDR zurückgelassen, über 50 Jahre sucht er sie und als er sie findet, begrüßt sie ihn in etwa mit den Worten "Na, da bist du ja endlich" und serviert ihm einen dieser bereits in der Packung schon bröseligen Billigkuchen. Wawerzinek hat sich dann höflich verabschiedet und die Mutter, wie er im Interview sagt, "nicht mehr besucht". Warum auch? Manchmal besitzt auch das Absurde ganz klare Grenzlinien.

Kundenrezensionen

  • Mütter, lest es nicht Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 11.04.2011

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    Die Geschichte des beschriebenen Buben rührt mich an, aber.........wo ist die literarische Notwendigkeit für die Aufzählung unzähliger Zeitungsartikel über mißhandelte oder verlassene Kinder, die in die Geschichte eingeflochten sind?
    Es ist davon auszugehen, dass die Verfehlungen der Mütter in den Zeitungsartikeln ihren Richterspruch gefunden haben und die Taten gesühnt wurden. Soll mit diesen Passagen Haß auf alle Mütter der Welt erzeugt werden?

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  • Poetisch und tiefgründig Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 25.03.2011

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    An dem Blick aus dem Kleinkind, dem Jugendlichen, dem jungen Mann, dem Grenzsoldaten, dem Erwachsenen nach der Wende lässt Wawerzinek den Leser teilhaben: Lebensphasen kommen und gehen, aber immer fühlt der Mutterlose seine Verlorenheit, die ihn von seiner Umwelt isoliert. Schon als Kleinkind nimmt er seine Umgebung intensiv wahr, findet aber keinen Ort seinen Anker zu setzen. Innerlich ist er über fünfzig Jahre heimatlos. Er lebt in der Schwebe, auf die zukünftige Erlösung hin, auf den Tag, an dem seine Muttersehnsucht erfüllt wird.
    Wawerzineks Sensibilität offenbart sich auch in seiner Sprache. Er schreibt assoziativ und poetisch, persönlich und schonungslos über das Gedankenkarussell, aus dem er nicht aussteigen kann. Der Text fließt über 300 Seiten nur so dahin, sodass es mir möglich war, dass Buch auch mal einige Tage liegen zu lassen. Trotzdem fand ich wieder leicht den Einstieg. Ein besonderes Buch!

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  • Herzschwer Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Brigitte Bouman-Mengering, am 02.01.2011

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Der Autor lässt uns an seinem jahrelangen Trauma teilhaben. Nicht locker von der Seele geschrieben,sondern zutiefst echt und schmerzhaft. Für Menschen, die ähnlich traumatisiert sind,ein Wegzeig aus dieser ermüdenden Tretmühle. Der Umgang damit ist zu schaffen, aber nur mit viel Mühe und Anstrengung. Aber das sollte man sich wert sein. Ein verstörend, berührendes Buch. Es hätte einen Preis verdient.

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  • lässt sich ganz schwer lesen Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 19.11.2010

    1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Ich hatte mir unter dem Buch so viel versprochen, als ich den Autor in einer Talkshow über sein Buch "Rabenliebe" habe sprechen hören.
    Ich habe abgebrochen dieses Buch zu lesen (das ist mir noch nie passiert). Es lässt sich ganz schwer lesen !

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  • Muttersehnen Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Gabriele Gröning, am 04.11.2010

    1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Der Autor(Jahrgang 1954) beschreibt sein Leben geprägt von Heim- und Pflegefamilienaufenthalten und das ewige Sehnen nach der Mutter, die ihn als kleines Kind verlassen hat um in den Westen zu gehen. Das Buch ist keine Innenschau, es ist auf eine unbeschreibliche Art so eindringlich, da der Autor nicht so sehr sein Innenleben aufdeckt, sondern es schafft durch detaillierte Beschreibungen von Situationen und Verhalten von Menschen in seinem Umfeld die riesige Leere und Kälte in seinem Leben, die er seit frühester Jugend erfährt, darzustellen. Er lässt den Leser sein eigenes Empfinden aufbauen, man kann sich vielleicht so noch besser in das Leben Peters hineinversetzen. Es ist nicht einfach zu lesen, aber es lässt einen nicht mehr los!!

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  • Peter Wawerzinek, Rabenliebe Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Cornelia Pflicke, am 27.10.2010

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    Bei Wawerzinek, als Hauptperson in diesem Roman, spielt sich das Leben gefühlsmäßig immer wie im Winter ab. Im frühen Kindesalter wird er in ein Heim gebracht. Das Treffen mit seiner Mutter half ihm nicht, die Entbehrungen der vergangenen Jahre hinter sich zu lassen. "Es war nicht mehr seine Mutter". Das lebenslange Gefühl von Verlassenheit und Muttersehnsucht brachte ihn dazu, sein Leben und seinen Frust sich von der Seele zu schreiben. Viele Details, wie z.B. die Fahrt zum Kinderheim mit dem Krad, zeugen von wahrheitsgetreuen Tatsachen. Sicher werden sich viele ehemalige Heimkinder in diesem Buch wiedererkennen. Leser, welche in einem liebevollen Elternhaus aufgewachsen sind, erleben so eine ganz neue Erfahrung.

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  • Muttersuche Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Dr. Christian Rößner, am 31.07.2010

    3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Als kleiner Junge kommt der Erzähler in den 50er Jahren in ein Waisenhaus in der DDR. Die Mutter hat sich in den Westen abgesetzt und bleibt spurlos verschwunden. Für den Erzähler, der aus seiner heutigen Position als Schriftsteller auf sein Leben ohne Mutter zurückblickt, wird der Verlust und die Suche nach der Mutter zur Chiffre seines Daseins schlechthin. Er wühlt in Erinnerungen, reimt sich so einiges zusammen und hat schließlich einen ganz konkreten Hinweis, was mit der Mutter damals geschehen ist… Dem Bachmann-Preisträger 2010 Peter Wawerzinek gelingt ein großartiges Buch über den Verlust der Mutter und - damit einhergehend – der Suche nach der eigenen Identität. Sprachlich wie stilistisch brillierend schafft es Wawerzinek aus den unterschiedlichsten Perspektiven einen großen Bilderbogen seines Lebens und Suchens zu spannen, der den Leser gebannt und sprachlos macht. Ein wirklich beeindruckender Roman!

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"Ich möchte mein Thema wie einen Bombengürtel tragen, mich mit ihm in die Luft jagen. Anders gelingt der Roman zur Mutter nicht ..."

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