Buch
Taschenbuch (475 Seiten)
Sprache: Deutsch
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Sexy, spannend, zum Schreien komisch - der neue Roman der Bestsellerautorin.
Eigentlich filmt Regisseurin Lucy Armstrong Hundewerbespots, aber nun soll sie einspringen, um die letzten Szenen eines Actionfilms zu Ende zu drehen. Doch am Set herrscht das reinste Chaos - zerstrittene Darsteller, ein unverständliches Drehbuch - und dann auch noch das: Kriminelle nutzen die Dreharbeiten für ihre illegalen Machenschaften. Lucy versucht entschlossen, den Ganoven das Handwerk zu legen. Dabei findet sie in Stuntman J.T. Wilder mehr als nur einen hilfreichen Verbündeten ...
| ISBN-10: | 3-442-46328-9 |
|---|---|
| EAN: | 9783442463282 |
| Originaltitel: | Don't Look Down |
| Erschienen: | 12.02.2007 |
| Verlag: | Goldmann |
| Einband: | Taschenbuch |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 475 |
| Länge/Breite: | 186mm/118mm |
| Gewicht: | 380 g |
| Übersetzer: | Eva Kornbichler |
Bob Mayer gehörte früher den Green Berets, einer Spezialeinheit des US-Militärs, an. Heute ist er ein erfolgreicher amerikanischer Bestsellerautor. Er hat 32 Romane unter seinem eigenen Namen und eine Vielzahl anderer Bücher unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht.
Jennifer Crusie unterrichtet kreatives Schreiben an der Ohio State University und lebt in Columbus, Ohio. In den USA schon lange eine "New-York-Times"-Bestsellerautorin, hat sie auch in Deutschland seit "Die Gerüchteköchin" mit ihreren Romanen Leser und Kritiker gleichermaßen begeistert.
von NML, am 22.05.2008
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Lucy Armstrong stand auf der Eugene-Talmadge-Memorial-Brücke und beobachtete das Durcheinander, für das sie gerade die Verantwortung übernommen hatte, als sie den schwarzen Helikopter bemerkte, der im Licht der untergehenden Sonne auf sie zukam.
In Anbetracht ihres bisherigen Tages verhieß das nichts Gutes.
Ein paar Meter rechts von ihr fuhrwerkte ihr Regieassistent Gleason Gloom, blind für den Hubschrauber, wie eine wild gewordene Hummel herum und tat sein Bestes, um die apathischste Filmcrew, die Lucy in ihrer gesamten Karriere je erlebt hatte, auf Vordermann zu bringen. Sie war Gloom unendlich dankbar für seine wie immer hervorragende Arbeit. Und noch dankbarer war sie dafür, dass er bis jetzt noch nicht wusste, dass der Koordinator für die Stunts in diesem Film Connor Nash war, der gerade halb hinter seinem schwarzen Stunt-Lastwagen verborgen mit einer übellaunig wirkenden Brünetten stritt.
Natürlich musste Gloom Connor früher oder später bemerken. Ich werde ihm einfach sagen, dass es ja nur für vier Tage ist, überlegte sie. Vier lausige Tage für einen Haufen Geld, und wir sehen bei Daisy und Pepper nach dem Rechten, bringen einen Film für jemand anderen zu Ende, gehen danach wieder nach Hause, und das war’s dann schon, nichts weiter passiert …
Der Helikopter im Westen kam immer näher. Er flog sehr tief, folgte unmittelbar den Windungen des Savannah River. Ringsherum gab es nichts als Gestrüpp und Bäume, garniert mit Sumpflöchern, und wahrscheinlich lauerten überall Raubtiere. »Das Flachland«, hatte Connor es genannt, als sei das etwas Gutes und nicht nur ein Euphemismus für »sumpfig, mit gelegentlichen Krokodilen«. Und jetzt auch noch der Helikopter – Lucy schwankte, als plötzlich knapp fünfzig Pfund in Form ihrer fünfjährigen Nichte mit voller Wucht gegen ihre Beine prallten und sie fast umwarfen.
»Tante Lucy!«
»Pepper!« Sie kniete nieder und atmete tief den Pepper-Duft von Gummibärchen und Maischips und Johnson’s Baby-Shampoo ein, als sie das kleine Mädchen an sich drückte. »Ich freue mich ja so, dich zu sehen!«, rief sie aus, während sie die Kleine vor- und zurückwiegte und sich dabei bemühte, dem Feldstecher auszuweichen, der um Peppers Hals hing.
Pepper löste sich aus der Umarmung, und ihr blondes, zu einem Pagenkopf geschnittenes Haar schwang um ihr rundliches, strahlendes Gesicht. »Das wird jetzt soo lustig, wo du hier bist. Wir können mit den Barbies spielen und Videofilme anschauen, und ich erzähle dir etwas von meinem Tier des Monats, und wir machen eine Party!« Ihr schlichtes kleines Gesicht leuchtete vor Begeisterung. »Das wird sooo schön!« Wieder warf sie die Arme um Lucys Hals und erwürgte sie fast in einer neuerlichen Umarmung, in der sie den Feldstecher gegen Lucys Schlüsselbein rammte.
»Na klar«, japste Lucy, erwiderte die Umarmung und dachte sich zugleich: Na toll, jetzt darf ich auch noch mit Barbies spielen. Sie löste sich ein wenig aus der Umarmung, um wieder Luft zu bekommen, und stellte fest: »Hübscher Feldstecher!«, während sie sich bemühte, weiteren Rammstößen auszuweichen.
»Den hat mir Connor geschenkt«, erklärte Pepper. »Damit kann ich alles sehen.«
»Schön für Connor.« Über Peppers Kopf hinweg sah Lucy, wie der Helikopter quer über eine Sandbank flog und durch eine unglaublich kleine Lücke zwischen zwei großen Eichen schlüpfte. Der kommt direkt zu uns, dachte sie, und wer auch immer dieses Ding da fliegt, der ist verrückt. Dann hörte sie, wie Connor laut »Nein« rief, und sie blickte hinüber und sah, wie die Brünette eine wütende Grimasse schnitt und ihm widersprach.
Lucy dachte bei sich: Das tut dir gut, Schatz, dann stand sie auf und lächelte Pepper an. »Aber zuerst muss ich arbeiten, deswegen …«
»Ich helfe dir beim Arbeiten«, versetzte Pepper und klammerte sich mit angespanntem Lächeln an sie. »Ich bin deine Assistentin und bringe dir einen Apfel und ein Glas Wasser.«
Lucy nickte. »Du wirst mir eine große Hilfe sein.« Sie nahm das kleine Mädchen bei der Hand und warf wieder einen Blick hinüber zu Connor. Nachdem sie sich vor zwölf Jahren am liebsten selbst in den Hintern getreten hätte, weil sie so blöd gewesen war, ihn zu heiraten, erinnerte sie nun der Anblick seiner breiten Schultern und schmalen Hüften daran, warum damals im Alter von zweiundzwanzig Jahren ihr Gehirn ausgesetzt hatte. Gut, dass ich heute schlauer bin, dachte sie bei sich und warf ihm noch einen Blick zu.
Die Art, wie er mit der Brünetten sprach, die Art, wie sie sich ihm bis in seinen Nahbereich hinein zuwandte, besagte, dass sie miteinander schliefen. Und sie sah aus wie ungefähr zweiundzwanzig.
Auf dieses Alter hat er es anscheinend abgesehen, dachte sie. Das sollte ich Gloom erzählen, der wird lachen.
Gloom. Sie blickte wieder zur Filmcrew hinüber und sah ihn nicht, dafür aber den Helikopter, der nun unter einem der Tragkräne hindurchknatterte und sich dann in Schräglage der Brücke näherte. Kopfschüttelnd versuchte Lucy, sich nicht davon beeindrucken zu lassen. Der Pilot ließ wahrscheinlich unaufhörlich den Film Top Gun in seinem DVD-Gerät laufen. Was ist eigentlich aus dem starken, schweigsamen Helden geworden?
»Tante Lucy?«, fragte Pepper unsicher, ihr Lächeln war verschwunden. Für eine Fünfjährige blickte sie viel zu besorgt drein.
»Du wirst mir wirklich eine große Hilfe sein«, wiederholte Lucy hastig. »Eine sehr große. Und wo ist denn eigentlich deine Mama – autsch!«
Es riss ihr den Kopf zurück, als Gloom, der von hinten an sie herangetreten war, an ihrem langen schwarzen Zopf riss. »Connor Nash«, sagte er nur. Sie ließ Peppers Hand los und packte ihren Zopf an der Wurzel, um ihre Kopfhaut vor dem starken Zug zu schützen.
»Jaja.« Lucy versuchte, ihm ihren Zopf aus der Hand zu winden. »Das wollte ich dir noch sagen.«
»Ach wirklich? Und wann?«
»So spät wie möglich. Was anscheinend jetzt ist.«
»Was hast du dir nur dabei gedacht?« Gloom starrte sie an, und seine unbeholfene, schlaksige Gestalt ragte über ihr in die Höhe.
»Gloom?«, piepste Pepper, und er blickte zu ihr hinunter und ließ Lucys Zopf los.
»Peppermint!« Er hob sie in die Höhe, drückte sie an sich und wurde fast von dem Feldstecher erschlagen, als er ihr einen Kuss auf die Wange schmatzte.
Pepper kicherte, schnell getröstet, und schlang ihre Arme um seinen Hals.
»Ich bin so froh, dass du hier bist«, rief sie und erwürgte ihn fast. »Wir machen eine Party.«
»Darauf kannst du wetten.« Gloom schälte einen ihrer Arme von seiner Luftröhre. »Weißt du was? Such doch mal schnell deine Mama und sage ihr, dass wir das genau planen müssen. Wir brauchen einen Kuchen …«
»Au jaa!«, rief Pepper und versuchte, sich schlängelnd und windend, den Boden zu erreichen. Gloom setzte sie ab, und wie ein Pfeil schoss sie mit flatterndem blondem Haar und hüpfendem Feldstecher in Richtung des Verpflegungstisches für die Mannschaft davon, der in der Nähe von Connors Lastwagen aufgebaut war, des Horts von Äpfeln und Süßigkeiten und Limonade und offensichtlich auch ihrer Mutter.
Lucy warf einen stirnrunzelnden Blick zum Himmel hinauf. »Wir haben doch für heute keinen Helikopter bestellt, oder?«
Gloom packte sie erneut an ihrem Zopf.
»Autsch. Hör doch auf damit.«
»Und jetzt zu diesem australischen Bastard«, knurrte Gloom.
Unten am Ende der Brücke blickte Connor zu ihnen auf, als ihre Bewegungen seine Aufmerksamkeit erregten, und erkannte Lucy. Sein Gesicht leuchtete auf – mein Gott, wie schön er ist, dachte sie –, dann machte er sich auf den Weg zu ihr auf die Brücke.
»Connor rief an und bot uns einen unglaublichen Haufen Geld dafür, diese Sache hier zu Ende zu bringen, und ich sagte Nein«, berichtete Lucy. Sie sprach rasch, um zu verhindern, dass Gloom Connor mit »Hallo, Holzkopf« begrüßte.
Die Brünette holte Connor ein und packte ihn am Arm, und er blieb stehen und versuchte, sie abzuschütteln.
Glooms dunkle Augenbrauen zogen sich über seiner Nase zusammen. »Wenn du Nein gesagt hast, warum …«
»Und dann rief Daisy an und bat mich, wir sollten doch bitte herunterkommen, weil wir sie und Pepper schon so lange nicht mehr gesehen hatten, und ich sagte Nein und dass ich ihr das Geld schicken würde, damit sie uns besuchen könnten …«
Die Brünette ließ nicht locker, aber Connor befreite sich gewaltsam, was sie zurücktaumeln ließ, während er auf der Brücke weitermarschierte und dabei den Helikopter vollkommen ignorierte, der ihnen immer näher kam. Sein Blick war auf Lucy geheftet, und alles in ihm konzentrierte sich auf dieses Ziel.
Und deswegen habe ich dich geheiratet, dachte Lucy.
»Also, warum sind wir dann trotzdem hier?«, fragte Gloom.
»Weil Daisy Pepper ans Telefon holte und ich ihr sagte, dass wir nicht kommen, und sie weinte.« Lucy wandte ihre Aufmerksamkeit wieder Gloom zu. »Pepper ist keine Heulsuse, das weißt du, Gloom, aber ich verstehe, dass du Connor hasst, also geh du und sage Pepper, dass wir nicht bleiben. Nimm eine Packung Papiertaschentücher mit. Währenddessen erkläre ich Connor, weshalb er für diese vier letzten Tage selbst die Leitung übernehmen muss, anstatt uns ein kleines Vermögen dafür zu zahlen, dass wir etwas für ihn erledigen, das wir im Schlaf beherrschen.«
»Was?«, rief Gloom aus, drehte sich um, um ihrem Blick zu folgen, und sah Connor herankommen. »Oh Scheiße.«
»Sei ein bisschen nett«, mahnte Lucy. »Er …«
Sie unterbrach sich, als der kugelförmige Helikopter plötzlich in die Höhe stieg und über den nächsten Brückenpfeiler hinwegschwebte, wobei er sich scharf gegen die rote Sonne abhob. Erschrocken blieb Connor stehen und sah zu ihm auf, dann erschien ein seltsamer Ausdruck auf seinem Gesicht, ob Ärger oder Überraschung, das konnte Lucy nicht erkennen.
Gloom trat näher an sie heran, als der Helikopter neben der Brückenmitte herabsank und dann plötzlich abbremste und in perfekt ausbalancierter Schwebeposition verharrte, gerade weit genug von den Kabeln entfernt, die beiderseits der Fahrbahn gespannt waren. Dann beschrieb er eine elegante Pirouette, so dass die kugelförmige Glasfront zur Brücke hin blickte, und bewegte sich seitlich an der Brücke entlang dem festen Boden zu. Pepper kam von der Verpflegungsstation herbeigerannt und rief: »Mannomann«, als der Helikopter sanft neben der Straße aufsetzte.
»Da ist kein Helikopter im Drehplan vermerkt«, meinte Gloom stirnrunzelnd. »Und der da hat … ist das nicht ein Maschinengewehr?«
Lucy betrachtete das hässliche Gerät, das an der rechten Kufe festgeschraubt war. »Tja, sieht so aus.« Sie beugte sich hinunter, um Pepper auf den Arm zu nehmen. »Ich habe das Gefühl, auf Connors Plan steht der auch nicht. Sieh dir nur sein Gesicht an.«
Connors Schultern waren straff gespannt, als er die Richtung wechselte und auf den Helikopter zueilte. Er marschierte an der Brünetten vorbei, als sei sie nicht vorhanden, doch sie packte ihn wieder am Arm. Schätzchen, halte ihn niemals zurück, wenn er in einer Mission unterwegs ist, dachte Lucy und blickte dann wieder zu dem Helikopter.
Ein Mann in einem Tarnanzug der Armee stieg aus. Er ignorierte die dicht über seinem Kopf kreisenden Rotorblätter. Breitschultrig war er, mit schmalen Hüften, doch besaß er nichts von Connors Elektrizität und strahlend gutem Aussehen, sondern wirkte einfach nur sonnengebräunt und in sich ruhend inmitten des Lärms und des Windes. Er verließ den Bereich der Rotorblätter und blieb dann stehen, um zum Helikopter zurückzublicken, wobei sein kantiges Kinn im Profil zu sehen war, ein Bild kraftvoller Ruhe im Sturm. Lucy verschlug es den Atem.
»Sag mir bitte, dass das mein Actionheld ist«, flehte sie, als sie ihre Stimme wiederfand.
Ein weiterer Mann in Jeans, schwarzem T-Shirt und Slippern kletterte auf der anderen Seite aus dem Helikopter und stolperte über die Kufe, als er gebückt unter den Rotorblättern hervoreilte. Dann richtete er sich auf und stolzierte auf den ruhigen Mann am Straßenrand zu.
»Das ist dein Held«, versetzte Gloom. »Bryce McKay. Mittelmäßig bekannter Komiker. Großartiger Schwätzer. Aber Action? Weniger sein Ding.«
»Aha«, machte Lucy, doch ihre Blicke kehrten zu dem ruhigen Mann zurück, der Bryce äußerlich so sehr ähnelte, doch in jeder anderen Beziehung so vollkommen anders war. Jemand, der anscheinend seinen Verstand noch beisammenhatte. Keine Spur des Macho-Gehabes, das sie nach sechs Monaten Ehe vor Connor hatte flüchten lassen.
Connor schüttelte die Brünette erneut ab und setzte seinen Marsch Richtung Brückenende und Helikopter fort. Er schien ganz auf die Neuankömmlinge konzentriert, die Hände hingen ihm zu beiden Seiten der Hüfte herab. Teufel, dachte Lucy, er hat den Kerl schon im Visier.
Der ruhige Mann blickte ihm entgegen. Connor wurde steif, und der andere starrte reglos zurück.
»Junge, Junge«, seufzte Gloom begeistert.
»Na toll«, stöhnte Lucy. »Und jeder von ihnen denkt: ›Meiner ist größer als deiner.‹«
»Ich liebe so was«, erklärte Gloom. »Macho-Quark Doppelrahmstufe. Wie in High Noon – Zwölf Uhr mittags. Vielleicht findet dieser Hurensohn endlich mal seinen Meister.«
»Na klar, das wäre hervorragend, nur sind wir hier im richtigen Leben und nicht in einem Western«, entgegnete Lucy verärgert. »Warum holen sie sie nicht einfach raus und messen ab?«
»Was denn rausholen?«, fragte Pepper.
»Ihre Feldstecher.« Lucy setzte das kleine Mädchen ab. »Ich muss mal nachsehen, was da vor sich geht, mein Schatz. Du bleibst hier bei Gloom.«
»Ich will mitkommen«, widersprach Pepper, und ihr Lächeln verschwand.
»Na, das will ich auch.« Gloom nahm Pepper auf den Arm. »Ich glaube, das wird ein Mordsspaß.«
»Versuche, dein Grinsen im Zaum zu halten«, versetzte Lucy und eilte dann dem Ende der Brücke zu, um die Katastrophe abzuwenden. Sie gab sich Mühe, den Neuankömmling nicht dafür zu bewundern, dass er inmitten dieses Chaos die Ruhe bewahrte.
Captain J. T. Wilder vermied jede unnötige Bewegung, um den Riesenkater, der in seinem Kopf fauchte, nicht zusätzlich zu reizen. Vorsichtig beäugte er, was um ihn herum vorging und eine einträgliche Sache für ihn werden sollte, und dachte: Himmelarsch.
Neben ihm schrie Bryce McKay, das Kreuz, das Wilder zu tragen hatte, über das Winseln des Motors und das Flappen der Rotorblätter hinweg: »So sieht es bei echten Filmdreharbeiten aus. Na ja, meistens sind mehr Leute dabei.«
Die echten Filmdreharbeiten machten auf Wilder den Eindruck eines katastrophalen Durcheinanders, doch würde er das Bryce gegenüber nicht erwähnen, da er seinen neuen Kurzzeit-Job behalten wollte. Sei nett zu dem Mann, dachte er. Mache seine Stunts für ihn und kassiere einen Haufen Kohle. Und dann ab durch die Mitte. Er hörte, wie der Motor der kleinen Flugmaschine zum Stillstand kam, und krümmte sich innerlich, denn das bedeutete, dass das zweite Kreuz, das er zu tragen hatte, aussteigen und sich hier herumtreiben würde, und das entsprach so nicht seinen Plänen.
Wilders Aufmerksamkeit richtete sich auf den gereizt wirkenden Ex-Militär-Typen, der mit einer wütenden Brünetten auf den Fersen auf ihn zukam. Der Kerl trug an der Hüfte ein riesiges Schießeisen in einem zum schnellen Ziehen konzipierten Halfter, etwas, das Wilder bisher nur aus dem Kino kannte. Irgendwie passend, obwohl Bryce nichts davon gesagt hatte, dass es sich hier um einen Western handelte.
Nachdem Wilders Kumpel LaFavre den Helikoptermotor ausgeschaltet hatte, tauchte er neben ihm auf, überblickte die Szene durch seine Pilotensonnenbrille und bemerkte: »Affenzirkus.«
»Allerdings«, stimmte Wilder ihm zu.
»Was, Major LaFavre?«, fragte Bryce besorgt, und Wilder empfand fast Mitleid mit ihm. Der arme Tropf hatte während des gesamten zweistündigen Fluges von Fort Bragg herüber versucht, LaFavre dessen alte, abgetragene Fliegerjacke abzukaufen, und hatte dabei auf Granit gebissen. Als dann LaFavre ein paar fliegerische Kunststückchen einbaute, war ihm schlecht geworden, und nun wollte er sich anbiedern. Keine Chance.
»Schöner Tag heute«, erklärte LaFavre.
»Oh ja«, nickte Bryce.
»Du kannst jetzt wieder verschwinden«, murmelte Wilder LaFavre zu und bedauerte bereits, ihn in seinem betrunkenen Zustand am Abend zuvor angerufen zu haben, damit er nach Bragg geflogen kam, um sie von dort abzuholen.
»Von wegen. Ich wollte mir hier die Filmschauspielerinnen ansehen«, erwiderte LaFavre mit seiner üblichen Unbekümmertheit. »Ist das da vielleicht eine?« Er wies mit dem Kinn zu der verärgert dreinblickenden Brünetten hinüber, die gerade den Kerl mit der Kanone am Arm packte.
»Keine Ahnung«, antwortete Wilder. Die Brünette wirkte wie die Sorte Frauen, die immer unglücklich war, die Sorte Frauen, die sich an einen Mann klammerte, bis ihm die Luft ausging. Todesengel, dachte Wilder, und der Kerl mit dem Schießeisen, der ihr wohl nicht so bald entkommen würde, tat ihm fast leid.
»Vielleicht sollte ich mich ihr mal vorstellen«, meinte La-Favre, und Wilder schüttelte abwehrend den Kopf und stöhnte dann innerlich auf.
»Nein, das solltest du nicht. Auf Wiedersehn.« Sein Kater knurrte lauter. Wenn er nur LaFavre loswerden, Bryce zum Schweigen bringen und die Kanonen dieses Angebers vernageln könnte, dann hätte er eine Chance herauszufinden, was er hier genau tun sollte. Dann könnte er seine Aufgabe erledigen, ein paar Aspirintabletten schlucken und sich die Bettdecke über den Kopf ziehen. »Wer ist der Kerl mit dem Schießeisen?«, fragte er Bryce.
»Das ist Connor Nash, unser Stunt-Koordinator. Connor hat alle Stunts geplant und diese Brücke hier ausgesucht. Ist die nicht fantastisch?« Bryce gestikulierte zur Stahlaufhängung über ihren Köpfen hinauf. »Die hat schon Preise gewonnen und so. Das wirkt auf der Leinwand mordsmäßig, wenn der Helikopter da runterkommt.«
»Sie wollen auf dieser Brücke einen Vogel landen lassen?« Wilder blickte hinauf zu den Tragseilen auf beiden Seiten und den Laternenpfählen auf der Mittellinie der Fahrbahn, dann warf er LaFavre einen Seitenblick zu.
LaFavre schüttelte den Kopf. »Das muss ja ein wahrer Höllenhund von Pilot sein, der seine Kiste da auf der Fahrbahn absetzen kann, ohne irgendwo anzustoßen und zu explodieren. Und selbst wenn man sich mit ’nem Seil auf einen Ruck reinziehen lässt, kommt man nicht mehr raus, außer man arbeitet mit ’nem STABO, und dann ist das zwischen diesen Seilen immer noch Millimeterarbeit. Fänd ich zum Kotzen, mich mit ’nem STABO-Seil in einem dieser Stahlseile zu verfangen. Lassen Sie das mit dem Mann und dem Kopter.«