Guttenberg

Biographie

von Eckart Lohse, Markus Wehner

Buch

gebunden (384 Seiten)

3. aktualisierte und erweiterte Auflage.

Sprache: Deutsch

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Das Buch zum Phänomen Guttenberg, das den Rücktritt verstehen lässt.

"Eine Karriere scheinbar aus dem Nichts. Der erste deutsche Spitzenpolitiker der Twitter- und Facebook-Generation. Diese sehr gut geschriebene, lesenswerte Biographie macht einen klüger, was das Rätsel Guttenberg betrifft." Joschka Fischer

Aufstieg und Fall Karl-Theodor zu Guttenbergs sind beispiellos in der bundesdeutschen Politik. Gerade einmal zwei Jahre lang war er zunächst Wirtschafts-, dann Verteidigungsminister, war der mit Abstand beliebteste Politiker, war Shootingstar, Kanzlerkandidat der Herzen, und unglaubwürdiger Plagiator seiner Doktorarbeit. Er hat die Deutschen für Politik begeistert wie kein Zweiter - und lässt ein Land zurück, tief gespalten, konsterniert, erleichtert. Doch eine Frage eint es: Wer ist das? Wer ist dieser Karl-Theodor zu Guttenberg? Einzigartig im Aufstieg. Einzig im Fall.
Er schien alles zu haben, was ein Held braucht: Charisma, Stammbaum, Reichtum, eine schöne Frau und ein großes Amt. Seine Popularitätswerte übertrafen die der Kanzlerin bei weitem, viele sahen in ihm schon ihren Nachfolger. Aber war Karl-Theodor zu Guttenberg ein guter Politiker? Als Wirtschaftsminister ließ er markigen Worten, etwa in der Opel-Krise, keine Taten folgen. Kaum war er Verteidigungsminister, vollzog er in der Kundus-Affäre einen atemberaubenden Meinungswechsel. In der Affäre um seine Doktorarbeit wies er die Anschuldigungen zunächst als "abstrus" zurück, um wenige Tage später "schwere Fehler" einzugestehen und um Rücknahme des Titels zu bitten.
Eckart Lohse und Markus Wehner erzählen das private und politische Leben dieses Instinktpolitikers. Viele bislang unbekannte Rechercheergebnisse ermöglichen, ein wesentlich genaueres Bild von Herkunft, Charakter und politischem Handeln Guttenbergs zu zeichnen.

Pressestimmen:

1. Wie kamen Sie auf das Thema des Buches?

Schon lange hat kein deutscher Politiker mehr für ein solches Aufsehen gesorgt, so viele Menschen fasziniert, manche aber auch provoziert, wie es Karl-Theodor zu Guttenberg tut. Da wir ihn ohnehin als Korrespondenten der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung seit langem beobachten, stand schon bald für uns fest, dem Phänomen Guttenberg wollen wir gründlicher nachgehen, also in einem Buch.

2. Was hat Sie bei der Recherche zum Buch am meisten überrascht?

Je weiter wir mit unserer Recherche gekommen sind, je tiefer wir das Phänomen Guttenberg durchdrungen haben, desto klarer ist uns geworden, was für ein hoch emotionaler, bisweilen sprunghafter und politisch zutiefst machtwilliger Charakter zu Guttenberg ist. Sehr überraschend war auch, wie viel deutsche Geschichte in den Familien des Ministers und auch seiner Frau, einer geborenen Bismarck, zu finden ist. Zu den Höhepunkten der Recherchearbeiten gehörte ein fast sechsstündiges Gespräch mit dem Vater des Ministers, Enoch zu Guttenberg, auf dem Schloss der Familie.

3. Hat sich bei Ihnen das Bild Karl-Theodor zu Guttenbergs während der Arbeit am Buch geändert?

Als wir mit unseren Recherchen begannen, stand für uns ein Politiker im Mittelpunkt. Doch je näher wir Karl-Theodor zu Guttenberg gekommen sind, desto klarer wurde uns, dass er extrem prominent ist, und diese Prominenz nicht zwingend mit seinem derzeitigen Amt als Verteidigungsminister zusammenhängt. Er bliebe auch populär, wenn er irgendwann die Politik verlassen sollte.

4. In ihrem Buch schreiben Sie, dass zu Guttenberg als Politiker mit seiner Person und seiner Herkunft auf einen neuen Zeitgeist trifft. Die Deutschen wünschen nicht mehr den Politiker, der sich hocharbeitet, der sich stets auf dem Weg nach oben absichern muss und aus diesem Grunde risikoscheu wird. Glauben Sie an eine neue Phase der ?Anti-Politiker??

Die Diskussion über die Hartz-Gesetze dauert bald ein Jahrzehnt. Guttenberg hat von der Ankündigung, er wolle die Wehrpflicht abschaffen bis zur Einziehung der letzten Wehrpflichtigen gerade mal sieben Monate gebraucht. Diese Art Politik scheinen die Menschen zu mögen. Der Begriff ?Anti-Politiker? erklärt vielleicht nicht alles, aber zumindest ist Guttenberg ganz anders, als die über viele Jahre alles hin- und herwägenden Hinterzimmerpolitiker.

Produktdetails

ISBN-10: 3-426-27554-6
EAN: 9783426275542
Erschienen: 03.03.2011
Verlag: Droemer/Knaur
Einband: gebunden
Sprache(n): Deutsch
Auflage: 3. aktualisierte und erweiterte Auflage.
Seitenzahl: 384
Länge/Breite: 219mm/149mm
Gewicht: 638 g
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Eckart Lohse

Eckart Lohse wurde am 10. März 1963 in Göttingen als jüngstes von drei Kindern geboren. Er hatte keine Chance, seinen Geburtsort zu seiner Heimatstadt zu machen, da die Eltern schon bald nach Frankfurt übersiedelten, von da nach Dortmund und weiter nach Bonn. Dort machte der Protestant sein Abitur an einem katholischen altsprachlich-humanistischen Gymnasium. Der Wehrdienst führte in den Harz, anschließend an den Bodensee und schließlich nach Andernach am Rhein. Studium von Politikwissenschaft, Neuerer Geschichte und Romanischer Philologie in Bonn. In Paris und München schrieb er eine Dissertation über Frankreich und die deutsche Teilung in den fünfziger Jahren. Neben dem Studium erfuhr er als Lokalberichterstatter bei verschiedenen Zeitungen viel über das Wesen der Politik. Auf einen Abstecher zum Deutschlandfunk folgte das Volontariat bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Danach vom Januar 1994 bis zum April 1996 in der politischen Nachrichtenredaktion. Wechsel ins Bonner Büro der F.A.Z., wo er bis zum Umzug der Bundesregierung vor allem über die Grünen, die SPD, die Außen- und die Bildungspolitik schrieb. Im Sommer 1999 nach Berlin, seit Dezember 2003 Leiter des Büros der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Verheiratet, zwei Kinder.

Markus Wehner

Markus Wehner, geboren am 24. August 1963 und aufgewachsen im Osthessischen, in der Bischofsstadt Fulda. Nach dem Abitur Studium der Osteuropäischen Geschichte, Politologie, Germanistik und Slawistik in Freiburg. Von dortzog es ihn in den Osten, zunächst nach Berlin, dann nach Moskau, wo er eine Weile als Übersetzer bei einer außenpolitischen Zeitschrift arbeitete. Seit der Öffnung der historischen Archive in Russland und in Ostdeutschland begann er dort eine rege Sucharbeit - unter anderem 1992/93 während eines einjährigen Forschungsaufenthaltes in Moskau. Seinen Niederschlag fand die Beschäftigung mit dem sowjetischen Stalinismus in zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen und in einer Doktorarbeit über die sowjetische Bauernpolitik in den zwanziger Jahren. Seit 1992 war er zudem freier Mitarbeiter der F.A.Z., vor allem für die Geisteswissenschaften und die Politischen Bücher. Im Oktober 1996 Eintritt in die Nachrichtenredaktion, wo er für deutsche Innenpolitik zuständig war, sich aber auch russischen Themen widmete. Von Oktober 1999 an war er fünf Jahre lang Korrespondent in Moskau. Seit Herbst 2004 ist er Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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Kundenrezensionen

  • faszinierend Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Blacky, am 28.01.2013

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    Inhalt:
    Karl-Theodor zu Guttenberg hat alles, was ein Held braucht: Charisma, Stammbaum, Reichtum, eine schöne Frau und ein großes Amt. Der Verteidigungsminister ist beliebter als Angela Merkel. Aber ist er überhaupt ein guter Politiker? Die FAZ-Journalisten Eckart Lohse und Markus Wehner zeichnen das Bild eines talentierten Blitzaufsteigers, der erste Meisterstücke geliefert, aber seine Bewährungsproben noch vor sich hat. Wo liegen seine Stärken, wo seine Schwächen? Was verbirgt sich hinter der Maske des Helden?

    Eine faszinierende Lektüre, die mit Fakten aufwartet. Es werden auch Ecken und Kanten des so beliebten Expolitikers aufgezeigt. Ein objektiver Bericht über das wirken dieses Mannes. Es werden Zusammenhänge aufgezeigt, die mir in dieser Form nicht immer bekannt waren. Auf jeden Fall sehr interressant und auch empfehlenswert.

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  • äußerst ansprechend! Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Nadine Rölz, am 13.04.2011

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    In der Biographie, unseres ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor von und zu Guttenberg wird sehr sachlich seine bisherige Laufbahn erzählt, sowie Familienhintergründe und der Aufstieg des neuen Shootingstars. Ebenso populät wurde seine Frau Stefanie. Die Entwicklung der Beiden zum Glamour-Paar der Regenbogenpresse wird von Anfang an erzählt. Genauso wie der unerwartete Verlust sämtlicher Ämter inklusive aller Hoffnungen auf eine Kanzlerkandidatur, verursacht durch das Plagiat seiner Doktorarbeit.

    Ich habe diese Biographie gerne gelesen und fand sie äußerst interessant, informativ und ansprechend.

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  • Lohse, Wehner, Guttenberg Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Odilie Pressberger, am 22.03.2011

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    Diese Biografie wurde zu einem Zeitpunkt geschrieben, als der Verteidigungsminister von und zu Guttenberg ganz fest in Amt und Würden war. Außerordentlich beliebt bei der Bevölkerung und wahrscheinlich der nächste Kanzler werden würde. Beim Lesen muß ich mir das immer wieder klar machen. Denn heute , nachdem bekannt ist, daß er in seiner Doktorarbeit abgeschrieben hat, daß er nicht nur geistiges Eigentum gestohlen hat, sondern das auch abstritt, also gelogen hat, ist in diesem Text unglaublich viel "zwischen den Zeilen" zu lesen! Bei der Lektüre fange ich z.B. an heftig nachzudenken über die Bedeutung von "Worthülsen" in Politikersprache und über sehr vieles mehr. Außerdem habe ich danach das Märchen vom Rumpelstilzchen wieder gelesen.Das werden Sie vielleicht auch machen, nachdem Sie das Buch zugeklappt haben. Diese Biografie ist für die Anhänger, wie auch für die Gegner des Freiherrn sehr lesenswert und überaus informativ!

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  • Lesenswert, interessant Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 22.03.2011

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    Diese Biographie ist interessant, teils auch lustig und auf jeden Fall sehr lesenswert. Ausserdem sind viele hübsche Fotos enthalten.
    Insbes. die Familengeschichte finde ich recht interessant.
    Da Guttenbergs Mutter (die in 2. Ehe verheiratet ist) von der Burg Eltz abstammt, leihe ich mir nun zusätzlich ein Buch von dieser schönen Burg aus.

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  • Das wahre Gesicht hinter der Maske des Helden Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Barbara Mantel, am 21.03.2011

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    Dies zu finden war den FAZ Journalisten An spornzur Biografie über Deutschlands beliebtesten und derzeit umstrittensden Politiker. Ausführlich schildern sie die uradelige Familiengeschichte und die Ehe auf Augenhöhe mit Stephanie. Sie zeigen Distanz, indem sie eitle Schwächen entlarven und Neutralität, indem sie Stärken benennen. Interessante Lektüre angesichts der aktuellen Debatte- angereichert mit vielen Fotos.

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  • Shootingstar Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Ulrike Seine, am 12.03.2011

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    Es hätte so schön sein können, alles schien perfekt. Doch dann kam diese Doktorarbeit in die Medien. Rasanter Aufstieg und Fall eines Politikers. Aber lesen Sie selbst. Wer ist Karl-Theodor zu Guttenberg? Welchen Lebensweg ist er gegangen?
    Ich fand seine Biographie interiessant.

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  • Guttenberg Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Gisela Busemann, am 10.03.2011

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Wen es interessiert wie ein Herr Karl-Theodor zu Guttenberg in seiner Kindheit und Jugend aufgewachsen ist und wie er letztendlich durch die Medien hochgejubelt wurde, für den Leser ist es ein Muss, die Biografie zu lesen. Auch mich hat es interessiert . Damit genug, es fehlte einfach ein ganz wichtiger Aspekt, der Fall ins Nichts. Ich gebe keine Meinung oder Wertung ab. Also wer die Lebensgeschichte eines Herrn von Guttenbergs lesen möchte, der sollte sich das Buch einfach kaufen, lesen.

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  • Passender Zeitpunkt Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv

    von Johannes Fuß, am 02.03.2011

    2 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Ich bezweifle das die jüngste Entwicklung schon erfasst ist - der Zeitpunkt ist ja beinahe perfekt getroffen.

    Nur zwei Tage eher und man hätte dem Verlag eine geradezu hellseherische Gabe attestieren können.

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EIN GESPALTENES LAND

Vorwort zur dritten Auflage

CSU-Parteitag in München. Samstag, der 30. Oktober 2010. Karl-Theodor zu Guttenberg geht durch die Reihen, ein kurzer Halt an der Pressebank, wo die Journalisten arbeiten. Eine Zufallsbegegnung. Was das Buch mache, erkundigt sich der Bundesminister der Verteidigung, höfl ich und freundlich wie stets, und hört sich an, dass es gut vorangehe. Dann schiebt er, lapidar wie eine Bemerkung über das Wetter, den Satz hinterher, vielleicht werde das Buch ja ohnehin gegenstandslos werden. Wie er das meine? Nun, man müsse solch einen Job ja nicht ewig machen, bedeutet Guttenberg. Wenigstens bis zum März des nächsten Jahres? fragt der Angesprochene. Da solle nämlich das Buch erscheinen. Der Mann also, der zu jenem Zeitpunkt auf dem Höhepunkt seines Ansehens in Deutschland ist, vermutlich aus dem Stand eine Mehrheit bekommen könnte, wenn er Anspruch auf den CSU-Vorsitz erhöbe, dem im Herbst 2010 die baldige Eroberung der bayerischen Staatskanzlei ebenso zugetraut wird wie diejenige des Kanzleramtes, spielt gegenüber Journalisten mit dem Gedanken an das Ende seiner politischen Laufbahn. Abstrus! Immerhin stellt er anschließend in Aussicht, dass er bis März jedenfalls durchhalten werde. Schließlich stehe er wegen der angefangenen Reform der Bundeswehr in der Verantwortung. Wir halten das Ganze für eine weitere seiner zahlreichen koketten Anspielungen, dass er auch ohne die Politik leben könne. Vier Monate später, der März des Jahres 2011 ist nicht einmal zwölf Stunden alt, lässt Guttenberg eine Pressemitteilung verschicken. Der Minister werde eine Stellungnahme abge-ben. So aufgeheizt ist mittlerweile die Diskussion über Guttenberg, über seine schweren Verfehlungen bei der Abfassung seiner Dissertation, über die alles verniedlichende Reaktion der Bundeskanzlerin ihrem Minister gegenüber, dass das nur noch eines bedeuten kann: Karl-Theodor zu Guttenberg tritt diesmal wirklich zurück. So kommt es. Deutschlands politischer Superstar legt am 1. März 2011 alle politischen Ämter nieder. Am Vorabend ist im Berliner Hotel »Adlon« die erste Aufl age seiner Biographie, dieses Buches also, präsentiert worden. Biographien über aktive Politiker zu schreiben, ist immer eine riskante Sache. Wichtige Dinge können kurz nach dem Redaktionsschluss passieren, während das Buch gedruckt wird und die Autoren hilfl os auf sein Erscheinen warten. Ein Rücktritt ist naturgemäß das einschneidendste Ereignis. Aber auf den Spuren des Hochgeschwindigkeitspolitikers Karl-Theodor zu Guttenberg musste das ja so kommen. Ein normales Ende eines solchen Abenteuers wäre für ihn nicht angemessen gewesen. Als die Staubwolken, die das Rennen nebst seinem spektakulären Ausgang aufgewirbelt haben, sich legen, schauen die Biographen auf ihr Werk. Ist noch alles in Ordnung, stimmt alles? Oder ist der Rahmen verzogen? Muss nach der Enthüllung, dass seine Doktorarbeit ein großes Plagiat ist, das ihn am Ende das Amt gekostet hat, der Blick auf Guttenberg ein anderer sein? Zwei Tage nach dem Rücktritt erscheint in der »Zeit« eine Rezension unseres Buches. Aus ihr sei an dieser Stelle zitiert: »Die Biografi e von Wehner und Lohse muss von morgen an nicht umgeschrieben, nur fortgesetzt werden, und den Autoren nimmt man es ab, wenn sie nun sagen: Die Entzauberung des Märchenprinzen überrasche sie nicht. Die Spuren eines Mannes, der seinen Lebenslauf schönt, durchziehen dieses Buch, ein bisschen Hochstapelei, etwas Lüge, manche Legende, fi ngerdick Blattgold und Pomade.« Tatsächlich sind wir bei der langen und intensiven Beobachtung Karl-Theodor zu Guttenbergs bald auf jene Spuren gestoßen, die zeigen, dass er gerne möglichst viel äußeren Glanz in seinen Lebenslauf bringt und es dabei mit der Wahrheit nicht immer ganz genau nimmt. Er hübscht ein Praktikum zu einer freien Mitarbeit auf, führt für die Zeit vor seinem Abgeordnetendasein ein Engagement im Familienunternehmen auf, das sich nicht recht präzisieren lässt, zeigt große Neigung zu spektakulären Fotoposen und zu politischen Schüssen gegen die eigene Mannschaft, die die eigene Person in ein besonders helles Licht rücken sollen. Das eigene Fehlverhalten in der Bewältigung der Kundus-Affäre gibt Guttenberg dagegen erst unter dem Druck eines Untersuchungsausschusses mit monatelanger Verzögerung zu, während er einstige Schutzbefohlene innerhalb von Stunden fallen lässt und anschließend im grellen Scheinwerferlicht der Talkshows mit Schuldzuweisungen überzieht. Das alles lässt das Bild einer Persönlichkeit entstehen, die neben ihren politischen Fähigkeiten genügend Schillerndes vorhält. Aber eine angeblich über Jahre entstandene juristische Doktorarbeit, die eine gigantische Ansammlung von Plagiaten ist? Ein Mann, der behauptet, dieses alles selbst gemacht zu haben und zwar ohne jede böse Absicht und das zu einem Zeitpunkt, da er hauptberufl ich als Bundestagsabgeordneter an der Entstehung jener Gesetze mitwirkte, mit denen das Land regiert wird? Ein Mann, der nach der Aufdeckung dieses Riesenschwindels erst alle Vorwürfe als »abstrus« zurückweist, um wenig später seinen Doktortitel unter dem Beifall seiner Fans von sich zu schleudern mit dem Kommentar, er habe »Blödsinn« geschrieben? Das ist neu. Das steht nun neben seinen Talenten, die in diesem Buch natürlich auch ausführlich beschrieben werden. Wie oft hatten wir gerungen mit dem Objekt unserer Beobachtung, hatten diskutiert, uns gefragt, ob er ein großer Politiker oder doch mehr ein begabter Schauspieler sei. Jetzt also noch einmal. Dabei sind wir nicht allein, sondern in der Gesellschaft des restlichen Deutschlands. Spätestens seitdem Mitte Februar die Plagiatsaffäre begonnen hat, ist Deutschland zweigeteilt: Guttenberg-Fans gegen Guttenberg-Kritiker. Es scheint kein Grau, kein Einerseits-Andererseits, sondern nur noch Schwarz und Weiß zu geben. Seit wir kurz nach dem Beginn der Plagiatsaffäre Auszüge aus dem Buch in der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« veröffentlichten, die Guttenbergs Neigung zum Polieren seines Lebenslaufs beschreiben und seine Bereitschaft, es bei der Aufarbeitung der Kundus-Affäre mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen, hat uns eine Welle der Empörung überrollt. Leser mailen, schreiben Briefe, rufen an. Die überwältigende Mehrheit schimpft aus Leibeskräften, nicht etwa, weil irgendeine unserer Darstellungen der Wahrheit nicht entspreche, sondern weil wir Guttenberg kritisierten. Auch wenn es dem üblichen Ablauf solcher Reaktionen entspricht, dass sich schnell (und oft genug ausschließlich) Kritiker melden, so ist die Wucht von deren Auftreten diesmal ungewöhnlich. Erst nach und nach wenden sich jene Leser an uns, die einen weniger positiven Blick auf den Politiker Guttenberg haben. Spätestens mit dem jähen Einsetzen seines politischen Todeskampfes ? Wiederauferstehung nicht ausgeschlossen ? hat Karl-Theodor zu Guttenberg Deutschland gespalten. Seine Anhänger fi nden sich vor allem im großen Kreis derjenigen, die mit einem gerüttelt Maß an Verachtung auf die etablierte Politik schauen; auf Parteien, die sich ihrer Meinung nach das Land zur Beute gemacht haben, die nicht nur die Herrschaft über die Gesetzgebung entlang der Parteigrenzen untereinander aufteilen, sondern über den Parteienproporz tief in das gesellschaftliche Alltagsleben vordringen, die Verwaltungsapparate von den Bundesministerien bis hinab zu den Rathäusern mit ihren Leuten so besetzen, dass sie ihre Macht möglichst dauerhaft etablieren, die die Herrschaft über den öffentlich- rechtlichen Rundfunk ausüben, indem sie sich die Führungspositionen dort aufteilen. Es ist die Wahrnehmung einer politischen Klasse als graue, aber mächtige Schicht, die ihr Wirken oft zum Lebenszweck, mindestens zum Beruf gemacht hat. Dass Karl-Theodor zu Guttenberg gerade in Bayern so beliebt ist, mag nicht nur daran liegen, dass er dort geboren wurde und viele Jahre seines Lebens dort verbracht hat, wenngleich er keineswegs als »Bayer« wahrgenommen wird wie etwa Franz Josef. Es dürfte seinen Grund auch darin haben, dass in keinem Bundesland eine Partei so selbstverständlich seit Jahrzehnten die Alleinherrschaft nicht nur über die politischen Institutionen, sondern über das ganze Land hat wie die CSU in Bayern. Die Wahrnehmung, dass »die da oben« sich das Land Untertan gemacht haben, kann vor einem solchen Hintergrund besonders gut entstehen. Gegen diese ? so wahrgenommene ? Form von Politik rennen viele Anhänger Guttenbergs im Februar 2011 mit umso größerer Wucht und Verzweifl ung an, je mehr sie sehen, dass ihr Held in Bedrängnis gerät. Dass er die rasant wachsenden Schwierigkeiten für sich und sein Amt auch noch selbst zu verantworten hat, die Schuld am Zustandekommen seines Dissertationsplagiats keinem Staatssekretär, Generalinspekteur oder Schiffskapitän in die Schuhe schieben kann, das verstärkt den Ärger vieler Menschen. Manche rasen geradezu vor Wut, bellen in Telefone, drohen das Ende ihres Zeitungsabonnements an. Guttenbergs Vergehen wird kleingeredet. Er habe das nicht bewusst gemacht. Oder: »Haben Sie früher in der Schule etwa nie abgeschrieben?« Ganz so, als ob das mit jahrelangem Diebstahl geistigen Eigentums zu vergleichen wäre, der die Erlangung eines Doktortitels mit höchster Auszeichnung zum Ziel hat. Selbst diejenigen seiner Fans, die sein Fehlverhalten als Doktorand erkennen, wollen kein Problem für den Politiker Guttenberg sehen. Ein Minister brauche keinen Doktortitel und im Übrigen liege die Angelegenheit ja schon eine Weile zurück. Dass es nur fünf Jahre sind und Guttenberg kein junger Heißsporn, sondern Abgeordneter des höchsten deutschen Parlaments war, wird dabei unterschlagen. »Die Menschen verzeihen Herrn Guttenberg diesen Fehler, die Medien müssen es auch tun«, ist eine der Forderungen aus dem Kreis der Guttenberg-Anhänger. Es entsteht der Eindruck, dass viele nicht nur zum Schönreden und Verzeihen bereit sind, sondern ihr Held durch seine Fehlerhaftigkeit in ihren Augen sogar noch wächst. Nur wer schon Fehltritte hinter sich hat, kann zu wahrer Größe aufsteigen. Wer die Bösen sind, haben die Guttenberg-Fans schnell ausgemacht: die linke Opposition und die Medien, die diese »linke Kampagne« mitmachen. Dass Medien Zustände und Missstände aufdecken und beschreiben, scheint im Verständnis vieler Menschen nicht vorzukommen. Wer nicht für Guttenberg ist, ist gegen ihn. Das Wort von der »Menschenjagd« ist schnell bei der Hand. Guttenberg wird vom Schuldigen zum Opfer umdeklariert. Das macht er selber gerne. Wenn alle nur noch auf die Fußnoten in seiner Doktorarbeit schauten statt auf die gefallenen Soldaten in Afghanistan, dann sei ihm als Verteidigungsminister das angemessene Ausüben seines Amtes nicht mehr möglich, argumentiert er in seiner Rücktrittserklärung. Wer diese Argumentation durchgehen lässt, macht den Verteidigungsminister (aber ebenso die auch für die Auslandseinsätze zuständige Bundeskanzlerin, den Außenminister, ja das ganze Kabinett, letztlich den ganzen Bundestag!) auf ewig unantastbar. Denn immer sterben irgendwo deutsche Soldaten. Soldatenblut würde so zum Drachenblut für die Politiker. Bei manchen der glühenden Anhänger Karl-Theodor zu Guttenbergs treten annähernd religiöse Züge auf. Ein Mann, der so spreche wie er, könne nicht absichtlich seine Doktorarbeit fälschen. Gegenargumente werden abgetan mit dem Hinweis: »Sie werden mich nicht bekehren!« Am Ende des Gesprächs wird auf die Bedeutung des Christentums hingewiesen. Plötzlich entsteht der Verdacht, nicht für alle ist der Gedanke, Guttenberg könne über Wasser laufen, bloß ein Scherz. Seine Verehrung als Führungsfi gur, als Heilsbringer nimmt zum Teil kultische Züge an. Deswegen tun manche Mitglieder der CDU- und vor allem der CSU-Führung auch so, als könnten sie den Verlust Guttenbergs gar nicht fassen und dächten von früh bis spät an dessen Rückkehr. Keiner will vor Guttenbergs Jüngern als derjenige dastehen, der ihn verraten hat. Die härteste Drohung der Anhänger ist zugleich diejenige, die vermutlich am häufi gsten wahrgemacht wird. Wenn ein solches Talent »kaputtgemacht« werde, dann würden sie künftig der Politik den Rücken kehren. Sollte diese Reaktion massenhaft eintreten, was angesichts einer verbreiteten Demokratie- und Wahlmüdigkeit nicht unwahrscheinlich ist, wäre Guttenbergs Rücktritt auch ein Schaden für das demokratische Gemeinwesen. Hätte das alles vermieden werden können? Hätte das Bedürfnis vieler Menschen nach einer Führungsfi gur, die anders ist als die grauen Machtorganisatoren in ihren Berliner Büros, gestillt werden können? Schwerlich. Die Dreistigkeit, mit der Guttenberg nicht nur seine Doktorarbeit erstellt, sondern auch auf die Entdeckung des Plagiats reagiert hat, wirft ein bezeichnendes Licht auf ihn. Er mutet Menschen und Institutionen, mit denen er zu tun hat, so viel Rücksichtnahme auf sein Ego zu, dass er mit Systemen wie Universitäten, Parteien, Regierungen nicht kompatibel ist. Wäre er anpassungsfähiger, hätte er zwar durch eine starke Führungskraft wie Angela Merkel im Zaum gehalten werden können. Doch wäre er dann nicht so populär geworden. Seine Beliebtheit gründet ja wesentlich auf seiner Inkompatibilität, auf seinem Anderssein, seiner Kühnheit auf Kosten des politischen Establishments. Über kurz oder lang musste diese Fehlkonstruktion zerbrechen. Die abgeschriebene Doktorarbeit ist der Auslöser, nicht der Grund für das Scheitern Guttenbergs als Teil der etablierten Parteiendemokratie. Treffl ich aufzeigen lässt sich das am Beispiel seines Vorgehens bei der Bundeswehrreform. Um den seit Jahren gepfl egten Selbstbetrug der politischen Szene, die Wehrpfl icht funktioniere noch, zu beenden, bedurfte es eines Politikers mit überdurchschnittlicher Beherztheit und Risikofreude. Guttenberg hat gewagt und gewonnen. Doch hat er dabei die Belastbarkeit und Toleranz seiner Regierung und seiner Partei, der CSU, auf das Äußerste strapaziert. Noch dazu hielt er kein schlüssiges Konzept bereit, wie nach dem Ende der Wehrpfl icht und mit einer stark verkleinerten Armee deren Funk tionsfähigkeit zu gewährleisten wäre. Mit seinem Schwert zerschlug der kühne Ritter Karl-Theodor nicht nur den Gordischen Knoten einer dahin siechenden Wehrpfl icht, sondern die Säulen geordneten Regierungshandelns gleich mit. Und die Kritiker des Freiherrn aus Oberfranken? Sie brauchen etwas länger, um ihre Stimme zu erheben, in der Union wie in der Öffentlichkeit. Bei soviel Glück und Jubel in CDU und CSU, die glaubten, einen Supermann als Wahlkämpfer zu haben, bei so viel öffentlicher Beliebtheit Guttenbergs und seiner Frau droht ja der Kritiker auch allzu leicht zum Spielverderber oder Nörgler zu werden. Letztlich hat Angela Merkel höchstpersönlich den letzten Ausschlag für Guttenbergs Rücktritt von allen politischen Ämtern gegeben. Nichts hat die Wählerschaft der Union derart provoziert wie Merkels Formulierung, sie habe Guttenberg nicht als wissenschaftlichen Assistenten, sondern als Minister ausgesucht. Nach außen hat sie sich damit augenzwinkernd auf die Seite der Guttenberg-Fans geschlagen. Nach innen hat sie aber eine Welle der Wut ausgelöst unter all jenen, die ihre wissenschaftlichen oder auch andere Meriten unter Anstrengung und mit dem von Guttenberg gern zitierten Anstand erworben haben. Diese Empörung ließ am Ende solch einen Druck in den eigenen Reihen entstehen, dass Guttenberg nicht mehr zu halten war. Und nun? Was aus jenem Mann wird, der vielen schon ganz selbstverständlich als nächster, spätestens übernächster Bundeskanzler erschien, ist gänzlich ungewiss. Karl-Theodor zu Guttenberg steht vor der vermutlich wichtigsten Prüfung seines berufl ichen Lebens. Er wird jetzt etwas herausfi nden (müssen): Hat seine beispiellose Popularität aus sich selbst heraus Bestand, hat er nicht nur als Minister solch ungeheuren Beifall bekommen, sondern als Karl-Theodor zu Guttenberg? Oder war er nur im richtigen Moment an der richtigen Wegekreuzung der Zeitläufte, als nach grauen Jahren der großen Koalition ein glänzendes, aristokratisches Politikerpaar mit ungewöhnlichem Selbstbewusstsein und Instinkt für den richtigen Augenblick gesucht wurde? Das bleibt eine spannende Frage. Der folgende Versuch zu erklären, wer dieser Karl-Theodor zu Guttenberg ist, wo er herkommt, was er bisher gemacht hat, mag auch helfen, Licht auf seine Zukunft zu werfen.
Eckart Lohse und Markus Wehner Berlin, im März 2011

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