Buch
Taschenbuch (526 Seiten)
Sprache: Deutsch
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€ 9,20
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11 Hochzeiten in 18 Monaten
Die 27-jährige Vi hält seit ihrer Kindheit Hochzeiten für das absolut Größte. Sie ist einfach hoffnungslos romantisch. Als unter ihren Freundinnen jedoch das Heiratsfieber ausbricht, hat sie allen Grund zu zweifeln. 11 Hochzeiten bescheren ihr 3 sehr peinliche Momente, 9 Kleider, die man nur 1x tragen kann, 7 unaufrichtige Glückwünsche und 4 allergische Reaktionen - und das für den Schnäppchenpreis von 50.000 Dollar. Noch Fragen?
. Das Talent zum Schreiben hat die Autorin von ihrer Mutter geerbt: Kathy Reichs
. Ein turbulenter und gefühlvoller Hochzeitsmarathon
| ISBN-10: | 3-453-40593-5 |
|---|---|
| EAN: | 9783453405936 |
| Originaltitel: | The Best day of someone else's life |
| Erschienen: | 06.07.2009 |
| Verlag: | Heyne Taschenbuch |
| Einband: | Taschenbuch |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 526 |
| Gewicht: | 420 g |
| Übersetzer: | Ursula Chr. Sturm |
| Reihe: | Heyne-Bücher Allgemeine Reihe |
Kerry Reichs studierte an der Duke University School of Law und am Institute of Public Policy. Sie arbeitete als Anwältin in Washington DC, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte. Kerry war auf zwölf Hochzeiten, war selbst noch nie verheiratet und hat auch keines der Hochzeitskleider je wieder getragen. Sie lebt in Washington DC und Los Angeles.
von Dagmar, am 05.04.2010
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von Asti, am 27.09.2009
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von Tanja Kurz, am 09.08.2009
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Die allererste Hochzeit, die ich je erlebte, war die dritte meiner Tante, und es sollte nicht ihre letzte sein.
Meine Tante Jackie ist wunderschön (sie hat sogar mal eine Misswahl gewonnen), und sie erregt dieselbe Aufmerksamkeit wie ein Neon-Graffiti an einer Kirchenmauer. Sie war es auch, die mir meinen ersten Alkohol verabreicht hat - einen leckeren, dickflüssigen Pfefferminzlikör, der allerdings, wie ich später herausfand, in rauen Mengen genossen eine desaströse Wirkung entfalten kann. Vor allem jedoch verschaffte mir Tante Jackie eine erste Kostprobe des ASTIL.
Mit meinen sechs Jahren konnte ich natürlich nicht wissen, dass bei besagter (dritter) Hochzeit meiner Tante der Grundstein für meine eigene Indoktrination gelegt werden sollte. Dass meine Teilnahme an diesem Ritual nur dazu diente, auch meine Schritte und Gedanken bereits in Richtung Altar zu lenken, magnetisch angezogen von einem Ereignis, das die Welt als meine grösste Leistung betrachten würde: dem ASTIL - dem Aller-Schönsten Tag Im Leben. Dabei drängt sich doch die Frage auf, warum alle Welt so wild darauf ist, vor den Altar zu treten, wenn es nach dem ASTIL schon per definitionem nur noch bergab gehen kann. Hält das Leben nach dem Treueschwur nur noch vergleichsweise unbedeutende Glücksmomente für uns bereit? Die leicht unbefriedigende Erwartung, dass sich der heutige Tag ja möglicherweise als der zweitschönste im Leben entpuppen könnte? Vorausgesetzt natürlich, er hat eine wirklich grossartige Begebenheit in petto - einen Lottogewinn zum Beispiel, eine Geburt oder eine Begegnung mit Susan Bland, der Schlägertype aus der neunten Klasse, die inzwischen fett geworden ist und an einer Hautkrankheit leidet, während man selbst Röhrenjeans trägt.
So begann also meine Gehirnwäsche - mit dem bis dahin dritten ASTIL für meine Tante. Ich ahnte, wie gesagt, nicht das Geringste. Ich war seit je reichlich naiv. Ich habe tatsächlich erst in der dritten Klasse den Trick mit der neuen Lunchbox durchschaut. Jeden August suchte ich mir treudoof im Laden eine neue Lunchbox im »Mein kleines Pony«- oder »Emily Erdbeer«-Design aus und konnte es kaum erwarten, meinen Freundinnen das neue Modell ganz stolz vorzuführen. Aber erst wenn ich dann am ersten Schultag mein Marmeladenbrot auswickelte, ging mir auf, dass ich mich für ein weiteres Jahr in das Gefängnis eines Klassenzimmers hatte locken lassen. Bei der Hochzeit meiner Tante erhielt ich anstelle der Lunchbox einen Korb mit Blütenblättern, und statt in die Schule lockte man mich in die Märchenwelt des ASTIL.
Die Manipulation, die im fröhlichen Verstreuen von Rosenblättern ihren Anfang nahm, setzte sich mit der Lektüre einschlägiger Literatur fort: Aschenputtel, Schneewittchen, Dornröschen und Sturm des Verlangens (tja, ich war eine frühreife Leserin). Es folgten die üblichen vorbereitenden Puppenspiele: Ich verheiratete Barbie mit Ken und meine »Sea Wees«-Meerjungfrauen mit den »G.I.Joe«-Actionfiguren meines Bruders, wobei ich die vertrackte »Sie lebt im Wasser, er an Land«-Problematik geflissentlich ignorierte. Kein Problem für die wahre Liebe. Dieselbe Kurzsichtigkeit sollte ich später an manch einer wild entschlossenen Braut diagnostizieren, die sich blindlings in die Verwirklichung ihres eigenen glanzvollen ASTIL stürzte und dabei hartnäckig sämtliche Warnsignale »übersah«. Etwa, dass ihr Zukünftiger noch nie eine Steuererklärung eingereicht hatte, mehr Geld für Kosmetika ausgab als sie selbst oder seinen verrosteten 82er El Camino als ehrwürdigen Oldtimer bezeichnete. Kein Grund zur Beunruhigung - es ist wahre Liebe.
Insgesamt bescherte mir die Mär vom ASTIL elf Gänge zum Altar, neun nur einmal getragene Kleider in Farben, die selbst einen Blinden schaudern lassen würden, neun Paar dazu passend angemalte Schuhe, dreizehn überaus entwürdigende Augenblicke, sechs im Nachhinein zutiefst bereute Verabredungen, einen verstauchten Knöchel, vier allergische Reaktionen, sieben Stiche, zahllose Kater sowie Ausgaben in der Höhe von sechsundfünfzigtausendachthundert Dollar - nur für die Hochzeiten anderer Leute wohlgemerkt.
Wen wundert es da, wenn ich einen gesunden Skeptizismus in Bezug auf die Ehe entwickelt habe? Was natürlich nicht fair ist; schliesslich feiere ich leidenschaftlich gern Weihnachten, obwohl ich der Weihnachtsgeschichte mindestens genauso skeptisch gegenüberstehe. Tja. Würde ich in einem Film mitwirken, dann hiesse er wohl Wie der Grinch das Hohelied der Liebe gestohlen hat. Wer zum ersten Mal den ersten Korintherbrief (»Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig...«) bei einer Trauung hört, bekommt vielleicht noch feuchte Augen, aber spätestens beim fünften Mal wird es jede noch so geduldige Brautjungfer in den Fingern jucken, dem Pfarrer eins mit ihrem lavendelfarbenen Satinpump überzuziehen.
Im zarten Alter von sechs Jahren jedoch ahnte ich von dergleichen nichts. Bei Tante Jackies Hochzeit wollte ich lediglich im Mittelpunkt stehen und meinen Cousin ärgern.
Ich wusste, ich konnte nicht Barbie sein, doch als ich Jackie in ihrem Kleid erblickte, rückte das Prinzessinnendasein samt bauschigem weissen Satinkleid, glitzernden Ohrringen und weissen Satinschuhen plötzlich in greifbare Nähe. Ich hatte eine ausgeprägte Schwäche für Satin und Glitzer. Ich war infiziert. Eines Tages würde auch ich im vollen Bewusstsein meines erhabenen Status' am Arm meines Märchenprinzen vor mein erlesenes Publikum treten, glitzernd und lächelnd und graziös, aller Augen auf mich gerichtet. Das Gesicht des Prinzen, der natürlich einen schicken Smoking tragen würde, war zwar nur ein verschwommener Fleck (was auf seine zweitrangige Bedeutung in dieser Angelegenheit schliessen lässt), und das der Heirat folgende Eheleben liess mich ebenfalls ziemlich kalt, doch der Lockruf des Traualtars war überwältigend.
Meine Erinnerungen an Jackies Ehemann Nummer eins beschränkten sich auf die Tatsache, dass er wie einer der Bösewichte aus Return from Witch Mountain ausgesehen und stets nach Knoblauch gerochen hatte. Die elegante Erscheinung von Ehemann Nummer zwei hatte an glänzende Armaturen oder einen Gameshow-Moderator erinnert. Er hatte mich Däumelinchen genannt und mir runde Steine geschenkt, die er zuvor mit einer ohrenbetäubend knirschenden Maschine glattpoliert hatte. Jackie kannte ihn aus der Firma, in der sie für ihren ersten Mann gearbeitet hatte. Ich wusste, dass etwas faul an der Sache war, denn niemand sprach je darüber. Über ihn sprach später, als er im Gefängnis sass, auch niemand mehr.
Und nun heiratete sie Cub, über den ich nur wusste, dass Tante Jackie glücklich war, weil sie unter die Haube kam, und er ihr dabei half. Solange die beiden miteinander ausgegangen waren, hatten alle Erwachsenen gerätselt, wann sie wohl endlich heiraten würden. Heiraten war damals das erklärte Ziel, das merkte man schon an der Art und Weise, wie darüber gesprochen wurde. Aus diesem Grund gab es Hochzeiten, und die Hochzeiten waren das Höchste der Gefühle.
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