Kilo Class
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Kilo Class

Roman

von Patrick Robinson

Buch

Taschenbuch (523 Seiten)

Sprache: Deutsch

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China rüstet zur Seemacht auf, um Taiwan an sich zu reißen. Rußland vekauft an China zehn U-Boote der Kilo-Klasse - eine tödliche Gefahr für die amerikanische Flotte, da diese hochmodernen U-Boote praktisch nicht geortet werden können. Die USA sehen ihre Interessen bedroht und schicken ihren nationalen Sicherheitsberater Arnold Morgan, der die Auslieferung der Boote heimlich verhindern soll. Eine tödliche Jagd beginnt, und von ihrem Ausgang hängt der Weltfrieden ab.

Produktdetails

ISBN-10: 3-453-40493-9
EAN: 9783453404939
Originaltitel: Kilo Class
Erschienen: 02.01.2007
Verlag: Heyne
Einband: Taschenbuch
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 523
Länge/Breite: 190mm/123mm
Gewicht: 367 g
Übersetzer: Bertram J. Kirchmayr
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Patrick Robinson

Patrick Robinson, Autor zahlreicher Sachbücher zum Thema Seefahrt, schaffte mit seinem Aufsehen erregenden Debüt "Nimitz Class" auf Anhieb den Durchbruch als Romanautor. Mit den folgenden fünf U-Boot-Thrillern, die zu internationalen Erfolgen wurden und alle bei Heyne erschienen sind, konnte er sich im Genre Militärthriller etablieren. Der gebürtige Engländer lebt heute in Irland und den USA.

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Kundenrezensionen

  • Sehr Spannend Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 27.01.2009

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Sehr gutes und spannendes Buch, von Anfang an!
    Allerdings ein wenig Begeisterung für Marinethriller ist notwendig.

    Hat Ihnen diese Rezension geholfen?

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VORBEMERKUNG DES AUTORS
Früher einmal waren sie in den Meeren rings um Europa ziemlich häufig anzutreffen, die 74 Meter langen sowjetischen Patrouillen-U-Boote der Kilo-Klasse. Fotos zeigten sie meist aufgetaucht mit ausgefahrenem ESM-Mast (Electronic Support Measures), oft standen auch ein paar Mannschaftsmitglieder auf dem Turm, auf dem damals noch der rote Sowjetstern prangte. Die Kilo-U-Boote waren das pechschwarze Symbol sowjetischer Marinemacht.
Während der letzten zehn Jahre des kalten Kriegs wurden die Kilos in allen russischen Gewässern und oft auch sehr weit davon entfernt eingesetzt. Sie patrouillierten in der Ostsee, im Nordatlantik, im Weißen Meer, in der Barentssee, im Mittelmeer, im Schwarzen Meer und, von der großen U-Boot-Basis in Wladiwostok aus, sogar im Pazifik, in der Beringsee und im Japanischen Meer.
Das Kilo, das getaucht 3000 Tonnen Wasser verdrängt, ist alles andere als ein großes Unterseeboot. Die sowjetischen Boote der Typhoon-Klasse, die als die größten der Welt gelten, verdrängen beispielsweise 21000 Tonnen. Daß das robuste dieselelektrische Boot trotzdem eine ernsthafte Bedrohung darstellt, liegt daran, daß es mit Grabesstille operieren kann, wenn es richtig geführt wird.
Nicht bemerkt zu werden ist die Losung für jedes Unterseeboot, und von allen unter Wasser eingesetzten Kriegsschiffen ist das Kilo das leiseste, denn im Gegensatz zu großen Atom-U-Booten hat es keinen Reaktor, der zu seinem Betrieb eine ganze Reihe von Hilfssystemen benötigen würde, die allesamt potentielle Geräuschquellen darstellen.
Ein Kilo kann mit seinem Elektromotor, der von mächtigen Batterien gespeist wird, unter Wasser eine Geschwindigkeit von bis zu 17 Knoten erreichen. Fährt es langsamer, dann kann man das leise Summen des Elektromotors außerhalb seines Rumpfs praktisch nicht mehr hören. Wirklich zu orten – außer mit aktivem Sonar – ist ein Kilo eigentlich nur, wenn es auf Sehrohrtiefe fährt und seine Batterien wieder auflädt.
Um das zu bewerkstelligen, läßt es seine Dieselmotoren laufen, die über einen Schnorchel mit Luft versorgt werden. Diese Maschinen sind sehr viel lauter als der leise Elektromotor und können von jedem passiven Sonar gehört werden. Während dieses als »Schnorcheln« bezeichneten Vorgangs kann es darüber hinaus auch mit Radar geortet werden, und außerdem kann man die Abgase seiner Dieselmaschinen »erschnüffeln«. Bei ruhiger See ist sogar der aus dem Wasser ragende Schnorchel zu sehen.
Wie jeder Kraftfahrzeugmotor auch, brauchen die beiden Dieselmotoren des U-Boots zum Arbeiten Sauerstoff, und dieser Sauerstoff wird ihnen durch den Schnorchel zugeführt. Weil ein Kilo während dieser Phase am verwundbarsten ist, schnorchelt es im Einsatz nur, wenn es unbedingt sein muß, und auch dann meist nur bei Nacht, wenn es nicht so leicht gesehen werden kann. Sobald seine großen Batterien aufgeladen sind, verschwindet es wieder in der Tiefe, wo es weder gesehen noch gehört werden kann.
Eine Batterieladung verleiht dem Kilo bei langsamer Fahrt eine Reichweite von etwa 400 Meilen, und der an Bord befindliche Dieselkraftstoff reicht für 6000 Meilen Schnorchelfahrt. Um es zu einer voll operationsfähigen Kampfeinheit zu machen, genügt eine Mannschaft von 39 Seeleuten und 13 Offizieren. Neben einer kleinen Batterie mit See-Luft-Marschflugkörpern (SAM = Surface to Air Missile) verfügt das Boot über eine Bewaffnung von 24 Torpedos, von denen meistens zwei mit einem nuklearen Gefechtskopf ausgerüstet sind.
Heutzutage sieht man die Kilos allerdings nur noch selten unter russischer Flagge fahren. Seit dem rapiden Dahinscheiden der sowjetischen Marine in den frühen 90er Jahren des 20. Jahrhunderts liegen die meisten Kilos in den todgeweihten russischen Werften. Zur Zeit gibt es nur zwei Kilos im Schwarzen Meer, zwei in der Ostsee, sechs bei der Nordmeerflotte und 14 bei der Pazifikflotte.
Trotzdem dient dieses unheilvolle kleine U-Boot noch immer seinem Land. Inzwischen wird es nämlich fast ausschließlich für den Export gebaut, und da ist es das Kriegsschiff, für das es auf der Welt die meiste Nachfrage gibt. Von den hohen Gewinnen, die mit dem Verkauf des »neuen, verbesserten und noch leiseren Kilos« erzielt werden, zahlt die ständig vom Bankrott bedrohte russische Marine einen Großteil ihrer Rechnungen und hält so einen kleinen Teil der russischen Flotte einsatzfähig.
Leider zeigen die Russen in letzter Zeit die alarmierende Tendenz, ihre Kilos an jeden zu verkaufen, der die 300 Millionen Dollar dafür bezahlen kann.
Und während es niemanden allzu sehr störte, daß sich Polen und Rumänien je eines dieser Boote zulegten und Algerien zwei gebrauchte erstand, hoben sich schon einige Augenbrauen, als Indien bei den Russen acht Kilos in Auftrag gab. Dabei ist Indien noch nicht einmal eine potentielle Bedrohung für den Westen.
Da sorgte der Iran schon für größere Betroffenheit. Trotz eines Versuchs von seiten der Amerikaner, das Geschäft zu unterbinden, konnten die Ajatollahs zwei Kilos erwerben, die ihnen unter recht mysteriösen Umständen von den Russen geliefert wurden. Der Iran bestellte danach unverzüglich ein drittes Boot, das wohl demnächst im Hafen von Bandar Abbas am Persischen Golf eintreffen wird.
All das ist jedoch nahezu unbedeutend, wenn man an den neuen und sehr ernstzunehmenden Teilnehmer am Marinewettrüsten denkt, der innerhalb von 20 Jahren die drittgrößte Flotte der Welt aufgebaut hat und mit ungezügeltem Ehrgeiz versucht, in die Riege der Supermächte zu gelangen.
Es ist ein Land, von dem bekannt ist, daß es eine U-Boot-Flotte unterhalten und gleichzeitig nukleare Sprengköpfe für Torpedos produzieren kann.
Und ausgerechnet dieses Land hat plötzlich gegen den ausdrücklichen Willen der USA bei den Russen zehn dieselelektrische U-Boote der Kilo-Klasse bestellt.
China.

PROLOG
7. September 2003
Die aus vier Fahrzeugen bestehende Autokolonne verlangsamte ihre Fahrt nur unwesentlich, als sie durch den Eingang an der West Executive Avenue in das Anwesen Pennsylvania Avenue Nummer 1600 einfuhr. Die Wachen am Tor winkten die Limousinen ohne weiteres durch, was von den vier Secret-Service-Agenten im ersten Fahrzeug mit einem knappen Kopfnicken quittiert wurde. Auf den Vordersitzen der nächsten beiden Wagen, die zum Fuhrpark des Pentagon gehörten, saßen jeweils zwei Sicherheitsleute der Navy, und den Schluß der Kolonne bildete wieder ein Fahrzeug mit Secret-Service-Männern.
Vor dem Eingang zum Westflügel warteten vier weitere der 35 im Weißen Haus diensttuenden Agenten und überreichten den Neuankömmlingen aus dem Pentagon ihre Besucherausweise. Nur Admiral Scott F. Dunsmore bekam keinen, denn als Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs verfügte er über einen Dauerausweis fürs Weiße Haus.
Derselben Limousine wie Dunsmore entstieg auch Admiral Joseph Mulligan, der früher einmal Kommandant eines Atom-U-Boots der Trident-Klasse gewesen war und jetzt das Amt des CNO innehatte – des Chief of Naval Operations. Als Chef der Marineoperationen war der großgewachsene Mulligan der Oberbefehlshaber der U.S. Navy.
Der dritte Mann in dem Wagen war Vice-Admiral Arnold Morgan, der brillante, für seinen Jähzorn gefürchtete Leiter der streng geheimen National Security Agency in Fort Meade, Maryland.
Im zweiten Wagen des Pentagon saßen zwei der ranghöchsten Offiziere der amerikanischen Unterseebootwaffe: ViceAdmiral John F. Dixon, Oberkommandierender der Unterseebootflotte Atlantik (COMSUBLANT) und Rear Admiral Johnny Barry, der Befehlshaber der Unterseebootflotte Pazifik (COMSUBPAC). Die beiden waren am frühen Morgen aus dem Bett geholt und nach Washington beordert worden. Jetzt war es 16 Uhr 30.
Fünf so ranghohe Militärs in voller Uniform konnte man selbst im Weißen Haus nur selten auf einem Fleck versammelt sehen. In gewissen Ländern hätte der Anblick des Generalstabschefs, flankiert von zwei der ranghöchsten Befehlshaber und einem hohen Geheimdienstmann, durchaus Gedanken an einen Miltärputsch aufkommen lassen können. Hier allerdings, im Sitz des amerikanischen Präsidenten, spornte er lediglich die Secret-Service-Agenten zu besonderem Diensteifer an.
Der Präsident war zwar nominell der Oberbefehlshaber aller amerikanischen Streitkräfte, aber diese Männer hatten das Oberkommando über die wichtigsten Instrumente der militärischen Macht: die mächtigen, auf allen Weltmeeren patrouillierenden Trägerkampfgruppen und die stets schlagbereiten Atom-U-Boote.
Auch in unmittelbarer Nähe des Präsidenten hatten die Untergebenen dieser Männer wichtige Funktionen inne. So war nicht nur der Landsitz Camp David eine Einrichtung der Marine, sondern auch die bombensichere Krankenstation im Bethesda Marinehospital, die dem mächtigsten Mann der Welt für den Notfall zur Verfügung stand.
Während das 89. Lufttransportgeschwader der Air Force unter dem Befehl des Air Mobility Command die Präsidentenmaschine Air Force One flog und wartete, stellten die US-Marines sämtliche Hubschrauber des Präsidenten. Die Fahrer und Wagen des Weißen Hauses hingegen gehörten zur Army, und das Verteidigungsministerium kümmerte sich um sämtliche Kommunikationsmittel.
Wenn der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs zusammen mit ranghohen Offizieren ins Weiße Haus kommt, ist er viel mehr als nur ein gewöhnlicher Besucher. Er und seine Begleiter sind die Männer, die das höchste Vertrauen in den Vereinigten Staaten genießen und deren Standfestigkeit und natürliche Autorität jeden politischen Machtwechsel überdauert. Sie sind die Männer, die keine Angst vor Politikern haben, Männer, denen auch ein Präsident Hochachtung zollen muß.
Und so war es nicht verwunderlich, daß an diesem sonnigen Spätsommernachmittag der 43. Präsident der Vereinigten Staaten bereits vor den Flaggen der Navy, der Marines und der Air Force im Oval Office wartete, um seine Besucher gebührend zu empfangen.
Verbindlich lächelnd sprach er jeden der fünf Männer mit dem Vornamen an, selbst den Befehlshaber der U-Boote im Pazifik, den er zum ersten Mal sah. »Ich habe schon eine Menge von Ihnen gehört, Johnny«, sagte er, während er ihm die Hand gab. »Es freut mich sehr, Sie endlich auch persönlich kennenzulernen.«
Die Besucher nahmen in fünf bequemen Stühlen vor dem riesigen Schreibtisch des Präsidenten Platz.
»Mr. President«, begann Admiral Dunsmore, »wir haben ein Problem.«
»Das habe ich mir beinahe gedacht, Scott.«
»Das Problem ist uns seit längerem bekannt, aber bisher war es noch nie so dringend. Ehrlich gesagt, wir haben lange Zeit nicht geglaubt, daß es wirklich akut werden würde. Aber genau das ist jetzt eingetreten.«
»Und um was für ein Problem handelt es sich?«
»Um die zehn U-Boote der Kilo-Klasse, die China bei den Russen bestellt hat.«
»Zwei von denen wurden doch bereits ausgeliefert, wenn ich mich nicht irre.«
»Das stimmt, Sir, und zwar während der letzten fünf Jahre. Wir haben jetzt allerdings Anlaß zur Vermutung, daß auch die restlichen acht Boote demnächst nach China gehen sollen. Sie stehen alle in verschiedenen russischen Werften kurz vor der Fertigstellung.«
»Könnten wir denn mit den beiden leben, die die Chinesen schon haben?«
»Ja, Sir. So wie es aussieht, ist meist nur eines davon einsatzbereit. Mehr aber dürfen wir auf keinen Fall tolerieren.
Wenn die Chinesen wirklich die restlichen acht U-Boote erhalten sollten, dann könnten sie mit drei, vier von denen die Formosastraße zwischen Taiwan und dem Festland komplett dichtmachen. Selbst wir könnten dann in diesen Gewässern nicht mehr operieren, und wenn das der Fall wäre, dann ist Rotchina in der Lage, innerhalb weniger Wochen die Insel zu erobern und zu besetzen.«
»Großer Gott!«
»Wenn diese Kilos dort sind«, sagte Admiral Mulligan, »dann können wir keinen Flugzeugträger mehr in die Formosastraße entsenden. Die Boote brauchten sich nur auf die Lauer zu legen und ihn zu versenken, und dabei könnten sie sich auch noch darauf berufen, daß wir unberechtigt in chinesische Hoheitsgewässer eingedrungen seien.«
»Hm«, brummte der Präsident. »Sehen Sie denn eine Lösung für dieses Problem?«
»Ja, Sir. Wir müssen die Auslieferung der restlichen acht Kilo-Boote verhindern.«
»Meinen Sie damit, daß wir die Russen dazu überreden sollen, den Auftrag nicht zu erfüllen?«
»Nein, Sir«, sagte Admiral Morgan. »Das ist kaum möglich. Wir haben es zwar schon versucht, aber genausogut könnten Sie einen Drogensüchtigen davon überzeugen, daß er kein Geld für seinen Stoff braucht.«
»Und was sollen wir statt dessen tun?«
»Wir sollten auf andere Weise dafür sorgen, daß die Kilos nicht ausgeliefert werden. Und zwar so lange, bis die Chinesen keine russischen U-Boote mehr haben wollen.«
»Sie meinen, daß wir …«
»Ja, Sir.«
»Aber das würde für internationalen Aufruhr sorgen.«
»Natürlich würde es das, Sir«, antwortete Admiral Morgan. »Aber nur, wenn man wüßte, wer was getan hat. Wenn das aber niemand erfährt …«
»Werde ich es denn erfahren?«
»Nicht unbedingt. Ich kann mir schwer vorstellen, daß wir Sie wegen ein paar verschwundenen dieselelektrischen U-Booten behelligen werden, Sir.«
»Dann gehe ich wohl richtig in der Annahme, daß Sie eine sogenannte ›schwarze Operation‹ planen, meine Herren?«
»Ja, Sir. Eine Aktion, die niemandem zugeschrieben werden kann«, antwortete der CNO.
»Brauchen Sie dafür meine offizielle Zustimmung?«
»Zunächst nicht, Sir. Wir müssen nur sicher sein, daß Sie hinter uns stehen«, sagte Admiral Dunsmore. »Sollten Sie allerdings eine solche Aktion ausdrücklich untersagen, so würden wir das natürlich respektieren. Ihre offizielle Erlaubnis bräuchten wir erst kurz bevor wir zuschlagen. Aber bis dahin ist noch Zeit.«
»Ich verlasse mich wie immer auf Ihre sachliche Kompetenz, meine Herren. Bitte tun Sie das, was Sie für richtig halten. Sie, Scott, halten mich auf dem laufenden.«
Nach diesen Worten betrachtete der Präsident das Gespräch als beendet. Er stand auf und gab den fünf Offizieren die Hand. Als sie das Oval Office verließen, fragte er sich, weshalb er sich in der Gegenwart solcher Männer immer wie ein kleiner Junge fühlte, und sinnierte einmal mehr über die Verantwortung nach, die sein hohes Amt mit sich brachte.


KAPITEL EINS
Kapitän Tug Mottram konnte fast spüren, wie der Luftdruck unaufhörlich fiel. Der Wind, der zwei Tage lang beständig mit 40 Knoten aus Nordwest geweht hatte, wurde jetzt böiger und erreichte, wenn er krimpte, bisweilen eine Geschwindigkeit von über 50 Knoten. Erste Schneeschauer fegten bereits auf die hoch gehende, bleifarbene See herab, und alle 40 Sekunden rauschte eine gigantische, eine halbe Meile lange Welle unter dem Kiel des Schiffs hindurch. In weniger als 15 Minuten waren Wind und Meer, die vorher durchaus beherrschbar gewesen waren, richtiggehend gefährlich geworden – ein Phänomen, das man in dieser Gegend des südlichen Indischen Ozeans relativ häufig antraf. Und hier, am Rand der »Brüllenden Vierziger«, wo die Cuttyhunk jetzt quer zum Wind tapfer nach Südosten stampfte, war das Wetter besonders unberechenbar.

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