Das schwarze Haus, Band 2

Roman

von Peter Straub, Stephen. Nach dem Roman King

Buch

gebunden (831 Seiten)

Sprache: Deutsch

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Weitere Artikelinformationen

In dem kleinen Ort French Landing im US-Bundesstaat Wisconsin geschehen merkwürdige Dinge: Eine Kuh spricht, ein alter Mann gehorcht seltsamen inneren Marschbefehlen, ein Haus exisitert und dann doch wieder nicht. Und ein unheimlicher Serienmörder entführt und tötet kleine Kinder. Der Sheriff bittet den Ex-Detective Jack Sawyer um Hilfe.

Und jene Gegenwelt, aus der Jack Sawyer damals den Talisman geholt hat, zieht ihn auch dieses Mal wieder in ihren Bann.

Produktdetails

ISBN-10: 3-453-86498-0
EAN: 9783453864986
Originaltitel: Black House
Erschienen: 01.09.2002
Verlag: Heyne
Einband: gebunden
Sprache(n): Deutsch
Seitenzahl: 831
Gewicht: 1073 g
Übersetzer: Wulf Bergner
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Peter Straub

Peter Straub, Dr. iur., LL.M., Rechtsanwalt, war wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Medizinrecht an der Universität Zürich sowie Untersuchungsrichter im Kanton St. Gallen. Derzeit arbeitet er als Stv. Staatsanwalt des Bundes vorwiegend im Bereich der internationalen Geldwäscherei bei der Schweizerischen Bundesanwaltschaft.

Stephen. Nach dem Roman King

Stephen King wurde am 21.September 1947 in Portland, Maine geboren. Seine Eltern Donald Edwin King, seiner Zeit Seefahrer und Nelly Ruth Pillsbury haben 1939 geheiratet. Zwei Jahre vor der Geburt von Stephen King adoptierten sie einen Sohn namens David. 1949 verließ der Vater die Familie und fortan war die Mutter allein verantwortlich für die Familie. Aus finanziellen Gründen mussten sie oft umziehen, da ihre Mutter sich nur mit Gelegenheitsjobs weiterhelfen konnte. Schon im Alter von sieben Jahren schrieb Stephen King seine ersten Geschichten. Vorlage hierfür waren für ihn Science-Fiction und Fantasy Filme aus denen später die Vorliebe für Horrorgeschichten wuchs. Ab 1966 studierte er für vier Jahre an der Universität Maine und absolvierte seinen B.A. in Englisch. Danach war Stephen King qualifiziert an der High School zu unterrichten. Während seiner Studienzeit schrieb er eine wöchentliche Kolumne für die Universitätszeitung. Er engagierte sich im Studenten Senat für Politik und war Mitglied der Anti-Kriegs Bewegung. Zu der Zeit lernte Stephen King auch seine Frau Tabitha Spruce kennen, die er im Januar 1971 heiratete. Mit ihr bekam er seine drei Kinder Noami, Joe und Owen. Neben seinem Beruf als Lehrer blieb ihm nur wenig Zeit für seine Kurzgeschichten, von denen er zwar ein paar verkaufen, jedoch nicht vom Schreiben allein leben konnte. Das änderte sich erst mit seinem ersten Erfolgsroman "Carrie", der 1973 von einem Verlag akzeptiert wurde. Damals war es seine Frau, die Stephen King überreden musste das Manuskript einzureichen. Alles Folgende war und ist eine weltbekannte Erfolgsgeschichte. Stephen King gab seinen Beruf als Lehrer auf und verdient seitdem sein Geld mit all seinen bisher veröffentlichten Bestsellern. Sein eigentlich sorgloses Leben wurde jedoch schon früh durch seine Alkohol und Drogensucht beschattet. Anfang der 90er Jahre bekam er das mit Hilfe seiner Frau, Freunden und einer Therapie wieder in den Griff.
1992 war er Mitbegründer der Band "Rock Bottom Remainders", die nur aus Schriftstellern besteht und meist auf Benefizveranstaltungen auftritt. Stephen King nimmt hierbei die Rolle des Gitarristen ein. Auch die Rolle des Regisseurs und Drehbuchautors machte ihm Spaß und ließ ihn in den 80er Jahren glänzen. In Stephen King Büchern, die sich ausschließlich um Horror drehen, verbirgt er nicht nur Phantasien, sondern auch erlebtes, wie übergreifende, bedrohliche Fans oder auch einen schweren Autounfall. Frühere Werke und auch spätere Romane veröffentlichte Stephen King unter dem Pseudonym Richard Bachmann und eine Kurzgeschichte unter John Swithen. Als jedoch bekannt wurde wer hinter den Pseudonymen steckte, eroberten auch diese Romane den Markt und erhöhten auf einen Schlag die Auflage. Dabei war es sein Interesse herauszufinden, ob sich Stephen King Bücher wegen dem Inhalt oder dem Namen so gut verkaufen ließen. Seine Ehrungen und Preise sind im Laufe der Jahre kaum noch zu überblicken. Angefangen von der Auszeichnung des World Horror Grandmaster (1992) über World Fantasy Awards, Best American Short Story (1996) und Awards der Horror Writers Association hat Stephen King viele weitere Awards bisher erfolgreich gewinnen können. Mit seinen Horror Geschichten ist der US-amerikanische Schriftsteller einer der erfolgreichsten Autoren der Gegenwart. Seinen Wohnsitz hat Stephen King mit seiner Frau Tabitha in einem viktorianischen Haus in Bangor, Maine gefunden. Von seinen Kindern hat er mittlerweile schon drei Enkelkinder geschenkt bekommen. Zusammen mit seiner Frau wurde Stephen King für die Unterstützung kultureller Einrichtungen geehrt.

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Kundenrezensionen

  • Für Fans ein MUSS!! Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von Michael Blinn, am 17.01.2009

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Stephen King und Peter Straub haben einmal mehr bewiesen, dass sie Meister ihres Fachs sind! Die Spannung baut sich von der ersten Seite an auf, auch wenn manche Leser der Meinung sind, die Beschreibung der Geografie zu Beginn des Buchs sei zu langatmig. Die Art und Weise, WIE beschrieben wird, macht jedoch mehr als wett, dass die eigentliche Handlung zeitweise zum Stillstand kommt.
    Wie hier schon angedeutet, sollte man den ersten Teil "Der Talisman" und die Reihe "Der Dunkle Turm" gelesen haben, bevor man sich diesem Buch widmet. Sonst könnte es passieren, dass man einige Passagen, vor allem gegen Ende der Geschichte, gedanklich nicht nachvollziehen kann. Für mich ist "Das Schwarze Haus" zwar weder eine Fortsetzung von "Der Talisman", noch hat es unmittelbar etwas mit der Saga rund um den dunklen Turm zu tun, doch ist diese Geschichte auf faszinierende Weise mit beiden mit beiden verwoben. Wer Roland (den Helden aus der Reihe "Der Dunkle Turm") kennt, spürt ihn geradezu "nebenan".
    Als Fan von Stephen King muss man dieses Buch gelesen haben. Wer Stephen King noch nicht kennt, gibt unnötig Geld aus, wenn er mit diesem Buch einsteigen will.

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  • Klasse! Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 07.08.2003

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Ersteinmal will ich Klarstellen, dass dieses Buch, und auch der Vorgänger ''Der Talisman'' keine Fortsetzung der ''dunklen Turm''- Reihe sind, sie bedienen sich nur der Thematik, die ja schon in vielen Büchern von King aufgegriffen wurde und so was wie eine Prämisse hinter seinen Werken darstellt. Das Buch an sich ist spannend, hat aber auch seine Längen.
    Da hat mir ''der Talisman'' schon viel besser gefallen, aber als eine Fortsetzung für einen abgeschlossenen Vorgängerroman ist es nicht schlecht. Und wer Probleme hat, eine FORTSETZUNG nicht zu verstehen, da der 1. Teil nicht gelesen wurde, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

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  • Ein gutes Buch! Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 17.05.2003

    0 von 0 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Auch wenn das Buch nichts für schwache Nerven ist oder gerade deshalb, ist es ein außerordentlich mitreißendes Buch. Und ich denke, dass ein so umfangreiches Buch, natürlich auch seine Schwachstellen hat. Dennoch ist es auf jeden Fall ein gelungenes Buch mit viel Fantasie und Spannung!

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  • Nur Geil Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 14.02.2003

    1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Ein Tipp an die beiden Damen Tina Hüttler und Tatjana Kröhler: lest besser Micky Maus. Mit ein bißchen Glück und Konzentration versteht ihr die Geschichten vielleicht. Wenn ich den Beitragvon den beiden Ladies lese, dann kommt mir die Galle hoch. Dieses Buch ist einfach nur geil. Noch einen Tipp für meine beiden Freundinnen: Es ist ein Fortsetzungsroman, da kommt es schon mal vor, daß vor dem 2.Teil ein 1. erscheint.

    UNBEDINGT LESEN !!!!!

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  • Nie wieder King Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 18.01.2003

    0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.

    Schade das ein Autor im laufe der Jahre so abfällt und das man angefangene Bücher nicht zurückgeben kann! Sorry, aber King ist für mich gestorben - langweilig - irreführend über hunderte Seiten undurchsichtig!!

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  • Nur für Kenner Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von einer Kundin/einem Kunden, am 17.01.2003

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    Ein fesselndes Buch. Wer allerdings nur mit dem "Talisman" vertraut ist, wird nicht alle Zusammenhänge verstehen können.
    Es handelt sich hier zu einem nicht unbeträchtlichen Teil um die Fortsetzung der Sage vom "Dunklen Turm".
    Man sollte also bereits die vier Bände "Schwarz", "Drei", "Tot" und "Glas" gelesen haben. Außerdem findet man Verknüpfungen zu "Schlaflos" und "Atlantis", "Desperation" (King) und "Regulator" (Bachmann).
    Allen gleichgesinnten kann ich nur eines dringend empfehlen: Kaufen - und dann zwei Tage nichts anderes vornehmen ;-)

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  • Wahnsinn Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv

    von einer Kundin/einem Kunden

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    Bin grosser King Fan und dieses Buch hat meine Erwartungen mal wieder übertroffen.Wie schon gesagt ein muss für jeden King leser

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  • Spannend ! Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von einer Kundin/einem Kunden

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    Habe dieses Buch mit Spannung erwartet!
    Es fängt auch spannend an, leider ist es an manchen Stellen eher in die Länge gezogen, besonders ab der Hälfte des Buches wird zu sehr ins "Detail" gegangen, was die Erwartungshalting eher bremst. Für King - Fans aber ein Muß!

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  • Gute Fortsetzung Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv

    von einer Kundin/einem Kunden

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    Wie wohl jeder echte Fan von Stephen King war ich sehr gespannt, als die Fortsetzung des Talismans angekündigt wurde.
    Als ich es endlich in Händen hielt, habe ich es in einem Rutsch durchgelesen. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite.
    Dennoch hat dieses Buch einen kleinen Fehler - warum hat King dazu Peter Straub als Co-Autoren gebraucht? Dieser Roman gehört eindeutig zum Zyklus des Dunklen Turms und damit zum Werk von King. War das erste Buch vielleicht noch ein Gemeinschaftswerk, so ist dieses mal Straub so etwas wie eine kleine Zugabe. Deswegen auch nur vier Sterne.
    Dennoch unbedingt weiter zu empfehlen!

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  • Schade Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv

    von einer Kundin/einem Kunden

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    Schade das man erst den ersten Teil gelesen haben muss um diesen King zu verstehen. Dieses wird auch daher mein letzter King gewesen sein, den ich gelesen habe, einfach nur schwach, langweilig, irreführend - kurz: traurig!

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  • Schlecht Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern aktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv Bewertungsstern inaktiv

    von einer Kundin/einem Kunden

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    Ein King, bei dem man nicht weiß worum es geht, den gibt es ! Aber einen King bei demman sogar einschläft hat es noch nie gegeben!

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Willkommen im Coulee Country


Genau hier und jetzt, wie ein alter Freund zu sagen pflegte, sind wir in der ungewissen Gegenwart, in der Hellsichtigkeit keineswegs vollkommene Sehschärfe garantiert. Hier: etwa sechzig Meter, der Flughöhe eines kreisenden Adlers, über dem äußersten Westen von Wisconsin, wo die Launen des Mississippis eine natürliche Grenze haben entstehen lassen. Jetzt: ein früher Freitagmorgen Mitte Juli, einige Jahre nach Beginn eines neuen Jahrhunderts und eines neuen Jahrtausends, deren verschlungene Pfade so verborgen sind, dass ein Blinder bessere Chancen hat, das Zukünftige zu sehen als jeder gewöhnliche Mensch. Genau hier und jetzt, es ist kurz nach sechs Uhr morgens, und die Sonne steht im Osten tief am wolkenlosen Himmel: eine pralle, selbstbewusst gelblich weiße Kugel, die wie jeden Morgen scheinbar jungfräulich der Zukunft entgegensteigt und in ihrem Gefolge eine stetig wachsende Vergangenheit hinterlässt, die sich zurückweichend verfinstert und uns alle zu Blinden macht.
Unter uns übergießt die Morgensonne die weiten, sanften Wellen des Flusses mit rotgoldenen Glanzlichtern. Sonnenlicht glitzert auf den Gleisen der Burlington Northern Santa Fe Railroad, die zwischen dem Flussufer und den Rückseiten der schäbigen einstöckigen Häuser entlang der als Nailhouse Row bekannten Country Road Oo verlaufen; dies ist der tiefste Punkt der behaglich aussehenden Kleinstadt, die sich unter uns hügelaufwärts und nach Osten erstreckt. In diesem Augenblick scheint das Leben im Coulee Country den Atem anzuhalten. Die unbewegte Luft um uns herum ist so bemerkenswert klar und rein, dass man einen in einer Meile Entfernung aus dem Erdboden gezogenen Rettich riechen könnte.


Wir schweben in Richtung Sonne vom Fluss weg, über die glitzernden Schienen, die Gärten und Dächer der Nailhouse Row, dann über eine Reihe Harley-Davidsons, die schräg auf ihren Seitenständern stehen. Diese schlichten kleinen Häuser wurden zu Beginn des jüngst vergangenen Jahrhunderts für die in der Fabrik der Pederson Nail beschäftigten Eisengießer, Formenbauer und Packer errichtet. Da nicht zu erwarten war, dass einfache Arbeiter sich über die Mängel ihrer subventionierten Behausungen beschweren würden, wurden diese so billig wie nur möglich gebaut. (Die Firma Pederson Nail, die schon in den Fünfzigerjahren mehrfach unter Blutungen gelitten hatte, verblutete schließlich im Jahr 1963 endgültig.) Die wartenden Harleys legen den Schluss nahe, dass die Fabrikarbeiter durch eine Bikergang abgelöst worden sind. Das einheitlich wilde Aussehen der Harley-Besitzer – struppige, vollbärtige, schmerbäuchige Männer, die Ohrringe, schwarze Lederjacken und Zahnlücken zur Schau tragen – scheint diese Annahme zu bestätigen. Wie die meisten Annahmen enthält auch diese eine unbehagliche Halbwahrheit.
Die jetzigen Bewohner der Nailhouse Row, denen misstrauische Einheimische bald nach dem Einzug in die Häuser am Fluss den Spitznamen Thunder Five gegeben haben, lassen sich nicht so leicht einordnen. Sie sind qualifizierte Angestellte der Brauerei Kingsland Brewing Company, die am Südrand der Stadt einen Straßenzug östlich des Mississippis steht. Rechterhand kann man »den größten Sechserpack der Welt« sehen: Lagertanks, die mit gigantischen Etiketten der Biersorte Kingsland Old-Time Lager bemalt sind. Die Männer, die jetzt in der Nailhouse Row leben, haben sich auf dem Campus der University of Illinois in Urbana-Champaign kennen gelernt, wo sie alle bis auf einen im Hauptfach Englisch oder Philosophie studierten. (Die Ausnahme war Assistenzarzt an der chirurgischen Abteilung der Universitätsklinik gewesen.) Ihr Spitzname Thunder Five bereitet ihnen nicht wenig Vergnügen: Irgendwie könnte er einem Comicheft entsprungen sein. Sie selbst bezeichnen sich als »den hegelianischen Abschaum«. Diese Gentlemen bilden eine illustre Mannschaft, später werden wir genauer mit ihnen Bekanntschaft machen. Im Augenblick haben wir nur Zeit, die handgemalten Poster zu bemerken, die an mehreren Hausfassaden, zwei Laternenmasten und einigen leer stehenden Gebäuden kleben. Auf den Postern steht:
Fisherman, bete lieber zu deinem stinkenden Gott, dass wir dich nicht als Erste erwischen! Denk an Amy!


Von der Nailhouse Row aus führt die Chase Street steil bergauf zwischen schief stehenden Gebäuden mit verwitterten, ungestrichenen, nebelgrauen Fassaden hindurch: das alte Hotel Nelson, in dem einige verarmte Dauergäste im Schlaf liegen; eine gesichtslose Kneipe; ein Schuhgeschäft, das schon bessere Zeiten gesehen hat und hinter seiner schlierigen Schaufensterscheibe Arbeitsstiefel der Marke Red Wing ausstellt; und ein paar weitere düstere Gebäude, deren Zweck nicht erkennbar ist, die aber eigenartig traumhaft und melancholisch wirken. Diese Bauten haben etwas von fehlgeschlagener Wiederauferstehung an sich, als wären sie vor dem dunklen Gebiet im Westen errettet worden, obwohl sie eigentlich schon tot waren. In gewisser Weise ist ihnen auch genau das widerfahren. Ein ockergelber waagrechter Streifen – drei Meter über dem Gehsteig an der Fassade des Hotels Nelson und einen halben Meter über dem ansteigenden Gelände an den aschgrauen Fassaden der beiden letzten Gebäude gegenüber – bezeichnet die Hochwassermarke der Überschwemmung des Jahres 1965. Damals war der Mississippi über die Ufer getreten und hatte die Bahngleise und die Nailhouse Row überflutet, wobei er bis fast zum oberen Ende der Chase Street gestiegen war.
An der Stelle, wo die Chase Street sich über die Hochwassermarke erhebt, um dann flach weiterzuführen, wird sie breiter und erlebt eine Umwandlung zur Hauptstraße von French Landing, so der Name der Kleinstadt unter uns. Das Agincourt Theater, das Lokal Taproom Bar & Grille, die First Farmer State Bank, das Samuel Stutz Photography Studio (das mit Porträts zur Schulentlassung, Hochzeitsfotos und Kinderporträts ein stetiges Geschäft macht) und Läden, die nicht wie die geisterhaften Relikte in der Chase Street wirken, säumen hier die unebenen Gehsteige: Benton’s Rexall Drugstore, das Eisenwarengeschäft Reliable Hardware, Saturday Night Video, Regal Clothing, Schmitt’s Allsorts Emporium, aber auch Geschäfte, die Unterhaltungselektronik, Zeitschriften und Grußkarten, Spielwaren und Sportkleidung mit den Logos der Brewers, der Twins, der Packers, der Vikings und der University of Wisconsin verkaufen. Einige Häuserzeilen weiter wird die Straße zur Lyall Road. Hier rücken die Gebäude auseinander und schrumpfen zu eingeschossigen Holzbauten, vor denen Firmenschilder Reisebüros und Versicherungsagenturen anpreisen; danach geht die Straße in einen Highway über, der an einem 7-Eleven, der Reinhold T. Grauerhammer Hall der Veteranenvereinigung und einem hier als Goltz’s bekannten großen Landmaschinenhändler vorbei nach Osten in eine Landschaft aus ebenen, durch nichts unterbrochenen Feldern gleitet. Steigen wir in der kristallklaren Luft weitere dreißig Meter hoch und suchen ab, was unter und vor uns liegt, sehen wir Karsttrichter, Felsenschluchten, kegelförmige Hügel mit einem Pelz aus Kiefern, lößreiche Täler, die zu ebener Erde erst richtig sichtbar sind, wenn man unvermutet auf sie stößt, mäandernde Flüsse, meilenweite Flickenteppichfelder und kleine Ansiedlungen – darunter auch Centralia, das aus ein paar verstreuten Häusern an der Kreuzung zweier schmaler Highways mit den Nummern 35 und 93 besteht.
Direkt unter uns macht French Landing den Eindruck, als wäre es mitten in der Nacht geräumt worden. Niemand ist auf den Gehsteigen unterwegs oder in gebückter Haltung dabei, den Schlüssel in eine der Ladentüren entlang der Chase Street zu stecken. Auf den schräg angeordneten Parkflächen steht noch keiner der Personenwagen und Pickups, die in ein, zwei Stunden allmählich auftauchen werden: erst allein oder paarweise, dann in einem wohl geordneten kleinen Strom. Hinter den Fenstern der Bürogebäude oder der unprätentiösen Häuser in den umliegenden Straßen brennt kein Licht. In der Sumner Street, eine Häuserzeile nördlich der Chase Street, stehen vier baugleiche zweistöckige Klinkergebäude, in denen von West nach Ost untergebracht sind: die Stadtbibliothek von French Landing; die Praxis von Dr. med. Patrick J. Skarda, des hiesigen Arztes für Allgemeinmedizin; Bell & Holland, eine Anwaltssozietät, die heute von Garland Bell und Julius Holland, den Söhnen ihrer Gründer, geführt wird; das Bestattungsunternehmen Heartfield & Son, das jetzt einem weit verzweigten Bestattungskonzern mit Zentrale in St. Louis gehört; sowie das Postamt von French Landing.
Das Gebäude am Ende der Straße, wo Sumner Street und Third Street sich kreuzen – ebenfalls ein zweigeschossiger Klinkerbau, der sich jedoch länger hinstreckt als seine unmittelbaren Nachbarn –, wird von diesen durch eine breit angelegte Einfahrt getrennt, die zu einem geräumigen Parkplatz hinter dem Haus führt. Ungestrichene Eisenstäbe versperren die nach hinten hinausführenden Fenster im ersten Stock, und zwei der vier Fahrzeuge auf dem Parkplatz sind Streifenwagen mit paarweise angeordneten Blinkleuchten auf dem Dach und den Buchstaben FLPD auf den Türen. Das Vorhandensein von Streifenwagen und vergitterten Fenstern wirkt in diesem Hort ländlichen Friedens fehl am Platz – welche Art Verbrechen könnte es hier wohl geben? Bestimmt nichts Ernstliches; sicher nichts Schlimmeres als ein paar Ladendiebstähle, Trunkenheit am Steuer und gelegentlich eine Schlägerei in einer Bar.
Wie um die Friedlichkeit und Rechtschaffenheit des Kleinstadtlebens zu bezeugen, rollt ein roter Lieferwagen mit der Aufschrift La Riviere Herald an den Seiten langsam die Third Street entlang und hält an fast allen Briefkastensäulen, damit der Zusteller die in einer blauen Plastikhülle steckenden Tageszeitung in die grauen Metallzylinder mit derselben Aufschrift stecken kann. Als der Lieferwagen in die Sumner Street abbiegt, wo die Häuser Einwurfschlitze statt Briefkästen aufweisen, wirft der Zusteller die verpackten Zeitungen einfach gegen die Haustüren. Blaue Pakete klatschen an die Türen der Polizeistation, des Bestattungsunternehmens und des Bürogebäudes. Das Postamt bekommt keine Zeitung.


Sieh da, hinter den zur Straße hinausführenden Fenstern im Erdgeschoss der Polizeistation brennt doch Licht. Die Tür öffnet sich. Ein großer, dunkelhaariger junger Mann, der ein blassblaues Uniformhemd, ein Lederkoppel mit Schulterriemen und eine marineblaue Hose trägt, tritt ins Freie. Das breite Koppel und die goldfarbene Plakette an Bobby Dulacs Brust glänzen in der Morgensonne, und alles, was er trägt, auch die 9-mm-Pistole an seiner Hüfte, scheint ebenso fabrikneu zu sein wie Bobby Dulac selbst. Er beobachtet, wie der rote Lieferwagen nach links auf die Second Street abbiegt, und betrachtet stirnrunzelnd die zusammengerollte Zeitung. Er stößt sie mit der Kappe des schwarzen, auf Hochglanz polierten Schuhs an und beugt sich eben weit genug nach vorn, um vermuten zu lassen, dass er die Schlagzeilen durch die Plastikhülle hindurch lesen will. Aber diese Methode scheint nicht allzu gut zu funktionieren. Bobby bückt sich, noch immer düster dreinblickend, ganz hinunter und hebt die Zeitung unvermutet sanft auf, so wie eine Katzenmutter ihr Junges aufnimmt, das sich vorwitzig von ihr entfernt hat. Er hält sie ein kleines Stück von sich weg, sieht mit raschem Blick die Sumner Street hinauf und hinunter, macht zackig kehrt und geht in die Polizeistation zurück. Wir, die wir in unserer Neugier stetig tiefer geschwebt sind, um das von Officer Dulac gebotene Schauspiel genauer zu beobachten, folgen ihm hinein.
Der graue Korridor führt an einer unbeschrifteten Tür und einem schwarzen Brett, an dem nur wenig befestigt ist, vorbei zu zwei Stahltreppen, von denen eine zu einem kleinen Umkleideraum, Duschkabinen und einem Schießstand hinunterführt, während die andere zu einem Vernehmungsraum und zwei Reihen gegenüberliegender Zellen hinaufführt, von denen im Augenblick allerdings keine belegt ist. Irgendwo in der Nähe läuft im Radio eine Talkshow mit einer Lautstärke, die für einen friedlichen Morgen zu hoch erscheint.
Bobby Dulac öffnet die unbeschriftete Tür und betritt – mit uns auf seinen glänzend polierten Fersen – den Bereitschaftsraum, den er kurz zuvor verlassen hatte. Rechts an der Wand stehen eine Reihe von Aktenschränken und daneben ein zerschrammter Holztisch mit ordentlich aufgeschichteten Aktenstapeln und einem Transistorradio, der Quelle des misstönenden Lärms. In dem nahe gelegenen Studio von KDCU-AM, »Die Stimme von Coulee Country«, ist der unterhaltsame Querulant George Rathbun mit seiner beliebten Morgensendung Fragen über Fragen in Fahrt gekommen. Der gute alte George klingt ein bisschen zu laut; unabhängig davon, wie weit man die Lautstärke zurückdreht, ist der Kerl einfach ein unverbesserlicher Krakeeler – was aber sein Markenzeichen ist.
In die Mitte der uns gegenüberliegenden Wand ist eine geschlossene Tür mit einer dunklen Milchglasscheibe eingelassen, auf der Dale Gilbertson, Chief of Police steht. Dale wird erst in ungefähr einer halben Stunde zum Dienst kommen.
Links in der Ecke stehen zwei Metallschreibtische in rechtem Winkel zueinander, und hinter dem uns zugewandten betrachtet Tom Lund – ein blonder Polizeibeamter, der etwa so alt wie sein Partner ist, aber nicht wie dieser den Eindruck erweckt, erst fünf Minuten zuvor prägefrisch aus der Münze gekommen zu sein – die Plastikhülle, die Bobby Dulac in der rechten Hand zwischen Daumen und Zeigefinger hält.
»Also gut«, sagt Lund. »Okay. Fortsetzung folgt.«
»Hast du vielleicht schon befürchtet, die Thunder Five würden uns wieder einen Anstandsbesuch abstatten wollen? Hier. Ich will das verdammte Ding nicht lesen.«
Ohne die Zeitung eines Blickes zu würdigen, lässt Bobby die aktuelle Ausgabe des La Riviere Herald mit sportlichem Schwung seines Handgelenks in einem flachen, schnellen Bogen über die drei Meter Fußboden segeln, dreht sich nach rechts, macht einen langen Schritt und baut sich vor dem Holztisch auf, kurz bevor Tom Lund den Wurf auffängt. Bobby starrt die beiden Namen und die verschiedenen Einzelheiten finster an, die auf die lange Tafel gekritzelt sind, die an der Wand hinter dem Tisch hängt. Er scheint nicht gerade gut gelaunt zu sein, unser Bobby Dulac. Er macht vielmehr den Eindruck, als könnte er jeden Augenblick vor schierem Zorn aus seiner Uniform platzen.
Fett und zufrieden im KDCU-Studio hockend, brüllt George Rathbun ins Mikrofon: »Mister, halten Sie mal die Luft an, okay, und lassen Sie sich ’ne neue Brille verschreiben! Reden wir hier übers gleiche Spiel? Mister …«
»Vielleicht ist Wendell zur Vernunft gekommen und hat beschlossen, damit aufzuhören«, sagt Tom Lund.
»Wendell«, sagt Bobby. Da Lund nur seinen glatten, dunklen Hinterkopf sehen kann, ist das kleine höhnische Grinsen, zu dem er die Lippen verzieht, eigentlich vergeudet, aber er setzt es trotzdem auf.
»Mister, ich will Ihnen eine einzige Frage stellen und bitte Sie in aller Aufrichtigkeit, dass Sie mir die Frage ehrlich beantworten. Haben Sie das Spiel gestern Abend wirklich gesehen?«
»Ich hab gar nicht gewusst, dass Wendell dein großer Kumpel ist«, sagt Bobby. »Hatte keine Ahnung, dass du jemals so weit nach Süden wie La Riviere kommst. Ich hab immer gedacht, deine Vorstellung von einem tollen Abend wäre ein Krug Bier und beim Bowlen im Arden möglichst über hundert Punkte zu erzielen, und jetzt kriege ich raus, dass du mit Zeitungsreportern in College-Städten rumhängst. Wahrscheinlich bist du auch mit der Wisconsin Rat, dem Kerl von KWLA, dick befreundet. Gibt’s da noch andere Schmierfinken, mit denen du rumhängst?«
Der Anrufer behauptet, er habe das erste Inning verpasst, weil er seinen Jungen nach einer Therapiestunde im Mount Hebron abholen musste, aber danach habe er alles gesehen, ehrlich.
»Habe ich gesagt, dass Wendell Green mein Freund ist?«, sagt Tom Lund. Über Bobbys linke Schulter hinweg kann er gerade eben den ersten der Namen auf der Tafel sehen. Sein Blick fixiert ihn hilflos. »Ich hab ihn bloß nach dem Fall Kinderling kennen gelernt, und der Kerl ist mir gar nicht so übel vorgekommen. Ich hab ihn irgendwie gemocht. Ehrlich, er hat mir sogar irgendwie Leid getan. Er wollte ein Interview mit Hollywood machen, aber Hollywood hat ihn rundweg abgewiesen.«
Nun, natürlich habe er die zusätzlichen Innings gesehen, sagt der bedauernswerte Anrufer, deshalb wisse er ja auch, dass Pokey Reese nicht out gewesen sei.
»Und was die Wisconsin Rat betrifft, ich würde den Kerl nicht erkennen, wenn er hier reinkäme. Überhaupt finde ich, dass die so genannte Musik, die der spielt, wie der größte Scheiß klingt, den ich je in meinem Leben gehört habe. Wie hat dieser dürre Fiesling mit dem teigigen Gesicht es überhaupt zu ’ner eigenen Sendung gebracht? Auch noch bei ’nem College-Sender? Was sagt dir das über unsere wundervolle UW/La Riviere, Bobby? Was sagt es über unsere ganze Gesellschaft aus? Oh, ich hab ganz vergessen, dass du auf diesen Scheiß stehst.«
»Ach was, ich mag viel eher 311 und Korn. Du aber bist ja so wenig auf dem Laufenden, dass du Jonathan Davis und Dee Dee Ramone nicht voneinander unterscheiden könntest, aber vergiss das jetzt, okay?« Bobby Dulac dreht sich langsam um und lächelt seinen Partner an. »Hör auf, drum herumzureden.« Sein Lächeln ist nicht allzu freundlich.
»Ich rede um etwas herum?« Tom Lund reißt die Augen in einer Parodie gekränkter Unschuld auf. »He, hab etwa ich die Zeitung durch den Raum gepfeffert? Nicht, dass ich wüsste.«
»Wenn du die Wisconsin Rat noch nie zu Gesicht bekommen hast, woher weißt du dann, wie der Kerl aussieht?«
»Genau wie ich weiß, dass er wild gefärbtes Haar und eine gepiercte Nase hat. Genau wie ich weiß, dass er tagaus, tagein und bei jedem Wetter eine beschissene abgewetzte schwarze Lederjacke trägt.«
Bobby scheint auf mehr zu warten.
»Rein vom Zuhören. Aus den Stimmen der Leute kann man einiges heraushören. Sagt einer beispielsweise: ›Sieht so aus, als bekämen wir heute schönes Wetter‹, will er einem nur gleich seine ganze Lebensgeschichte erzählen. Du willst mehr über Rat Boy wissen? Also gut. Er ist seit sechs, sieben Jahren nicht mehr beim Zahnarzt gewesen. Seine Zähne sehen aus wie Scheiße.«

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