Einleben
Roman
- Erschienen: September 2009
- EAN: 9783852186030
- ISBN-10: 3-85218-603-X
- Seitenzahl: 168
- Stilrichtung: Romane
- Sprache(n): Deutsch
- Erschienen bei: Haymon Verlag
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Ginge es nach der Statistik, dann dürfte die kleine Steffi eigentlich gar nicht existieren: Dann hätte ein Arzt im Rahmen des Schwangerenuntersuchungsprogramms die Diagnose "Down-Syndrom" gestellt und ihrer Mutter Johanna eine Abtreibung nahegelegt. Doch Steffi, so scheint es, hat diese Logik erfolgreich hintertrieben und ist da, samt ihrem atypischen Chromosom.
Das Einleben beider, des etwas anderen Kindes in diese Welt und seiner Mutter in den Alltag mit Steffi samt allen Konsequenzen, die sich daran knüpfen, formt Ludwig Laher zu einem vielschichtigen Roman, einem Geflecht aus eindringlichen Momentaufnahmen, tastenden Reflexionen, unerwarteten Bezügen und überraschenden Wendungen.
Ohne moralische Besserwisserei und sentimentale Ungenauigkeiten lädt Laher die Leserschaft ein, ihn auf seiner abenteuerlichen Gratwanderung zu allerlei Wägbarkeiten zu begleiten. Mit der ihm eigenen "mitreißenden Diskretion" - so ein Kritiker über Ludwig Lahers letzten Roman Und nehmen was kommt - nähert sich der Autor so einer der großen Herausforderungen, mit denen uns die modernen Wissenschaften konfrontieren.
"Einleben ins Unerwartete"
Sehr realistisch und ungemein einfühlsam schildert der Autor den Alltag mit der 4-jährigen Steffi, aus der Sicht der Mutter. Als sich wenige Tage nach der Geburt herausstellt, daß die Kleine das Down-Syndrom hat, wird das Leben der 34-jährigen Johanna auf den Kopf gestellt, vor allem im Emotionalen und Philosophischen. Viele Fragen kreisen um die unerwartete Situation und zeigen das persönliche Dilemma der Mutter, ihr Kind anzunehmen und zu lieben wie es ist, auf.
Schwierig gestaltet sich deswegen auch die partnerschaftliche Situation - bis zum Scheitern.
Stigmatisierung, Nicht-Akzeptanz und Benachteiligung durch die Gesellschaft werden zum Thema gemacht. Auch Fragen der Pränataldiagnostik werden aufgeworfen. Während der gesellschaftliche Standpunkt meist ein anderer als jener der Mutter ist, findet über alle Probleme hinweg eine langsame, unsentimentale Annäherung Johannas an ihr "Nicht-Standard-Kind" statt.
Wie gewohnt hat Ludwig Laher sehr gründlich recherchiert und einen lebensnahen, tiefsinnigen Roman geschrieben, der in einer gelungenen Gratwanderung dieses komplexe Thema intensiv behandelt, ohne moralisierend zu wirken bzw. ohne jemals eine Pro- bzw. Kontra-Position zu beziehen.
Kundenrezensionen
Durchschnitt (3 Leser)
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"Lesenswerte Entdeckung",
von dark_angel aus Mainz (25.09.2009)
Die kleine Steffi kommt mit dem Down-Syndrom auf die Welt. Nicht, weil ihre Mutter Johanna sich bewusst für sie entschieden oder der Gynäkologe die nötigen Untersuchungen versäumt hätte, sondern weil Steffi der Statistik einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz ist sie hier auf dieser Welt...
Ludwig Laher lädt den Leser ein in das "Einleben" von Steffi und Johanna. Wie wird es Steffi auf dieser Welt ergehen? Wie wird Johanna mit ihrer unerwarteten Rolle als Mutter eines Kindes mit Down-Syndrom zurecht kommen? Wie wird sich der Alltag der beiden gestalten? Entstanden ist dabei ein vielschichtiger Roman mit Momentaufnahmen, der Auseinandersetzung mit dem Thema Down-Syndrom, Gedanken und Überlegungen.
Die knapp 168 Seiten des Romans ließen zu Anfang leise Zweifel in mir aufkommen, ob denn so ein dünner Roman ein derart ernstes Thema überhaupt zufriedenstellend behandeln könne, ohne oberflächlich oder klischeehaft zu wirken. Doch bereits nach wenigen Seiten wusste ich, dass ich hier ein Kleinod in den Händen halte.
Die Sprache des Autors unterscheidet sich dabei wesentlich von anderen gängigen (Schicksals-)Romanen. Sie wirkt anfangs sogar etwas befremdlich durch die distanzierte und protokollierende Art. Doch vielleicht ist gerade das nötig, um den Leser auf dieser Reise zu begleiten.
Des weiteren vermag der Autor in einem Satz viele verschiedene Aspekte gleichzeitig zu verpacken und vermittelt einem derart viel, wofür andere Autoren vielleicht fünf (oder mehr) Sätze brauchen. Es kein Buch, das man einfach so in einem Rutsch durchliest, sondern Aufmerksamkeit erfordert, um all diese Facetten nachvollziehen zu können und sich selbst Gedanken darüber zu machen. Denn der Autor will dabei nicht belehren oder einem seine eigene Meinung aufdrängen.
Für mich ist Ludwig Laher eine Entdeckung, die sich gelohnt hat. Der 1955 in Linz geborene Autor, studierte Germanistik, Anglistik und Klassische Philologie in Salzburg. Er hat u.a. "Herzfleischentartung" und "Und nehmen was kommt" verfasst, die nach "Einleben" meine Neugier geweckt haben.
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