Buch
gebunden (477 Seiten)
Sprache: Deutsch
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Endlich geht das grandiose Fantasy-Abenteuer weiter:
Bartimäus erzählt atemberaubend spannend, umwerfend komisch - und wie alles begann!
»Hier erzähle ich euch die Geschichte meiner Abenteuer und wahren Größe, bevor mich dieser widerliche kleine Magier namens Nathanael in seinen unsäglichen Bann schlug.«
Endlich hat das Warten für alle Fans der fantastischen Bartimäus-Trilogie ein Ende: Das heiß ersehnte Prequel zu den faszinierenden Abenteuern um den jungen Magier Nathanael und seinen unfreiwilligen Diener Bartimäus ist da! Und Bartimäus, der Dschinn aller Dschinns, darf seine ruhmreiche Vergangenheit präsentieren - die sogar seine späteren Heldentaten mit Nathanael beinahe in den Schatten stellt. Schließlich hat Bartimäus seinerzeit nur den Besten der Besten und Hochwohlgeborenen gedient: Mächtige Magier und wunderschöne Königinnen waren seine Gebieter - und mit dem berühmten König Salomon stand er sogar auf Du und Du ...
Ein spektakuläres Feuerwerk an atemberaubender Spannung, unnachahmlichem Witz und mit einem unwiderstehlichen Helden!
Pressestimmen:
Alex Dengler, Deutschlands führender Buchkritiker, denglers-buchkritik.de, 01.11.10
Und wie schon vor einigen Jahren, muss ich wieder schreiben: Jonathan Stroud lässt auf jeder Seite Funken sprühen. Bartimäus ist der coolste Geist der Weltliteratur! Bartimäus Abenteuer stehen einem großen Hollywood-Abenteurer in nichts nach ?Indiana Jones. Nur schlägt Bartimäus mit seiner Wortakrobatik um sich, da verblasst die Hollywoodikone um Längen. Und Bartimäus hat ja auch noch einen großen Vorteil als Geist, er kann die ganze menschliche Zeitrechnung durch Abenteuer erleben. Was würde ihn Indiana Jones beneiden, könnte auch er die ganzen zeithistorischen Ereignisse live durchleben. Jonathan Stroud führt seine Bartimäus-Reihe überaus geschickt fort. Er hängt an die abgeschlossene Trilogie mit Bartimäus und Nathanael nicht noch einen Band dran, sondern geht in Bartimäus Vergangenheit zurück. Das lässt auch reichlich Spielraum für noch viele weitere Abenteuer mit dem schlauen und frechen Dschinn Bartimäus.
| ISBN-10: | 3-570-13967-0 |
|---|---|
| EAN: | 9783570139677 |
| Originaltitel: | Bartimaeus IV |
| Erschienen: | 09.10.2010 |
| Verlag: | Cbj |
| Einband: | gebunden |
| Sprache(n): | Deutsch |
| Seitenzahl: | 477 |
| Länge/Breite: | 219mm/147mm |
| Gewicht: | 655 g |
| Altersempfehlung: | ab 10 |
| Übersetzer: | Gerald Jung, Katharina Orgass |
Jonathan Stroud wurde in Bedford geboren. Er schreibt Geschichten, seit er sieben Jahre alt ist. Er arbeitete zunächst als Lektor für Kindersachbücher. Nachdem er seine ersten eigenen Kinderbücher veröffentlicht hatte, beschloss er, sich ganz dem Schreiben zu widmen. Er wohnt mit seiner Frau Gina, einer Grafikerin und Illustratorin von Kinderbüchern, und der gemeinsamen Tochter Isabelle in der Nähe von London. "Die Pforte des Magiers" ist nach "Das Amulett von Samarkand" und "Das Auge des Golem" der dritte Teil der Bartimäus-Trilogie. Die beiden Bücher sind weltweite Bestseller - und auch in Deutschland haben sie Spitzenplätze auf den Jugendbuch-Bestsellerlisten erklommen. Die Trilogie wird von Miramax verfilmt.
von Doris Oberauer, am 26.08.2011 aus der Thalia-Buchhandlung in Grieskirchen
von Regina Götzendorfer, am 08.12.2010 aus der Thalia-Buchhandlung in Plus City
von Kristin Seidler, am 06.08.2011
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von Ruth Isser, am 09.07.2011
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von Stefanie Gabelt, am 18.03.2011
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von Stephanie Karrer, am 08.03.2011
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von Birgit Eiglmeier, am 27.02.2011
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von Linda Zeller, am 27.01.2011
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von Bianka Greif, am 17.01.2011
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von Die Novizin, am 07.01.2011
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von einer Kundin/einem Kunden, am 11.12.2010
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von Annette Ordnung, am 10.12.2010
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von D. Knichel, am 21.11.2010
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von Jonathan Jäger, am 16.11.2010
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von Hendrik Berling, am 09.11.2010
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von A. Jürgens, am 29.10.2010
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von Sonja Smolka, am 28.10.2010
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von K. Pickard, am 27.10.2010
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von Gabriele Langhammer, am 26.10.2010
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von Silke Schröder, am 25.10.2010
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von einer Kundin/einem Kunden, am 18.10.2010
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von Kerstin Hahne, am 18.10.2010
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Sonnenuntergang über den Olivenhainen. Der Himmel errötete pfirsichfarben wie ein verschämter Jüngling beim ersten Kuss. Durch die offenen Fenster wehte ein kaum spürbarer Windhauch, der die Düfte des Abends hereintrug. Er verfing sich im Haar der jungen Frau, die allein und in Gedanken versunken in der Mitte des Raumes auf dem Marmorfußboden stand, und ließ ihr Gewand um die schlanken, gebräunten Glieder flattern.
Sie hob die Hand. Schmale Finger spielten mit einer Locke.
»Warum so schüchtern, mein Herr?«, raunte sie. »Kommt näher und lasst Euch betrachten.«
Der alte Mann im Pentagramm gegenüber ließ die wachsbeschichtete Tonrolle sinken und funkelte mich mit dem gesunden Auge ärgerlich an. »Bei Jehova, Bartimäus! Du glaubst doch nicht im Ernst, dass die Masche bei mir zieht?«
Ich klimperte betörend mit den Wimpern. »Wenn du ein Schrittchen näher trittst, tanze ich für dich. Das willst du dir doch nicht etwa entgehen lassen? Ich führe dir den Tanz der Sieben Schleier vor.«
»Nein danke«, sagte der Zauberer gereizt. »Und das kannst du auch bleiben lassen.«
»Was denn?«
»Dieses … dieses Gewackel. Da! Schon wieder!«
»Ach, komm schon, Kumpel, reg dich ab. Was passt dir denn nicht?«
Mein Herr stieß einen Fluch aus. »Womöglich dein gespaltener linker Fuß. Vielleicht auch dein schuppiger Schwanz. Oder aber der Umstand, dass jedes Neugeborene weiß, warum man auf keinen Fall aus dem Schutzkreis treten darf, wenn man von einem tückischen, doppelzüngigen Geist wie dir dazu aufgefordert wird. Und jetzt schweig endlich, verfluchte Kreatur der Luft, und verschone mich mit deinen elenden Versuchungen oder ich verpasse dir eine Pestilenz, wie sie nicht einmal das ägyptische Weltreich erleiden musste.« Der alte Knabe spulte sich ganz schön auf. Sein Atem ging schwer und das weiße Haar stand ihm um den Kopf wie ein wirrer Heiligenschein. Er zog einen Griffel hinter dem Ohr hervor und kritzelte mit grimmiger Miene etwas in die Wachsschicht der Tonrolle. »Der nächste Eintrag, Bartimäus. Wenn die Zeile voll ist, ist ein für alle Mal Schluss mit den Vergünstigungen, verstanden? Keine gebratenen Kobolde mehr, keine Freizeit, gar nichts. Und jetzt habe ich einen Auftrag für dich.«
Die Maid im Pentagramm verschränkte die Arme und rümpfte das niedliche Näschen. »Ich habe eben erst einen Auftrag abgeschlossen.«
»Stimmt. Und jetzt kommt der nächste.«
»Den erledige ich, sobald ich mich erholt habe.«
»Du erledigst ihn sofort.«
»Warum immer ich? Schickt doch Tufec oder Rizim los.«
Ein scharlachroter Blitz schoss aus dem Zeigefinger des Alten und setzte mein Pentagramm in Brand. Ich jaulte auf und vollführte wilde Luftsprünge.
Das Knistern ließ nach, ebenso der Schmerz in meinen Füßen, und ich verharrte in einer unvorteilhaften Pose.
»Du hattest recht, Bartimäus«, kicherte der Alte. »Du tanzt wirklich nicht übel. Ist dir immer noch nach Widerworten zumute? Dann wäre nämlich ein weiterer Eintrag fällig.«
»Nein, nein _ nicht nötig.« Zu meiner großen Erleichterung steckte er den Griffel bedächtig wieder hinter das runzlige Ohr. Ich klatschte schallend in die Hände. »Ihr habt einen neuen Auftrag für mich? Welche Freude! Ich bin gerührt, dass Ihr unter so vielen anderen würdigen Dschinn ausgerechnet mich auserwählt habt. Was verschafft mir diese Ehre? Ist sie der Lohn dafür, dass ich den Riesen im Libanon-Gebirge quasi nebenbei erledigt habe? Dass ich die kanaanitischen Rebellen mit unermüdlichem Eifer in die Flucht schlug? Oder verdanke ich sie schlicht meinem guten Ruf?«
Der Alte kratzte sich die Nase. »Falsch geraten. Du verdankst sie deinem Benehmen gestern Abend, als dich die Wachkobolde dabei beobachtet haben, wie du in Gestalt eines Mandrill-Affen vor dem Schaftor durchs Unterholz stolziert bist, anstößige Lieder über König Salomo geschmettert und deine eigene Herrlichkeit lautstark gepriesen hast.«
Das junge Mädchen zuckte missmutig die Achseln. »Vielleicht handelt es sich ja um eine Verwechslung.«
»Wenn jemand hartnäckig wiederholt:>Bartimäus ist der Größte »Na schön, ich war's. Dann hatte ich eben zu viele Stechlinge zum Abendessen. Macht doch nichts.«
»Ach nein? Die Wächter haben es ihrem Vorgesetzten gemeldet, und der hat sich bei mir gemeldet. Ich habe es dem Obermagier Hiram gemeldet und ich glaube, inzwischen ist es auch dem König zu Ohren gekommen.« Der Alte setzte eine förmliche Miene auf und sagte streng: »Der König ist ganz und gar nicht erfreut.«
Ich blies die Wangen auf. »Kann er mir das nicht selber sagen?«
Das gesunde Auge des Zauberers trat aus der Höhle. Es sah aus wie ein Ei, das gerade aus dem Hinterteil eines Huhnes hervorkommen will. »Du wagst es vorzuschlagen«, keifte er, »dass der große Salomo, König von ganz Israel, Herr über alle Ländereien vom Golf von Akaba bis zum Strom des Euphrat, sich herablassen soll, das Wort an einen schwefligen Sklaven wie dich zu richten? Allein die Vorstellung! In meinem ganzen Leben habe ich noch nie eine solche Unverschämtheit…
»Ich bitte Euch. Seht Euch doch an. So etwas müsst Ihr schon mal erlebt haben.«
»Macht zwei Einträge, Bartimäus, für deine Dreistigkeit.« Er kratzte wütend mit dem Griffel auf der blöden Tonrolle herum. »Schluss jetzt! Hör mir gut zu. Salomo wünscht neue Trophäen für seine Wunderkammer. Er hat seine Zauberer angewiesen, die gesamte bekannte Welt nach kunstvollen und zaubermächtigen Gegenständen zu durchsuchen. Zu dieser Stunde beschwören meine Rivalen auf sämtlichen Türmen Jerusalems lauter Dämonen, die dir an Widerwärtigkeit in nichts nachstehen, und senden sie wie feurige Kometen in alle vier Himmelsrichtungen aus, damit sie versunkene Städte plündern. Mit den erbeuteten Schätzen wollen sie Eindruck auf den König machen und sich bei ihm einschmeicheln. Aber das wird ihnen nicht gelingen, Bartimäus, denn wir werden ihm die prächtigste Trophäe von allen überreichen. Habe ich mich verständlich ausgedrückt?«
Das hübsche Mädchen zog einen Flunsch, meine langen, scharfen Zähne glitzerten feucht. »Schon wieder Grabräuberei? Soll Salomo die Drecksarbeit doch selber erledigen. Aber nein, es wäre ja zu viel verlangt, dass er mal den Finger hebt und den Ring benutzt. Noch fauler geht's wirklich nicht.«
Der Alte grinste verschlagen. Die schwarze Höhle seines fehlenden Auges schien das Licht einzusaugen. »Deine Ansichten sind sehr interessant. So interessant, dass ich sie dem König nicht vorenthalten möchte. Ich werde ihn sogleich aufsuchen. Wer weiß? Vielleicht hebt er ja doch den Finger und benutzt den Ring - gegen dich.«
Eine kleine Pause trat ein und das dämmrige Zimmer verdunkelte sich merklich. Ein kalter Schauer rieselte mir den wohlgeformten Rücken herunter. »Macht Euch keine Umstände, Meister«, knurrte ich. »Ich beschaffe ihm seine Trophäe. Wo soll's denn hingehen?«
Mein Herr zeigte auf das Fenster, durch das die Lichter Jerusalems heiter hereinblinkten. »Du fliegst ostwärts, nach Babylon. Hundert Meilen südöstlich dieser sündigen Stadt und dreißig Meilen südlich vom derzeitigen Lauf des Euphrat findest du die verfallenen Überreste einer uralten Stadt. Die Bauern dort meiden die Ruinen aus Furcht vor Geistern, und die Nomaden weiden ihre Herden nur jenseits der äußersten Hügelgräber. Heute hausen dort nur noch ein paar religiöse Eiferer und andere Verrückte, aber der Ort war nicht immer so verlassen. Einst hatte er sogar einen Namen.«
»Eridu«, sagte ich leise. »Ich weiß.«
»Wie seltsam müssen die Erinnerungen eines Wesens sein, das den Aufstieg und Fall solcher Orte miterlebt hat Nun erschauerte der Alte. »Ich mag gar nicht darüber nachdenken. Aber umso besser, wenn du dich noch daran erinnerst! Durchstöbere die Ruinen, mach die alten Tempel ausfindig. Wenn man den Schriftrollen glauben darf, muss es dort noch zahlreiche Geheimkammern geben, in denen unschätzbare antike Kostbarkeiten schlummern! Wenn wir Glück haben, sind einige davon noch unberührt.«
»Ganz bestimmt. Bei den Wächtern …«
»Gewiss, die Zauberer dürften damals gewisse Vorsorgemaßnahmen getroffen haben!« Die Stimme des Alten schwoll dramatisch an, er fuchtelte abwehrend mit den Händen. »Wer weiß, was für Geschöpfe dort noch lauern mögen? Wer alles in den Ruinen umgeht? Welch abstoßende Wesen, was für abscheuliche Ungeheuer dort . _ Was machst du da eigentlich mit deinem Schwanz? Lass das! Das ist unappetitlich.«
Ich riss mich zusammen. »Schon verstanden. Ich soll nach Eridu und mich dort umschauen. Aber wenn ich wiederkomme, will ich auf der Stelle entlassen werden! Ohne Wenn und Aber. Ich habe mich jetzt lange genug auf der Erde herumgetrieben. Meine Substanz schmerzt wie ein eitriger Backenzahn.«
Mein Herr grinste zahnlos, reckte mir das Kinn entgegen und wackelte wichtigtuerisch mit dem schrumpligen Zeigefinger. »Kommt ganz drauf an, was du mir bringst, Bartimäus. Wenn es dir gelingt, mich in Erstaunen zu versetzen, lasse ich dich vielleicht, vielleicht gehen. Also streng dich gefälligst an! Und jetzt - sei bereit. Ich werde dich nun an deinen Auftrag binden.«
Mitten in der Beschwörungsformel erscholl das Horn unter dem Fenster. Das Kidrontor wurde geschlossen. Die Wachposten am Schaftor, am Gefängnistor und am Wassertor griffen das Signal auf, und so ging es einmal rund um die Stadtmauer, bis schließlich das große Horn auf dem Palastdach ertönte und ganz Jerusalem für die Nacht verriegelt war.
Noch vor ein, zwei Jahren hätte ich darauf spekuliert, dass die Ablenkung meinen Herrn zu einem Versprecher verleiten würde, sodass ich mich auf ihn stürzen und ihn verschlingen konnte.
Diese Hoffnung hatte ich längst aufgegeben. Er war zu alt und zu erfahren. Ich musste abwarten, bis ich ihn anderweitig überrumpeln konnte.
Der Zauberer kam zum Ende, sprach die abschließenden Worte. Das hübsche Mädchen zerfloss und wurde durchsichtig. Einen Augenblick lang schwebte ich noch in
meinem Pentagramm wie ein dunstiger Schemen, dann zerplatzte ich geräuschlos.
Bartimäus
2
Ganz gleich wie oft man schon wandelnden Toten begegnet ist, man vergisst jedes Mal, wie bescheuert sie aussehen, wenn sie sich tatsächlich in Bewegung setzen. Klar, sobald sie aus einer Mauer treten, sehen sie erst mal scharf aus und sammeln Extrapunkte wegen der Schockwirkung, der klaffenden Augenhöhlen und malmenden Kiefer und manchmal (wenn der Wiederbelebungszauber allererste Sahne war) wegen ihres grausigen Geheuls. Aber dann tappen sie einem schwerfällig durch den Tempel hinterher, mit ruckelndem Becken und schlackernden Schenkelknochen, und strecken die fleischlosen Arme auf eine Art von sich, die einschüchternd wirken soll, aber eher den Eindruck macht, als wollten sie sich gleich ans Klavier setzen und einen fetzigen Boogie-Woogie in die Tasten hämmern. Und je mehr Tempo sie zulegen, desto lauter klappern ihre Zähne, desto öfter verfängt sich ihr hüpfender Halsschmuck in den Augenhöhlen, und dann stolpern sie noch über ihre Leichentücher und fallen hin und sind einem flinkfüßigen Dschinn, der es eilig hat, immerzu im Weg. Außerdem sind sie sehr wortkarg. Keins dieser Gerippe hat je einen flotten Spruch parat, der die lebensbedrohliche Lage, in der man sich in ihrer Gesellschaft befindet, ein bisschen auflockern würde.
»Herrschaftszeiten«, begrüßte ich sie durch das Loch in der gewölbten Decke, an dessen Rand ich mich mit einer Hand festhielt, »ist denn hier keiner, mit dem man mal vernünftig quatschen kann?« Mit der freien Hand feuerte ich einen Plasmablitz ab, der vor den Füßen eines Untoten ein Loch riss. Ein Schritt und der Kerl war in der Versenkung verschwunden. Ich stieß mich ab, sprang quer durch den Tempelsaal und landete gelenkig auf einem Standbild des Gottes Enki.
Von links kam ein mumifizierter Leichnam aus seiner Wandnische geschlurft. Er trug ein Sklavengewand und um den ledrigen Hals ein rostiges Eisenband mit einer Kette dran. Mit knarzenden Gelenken stürzte er sich auf mich. Ich ruckte einmal kräftig an der Kette und ploink - sein Kopf fiel ab. Ich fing den Schädel auf, während der Rest zusammenbrach, und kegelte ihn treffsicher gegen die nächste Mumie, der prompt das Rückgrat entzweiknackte.
Dann sprang ich von dem Götterbild herunter in die Saalmitte. Die Untoten näherten sich jetzt von allen Seiten. Ihre Gewänder waren hauchdünn wie Spinnweben, an ihren Handgelenken klirrten Bronzereifen. Einst waren sie lebendige Männer und Frauen gewesen - Sklaven, Freie, Höflinge und niedere Priester, Mitglieder aller Gesellschaftsschichten von Eridu -, aber jetzt bedrängten sie mich mit gebleckten Zähnen und schartigen gelben Fingernägeln und wollten meine Substanz in Stücke reißen.
Ich bin von Natur aus höflich und verhielt mich angemessen entgegenkommend. Eine Detonation nach links, einen Schüttelkrampf nach rechts. Es hagelte munter Mumienbrösel auf die glasierten Reliefs alter sumerischer Könige.
Das verschaffte mir eine kurze Atempause. Ich schaute mich um.
In den achtundzwanzig Sekunden, seit ich mich durch die Decke gebohrt hatte, war mir noch keine Zeit geblieben, meine Umgebung ausführlich in Augenschein zu nehmen, aber die Ausstattung und der Zustand des Tempels lieferten mir gewisse Hinweise. Zum einen handelte es sich zweifelsfrei um einen Tempel des Wassergottes Enki (das verriet mir das Standbild, außerdem tauchte Enki in allen Wandreliefs auf, umringt von seinen Fischen und Schlangendrachen), der seit mindestens 1.500 Jahren nicht mehr verehrt wurde. Zum anderen war in den langen Jahrhunderten, seit die Priester die Türen versiegelt und die Stadt dem alles verschlingenden Wüstensand überlassen hatten, niemand mehr hier eingedrungen. Das erkannte ich an der dicken Staubschicht auf dem Boden, dem unversehrten Steinblock vor dem Eingang, dem Eifer der untoten Wächter und - nicht zuletzt - an der Figur auf dem Altar am anderen Ende des großen Raumes.
Bei der kunstvoll aus purem Gold gefertigten Figur handelte es sich um eine Wasserschlange, eine Verkörperung des Enki. Sie blinkte matt im Schein der von mir zur Beleuchtung des Saales entflammten Signalfeuer, und ihre Rubinaugen funkelten unheilvoll wie verlöschende Glut. Allein als antikes Kunstwerk war sie vermutlich unbezahlbar, aber das war nur die halbe Miete.