Ein Geschenk des Himmels
Leseprobe

Ein Geschenk des Himmels

Erlebnisse einer Mutter

von Anne Enright

Buch

Taschenbuch (267 Seiten)

Sprache: Deutsch

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"Ich küsse das Kleine nicht, ich prüfe seine Temperatur."

Ein Buch, das neben jede Wickelkommode gehört, so wohltuend ist das Wiedererkennen für alle, die Kinder haben oder erwarten. Ein Geschenk des Himmels ist ein ebenso komischer wie intimer Bericht über die Schwangerschaft und die ersten beiden Lebensjahre eines Kindes. Mit viel Witz erzählt Anne Enright von Chaos und Glück der Mutterschaft. Ihr Erfahrungsbericht versammelt die Widersprüche und paradoxen Situationen, die das Elterndasein mit sich bringt. Anne Enright, selbst Mutter zweier Kinder, schildert ungeschönt die inneren und äußeren Veränderungen, die mit Schwangerschaft und Geburt einhergehen - die seelischen Erschütterungen ebenso wie die Entfremdung vom eigenen Körper. Dabei gelingt es Anne Enright, die Mutterrolle an jedem Punkt des Abenteuers Kind mit Abstand zu betrachten. Während ihre Kinder schlafen, notiert sie mit wunderbarer Selbstironie die vielen Kuriositäten, die der Alltag mit ihnen bereithält: das Durcheinander ebenso wie das unvergleichbare Glück. Anne Enrights ganz und gar unsentimentaler Blick hebt Ein Geschenk des Himmels aus der Vielzahl der Mütterbücher heraus.

Pressestimmen:

"Brillant. Eine Sammlung, die die Genres sprengt, geschrieben mit Begeisterung, Aufrichtigkeit und Kenntnis." The Observer

Produktdetails

ISBN-10: 3-442-74145-9
EAN: 9783442741458
Originaltitel: Making Babies. Stumbling Into Motherhood
Erschienen: 09.11.2010
Verlag: Btb Taschenbuch
Einband: Taschenbuch
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 267
Länge/Breite: 188mm/118mm
Gewicht: 246 g
Reihe: btb
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Anne Enright

Anne Enright, geboren 1962 in Dublin geboren. Arbeit als Schauspielerin und Fernsehproduzentin und lebt heute als Schriftstellerin und Literaturkritikerin in Dublin. Veröffentlichungen (auch auf deutsch). Ausgezeichnet mit dem Rooney Literaturpreis.

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Den größten Teil meiner Dreißiger verbrachte ich vor einer Glaswand. Jenseits davon waren die Frauen mit Kindern - die "Mütter", wie man sie nennen könnte. Auf meiner Seite waren Frauen, die einfach nur waren. Die Scheibe zu durchschreiten, schien mir unmöglich - ich konnte mir ja nicht einmal vorstellen, wie es da drinnen zuging. Erkennen konnte ich nur vereinzelte Spiegelungen meiner selbst; während sich auf der anderen Seite echte Frauen mit großer Langsamkeit - wie aus der Ferne gesichtete Wale - vorüber bewegten.
Wäre Kafka eine Frau gewesen, hätte sich Gregor Samsa nicht in ein Insekt verwandelt; das hätte er nicht nötig gehabt. Gregor wäre dann eine Gretel gewesen, und eines Morgens wäre sie schwanger erwacht. Sie hätte versucht, sich auf den Bauch zu drehen, und festgestellt, dass es nicht mehr ging. Vergeblich hätten ihre Händchen in der Luft gerudert.

Frauen kehren vom Kinderkriegen zurück wie Arktis - Forscher. Man entdeckt sie vielleicht im Theaterfoyer: sie haben abgenommen oder sich die Haare gefärbt. Ihre Gesichter glühen. Sie erwarten, dass man von ihnen und der erstaunlichen Tatsache, dass sie es geschafft haben, Notiz nimmt. Männer wiederum versuchen häufiger, an ihrem gewohnten Lebensfaden festzuhalten und ihn durchs Labyrinth schlafloser Nächte, verhinderter Geselligkeit und merkwürdig schal gewordener Ambitionen hindurchzufädeln. Am Ende sind sie erschlagen und einigermaßen glücklich oder aber erschöpft und verbittert; während neben ihnen die Frau, die man sieben Jahre nicht mehr zu Gesicht bekommen hat, "Ich bin wieder da!" herüberwinkt, und man denkt: "Mein Gott, die sieht ja besser aus als je."

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